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Aktien

Apple und der Schneeball-Effekt durch ETFs

Wie ETFs und Analysten zur Monopolisierung des Aktienmarkts beitragen

Markus Fugmann

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Apple war bis vor kurzem das wertvollste Unternehmen der Welt – und wurde dann kürzlich durch den Börsengang von Aramco von diesem Platz verdrängt. Apple hat nun eine Marktkapitalisierung von knapp 1,4 Billionen Dollar – zusammen mit Microsoft ist das mehr als der gesamte deutsche Aktienmarkt!

Seit Ende 2018, als der Aktienkurs von Apple knapp unter 160 Dollar lag, hat sich der Aktienkurs des Unternehmens verdoppelt – und das, obwohl der Umsatz des Konzerns in diesem Zeitraum sogar leicht zurück gegangen sind! Die Investoren glauben offenbar, dass dem Unternehmen die Umstellung vom Hardware-Produzenten (iPhones) zum Dienstleistungsunternehmen gelingen wird – so wie Microsoft es geschafft hat, von einer Software-Firma zu einem Cloud-Dienstleister zu werden.

Einer der zentralen Treiber des Aktienkurses von Apple aber düften vor allem ETFs gewesen sein: die Aktie ist in ETFs, die den globalen Aktienmarkt abbilden (aber gleichwohl stark vom US-Aktienmarkt dominiert sind mit 63% Gewichtung) so hoch gewichtet wie kein anderes Unternehmen – wer also in weltweite Aktien investiert mit einem ETF, der kauft damit faktisch auch Apple und andere US-Konzerne (neun von zehn Unternehmen, die am stärksten im MSI World  gewichtet sind, sind US-Konzerne). Im Leitindex S&P 500 haben wiederum Apple, Microsoft, Google, Amazon und Facebook inzwischen eine Gewichtung von 19% – damit haben fünf Unternehmen so viel Gewichtung in diesem Index wie noch nie:

Es ist wie ein Schneeball-Effekt: die Marktkapitaliserung der großen US-Konzerne steigt durch Käufe von ETFs, wodurch die Gewichtung von Apple und Co innerhalb dieser ETFs noch weiter steigt – wodurch jemand, der diese ETFs kauft wiederum dazu beiträgt, dass die Marktkapitaliserung noch weiter steigt. Durch diese Konzentration von Kapital auf immer weniger ganz große Unternehmen entsteht aber faktisch ein Klumpenrisiko für Investoren: man stelle sich einmal vor, die US-Politik würde ernst machen mit der Aufbrechung von Monopol-Strukturen, wie vor allem von den US-Demokraten gefordert. Sollte etwa eine Elisabeth Warren neue US-Präsidentin werden, könnte es daher ein böses Erwachen geben..

Als wäre dieser Schneeball-Effekt nicht schon groß genug, erhöhen nun auch viele Analyse-Häuser ihre Kursziele für Apple und Co: man reagiert damit wiederum auf den steigenden Aktienkurs der großen US-Tech-Konzerne und sorgt mit der Kaufempfehlung wiederum dafür, dass die Aktien eben dieser Tech-Konzerne noch weiter steigen. So hat heute etwa Morgan Stanley das Kursziel von Apple von 296 Dollar auf nun 368 Dollar angehoben – wohl schlicht, weil die Aktie von Apple inzwischen höher notiert mit 315 Dollar als das zuvor ausgegebene Kursziel von 296 Dollar.

Was aber wird passieren? Es ist wie bei allen Schneball-Systemen: sie werden immer größer, bis sie irgendwann (und für viele dann überraschend) plötzlich kollabieren. Aber diesmal ist ja sicher alles anders – oder wie ein Kommentator bei finanzmarktwelt.de mit Blick auf den US-Aktienmarkt (frei von Ironie) formulierte: “diese Fahnenstange hat endlich Substanz”.

Ganz sicher..

Apple und vier andere US-Tech-Konzerne dominieren die Aktienmärkte immer stärker

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    FinancialDad

    17. Januar 2020 17:51 at 17:51

    Sie müssen im Bereich Schneeball und ETF noch einmal Nachhilfe nehmen.
    Ein ETF kann in diesem Maße nicht verstärken da er den Markt nacharmt. Solche Effekte können nur auftreten wenn eine Aktie in einen Index Übersicht eintritt oder verlässt.

    Daher finde ich diesen Artikel leider schlecht

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      17. Januar 2020 18:14 at 18:14

      @Financial Dad, Sie verkennen die Tatsache der immer rasanteren Indexierung von ETFs! Es gibt inzwischen mehr Indizes als Aktien, sodass eben immer mehr (künstliche) Indizes erzeugt werden, weil man darauf dann ETFs auflegen kann!

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Aktien

Wie Luxus die Coronakrise durchlebt hat – dazu reicht der Blick auf eine Aktie!

Claudio Kummerfeld

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Champagner als Luxus-Konsumgut

Gönnen sich viele Menschen keinen Luxus mehr während und kurz nach der Coronakrise? Extrem teure Bekleidung, Champagner uvm, war das nicht mehr angesagt? Die Analyse dieser Frage ist recht einfach. Denn es genügt der Blick auf eine einzige Luxus-Aktie, die quasi als globaler Gradmesser dient für die Kauflaune besser betuchter Kundschaft. LVMH ist der weltweit größte Luxusgüter-Konzern. LVMH steht für “Moët Hennessy – Louis Vuitton” Der Name ist Programm. Der französische Konzern ist Eigentümer diverser Getränkemarken wie Moet, Dom Perignon, Hennessy uvm. Dazu Bekleidungsmarken wie Louis Vuitton, aber auch Dior, Fendi und Bulgari. Dazu Uhrenhersteller wie Hublot oder TAG Heuer, und noch viele Marken mehr (hier eine Gesamtübersicht).

Luxus läuft, LVMH macht trotz Coronakrise Gewinn

Betrachtet man LVMH, erhält man de facto ein gutes Bild über die weltweite Lage am Luxus-Markt. Die jüngsten Finanzdaten hatte LVMH schon letzte Woche veröffentlicht. Wir werfen heute mal einen Blick darauf. Und siehe da. Der Laden läuft. Im ersten Halbjahr hat LVMH 18,39 Milliarden Euro Umsatz gemacht, gerade mal 27 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2019. Und der Gewinn fiel um 68 Prozent! Ohhhh, doch so ein starker Einbruch? Dann läuft das Geschäft wohl doch nicht so schlecht? Nun, es ist immer noch ein Gewinn von 1,67 Milliarden Euro erwirtschaftet worden nach 5,3 Milliarden Euro im Vorjahr.

Also, es geht hier wohl um Jammern auf verdammt hohem Niveau. Mit Luxus lässt sich gutes Geld verdienen, und die Kunden kaufen. Aus den Aussagen von LVMH kann man entnehmen, dass vor allem Europa und die USA Probleme machten, aber Asien gut lief. Das liegt wohl am extrem schnellen und harten Lockdown in China, weshalb dort der Konsum danach auch schnell wieder anspringen konnte.

Man bedenke grundsätzlich: Flughäfen waren wochenlang weltweit geschlossen, und auch jetzt noch ist der Flugverkehr dramatisch niedriger als im Vorjahr. Und wo machen die Luxus-Hersteller viel Umsatz? In ihren Shops an den Flughäfen! Von daher ist es umso erstaunlicher, dass LVMH “nur” 27 Prozent Umsatz einbüßte, und immer noch einen saftigen Gewinn erwirtschaften konnte. Gewiss, man kann sagen, dass der Gigant der Luxus-Branche Umsatz verloren hat und deutlich weniger Gewinn machte. Aber solche Sorgen wie LVMH hätten zum Beispiel die Airlines oder Hotelketten nur all zu gerne.

Luxus läuft also weiter! Und wie hat sich die LVMH-Aktie an der Börse gehalten in der Coronakrise? Wir haben im folgenden Chart einen europäischen Aktienindex auf CFD-Basis eingebaut (rot-grün), dazu die LVMH-Aktie (blau). Sie kann sich gut halten im Vergleich zum Gesamtmarkt! Und in lila, da haben wir als Beispiel für weniger gut laufende Branchen die Aktie von Air France KLM eingebaut.

Chart zeigt LVMH-Aktie im Vergleich zu Air France und EU-Aktienindex

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – was passiert um 17:30 Uhr?

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die vorhin veröffentlichten Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind ein Thema. Und um 17:30 Uhr soll in New York eine Veröffentlichung von nationaler Tragweite in den USA gemacht werden.

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Siemens-Quartalszahlen: Überraschend angenehm durch die Krise

Claudio Kummerfeld

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Die Siemens-Quartalszahlen wurden soeben veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 13,49 Milliarden Euro (Vorjahresquartal 14,24). Der Auftragseingang liegt bei 14,4 Milliarden Euro (Vorjahresquartal 15,57).

Der Gewinn “aus fortgeführten Aktivitäten” liegt bei 986 Millionen Euro (Vorjahresquartal 1,06 Milliarden Euro)

Die Aktie notiert vorbörslich mit +3 Prozent.

Hier die Headline-Aussage des Unternehmens im Wortlaut:

Trotz großer Unsicherheiten aufgrund der globalen Covid-19-Pandemie hat die Siemens AG im 3. Quartal des laufenden Geschäftsjahrs 2020 strategisch und operativ sehr erfolgreich Kurs gehalten. In einem herausfordernden gesamtwirtschaftlichen Umfeld hat das Unternehmen eine starke EBITA-Marge von 14,3 Prozent in den Industriellen Geschäften erwirtschaftet. Dazu trug ein positiver Effekt bei Digital Industries in Höhe von 211 Millionen Euro bei, der die Marge mit 1,7 Prozentpunkten beeinflusste. Größere Einschränkungen der Lieferkette im Zusammenhang mit der Covid-19-Krise konnten trotz zum Teil erheblicher Vorsichtsmaßnahmen zur Priorisierung der Sicherheit und Gesundheit der Belegschaft erfolgreich verhindert werden. Mit einem Free Cash Flow von über 2,1 Milliarden Euro in den Industriellen Geschäften (2,5 Milliarden Euro auf Konzernebene) verfügt Siemens über ausreichend Liquidität, um die Covid-19-Krise gut zu meistern oder sogar gestärkt aus ihr hervorzugehen.

Zum Ausblick sagt Siemens im Wortlaut:

Siemens erwartet, dass die wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie die Finanzergebnisse im vierten Quartal des Geschäftsjahrs weiter stark beeinträchtigen werden. Allerdings können die gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen und ihr Einfluss auf Siemens nach wie vor nicht zuverlässig eingeschätzt werden.

Im Geschäftsjahr 2020 wird weiterhin ein moderater Rückgang der vergleichbaren Umsatzerlöse (ohne Währungsumrechnungs- und Portfolioeffekte) sowie ein weiterhin über 1 liegendes Book-to-Bill-Verhältnis erwartet. Der Nachfragerückgang schlägt sich am stärksten in den Operativen Unternehmen Digital Industries und Smart Infrastructure nieder.

Es wird an der Abspaltung und dem Börsengang von Siemens Energy vor dem Ende des Geschäftsjahrs 2020 festgehalten. Daraus erwartet die Siemens AG einen Abspaltungsgewinn, der innerhalb der nicht fortgeführten Aktivitäten gezeigt wird, dessen Höhe noch nicht zuverlässig vorhergesagt werden kann. Es wird weiterhin davonausgegangen, dass die Kosten aus der Abspaltung sowie Steueraufwendungen in Zusammenhang mit der Ausgliederung und der Aufstellung des Teilkonzerns Siemens Energy den Gewinn nach Steuern wesentlich belasten werden.

Siemens-Quartalszahlen im Detail

Arbeiter einer einer Turbine bei Siemens
Beispielfoto: Arbeit an einer Turbine von Siemens. Foto: Siemens (CC BY-SA 3.0)

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