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ETF MSCI World – Verkaufsschlager mit Risiken

Warum der ETF MSCI World vielleicht nicht das optimale Produkt für die Zukunft sein kann..

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Im Zeitalter der Niedrigzinsen werden zahllose Anlageberater nicht müde für eine langfristige Anlage in Aktien zu werben: Favorit ist hierbei ein Investment in ein ETF auf den MSCI World, ein Aktienbasket mit vielen Einzeltiteln, gestreut über die ganze Welt. Aber dieser leidet an einem ganz spezifischen Problem: es ist seine US-Lastigkeit.

MSCI World ETF, die ganze Welt – oder doch hauptsächlich Amerika?

Im ETF MSCI World sind mehr als 1.650 Large Caps und Mid Caps, also große und mittelgroße Unternehmen, enthalten. Dies von Aktiengesellschaften aus 23 Ländern, die vom Anbieter MSCI den Status als entwickelte Märkte erhalten haben. So weit so gut. Was sich nach einer breiten Streuung anhört, weist aber bei näherem Hinsehen doch ein paar Nachteile auf:

  • Eine einseitige Ländergewichtung mit einer starken Dominanz der USA mit 63 Prozent
  • Es folgen japanische und britische Unternehmen mit 8,4 und 5,5 Prozent.
  • Aufstrebende Länder wie China, Südkorea und Brasilien sind nicht enthalten. Unglaublich, aber die 13 Billionen schwere Wirtschaft Chinas hat immer noch den Status eines Emerging Markets.
  • Die acht größten Werte des MSCI World sind US-Aktien, angeführt von Apple und Microsoft. Allein fünf Werte – Apple, Microsoft, Amazon, Facebook und Alphabet – kommen auf ein Gewicht von 10 Prozent. Der einzige nicht amerikanische Wert unter den Top Ten des Index ist Nestlé.

Mit dieser Aufstellung stieg der ETF auf den MSCI World um 10 Prozent per annum seit der Finanzkrise. Daraus erkennt man jedoch bereits mehrere Probleme:

  • Können die enthaltenen Giganten wirklich weiter um 10 Prozent pro Jahr zulegen? Dies dürfte aus finanzmathematischen Gründen schon nicht mehr möglich sein.
  • Kann die Gewichtung von 63 Prozent durch ein Land aufrechterhalten werden, obwohl der Anteil am weltweiten BIP noch deutlich unter 20 Prozent liegt und eher abnehmen wird?
  • Wird der Dollar seine Dominanz behalten oder wird die ausufernde Staatsverschuldung der USA nicht für Abwertung sorgen?
  • Werden die Emerging Markets allein schon durch ihren positiven demographischen Faktor nicht stärker wachsen als die alternden Industriestaaten?
  • Welche langfristigen Folgen hat die trumpsche Politik für die Zukunft der USA? Stichworte Protektionismus und Deglobalisierung
  • Wächst in den ASEAN-Staaten nicht ein Wirtschaftsblock mit weit über drei Milliarden Konsumenten heran, der allein schon wegen seiner Größe ein wesentlich größeres Stück vom Aktienmarktkuchen bekommen muss?

Fazit

Die oben genannten Gründe zeigen auf, dass die Fokussierung auf den ETF MSCI World vielleicht nicht das optimale Produkt für die Zukunft sein kann. Der Anteil der USA an der jetzigen Welt-Marktkapitalisierung von 87 Milliarden Dollar mit 40 Prozent dürfte nicht in Stein gemeißelt sein. China und Indien mit ihren jeweils 1,4 Milliarden Menschen wachsen derzeit mit sechs oder sieben Prozent, im Vergleich zu den USA (332 Millionen), die froh sein dürften, wenn sie ihr Basiswachstum von zwei Prozent halten können. Die USA haben ein „Wahnsinns-Jahrzehnt“ erlebt mit einem Anstieg der Marktkapitalisierung nach der Finanzkrise von unter 10 Billionen Dollar bis auf weit über 35 Billionen Dollar. Was geschieht nach der nächsten Rezession mit der Zusammensetzung beim ETF MSCI World?

Der ETF MSCI World hat eine überproportionale Gewichtung amerikanischer Aktien

17 Kommentare

17 Comments

  1. Avatar

    depotrockerin

    9. Januar 2020 19:33 at 19:33

    Da die stark marktkapitalisierten und global agierenden Unternehmen oft in mehreren Ländern und Regionen und Währungsräumen tätig sind und nicht nur in dem Land in dem sie ihren Hauptfirmensitz haben, sind ihre Einnahmen und Umsätze, wirtschaftlichen Aktivitäten außerhalb ihres Heimatlandes ausgesetzt.

    Nur um mal einige Beispiele aufzuführen. Zum 30. Juni 2014 erzielte Samsung Electronics Co. mit Sitz in Korea 90% seines Umsatzes außerhalb Koreas und knapp 50% außerhalb der Schwellenländer (EM). Yum Brands, ein Nicht-Basiskonsumgüterunternehmen mit Hauptsitz in den USA, erzielte 53% seines Umsatzes in China und nur 22% in den USA.

    Innerhalb des MSCI ACWI Index, eines globalen breit diversifizierten Aktienindex, auf welchen mehrere ETF repliziert oder abgebildet werden und aus Unternehmen aus Industrieländern sowie Schwellenländern besteht, erzielten 25% der Marktkapitalisierung mindestens 75% ihrer Einnahmen aus internationalen Märkten.

    Der nachfolgende Morningstarartikel stellen die MK Gewichtung und Revenue Exposure (Umsatz) des MSCI ACWI-Index gegenüber. Die Schwellenländer trugen mit 11% nach MK-Gewicht des MSCI ACWI-Index fast 35% zum weltweiten Umsatz bei. In ähnlicher Weise machten die Vereinigten Staaten 49% des MSCI ACWI aus, trugen jedoch nur 28% zum globalen Umsatz bei. Auch wenn die Gewichtungen in Bezug auf Marktkapitalisierung und Umsatz gleich sind, wie in Europa ohne Großbritannien, können die zugrunde liegenden Aktienkörbe variieren.

    Somit lässt sich feststellen, dass die von Herr Müller festgestellten „Risiken“ einer Übergewichtung auf Regionenebene (Firmensitz USA) eines MSCI World ETF weniger ausgeprägt sind wie im Artikel versucht wird darzustellen.

    Vielmehr ist es sogar so, dass durch die großen Unternehmen, welche ihre Umsätze global diversifiziert über verschiedene Währungsräume erzielen, bereits eine ausgeprägte Länder/Währungsdiversifikation stattfindet.

    Mit einer nach MK (Marktkapitalisierung) gewichteten 1 ETF Lösung (zur Darstellung des Depotanteiles „Aktien Weltweit“) auf den MSCI ACWI Index oder FTSE AW Index, kann eine ausgewogene Gewichtung, orientiert daran wie sie regelmäßig in der Literatur empfohlen wird (DM 70%/ EM 30%) erzielt werden kann.

    https://www.morningstar.com/articles/949609/investing-close-to-home-is-overrated

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    Shong09

    9. Januar 2020 20:31 at 20:31

    Vielen Dank für die Arbeit mit den genauen Gewichten. Von der Struktur her sollte das jedem versierten Investor klar sein, leider entweder dem Autor aber nicht, oder in voller Absicht den Artikel so geschrieben wider besseren Wissens, damit er einen Artikel hat. Leider gibts davon mittlerweile auf FMW immer mehr, welches die Qualität der Seit seit über einem Jahr abträglich ist.
    Weniger, dafür dann aber Qualität, ist eben mehr.

    • Avatar

      Michael

      9. Januar 2020 21:48 at 21:48

      @Shong09 und von heute auf morgen erschienener Vorredner, wie wäre es, wenn Sie parallel zu Herrn Müller eigne Artikel verfassen würden? Mit Ihrer Schlauheit und Ihrem Wissen würden Sie die FMW doch enorm bereichern und einen fundierten, sachlichen Gegenpol zur ständig sinkenden Qualität liefern. Ich bin mir sicher, Herr Fugmann würde Ihre analytisch-redaktionellen Ambitionen mit offenen Armen empfangen.

    • Avatar

      md

      11. Januar 2020 01:46 at 01:46

      shong09, ich wäre ihnen dankbar wenn sie sich bei Herrn Müller entschuldigen würden. sie haben nicht viel ahnung und reden in eine hochinteressante diskussion von zwei hochqualifizierten finanzeliten, abwertend hinein.
      wie war ein sprichwort:
      reden ( in diesem fall „schreiben“) ist silber wert, schweigen gold wert.
      vg md

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    drallwissend

    9. Januar 2020 21:57 at 21:57

    @ depotrockerin
    Das war auch mein erster Gedanke.
    Gerade die großen US-Konzerne generieren einen hohen Teil ihrer Umsätze ausserhalb der USA und sind teilweise weltweit tätig. Man siehe alleine Apple und China.
    Von daher ist es ein bisschen „windig“ von einer reinen US-Gewichtung im MSCI World zu sprechen.
    Eigentlich schade, dass solche seichten Artikel hier ihren Platz finden. Da fragt man sich, weiss der Autor es nicht besser, war er zu faul zu recherchieren oder was mag er mit seiner heissen Luft erreichen wollen?

    • Avatar

      Wolfgang M.

      10. Januar 2020 06:26 at 06:26

      Bei der Aggressivität der Antworten auf die Darlegung der Verhältnisse im MSCI World musste ich erst einmal schlucken.
      Meine Kritiker sind also der Meinung, dass die US-Märkte einen Anteil von 63 Prozent am MSCI World haben müssen, obwohl das US-BIP mit 20,4 Billionen Dollar nur einen Bruchteil am weltweiten BIP ausmacht?
      Dass zum Beispiel der Anteil von Apple von 2,5 Prozent einer richtigen Gewichtung entspricht, obwohl das Unternehmen in den letzten Jahren keine wesentliche Zunahme in Gewinn und Umsatz erreicht hat, sich trotzdem in der MK mehr als verdoppelt hat? Weil man 20 Prozent der eigenen Aktien zurückgekauft hat. Seit 2009 im Übrigen bereits 327 Milliarden Dollar.
      Bezogen auf den S&P 500, der ein Viertel der Welt-Marktkapitalisierung ausmacht, mit deutlich über 20 Billionen Dollar, dies aber nur erreicht hat, weil man über 5 Billionen Dollar an eigenen Aktien aus dem Verkehr gezogen hat, um so den Kursanstieg von fast 400 Prozent in 10 Jahren zu generieren durch Financial Engineering. Und nicht weil die Wirtschaft und die zugrundeliegenden Unternehmen so gewachsen sind, wie es die Aktienkurse andeuten.
      Was ist mit der viertgrößten Wirtschaft der Welt, Deutschland, die nur zu gut zwei Prozent im MSCI gewichtet ist, aber noch wesentlich mehr (prozentual) als die USA an Umsätzen und Gewinnen im Ausland erzielt, bezogen auf den Dax? Allein Vw hat vier Millionen seiner 10 Millionen umfassenden Kfz-Verkäufe in China erzielt. Man vergleiche nur mal die Zahlen mit Tesla.
      Natürlich ist mir die 70/30-Regel als Anlage-Mix World/Emerging Markets geläufig, habe auch das Buch von Dr. Kommer aufmerksam gelesen, in dem er diese Strategie wissenschaftlich begründet hat.
      Ich wollte eigentlich nur zum Ausdruck bringen, dass die 63 Prozent-Gewichtung der USA in einem weltweiten Index vielleicht doch nicht die nächsten Jahre so weiter aufrechterhalten werden könnte.

      • Avatar

        Lausi

        10. Januar 2020 09:14 at 09:14

        Lieber Herr Wolfgang M.: Auch ich finde die Aggressivität Ihrer Kritiker vollkommen unangebracht, vor allem wenn man die hohe Qualität Ihrer Artikel seit langer Zeit kennt. Lassen Sie sich davon nicht irritieren!

        Wenn ich Ihre Kritiker richtig verstehe, wollten diese zum Ausdruck bringen, dass viele große internationale Firmen ihre Geschäfte inzwischen auf der ganzen Welt machen, und das Land des Hauptfirmensitzes bei der Ländergewichtung vielleicht nicht mehr so wichtig ist.

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    Altbär

    10. Januar 2020 07:29 at 07:29

    Ich finde die Aussagen von Wolfgang M.sehr zutreffend u.möchte ihm für die Arbeit der Präsentation der Zahlen u.Statistiken danken . Wenn einem Leser dieser Kommentar nicht passt ,sollte man einen Bericht von Jeffrey Gundlach googeln: „ US AKTIEN WERDEN AM MEISTEN VERLIEREN“
    Wenn er es besser weiss als Gundlach, wird er wahrscheinlich irgendwo in der Südsee im Badekostüm sein Milliarden- Depot beobachten.

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    Columbo

    10. Januar 2020 08:43 at 08:43

    Für viele Kleinanleger ist der MSCI World ETF die heilige Kuh, sie kennen und können nichts anderes und sind dort meist zu 100% investiert und fühlen sich sicher. Wehe es kommt einer und kritisiert ihren ETF oder wagt gar auf Risiken hinzuweisen.
    Das ist ein Stich ins Wespennest. Schlimmer als die Goldbugs.

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    depotrockerin

    10. Januar 2020 10:23 at 10:23

    Sehr geehrter Herr Müller.
    Ich nehme Sie grundsätzlich in Ihren Beiträgen, im Bezug auf die komplexen Funktions- und Wirkmechanismen in systemischer Abhängigkeit von Wirtschaft, Geldpolitik und Finanzmarkt, als bestens informierten Autor wahr, auch wenn ich regelmäßig mit einigen Ihrer Darstellung nicht ganz konform gehe.

    Ich selber sehe auch in einem direkten Aktieninvestment mehr Vorteile als Nachtteile gegenüber einem ETF Investment, jedoch will ich es mir hier in meiner Feststellung nicht zu einfach machen.
    Es ist doch erheblich von den persönlichen Rahmenbedingungen des Investors abhängig, welche Investment Werkzeuge zur Umsetzung der Anlagestrategie den größeren Mehrwert für ihn erzeugen.

    Ich bleibe vorerst bei meiner grundsätzlichen Einschätzung, dass mit einem nach marktkapitalisiertem MSCI World ETF, in welchem die großen und mittelgroßen Unternehmen, welche weltweit und über verschiedene Währungszonen hinweg Umsätze generieren, eine solide Investmentstrategie, welche leicht durch den Investor umzusetzen ist, realisiert werden kann.

    Wo ich ihnen Recht gebe ist der Umstand, dass durch die Zentralisierung vieler Unternehmen in einer Region (im Beispiel MSCI World, USA) ein erhöhter Einfluss (Klumpenrisiko) in Bezug auf politische/fiskalpolitische Faktoren besteht. Aufgrund der historischen Entwicklungen und auch von den von mir in Zukunft erwarteten politischen und fiskalpolitischen Rahmenbedingungen, gehe ich jedoch in der Region Nordamerika, welche Sie scheinbar recht Kritisch beurteilen, von einem für Unternehmen eher förderlichen Umfeld aus, wogegen ich speziell in der Eurozone/EU von einem für Unternehmen eher schwierigerem Umfeld ausgehe. Hinzu kommt aus meiner Sicht, dass viele deutsche Anleger grundsätzlich dazu neigen ihren eigenen Lebensraum (Europa/Deutschland) in der Anlagestrategie über zu gewichten. Durch die Abhängigkeit der Einheitswährung € welche sich aus den Lohnzahlungen, Rentenleistungen, Versicherungen, Lebenskosten usw.) ergibt besteht bereits ein relevantes Investment im eigenen Wirtschaftsraum. Diesen Umstand gilt es in der Anlagestrategie zu berücksichtigen.
    Gerne könnten wir noch etwas wissenschaftlicher in die ganze Thematik einsteigen, was aber den durchschnittlichen Leser wahrscheinlich eher überfordern dürfte, weshalb ich mich versuche eher einfacher und verständlicher zu halten. Aufgrund der oben aufgeführten Umstände, komme ich zu einer anderen Beurteilung mit Blick auf ein Basisinvestment in einen MSCI World ETF als sie das tuen.

    Sollten Sie jedoch an einer ernsthaften Diskussion, zur Thematik um eventuelle vorhandene systemische Risiken bei ETF sein, möchte ich hierzu gerne meinen Standpunkt Kund tuen.

    Ich würde dann gerne hiermit die Thematik um eventuelle bestehende systemische Risiken bei ETF, zur konstruktiven Diskussion stellen und würde mich über Ihre Einschätzung Herr Müller ganz besonders freuen. Durch eine solche Diskussion könnte dem interessierten Leser ein wirklicher Mehrwert entstehen.

    Aktuell wird zunehmend in den Medien und Publikationen diverser Finanzspezialisten davon berichtet, dass gerade in volatilen Phasen, in denen es durch gruppenpsychologisch bedingtes Anlegerverhalten, zu dynamischen Übertreibung an den Märkten kommt (Krise,Crash), bei ETF zu systemisch bedingten Risiken (z.B Liquiditätsprobleme, zum abgebildeten Index überdurchschnittliche Einbrüche) kommen kann.

    Auch die von mir als sehr kompetent eingeschätzte Prof. Dr. Isabel Schnabel, kommt zu einer kritischen Haltung gegenüber ETF in Krisenszenarien. In der Stellungnahme der Universität Bonn zur Anhörung des Finanzausschusses am 10. Dezember 2018, verortet sie interessanter Weise, ein systemisches Risiko bei ETF.

    „(3) Systemische Risiken im Investmentfondssektor: (JG 2017/18, Ziffern 492 ff.)Ein Teil der Risiken im Finanzsystem könnte aufgrund regulatorischer Arbitrage in weniger regulierte Bereiche abgewandert sein. Vor allem im Investmentfondsbereich beobachtet man seit der Finanzkrise ein starkes Wachstum. Gefahren für die Finanzstabilität können dabei vor allem von einer starken Liquiditätstransformation und einem hohen Leverage ausgehen. Bislang beschränkt sich das makroprudenzielle Instrumentarium aber weitgehend auf den Bankensektor. Angesichts des raschen Wachstums des Investmentfondssektors sollte über makroprudenzielle Maßnahmen jenseits des Bankensektors nachgedacht werden.Im Vergleich zu Banken sind Investmentfonds allerdings weniger krisenanfällig, da sie in der Regel keine festen Rückzahlungen versprechen. Eine Ausnahme stellen US‐amerikanische Geldmarktfonds dar, die in der Finanzkrise Runs unterworfen waren, als sie das Versprechen eines festen Rückzahlungsbetrags („constant net asset value“) nicht halten konnten. Doch selbst konventionelle Investmentfonds betreiben eine Liquiditätstransformation, indem sie jederzeit verkäufliche Anteile ausgeben und die Mittel in weniger liquiden Aktiva anlegen. Vor allem bei Rentenfonds hat sich die Liquiditätstransformation in den vergangenen Jahren verstärkt. Bei einer gleichzeitigen Rückgabe von Anteilen durch viele Investoren besteht die Gefahr von Liquiditätsspiralen, wenn zu einem Zeitpunkt viele Wertpapiere verkauft werden müssen. Über Preisexternalitäten können sich Probleme einzelner Fonds auf das restliche Finanzsystemausweiten. Herdenverhalten und das Vorliegen von Vorteilen für diejenigen, die zuerst handeln (First‐Mover‐Vorteile), können solche Prozesse verstärken. Seit der Finanzkrise haben börsengehandelte Fonds (Exchange Traded Funds, ETF) an Bedeutung gewonnen. ETF werden häufig passiv verwaltet und bilden die Wertentwicklung von Börsenindizes nach (Deutsche Bundesbank, 2013; EZB, 2017). Aus Kundensicht zeichnen sich passiv verwaltete ETF durch eine vergleichsweise hohe Liquidität sowie relativ geringe Verwaltungsgebühren aus (Deutsche Bundesbank, 2013). Allerdings hängt das Risiko von ETF wesentlich von ihrer genauen Ausgestaltung ab. So investieren synthetische ETF nicht direkt in die im Index enthaltenen Wertpapiere, sondern sie stellen die Wertentwicklung des Portfolios mittels Swaps sicher. Hiermit geht ein Gegenparteirisiko einher. Im Hinblick auf die Finanzstabilität könnte ein Anstieg passiver Handelsstrategien im Investmentfondssektor den Gleichlauf im System erhöhen und Herdenverhalten begünstigen (Deutsche Bundesbank, 2011, 2014). Außerdem besteht das Risiko, dass sich die Liquidität auf bestimmte, in Fonds enthaltene Wertpapiere konzentriert, während sie für die anderen abnimmt. Im europäischen ETF‐Markt werden beispielsweise hauptsächlich liquide Marktindizes abgebildet. Zwar ist derzeit das Volumen europäischer ETF mit einem Anteil von rund 5 % an allen offenen Fonds gering (EZB, 2017c). Aufgrund seines rasanten Wachstums sollte dieses Marktsegment jedoch besonders im Auge behalten werden. Insgesamt sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass dem Investmentfondssektor eine wichtige Rolle gerade bei der privaten Altersvorsorge zukommt. Denn Investmentfonds ermöglichen eine gut gestreute Anlage zu geringen Kosten. Daher ist eine Verteufelung von Investmentfonds und deren Vermögensverwaltern (z. B. Blackrock) nicht zielführend. Die Verwendung des Begriffs Schattenbanken sollte vermieden werden. Denn dahinter verbirgt sich eine Vielzahl verschiedener Geschäftsmodelle, die mit sehr unterschiedlichen Risiken einhergehen.“

    Ich persönlich gehe davon aus, dass es bedingt durch die Engstelle des Creation/Redemption-Prozess sowie eventuellen staatlichen Regulierungen (EU plant Regulierungen für ETF – siehe Quellenangabe Beitragsende) in Extremszenarien, durchaus zu Liquiditätsproblemen kommen kann. Die ETF sind ja nicht nur aufgrund des fehlenden Managements der Positionen oder geringerer Vertriebsausgaben billiger als Investmentfonds. Vielmehr werden die Kosten und Risiken für den Erwerb und den Verkauf der Vermögenswerte an den Market-Maker übertragen.

    Das heißt aber, dass dieser diese Geschäfte wiederum absichern muss, so dass damit der Handel mit ETFs unmittelbar mit anderen Märkten, insbesondere dem Terminhandel, verbunden ist. Solange der Börsenhandel in normal verläuft, ist die Zwischenschaltung eines Market Makers unproblematisch und steuer- und kosteneffizient. Schwierig wird es in außergewöhnlichen Marktlagen, denn dann tendiert die Konstruktion dazu, diese Marktlage zu verstärken. Sieht sich der Market-Maker am Beginn eines Handelstages einem starken Verkaufsdruck in einem ETF-Segment gegenüber, steigt sein Risiko stark an. Er muss zu einem Zeitpunkt ETF-Anteile ankaufen, zu dem er sie eigentlich nicht haben will. Bei fehlender Nachfrage muss er eine Position aufbauen, die er zwar am Abend gegen einen Korb von Vermögenswerten eintauschen kann. Es ist aber am Morgen nicht klar, was diese am Abend wert sein werden. Gleichzeitig steigen seine Absicherungskosten. Der Market-Maker handelt also rational, wenn er das höhere Risiko an die Anleger weitergibt, indem er die Kurse niedriger ansetzt als die der zugrundeliegenden Vermögenswerte zu diesem Zeitpunkt. Wenn deren Kurse zudem stark in Bewegung sind, ist es schon technisch kaum möglich, einen Kurs zu stellen, der Bestand hat.

    Das erklärt, warum die ETF-Kurse in den „Flash-Crashs“ stärker gefallen sind als die zugrundeliegenden Indizes. Zudem entsteht Druck auf die zugrundeliegenden Vermögenswerte. Zu Absicherungszwecken verkaufen die Market-Maker diese leer, in der Hoffnung, sie entweder später billiger zurückkaufen zu können oder nach Börsenschluss beim ETF-Sponsor günstiger einlösen zu können. Fängt sich der Markt, normalisieren sich die Preise wieder. Schlecht ist es nur für Anleger, die einfache Stop-loss-Orders im Markt hatten oder unlimitiert verkauft haben.

    Es laufen im Hintergrund des ETF Konstruktes komplexe Abläufe ab, von denen die wenigsten Anleger bescheid wissen. Und ich kann mir durchaus vorstellen dass es bei diesen komplexen Abläufen durchaus mehr Risikoquellen gibt als bei einem direkten Kauf einer Aktie.

    Da es mir persönlich nach intensivem Studium der Abläufe jedoch nicht abschließen möglich ist, diese Risiken bei ETF, welche scheinbar doch vorhanden sind, denn eine Frau Prof. Schnabel welche ich als sehr kompetent betrachte, sieht durchaus Risiken bei ETF, wenn auch ich bei Ihren Argumentationen mir schwer tue, genau festzustellen wo sie die Risiken genau verortet.

    Liege ich richtig in meiner Annahme, dass für langfristig orientierte Anleger, die systemischen Risiken weniger relevant sind, da sich die Liquiditätsproblematik als zeitlich befristet auszeichnet und bei einem langfristigen Anlagehorizont, somit die übertriebenen Fehlbewertungen ausgesessen werden können?

    Quellenangaben:

    http://www.finanzmarktwelt.de/bei-einem-boerse … ger-83326/

    http://www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmark … 33-p2.html

    https://de.extraetf.com/wissen/creation … on-prozess

    http://www.bundestag.de/resource/blob/583658/1 … l-data.pdf

    Liebe Grüße

    Depotrockerin

    • Avatar

      Wolfgang M.

      10. Januar 2020 17:55 at 17:55

      Hallo @Depotrockerin.
      Sie haben in ihrem langen Kommentar wahrlich viele Facetten für eine Investition in einen ETF auf den MSCI World angesprochen. Es ging mir aber nicht so sehr um interne Problemfelder wie Liquiditäts- oder Regulierungsfragen u.ä., sondern um die Eignung dieses Index als Langfristanlage für Sparpläne über Jahrzehnte, wie gerade so heftig beworben wird. Ein paar Argumente in einem Riesenumfeld:
      1. Zweifelsohne ist die Idee 1651 Aktien in einem Basket aus Diversifikationsgesichtspunkten zu packen, genial, denn es werden in großen Krisen nicht gleichzeitig Werte wie BHP Group (Australien) Sony (Japan) Nestle (Schweiz) Allianz (Deutschland), BP (Großbritannien) Microsoft (USA), untergehen, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
      2. Es ist nur nicht anzunehmen, dass die Gewichtung: USA 63 Prozent, Japan 8,1 Prozent, Großbritannien 5,6 Prozent, Frankreich 3,8 Kanada 3,4 Prozent, Schweiz 3,0 Prozent, Deutschland 2,9 Prozent u.w. so zukunftsträchtig ist, für die Abbildung des Wachstums in der Zukunft. Von den neuen Märkten erst gar nicht zu reden.
      3. Klar haben die USA Konzerne, die weltweit Gewinne machen. Aber 63 Prozent Anteil am Weltindex? Das US-BIP setzt sich zu 70 Prozent aus Konsumausgaben zusammen (die zweitgrößte Volkswirtschaft mit 16 Bio $), der Produktionssektor macht nur 17 Prozent aus. Amerikanische Tech-Konzerne sind weltweit führend, aber wie ist die Marktkapitalisierung zustande gekommen?
      4. Die US-MK ist von 2009 bis 2019 von unter 10 Billionen auf fast 40 Billionen Dollar gestiegen. Bei einer MK der Welt von 87 Billionen Dollar. In einem Land von 332 Millionen Bürgern (5% der Weltbevölkerung) und mit Zuhilfenahme von jeder Menge Financial Engineering.
      5. Dieser Aktienhype erinnert fast an Japan mit seinem Nikkei von 39000 Punkten im Jahr 1989.
      6. Was ist denn wahrscheinlicher? Dass sich das Pro Kopf-Einkommen von Indien von derzeit 2171 Dollar (1,4 Milliarden Bürger) innerhalb eines Jahrzehnts auf 4300 Dollar verdoppelt oder jenes der USA mit aktuell 65.000 Dollar auf 130.000 Dollar?
      7. Klar hat Europa schlechtere Wachstumsaussichten als die USA, aber ist die Gewichtung des alten Kontinents mit ungefähr 20 Prozent bei über 500 Millionen Bürgern nicht schon niedrig genug?
      Was ich an diesen paar Beispielen ausdrücken will ist, dass die Fortschreibung von Wachstumsraten von 10 Prozent p.a. im MSCI World, mit seinem riesigen US-Anteil nicht aufrechtzuerhalten ist.
      Gerade wurde berichtet, dass Apple in den letzten drei Monaten um 36 Prozent gestiegen ist, ohne dass dies mit der Gewinnentwicklung korreliert (außer einer Meldung des Anstiegs der iPhone-Verkäufe in China). Da geht es um einen Anstieg von 400 Milliarden Dollar. Dieser Wert reißt auch den MSCI World nach oben. Wo ist hier der Bezug zu den internationalen Gewinnen?
      Was passiert, wenn die FAANG-Werte mit ihrer MK von 5 Billionen Dollar, gewichtet im MSCI mit 10 Prozent, einmal richtig korrigieren? Hatte nicht selbst Amazon nach der Internetblase von 2000 bis 2003 – 94 Prozent an Marktkapitalisierung verloren? Damals war der Wert aber noch sehr niedrig gewichtet.
      Fazit: Der MSCI World ist eine super Idee, aber die jetzige Zusammensetzung erscheint reichlich riskant und ist aus meiner Sicht nicht zukunftsträchtig.

      PS: Ich bin persönlich auch etwas im MSCI World, dem AWCI und im MSCI Emerging Markets investiert. Es geht mir in meinem Überlegungen um die Zukunftsträchtigkeit der Welt-Aktienmärkte und das Thema Rebalancing.

      Grüße

  7. Avatar

    md

    11. Januar 2020 02:09 at 02:09

    hallo Herr Müller,
    zuerst einmal möchte ich mich für ihre hochkarätig interessanten artikel bedanken. ich bin laie gegenüber vielen foristen hier bei fmw.
    ich hätte da eine frage, welche mich interessieren würde und falls es beantwortbar wäre.
    also nehmen wir mal an die faang unternehmen würden aus den usa raus und ihren sitz nach ( nehmen wir mal an ) grönland verlegen.
    wie würden die usa indizes dann da stehen ? wären sie überwertet ? und wo könnte dan der faang index von grönland stehen. wieviel punkte machen diese unternehmen zusammen aus.
    vorab dankend.
    vg md

    • Avatar

      Wolfgang M.

      11. Januar 2020 11:45 at 11:45

      @md. Hallo. Da haben Sie aber eine ungewöhnliche Frage gestellt, die auch kaum realistisch ist. Die fünf FAANG-Werte sind ureigene US-amerikanische Unternehmen, diese haben gerade eine Marktkapitalisierung von etwa 5,07 Billionen Dollar erreicht. Dies wird im MSCI World mit einem 10 Prozent Anteil gewichtet. Dieser Weltindex beinhaltet die größten Aktien aus 23 Industriestaaten, gewichtet nach Marktkapitalisierung. Damit wird ungefähr ein Gewicht von 85 Prozent an MK in den jeweiligen Staaten abgebildet. Gesetzt den unwahrscheinlichen Fall, es würden diese Aktien als grönländische Unternehmen eingestuft, müsste man sie aus den USA ausbuchen, dessen Anteil von 63 Prozent am MSCI World würde deutlich sinken. Da Grönland zu Dänemark gehört, würde dieses Land, welches im MSCI Word mit etwa 0,6 Prozent gewichtet ist, mit diesen Titeln geradezu explodieren.
      Damit wird erkennbar, welches Klumpenrisiko mit den Tech-Aktien im Index vorhanden ist, von denen Apple und Microsoft zusammen bereits ein höheres Gewicht als alle börsennotierten deutschen Aktien besitzen und zugleich mehr als doppelt so schwer sind, als alle 30 Dax-Werte zusammen.
      Zudem beschäftigt die marktbeherrschende Stellung einiger Unternehmen schon so manche Kommission.
      Ein schönes Wochenende

      • Avatar

        Gummibärchengrab

        11. Januar 2020 20:12 at 20:12

        Die Gewichtung im MSCI läuft doch über die Marktkapitalisierung?
        Wenn Google&Co jetzt nach Grönland abwandern würden, würde doch automatisch Grönland mehr als die z.Z. 0,6% Gewichtung bekommen. Unterm Strich also keine Veränderung im MSCI – außer, daß sich die Ländergewichtung etwas von USA zu Grönland verschieben würde?
        Habe ich da einen Denkfehler?

        • Avatar

          Wolfgang M.

          12. Januar 2020 09:26 at 09:26

          @Gummibärchengrab. Da haben Sie natürlich recht. Das Gewicht im MSCI World bliebe natürlich erhalten, unabhängig vom Unternehmensstandort. Der Grundgedanke des Artikels ist doch die Infragestellung der Dominanz der USA mit 63 Prozent im MSCI W auf die Zukunft gesehen. Kann diese so fortgeschrieben werden, obwohl die Vervierfachung der Aktienkurse in der letzten Dekade durch extreme Aktienrückkäufe und eine Anhebung der Staatsschulden mittels zuletzt 4,8 Prozent Neuverschuldung, die selbst unsere südlichen Nachbarstaaten wie Sparmeister aussehen lässt, zustande gekommen ist? Ein Land mit 332 Millionen Bürgern und einem Wachstum von zwei Prozent (schuldenfinanziert), repräsentiert fast zwei Drittel der MK der Industrieländer, während China und Indien mit je 1,4 Milliarden Menschen und einem Wachstum von 6 bzw. 7 Prozent (was natürlich auch nicht in dieser Höhe aufrechtzuerhalten ist) nur im Index der Emerging Markets zu finden sind. China mit einem BIP von 14 Billionen Dollar wird immer noch als Entwicklungsland eingestuft und ist auch noch recht niedrig gewichtet. Kurzum: Der MSCI World ist in seiner jetzigen Aufstellung sehr fragwürdig für die Zukunft konditioniert und wird bei einem US-Crash ganz besonders leiden. Außerdem muss man sich die Frage stellen, ob ein jährliches Wachstum des Index von 10 Prozent aufrechtzuerhalten ist, bei Zugrundelegung der internen Größenordnungen und aus finanzmathematischen Erwägungen. Daher könnten die EM in der nächsten Dekade eine ganz andere Rolle spielen, selbst Europas Aktienmärkte haben nur einen Bruchteil der Performance der USA aufzuweisen. Klar ist man auch im MSCI World enthalten, aber als Subindex könnte man stärker zulegen. Alles Fragen für eine Asset Allocation für das künftige Wachstum der Weltaktienmärkte, die zumindest den überaus gehypten Status der USA im World-Index betreffen. Oder anders gefragt, wieviel Dollar Schulden brauchen die USA, um einen Dollar Wachstum zu generieren? Hannes Zipfel hat dies in einem Artikel schon einmal anschaulich dargelegt.
          Grüße

  8. Avatar

    klempner

    11. Januar 2020 15:40 at 15:40

    Fällt Butter ,fällt Käse.

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Die Aktienmärkte der USA wanken im September. Die politischen Gegenspieler im amerikanischen Kongress können sich nicht auf ein fünftes Rettungspaket einigen und brechen ihre Verhandlungen auf unbestimmte Zeit ab. Zusätzlich sendet die Federal Reserve Signale, dass sie mit ihren Rettungsmaßnahmen stillhalten will. Gleichzeitig erschweren Covid-19 und weitere Belastungen den wirtschaftlichen Erholungsprozess. Würde man vonseiten der Regierung sowie der Notenbank tatsächlich einem Absturz der Aktienmärkte zusehen?

Aktienmärkte: Die derzeitigen Negativfaktoren

Das fünfte Konjunkturpaket und Maßnahmen der Federal Reserve werden nicht in absehbarer Zeit kommen. So lauten die Hiobsbotschaften für die Aktienmärkte in der heißen Woche nach dem großen Verfallstag. Aber das wäre doch fünf Wochen vor der Wahl eine zerstörerische Haltung von Regierung und Notenbank, die viel der Mühe um die Unterstützung der Corona-geschädigten Wirtschaft konterkarieren könnte. Wird nicht gerade jetzt der so essenzielle Konsum durch das Ausbleiben der Unterstützungsgelder bei einer zweiten Coronawelle dringend gebraucht? Und warum möchte ausgerechnet in dieser Situation Fed-Chef Powell erst einmal die „Füße stillhalten“?

Könnte das nicht heißen, dass es der US-Konjunktur gar nicht so katastrophal geht, um weitere Notmaßnahmen einführen zu müssen? Die Federal Reserve hat bereits drei Billionen Dollar in das System gepumpt. Klar: Powell will Druck auf die Politik ausüben, solange die Coronazahlen nicht deutlich zurückgehen, kann sich der Arbeitsmarkt nicht erholen – ein wenig psychologische Kriegsführung, trotz der Unabhängigkeit der Notenbank.

Durch die Pandemie sind die Arbeitnehmer auf die staatliche Unterstützung angewiesen – und ohne diese wäre die Auswirkung auf den Eckpfeiler der US-Wirtschaft, den Konsum, fatal. Wie sehr die Aktienmärkte nach weiteren Stimuli gieren, konnte man gestern an der Marktreaktion erkennen, nachdem kurz das Gerücht aufkam, die Sprecherin der Demokraten, Nancy Pelosi, würde an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Aber hat der Notenbankchef nicht in jeder seiner Sitzungen betont, dass er alles tun werde, um Wirtschaft und Arbeitsmarkt zu stützen, „whatever it takes“? Und jetzt plötzlich Attentismus?

Die US-Wirtschaft soll im dritten Quartal stark gewachsen sein, auch in Deutschland spricht man schon von einem Quartalswachstum um die acht Prozent. Wie kann man im Übrigen auf die Prognose einer US-Großbank setzen, die im vierten Quartal einen Rückgang des Wachstums von sechs auf drei Prozent prognostiziert? Hat in den letzten sechs Monaten auch nur eine einzige Prognose des Verlaufs der Wirtschaft durch Analysehäuser gestimmt?

Durch die permanente verbale Stütze Powells ist es unglaubwürdig für mich, dass er erst bei einem Einbruch der Aktienmärkte von 30 oder gar 40 Prozent eingreifen würde. Dies entspräche einem Vermögensverlust von über 15 Billionen Dollar, was in etwa einem Sechstel der gesamten Welt- Aktienmarktkapitalisierung entspräche. Ich denke, dass man schon den Eintritt in einen Bärenmarkt zu verhindern versucht.

Wie schnell war die Fed zur Stelle, als es im S&P 500 im Dezember 2018 19,5 Prozent nach unten ging – oder im Corona-Crash, der in 34 Tagen wegen der Fed-Intervention seinen Tiefpunkt erreicht hat. Fedchef Powell kennt sicher die Situation der Unternehmen, die der KMUs, schließlich arbeiten ihm Hunderte Ökonomen aus allen Fedfilialen zu. Genauso ist die Notenbank in Kenntnis aller relevanten Statistiken, die es in den USA gibt. Die Frage ist nur, ob die Zahlen in seiner Strategie eine Rolle spielen und welche Relevanz sie im Psychospiel der Notenbankpolitik innehaben.

Ich bin sicherlich nicht „Fed-gläubig“ und denke, dass die Notenbank die Wirtschaft nicht allein retten kann. Das kann und konnte in der Geschichte noch nie eine Notenbank.

Sie wird aber sicherlich nicht tatenlos zu sehen, dass ihr ganzes Rettungsgebäude in sich zusammenstürzt, etwa durch die Ausweitung einer Korrektur der Aktienmärkte in einen Bärenmarkt .

Fazit

Die (rechtzeitige) Korrektur der Aktienmärkte kommt vielen sicherlich gelegen, vor allem auch der US-Notenbank, die natürlich die überhitzten Indizes insbesondere im Bereich Hightech im Visier hat. Aber auch die hemmungslose Spekulation der neuen Generation RobinHood, die allein mit ihren irrsinnigen Hebeleinsätzen und ihren Millionen Depots den Markt nach oben gezogen haben.

Außer einem, Donald Trump, den ärgert jeder Kursrückgang, weil er die Höhe der Aktienmärkte – egal bei welchem Index – zum Maßstab seiner erfolgreichen Politik hochstilisiert hat. Wenn es dann in den Wochen vor der Wahl, insbesondere vor den großen Fernsehauftritten steigende Kurse gäbe, wäre auch der Amtsinhaber zufrieden.

Jedenfalls bricht jetzt eine wichtige Periode an, der Konsum muss (aus Sicht der US-Administration) am Laufen gehalten, die Arbeitslosigkeit zurückgefahren, die Impfstoffentwicklung wahlkampfrelevant vorangetrieben und die Aktienmärkte vor schweren Rückschlägen bewahrt werden.

Deshalb würde ich bei einem Einbruch von 30 Prozent plus mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es keinen alten und neuen US-Präsident Trump geben werde.

Läßt die Fed einen erneuten Crash wie im März wirklich zu?

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Finanznews

Aktienmärkte: Achtung – starke Volatilität! Videoausblick

Für die Aktienmärkte gibt es nun drei entscheidende Punkte! Stimulus, der Ausgang der US-Wahl und die Corona-Pandemie. Die Volatilität bleibt hoch in den nächsten Wochen..

Markus Fugmann

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Der gestrige Verlauf der Aktienmärkte zeigt, dass die starke Volatilität derzeit das dominierende Schema ist: Die Schwankungsbreite nimmt zu, die Nervosität vor den US-Wahlen wird nicht gerade geringer. Für die Aktienmärkte gibt es nun drei entscheidende Punkte! Erstens: kommt doch noch der US-Stimulus durch die Politik (oder unwahrscheinlicherweise gar durch die Fed)? Wird es dann zweitens bei der US-Wahl schnell einen klaren Sieger geben oder nicht. Und drittens: wie wird sich die Lage um dias Coronavirus im Herbst entwickeln – zweite Welle mit stark steigenden Zahlen und neuen lockdowns oder doch bald ein Impfstoff? All das spricht dafür, dass die Volatilität in den nächsten Wochen hoch bleibt..

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Indizes

DAX daily: Der Dax muss über die wichtige Hürde springen, sonst…

Stefan Jäger

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Trotz Corona Sorgen haben gestern einige Anleger bei Aktien wieder zugegriffen, für mehr als eine Konsolidierung im Dax hat es aber noch nicht gereicht. Es bot sich ein ähnliches Bild wie tags zuvor, vormittags startete der deutsche Leitindex eine Erholung, während am Nachmittag die Gewinne wieder abbröckelten. Sein Tageshoch hat er zur Mittagszeit bei 12.684 Punkten erzielt, das Tagestief lag zuvor bei 12.512. Den Handelstag hat der Dax schließlich mit einem kleinen Abschlag von 36 Punkten (-0,29 %) bei 12.606 beendet.

Es fehlen derzeit die Impulse, um eine Trendwende einzuleiten. Dafür müsste auch der neuralgische Punkt bei 12.750 nachhaltig überwunden werden. Zwar startete der Dax wie auch am Vortag eine Erholungsrally, die aber kurz vor dem 61,8 % Retracement bei 12.688 scheiterte. Ein weiterer Grund warum es nicht höher geht, sind die schwächelnden US-Indizes, die den Dax am Nachmittag gerne mal nach unten ziehen. Die Chance auf eine ausgeprägte Zwischenerholung besteht, wenn die Wall Street den Stabilisierungsversuch von gestern fortsetzt. Weiterhin gilt für den Dax, über der Hürde bei 12.750 hellt sich das Bild auf, unter 12.505 könnte es nochmal düster werden.

News und fundamentale Daten

Die Entwicklung im Dax bleibt trotz robuster heimischer Konjunkturdaten unbeständig. Das Hin und Her ist der Unsicherheit geschuldet, die wegen der Corona-Lage über dem Aktienmarkt schwebt. Die Corona-Pandemie ist zurück an den Börsen. Täglich häufen sich die Corona-Nachrichten aus Europa, vor allem Großbritannien, Frankreich und Spanien sind fast so stark betroffen wie zu Beginn der Pandemie, aber auch in Deutschland steigen die Neuinfektionen. Folglich vergrößert sich die Sorge um schärfere Beschränkungen und Lockdowns, was als Belastungsfaktor an den Aktienmärkten in den Vordergrund rückt.

Zudem war der gestrige ifo-Geschäftsklimaindex keine Unterstützung für den Dax. Die Stimmung der Unternehmen in Deutschland hellt sich zwar weiter auf, aber dennoch ist der Index hinter seinen Erwartungen zurückgeblieben. Am heutigen Tag ist die Konjunkturdatenlage sehr bescheiden. Einzig die US-Auftragseingänge für langlebige Güter (Aug) erscheinen um 14:30 Uhr.

Die wichtigen Marken für den Handelstag im Dax

Während des asiatischen Handels konnte der Dax etwas zulegen und notiert vorbörslich leicht im Plus. Die Widerstandszone zwischen 12.688 bis 12.712 muss er überwinden, um weitere Ziele auf der Oberseite abzuarbeiten. Die nächste Hürde wartet nämlich schon bei 12.743 (PP R1). Darüber liegt zudem noch der Widerstandsbereich von 12.750 bis 12.770. An dieser Stelle könnte er wieder auf die Abwärtsseite wechseln. Schafft es der Dax aber diesen Widerstand rauszunehmen, dann folgt das Tageshoch vom 23.09. bei 12.830 und der Pivot Punkt R2 bei 12.837. Das Chartbild würde sich deutlich aufhellen und die Bullen die Oberhand gewinnen, wenn der Leitindex diesen Bereich überwindet. Darüber ergeben sich dann weitere Ziele bei 12.904 und der 13.000er Marke.

Scheitert der Dax zum Beispiel an der 12.712 oder der 12.750, dann könnte sich der Druck auf der Abwärtsseite wieder erhöhen. Eine erste Unterstützung befindet sich am 38,2 % Retracement, dort liegt auch der heutige Pivot Punkt bei 12.599. Dort könnte der Dax erstmal Halt finden. Darunter liegt dann noch ein Unterstützungsbereich an der 12.565. An dieser Stelle ist er schon mehrfach wieder nach oben abgedreht. Ein Bruch führt ihn allerdings zum gestrigen Tagestief bei 12.512 sowie den Pivot Punkt S1 bei 12.504. Darunter übernehmen die Bären die Kontrolle und ein erneutes tieferes Tief unter der 12.455 ist wahrscheinlich. Dadurch ergeben sich Ziele auf der Unterseite bei 12.367 (423,6 % Ext.) und 12.361 (PP S2).

DAX daily: Tagesausblick 25.09. - M30-Chart - Corona Sorgen

Dax Unterstützungen (US):

12.599 – Pivot Punkt

12.565 – Stundenchart

12.512 – Tagestief 24.09.

12.504 – Pivot Punkt S1

12.455 – vorbörsliches Tief 24.09.

12.434 – Tageschart

12.400 – Tageschart

12.367 – 423,6 Extension (Hoch 12.830)

12.361 – Pivot Punkt S2

Dax Widerstände (WS):

12.688 – 61,8 % Retracement (Hoch 12.830)

12.711 – Nachthoch

12.743 – Pivot Punkt R1

12.750 – neuralgischer Punkt

12.830 – Tageshoch 23.09.

12.837 – Pivot Punkt R2

12.904 – Stundenchart

12.981 – Pivot Punkt R3

Disclaimer

Die hier angewandte technische Analyse stellt keine Anlageberatung dar. Es handelt sich auch nicht um Kauf- oder Verkaufsempfehlungen von Wertpapieren und sonstigen Finanzinstrumenten. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können eine individuelle Anlageberatung nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

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