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Unbändiger Appetit auf eigene Aktien Apple: Wie die Aktienrückkäufe die Investoren glücklich machen

In den vergangenen Tagen gingen die Bilder der Massenproteste in Apples größtem iPhone-Werk in China um die Welt. Wegen der strengen Corona-Regeln in China gibt es in der Fabrik des Zulieferers Foxconn seit Wochen Probleme, zuletzt eskalierte die Lage. Dadurch kommt es zu Störungen der Produktion und Lieferverzögerungen. Die Apple-Aktie geriet im Zuge der Probleme in China unter Druck. Schaut man sich aber das übergeordnete Bild in diesem für Aktien schlechten Jahr an, stellt man fest, dass die Apple-Aktie im Vergleich zu breiten Markt besser performt hat. Ein wesentlicher Grund dafür ist, der unbändige Hunger auf eigene Aktien. Der iPhone-Hersteller kauft so viele Aktien zurück wie noch nie – die Aktienrückkäufe haben bereits die 90-Billion-Dollar Marke erreicht. Damit spielt das Unternehmen in einer eigenen Liga.

Wie Bloomberg berichtet, hat Apple in den letzten zehn Jahren mehr als 550 Milliarden Dollar für den Rückkauf eigener Aktien ausgegeben (Buybacks), mehr als jedes andere US-Unternehmen, und der Technologie-Riese zeigt keine Anzeichen einer Verlangsamung. Auch wenn die Aktie in den letzten Tagen aufgrund von Produktionsverzögerungen bei den neuesten iPhone-Modellen unter Druck geraten ist, hat sich Apple in der diesjährigen Baisse besser geschlagen als jedes andere Megacap-Unternehmen. Solide Gewinne und großzügige Aktienrückkäufe sind zu einem zentralen Bestandteil der Anlagethese geworden und machen die Aktie in turbulenten Zeiten für Investoren attraktiver.

Die Aktien fielen am Dienstag um 0,4 %.

Apples massive Aktienrückkäue (Buybacks) stützen die Aktie

„Durch ihr Handeln wird die Apple-Aktie zum sicheren Hafen – für viele Anleger erreicht das Unternehmen eine Art Goldstandard“, sagte Gene Munster, der Apple während seiner 21-jährigen Karriere als Analyst beobachtete, bevor er die Risikokapitalfirma Loup Ventures mitbegründete. „Wenn sie immer wieder auftauchen und in der Art und Weise Cash generieren, wie sie es tun, und ihre eigenen Aktien zurückkaufen, sendet das eine starke Botschaft, und ich denke, sie werden das weiterhin tun, so oft und lange sie können.“

Der nächste Wegweiser für Investoren über Apples Appetit auf eigene Aktien wird im April kommen, wenn das Unternehmen normalerweise seine Rückkaufsgenehmigung aufstockt. In den letzten beiden Jahren wurde das Programm jeweils um 90 Milliarden Dollar aufgestockt. Das Unternehmen erwirtschaftet immer noch die nötigen Gewinne, um Cash-Reserven wieder aufzufüllen: Der iPhone-Hersteller war der einzige Megakonzern, der sich nach den Quartalsergebnissen erholte, zudem hielt der Bilanzbericht die Analysten davon ab, ihre Schätzungen drastisch zu senken, im Gegensatz zu den weit verbreiteten Kürzungen bei anderen Unternehmen.

Cash fließt zurück an die Aktionäre

Trotz der weltweiten Konjunkturabschwächung ist die Nachfrage nach den teuren iPhones von Apple nach Meinung von Analysten nach wie vor groß. Das Problem sind die Verzögerungen in der Produktion aufgrund der strengen Covid-Maßnahmen in China, die nach Meinung der Analysten zu Rekordwartezeiten bei den Lieferungen führen, gerade jetzt, wo das Weihnachtsgeschäft beginnt. Auch wenn dies kurzfristig zu Umsatzeinbußen führen kann, gibt es keine Anzeichen dafür, dass dies die langfristigen Aussichten für die Aktie beeinträchtigt.

Apple hat unter seinem Mitbegründer Steve Jobs jahrelang Cash angehäuft, und Chief Executive Officer Tim Cook hat an Möglichkeiten gearbeitet, das Geld besser zu investieren und an die Aktionäre zurückzugeben. Apple, das das letzte Quartal mit 169 Milliarden Dollar an Cash und handelbaren Wertpapieren abgeschlossen hat, strebt laut Bloomberg für die Zukunft einen Nettobarmittelbestand – Barmittel abzüglich ausstehender Schulden – von Null an.

„Dies ist eine aggressive Wette, die sie eingegangen sind, etwas, das Steve Jobs nie getan hätte. Für das Unternehmen und seine Investoren hat sich der neue Weg aber ausgezahlt, auch weil die Aktie in dieser Zeit gut gelaufen ist“, sagte Munster über die Aktienrückkäufe.

Apples-Buybacks spielen in einer eigenen Liga

Apple, das größte Unternehmen der Welt mit einem Marktwert von fast 2,3 Billionen Dollar, spielt auch bei den Aktienrückkäufen in einer eigenen Liga. In zwei der letzten fünf Jahre hat das Unternehmen den zweitgrößten Aktienrückkäufer um mindestens 30 Milliarden Dollar übertroffen. Im vergangenen Jahr gab das Unternehmen fast 90 Mrd. USD aus, was etwa dem Marktwert der Citigroup entspricht.

Das Unternehmen dominiert die Charts nach Aktienrückkäufen

Apple-Investoren lieben die Aktienrückkäufe

Investoren mögen Aktienrückkäufe, weil sie die Anzahl der Aktien eines Unternehmens verringern und dadurch den Gewinn pro Aktie steigern. Das Risiko besteht darin, dass ein Unternehmen zu viel bezahlt und zu einem Zeitpunkt kauft, zu dem die Aktie überbewertet ist. Apple hat jedoch nach eigenen Angaben seit Beginn der Aktienrückkäufe vor zehn Jahren einen Durchschnittspreis von 47 US-Dollar pro Aktie gezahlt, verglichen mit dem aktuellen Aktienkurs von 143,63 US-Dollar.

Apple hat sich davon ferngehalten, seinen Cash-Bestand für große Übernahmen zu verwenden, und das in einer Zeit, in der die Größe und der Einfluss der großen Technologieunternehmen immer stärker unter die Lupe genommen werden. Die Bullen sagen, dass Aktienrückkäufe eine gute Unternehmensstrategie sind, solange bis es seine Ressourcen auf eine neue Produktkategorie wie die Automobilindustrie verwendet, die sich jedoch als kapitalintensiver erweisen könnte als gedacht.

„Im Allgemeinen möchten Anleger, dass das Unternehmen sein Cash zur Generierung von Wachstum eingesetzt“, sagte Lewis Grant, Senior Portfolio Manager für globale Aktien bei Federated Hermes Ltd. „Aber wenn man sich ein Unternehmen von der Größe Apples und die Menge an Bargeld ansieht, über die wir hier wirklich sprechen, ist es vielleicht zu ehrgeizig, jedes Jahr Dutzende von Milliarden Dollar einzusetzen, um Wachstum zu generieren.

Apple zahlt zwar auch eine Dividende, aber das ist fast schon ein Nebeneffekt. Die vierteljährliche Ausschüttung von 23 Cents pro Aktie entspricht 0,6 % des Aktienkurses und ist damit eine der niedrigsten Renditen im S&P 500 Index. Apple hat die Ausschüttung im Mai um einen Penny erhöht und erklärt, dass es sich zu jährlichen Erhöhungen verpflichtet hat.

Den Anlegern scheint es jedoch egal zu sein, wie das Unternehmen sein Kapital zurückgibt, solange es dies auch weiterhin tut.

„Uns ist es eigentlich egal, wie Sie uns das Kapital zurückschicken“, sagte Mark Stoeckle, Chief Executive Officer von Adams Funds, und fügte hinzu, dass Apple seine Dividende um einen „enormen Betrag“ erhöhen müsste, um eine Rendite zu erzielen, die von Bedeutung wäre. „Wir sehen nicht, dass das passiert, also sind wir mit dem Aktienrückkauf genauso zufrieden.

FMW/Bloomberg

Apple: Wie die Aktienrückkäufe die Investoren glücklich machen
A customer holds a shopping bag during a sales launch at an Apple Inc. store in Chicago, Illinois, U.S., on Friday, Sept. 21, 2018. The iPhone XS is up to $200 more expensive than last years already pricey iPhone X and represents one of the smallest advances in the product lines history. But that means little to the Apple Inc. faithful or those seeking to upgrade their older iPhone.


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