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Europa

Arbeitsmarkt: Die Krise in Deutschland ist da

Lange schien der deutsche Arbeitsmarkt gegenüber der Krise in der Industrie immun zu sein. Aber wie neue Daten zeigen, ist das vorbei

Markus Fugmann

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am

Jahrelang boomte die deutsche Konjunktur, boomte auch der Arbeitsmarkt in Deutschland. Der Höhepunkt dieser Entwicklung – das zeigen Daten – war Ende 2017/Anfang 2018 erreicht, seitdem geht es vor allem in der deutschen Industrie steil bergab (zuletzt haben sich die Daten auf niedrigem Nievau stabilisiert):


source: tradingeconomics.com

Seit Anfang 2018 ist der Aufschwung in Deutschland zu Ende – verschärft wurde die Lage dann durch den Handelskrieg von Donald Trump gegen China, der im Frühjahr 2018 begann. Dabei zeigt sich ein Muster: schwach ist die Industrie, vor allem die Autoindustrie, die unter den rückläufigen Zahlen der Autoverkäufe in China leidet.

Demgegenüber hielt sich der Dienstleistungssekor, der vor allem von der Binnachfrage geprägt ist, lange sehr gut – das ist gewissermaßen das Echo des langen Booms, das nachhallt, selbst wenn der Boom schon zu Ende ist. Sichtbar wird das in den lange sehr starken Daten zum Dienstleistungssektor, der erst in den letzten beiden Monaten Schwäche zeigt:


source: tradingeconomics.com

Die Stärke dieses Dienstleistungssektors war maßgeblich dafür, dass der deutsche Arbeitsmarkt lange kaum auf die Krise der deutschen Industrie reagierte. Aber das ist nun vorbei – auch der Dienstleistungssektor beginnt nun zu schwächeln, wenngleich auf sehr viel höherem Niveau als die Industrie. Damit kommt nun der Arbeitsmarkt – ein nachlaufender Indikator, weil Firmen erst dann Mitarbeiter entlassen, wenn sie die Hoffnung auf Besserung der Lage aufgeben – gewissermaßen von zwei Seiten unter Druck.

Nun zeigt sich: die Krise der Konjunktur erreicht den Arbeitsmarkt in Deutschland – und diese Krise erfaßt speziell die konjunktursensitiven Bereiche wie Zeitarbeit, Industrie, Logistik etc. Heute hat die Bundesagentur für Arbeit die neuesten Daten aus dem Oktober bekannt gegeben – der Abwärtstrend ist nicht mehr zu verkennen:

Am Arbeitsmarkt ist der Trend abwärtsgerichtet
Grafik: Bundesagentur für Arbeit

 Dazu schreibt die Bundesagentur für Arbeit:

„Der Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit (BA-X), ein Indikator für die Arbeitskräftenachfrage in Deutschland, ist im Oktober gegenüber September um fünf auf 232 Punkte deutlich zurückgegangen. Im Vergleich zum Vorjahr ergibt sich ein Minus von 22 Punkten. Die Kräftenachfrage ist damit aktuell weiter rückläufig. Im längerfristigen Vergleich befindet sie sich aber nach wie vor auf hohem Niveau. Hintergrund des Rückgangs des BA-X ist die derzeitige wirtschaftliche Schwächephase, die sich vor allem in den konjunkturnahen Branchen wie der Zeitarbeit und dem Verarbeitenden Gewerbe, aber auch in der Verkehrs-und Logistikbranche sowie dem Handel bemerkbar macht. Bei den Unternehmen dieser Wirtschaftsbereiche ist ein deutlicher Rückgang der Nachfrage nach Arbeitskräften zu verzeichnen. Im Gegensatz dazu ist bei den Unternehmenaus den kon-junkturunabhängigen Dienstleistungsbranchenwie der Öffentlichen Verwaltung, dem Gesund-heits-und Sozialwesenoder dem Bereich Erziehung und Unterricht weiterhin eine steigende Nachfrage nach neuen Mitarbeitern festzustellen.“

Faktisch sind damit also jene Bereiche betroffen, die besonders viel zum deutschen BIP beitragen, während die in dieser Hinsicht nicht produktiven Bereiche wie Verwaltung und Sozialjobs weiter Nachfrage verzeichnen. Damit ist gewissermaßen das auf den Export fixierte Geschäftsmodell Deutschlands betroffen – Besserung ist vorerst nicht in Sicht, im Gegenteil. Wenn auf dem Arbeitsmarkt erst einmal eine Dynamik eingesetzt hat, dauert es lange, bis das „große Schiff“ wieder umzusteuern ist.

Deutschland, so viel scheint klar, durchläuft nun eine Krise, die wohl Jahre dauern wird. Die ohnehin schon politisch immer gespaltenere  Gesellschaft dürfte damit vor weiteren  Zerreißproben stehen..

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Wulfad

    29. Oktober 2019 14:02 at 14:02

    hierzu ist eigentlich nur eins zu konstatieren, die Krise ist Hausgemacht. Von einer Regierung die Ideologie an erster Stelle setzt, Klimawandel dem Menschen zuschreibt um neue Steuern zu implementieren, keine tragenden Zukunftsmodelle entwickelt sondern einen Atomausstieg sprich Energiewende und die Zuwanderung versaubeutelt, dazu unserer wichtigsten Industrie in den Rücken fällt kann nicht anderes erwartet werden. Das bisherige Ergebnis spricht Bände, diese Regierung verursacht jeden Tag einen Volkswirtschaftlichen Schaden von ca. ZWEI Milliarden Euro, das macht seit Antritt Regierung Merkel summa sumarum ZEHN BILLIONEN Euro. Wer da noch Fragen hat sollte sich mal mit den Zahlen beschäftigen, zugegeben diese Werte erscheinen nicht in Bild, ZDF oder ARD, diese muss man sich schon selber aus den passenden Wirtschaftsartikeln und den Verbänden holen denn das was diese Regierung besonders gut kann ist verschweigen, lügen, verfälschen und vor allem nicht für das Land und dessen Volk dem sie eigentlich verpflichtet ist arbeiten. Das ist allerdings Rechts, Nazi und eine Verschwörungstheorie. Die Zukunft wird es zeigen und da kommt nichts gutes auf uns zu………..

    • Avatar

      Nico

      29. Oktober 2019 14:30 at 14:30

      Woher kommt dieser kurze klare Moment der Erkenntnis, dieser Geistesblitz im vorletzten Satz?

      • Avatar

        Dieter Helbig

        29. Oktober 2019 23:19 at 23:19

        Das ist keine Erkenntnis, das war zynisch gemeint, für die jüngeren unter uns.

  2. Pingback: Nachrichten vom 30.10.2019 | das-bewegt-die-welt.de

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Europa

Bruttoinlandsprodukt für 2020: Statistisches Bundesamt präsentiert erste Daten

Claudio Kummerfeld

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am

Deutschland Flagge

Laut vor wenigen Minuten vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten ist das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland (anhand vorläufiger Berechnungen) im Gesamtjahr 2020 um 5,0 Prozent gesunken. Die deutsche Wirtschaft sei somit nach einer zehnjährigen Wachstumsphase im Corona-Krisenjahr 2020 in eine tiefe Rezession geraten, ähnlich wie zuletzt während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Der konjunkturelle Einbruch fiel aber im Jahr 2020 den vorläufigen Berechnungen zufolge insgesamt weniger stark aus als 2009 mit -5,7 Prozent.

Grafik zeigt Bruttoinlandsprodukt im Verlauf seit dem Jahr 2005

BIP-Zahlrenreihen

Hier einige aktuelle Aussagen der Statistiker im Wortlaut:

Corona-Krise traf Industrie und Dienstleistungsbereiche hart – nur das Baugewerbe legte zu

Die Corona-Pandemie hinterließ im Jahr 2020 deutliche Spuren in nahezu allen Wirtschaftsbereichen. Die Produktion wurde sowohl in den Dienstleistungsbereichen als auch im Produzierenden Gewerbe teilweise massiv eingeschränkt.

Im Produzierenden Gewerbe ohne Bau, das gut ein Viertel der Gesamtwirtschaft ausmacht, ging die preisbereinigte Wirtschaftsleistung gegenüber 2019 um 9,7 % zurück, im Verarbeitenden Gewerbe sogar um 10,4 %. Die Industrie war vor allem in der ersten Jahreshälfte von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen, unter anderem durch die zeitweise gestörten globalen Lieferketten.

Besonders deutlich zeigte sich der konjunkturelle Einbruch in den Dienstleistungsbereichen, die zum Teil so starke Rückgänge wie noch nie verzeichneten. Exemplarisch hierfür steht der zusammengefasste Wirtschaftsbereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe, dessen Wirtschaftsleistung preisbereinigt um 6,3 % niedriger war als 2019. Dabei gab es durchaus gegenläufige Entwicklungen: Der Onlinehandel nahm deutlich zu, während der stationäre Handel zum Teil tief im Minus war. Die starken Einschränkungen in der Beherbergung und Gastronomie führten zu einem historischen Rückgang im Gastgewerbe.

Ein Bereich, der sich in der Krise behaupten konnte, war das Baugewerbe: Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung nahm hier im Vorjahresvergleich sogar um 1,4 % zu.

Massiver Rückgang der in- und ausländischen Nachfrage

Auch auf der Nachfrageseite waren die Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich sichtbar. Anders als während der Finanz- und Wirtschaftskrise, als der gesamte Konsum die Wirtschaft stützte, gingen die privaten Konsumausgaben im Jahr 2020 im Vorjahresvergleich preisbereinigt um 6,0 % zurück und damit so stark wie noch nie. Die Konsumausgaben des Staates wirkten dagegen mit einem preisbereinigten Anstieg von 3,4 % auch in der Corona-Krise stabilisierend, wozu unter anderem die Beschaffung von Schutzausrüstungen und Krankenhausleistungen beitrug.

Die Bruttoanlageinvestitionen verzeichneten preisbereinigt mit -3,5 % den deutlichsten Rückgang seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Dabei legten die Bauinvestitionen entgegen diesem Trend um 1,5 % zu. In Ausrüstungen – das sind vor allem Investitionen in Maschinen und Geräte sowie Fahrzeuge – wurden im Jahr 2020 dagegen preisbereinigt 12,5 % weniger investiert als im Vorjahr. Die Investitionen in sonstige Anlagen – darunter fallen vor allem Investitionen in Forschung und Entwicklung – fielen ersten Schätzungen zufolge preisbereinigt um 1,1 %.

Die Corona-Pandemie wirkte sich auch auf den Außenhandel massiv aus: Die Exporte und Importe von Waren und Dienstleistungen gingen im Jahr 2020 erstmals seit 2009 zurück, die Exporte preisbereinigt um 9,9 %, die Importe um 8,6 %. Besonders groß war der Rückgang der Dienstleistungsimporte, was vor allem am hohen Anteil des stark rückläufigen Reiseverkehrs lag.

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Europa

Industrieproduktion hat Corona-Lücke fast aufgeholt

Claudio Kummerfeld

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Zahnräder

Die Industrieproduktion in Deutschland (Produktion im Produzierenden Gewerbe) hat die Corona-Lücke fast aufgeholt. Sie ist im November im Vergleich zu Oktober um 0,9 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt heute veröffentlicht hat. Im Jahresvergleich ist es ein Minus von 2,6 Prozent. Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie, war die Produktion im November 2020 saison- und kalenderbereinigt noch 3,8 Prozent niedriger. Der Chart, der bis 2012 zurückreicht, zeigt die Industrieproduktion als blaue Linie. Hier sieht man für Februar 2020 einen Indexwert von 102,9 Punkten, und im November von 99.

Chart zeigt Verlauf der Industrieproduktion seit 2012

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Europa

Verbraucherpreise Eurozone Dezember: Fünfter Monat in Folge Deflation

Claudio Kummerfeld

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Geldmünzen mit Taschenrechner

Die Verbraucherpreise in der Eurozone wurden soeben für den Monat Dezember als Erstmeldung von Eurostat veröffentlicht. Sie sind um 0,3 Prozent rückläufig. Damit sehen wir auf europäischer Ebene nun den fünften Monat in Folge deflationäre Preise! Wie gestern auch in Deutschland, so sehen wir im Eurozonen-Gesamtschnitt heute auch eine kleinere Preissteigerung bei Lebensmitteln als in den Vormonaten. Jetzt sind es nur noch +1,4 Prozent, nach vorher +1,9 Prozent, 2,0 Prozent usw. Dies sorgt zusammen mit -6,9 Prozent bei den Energiepreisen für einen negativen Gesamtschnitt.

Details der Verbraucherpreise im Dezember

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