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Arbeitsmarkt Jubelmeldung: Deutlich mehr „normale“ Jobs + unser Mecker-Kommentar

Redaktion

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Arbeitsmarkt Beispielfoto Büroarbeit

Das Statistische Bundesamt hat heute eine Meldung zum Arbeitsmarkt veröffentlicht, welche vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) dankend aufgenommen wurde – so darf man es wohl formulieren? Die sogenannte „Normalarbeit“, also alle Vollzeitstellen ohne Zeitarbeit, Befristung etc, lagen nämlich im Jahr 2018 erstmals seit 2002 wieder bei einem Anteil von mehr als 70% der Erwerbstätigen (genauer gesagt 70,3%). Das klingt doch gut, echt super! Zuvor war der Anteil rückläufig mit einem Tiefstand von 65,4% im Jahr 2007.

Rückgang atypischer Beschäftigung am Arbeitsmarkt

Dieser aktuellen Zunahme steht ein Rückgang der atypischen Beschäftigung (Zeitarbeit etc) gegenüber. Er fiel von 22,6% im Jahr 2007 auf 20,1% im Jahr 2018. Zugleich sank der Anteil der Selbstständigen von 11,1% auf 9,3%. Die folgende Tabelle, die bis 1998 zurückreicht, zeigt diesen positiven Trend ziemlich eindeutig. So, und wo verdammt noch mal ist jetzt der Haken an der Sache? Ach ja, vorher nochmal kurz der aktuelle Kommentar vom IW. Zitat auszugsweise:

Jahrelang wurde über Ausmaß und Ursachen einer vermeintlichen Erosion des Normalarbeitsverhältnisses debattiert – Stichwort atypische Beschäftigung. Doch entgegen der allgemeinen Wahrnehmung steigt die Anzahl der normal beschäftigten Arbeitnehmer. Insgesamt gibt es aktuell weniger Teilzeitbeschäftigte mit geringer Stundenzahl und weniger befristetet Beschäftigten als noch vor zwölf Jahren. Zuwächse gab es allein bei der Zeitarbeit. Die Branche reagiert überproportional stark auf konjunkturelle Einflüsse und konnte dementsprechend von dem stabilen Wachstum der vergangenen Jahre profitieren. Aufgrund der konjunkturellen Eintrübung im laufenden Jahr geht die Beschäftigtenzahl wieder zurück. Das Normalarbeitsverhältnis gewinnt also wieder an Bedeutung. Das zeigt nicht nur, dass der Aufschwung am Arbeitsmarkt die Lebenslage vieler Menschen verbessert hat, sondern auch, dass es keinen Grund gibt, die atypische Beschäftigung in den Betrieben laufend stärker zu regulieren. So plant es die Bundesregierung, um Befristungen zu erschweren.

Unser Kommentar

„Normale“ Arbeitsverhältnisse gewinnen laut IW also wieder an Bedeutung, und eine weitere Regulierung am Arbeitsmarkt sei daher logischerweise nicht notwendig. Dem kann man eigentlich ja auch argumentativ folgen als Leser, oder? Die Zahlen der letzten Monate von der Bundesagentur für Arbeit zeigen eindeutig, dass alle Branchen weiter im positiven Bereich liegen beim Aufbau neuer Stellen. Nur Zeit- und Leiharbeit bauen wirklich massiv Stellen ab, was ja korrespondiert mit der heutigen offiziellen Meldung. Das liegt aber daran, dass die Arbeitgeber die Knappheit am Arbeitsmarkt spüren. Sie finden für viele Berufsfelder keine Bewerber mehr, und sichern sich daher lieber noch schnell ihre Zeitarbeiter als Stammkräfte, in dem sie diese aus der Zeitarbeit rausholen und direkt fest anstellen.

So entsteht eine Bindung zum Arbeitnehmer. Dieser Anstieg der Normalarbeit dürfte ein Effekt sein, der verursacht wird durch die gute Konjunktur und die letztlich entstehende Knappheit beim Arbeitskräfteangebot. Beim vollen Durchschlagen der aktuellen Industriekrise auf den Arbeitsmarkt und möglicherweise deutlich steigenden Arbeitslosenzahlen könnte sich zeigen, dass die Normalarbeit auf einmal wieder prozentual verliert, weil plötzlich deutlich mehr Arbeitskräfteangebot herrscht. Man sollte sich also keine großen Illusionen machen, dass den Arbeitgebern reihenweise ein gutes Herz gewachsen ist, und sie die geknechteten Zeitarbeiter unbedingt aus ihren prekären Verhältnissen befreien wollten, sozusagen als gute Tat. Es lag wohl eher an der Knappheit am Arbeitsmarkt, und der Angst Aufträge in den Werkhallen nicht mehr abarbeiten zu können, weil die Arbeitnehmer fast schon frei wählen können unter den Arbeitgebern.

Hier zum Abschluss die Definition von „Normalarbeit“ laut Statistischem Bundesamt. Zitat:

Beschäftigte in einem Normalarbeitsverhältnis: In einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis, das in Vollzeit oder in Teilzeit ab 21 Wochenstunden und unbefristet ausgeübt wird. Normalarbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer arbeiten zudem direkt in dem Unternehmen, mit dem sie einen Arbeitsvertrag haben. Bei Zeitarbeitnehmerinnen und -arbeitnehmern, die von ihrem Arbeitgeber – der Zeitarbeitsfirma – an andere Unternehmen verliehen werden, ist das nicht der Fall. Die Personen mit einem Normalarbeitsverhältnis werden aus den Jahresergebnissen des Mikrozensus berechnet.

Immer mehr Normalarbeit am Arbeitsmarkt

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Inflation, Bitcoin, Aktien: Beck gegen Marc Friedrich

Markus Fugmann

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Kommt bald die Inflation – und was wird mit Aktien oder Bitcoin passieren? Bedeutet Inflation gleichzeitig, dass Bitcoin und Aktien und auch Rohstoffe steigen werden?

Bitcoin, Aktien und Inflation – was wird passieren?

Derzeit gehen fast alle davon aus, dass die Inflation anziehen wird: mit dem Impfstoff werde sich das Corona-Problem erledigen, woraufhin die Nachfrae anziehen werde, was dann wiederum Inflation mit sich bringe (der Reflations-Trade). Diese Inflation zeigt sich bereits bei den Asset-Preisen vor allem bei Immobilien, mit gewissen Abstrichen auch bei Aktien (vor allem aus dem US-Tech-Sektor). Sind Aktien inzwischen zu teuer?

Der Potzfolioverwalter Andreas Beck bringt die Dinge in einem Interview mit Marc Friedrich in Relation: er hält Immobilien für zu teuer (aufgrund des demografischen Wandels – der ab dem Jahr 2025 kippen wird), bei Aktien sei das „Glas halbvoll“ – während er Bitcoin für eine „Thema-Verfehlung“ hält („Bitcoin ist ein Anrecht für nichts auf niemanden“) und dabei auf eine russische Firma verweist, die dafür ein Muster gegeben hat (was für den Bitcoin-Gläubigen Marc Friedrich schwer zu ertragen ist!). Andreas Beck gegen Marc Friedrich – wer hier die besseren Argumente hat, könne Sie entscheiden. So sagt Andreas Beck zu Bitcoin: „Was nichts ist, kann nicht knapp sein“ – und demaskiert damit das Argument der Bitcoin-Jünger!

 

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Inflation, Aktien und Bitcoin - Marc Friedrich gegen Andreas Beck

 

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Rundfunkbeitrag mit Bargeld bezahlen? EU-Urteil liegt vor – mit erstaunlicher Begründung

Claudio Kummerfeld

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Mehrere Scheine Euro Bargeld

Darf der deutsche Michel darauf bestehen, dass er seinen Rundfunkbeitrag mit Bargeld bezahlt, und nicht per Banküberweisung oder Lastschrift? Deswegen war der Wirtschaftsexperte und Journalist Norbert Häring durch alle Instanzen gegangen, und landete vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH). Seine Klage basierte auf dem Bundesbankgesetz, welches Bargeld als uneingeschränktes gesetzliches Zahlungsmittel ansieht – womit impliziert werden könnte, dass alle öffentlichen Einrichtungen gezwungen sind Zahlungen in bar zu akzeptieren.

Panische Angst vor Zahlung mit Bargeld?

Aber es ist klar. Die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten wehren sich mit allen Mitteln gegen die Bargeldzahlung. Man stelle sich vor hunderttausende unzufriedene Gebührenzahler würden von diesem Recht Gebrauch machen, und bei den Anstalten vor Ort mit 1 Cent Münzen zahlen, aus Protest. Der Verwaltungsaufwand wäre gigantisch. Und jetzt wird es spannend. Der Europäische Gerichtshof hat heute sein Urteil gefällt (hier im Wortlaut nachzulesen). Gleich die Headline zeigt die erstaunliche Argumentation der Richter. Sie argumentieren nämlich nicht mit Inhalten, sondern begründen ihr Urteil damit, ob die Auswirkungen für die betroffenen Einrichtungen (ARD und ZDF) verwaltungstechnisch umsetzbar sind. Zitat EuGH:

Ein Mitgliedstaat des Euro-Währungsgebiets kann seine Verwaltung zur Annahme von Barzahlungen verpflichten, aber er kann diese Zahlungsmöglichkeit auch aus Gründen des öffentlichen Interesses beschränken. Eine solche Beschränkung kann insbesondere gerechtfertigt sein, wenn die Barzahlung aufgrund der sehr großen Zahl der Zahlungspflichtigen zu unangemessenen Kosten für die Verwaltung führen kann.

Also: Das EU-Gericht verweist die letztliche Entscheidung zurück an den Bundesgerichtshof. Aber der erhält von den EU-Richtern de facto eine Vorlage für eine Entscheidung gegen die Zahlung mit Bargeld. Nämlich in dem man sagt: Bei potenziell hunderttausenden oder Millionen Barzahlern des Rundfunkbeitrags werden die Verwaltungskosten derart hoch sein, dass dies zu ernsthaften Problemen für die Rundfunkanstalten führt. Daher wäre es angemessen für Deutschland ein Barzahlungsverbot auszusprechen. So darf man den zweiten Satz aus der Headline-Aussage des Urteils interpretieren. Und man darf vermuten, dass die deutschen Richter diesen Hinweis auch genau so aufnehmen und in ihr Urteil einfließen lassen werden. Also wird es (vermutlich) keine wirklich inhaltliche Begründung für die bevorstehende Ablehnung der Bargeldzahlung in Deutschland geben, sondern nur eine verwaltungstechnische. Das ist ziemlich armselig, so möchte ich es ausdrücken!

Der Klageführer Norbert Häring hat dazu vor wenigen Minuten seinen eigenen Kommentar veröffentlicht (hier nachzulesen). Die Richtung der deutschen Richter dürfte klar sein. Reihenweise könnten Beitragszahler auf Barzahlung bestehen, also wäre der Verwaltungsaufwand für ARD und ZDF bei nur 17,50 Euro pro Beitragszahler nicht mehr verhältnismäßig. Man kann das endgültige Urteil der deutschen Richter schon Monate im Voraus am Horizont sehen, bevor es ausgesprochen wurde. Hier auszugsweise im Wortlaut aus dem heutigen EuGH-Urteil die wohl wichtigsten Aussagen:

In einem zweiten Schritt stellt der Gerichtshof fest, dass der Status der Euro-Banknoten und -Münzen als gesetzliches Zahlungsmittel zwar grundsätzlich eine Verpflichtung zur Annahme dieser Banknoten und Münzen impliziert, diese Verpflichtung aber von den Mitgliedstaaten grundsätzlich aus Gründen des öffentlichen Interesses eingeschränkt werden kann, vorausgesetzt, dass diese
Einschränkungen im Hinblick auf das verfolgte Ziel von öffentlichem Interesse verhältnismäßig sind, was u. a. bedeutet, dass andere rechtliche Mittel für die Begleichung von Geldschulden verfügbar sein müssen.

Insoweit weist der Gerichtshof darauf hin, dass es im öffentlichen Interesse liegt, dass die Begleichung von Geldschulden gegenüber öffentlichen Stellen dergestalt erfolgen kann, dass diesen keine unangemessenen Kosten entstehen, die sie daran hindern würden, ihre Leistungen kostengünstiger zu erbringen. Daher kann der Grund des öffentlichen Interesses, der sich aus der Notwendigkeit ergibt, die Erfüllung einer hoheitlich auferlegten Geldleistungspflicht zu gewährleisten, eine Beschränkung der Barzahlungen rechtfertigen, insbesondere, wenn die Zahl der Beitragspflichtigen, bei denen die Forderungen einzutreiben sind, sehr hoch ist.

Es ist jedoch Sache des Bundesverwaltungsgerichts, zu prüfen, ob eine solche Beschränkung im Hinblick auf das Ziel des tatsächlichen Einzugs des Rundfunkbeitrags verhältnismäßig ist, insbesondere in Anbetracht dessen, dass die anderen rechtlichen Zahlungsmittel möglicherweise nicht allen beitragspflichtigen Personen leicht zugänglich sind.

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Exporte koppeln sich ab vom Lockdown-Pessimismus

Claudio Kummerfeld

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Hamburger Hafen

Man hört es dieser Tage öfter, und es ist auch logisch nachvollziehbar. Der zweite deutlich längere Corona-Lockdown sorgt für eine Abwärts-Revision bei der Erwartung für die deutsche Wirtschaftsleistung (siehe hier neue Prognose von Seiten der Bundesregierung). Immer mehr Unternehmen und Kleinst-Unternehmer aus den Bereichen Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und Urlaub werden wohl den Bach runtergehen. Aber gleichzeitig läuft die deutsche Industrie sowie Exportwirtschaft auf Hochtouren. Die folgende Grafik zeigt seit dem Jahr 2014 die Erwartungen an die deutschen Exporte aufgrund von heute veröffentlichten Daten des ifo-Instituts.

Noch vor der Krise bei einem Wert von 0, liegen die Erwartungen für die deutschen Exporte aktuell bei +6 Punkten, nach +1,9 Punkten im Dezember. Das ist der beste Wert seit Oktober. Klarheit beim Brexit und der US-Präsidentschaft, eine robuste Industriekonjunktur
und der weltweite Impfstart führten laut ifo-Institut zu einem vorsichtigen Optimismus in der deutschen Exportwirtschaft. Deutliche Zuwächse beim Export würden die Hersteller von Computern und elektrischen Ausrüstungen erwarten. Auch die Unternehmen aus dem Bereich des Maschinenbaus und der Chemischen Industrie blicken zuversichtlich auf ihre künftigen Exporte. Bei den Herstellern von Nahrung und Getränken haben sich die Erwartungen deutlich erholt. Gegenwärtig gehen sie von einem konstanten Exportgeschäft aus. Schwierig bleibt laut ifo der Auslandsmarkt für die Bekleidungsindustrie. Auch die Möbelhersteller gehen von rückläufigen Auslandsumsätzen aus.

Grafik zeigt Erwartungen an deutsche Exporte seit dem Jahr 2014

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