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Autoindustrie: Heile Welt? Von wegen! Warnung des Verbands

Claudio Kummerfeld

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Autoindustrie warnt

Ja, ist schon klar. Wenn ein Industrieverband die eigene Lage extrem schlimm darstellt und nach staatlichen Unterstützungsmaßnahmen ruft, dann kann man immer sofort sagen: Ist doch eine Selbstverständlichkeit, dass die versuchen für ihre Unternehmen das Bestmögliche rauszuklopfen aus dem Steuerzahler. Aber ist das in diesem Fall auch so? Die Autoindustrie konnte dank Shut Down wochenlang gar nichts verkaufen, und hatte im 1. Quartal brutale Umsatzeinbußen zu verkraften. Und da hängen verdammt viele Arbeitsplätze dran!

Der Verband der deutschen Autoindustrie „VDA“ heute heute Daten geliefert (hier alle Details). In der heutigen PK sagte VDA-Chefin Hildegard Müller laut Berichten sogar, dass eine schwere Rezession mit Arbeitsplatzverlusten drohe, wenn es nicht zeitnah wieder zu mehr Beschäftigung komme! Das ist gut möglich. Denn: Die Autoindustrie hatte zu Ende April 814.000 Beschäftigte, gerade mal 3 Prozent weniger als zwölf Monate zuvor. Aber die Hälfte der Beschäftigten ist auf Kurzarbeit gesetzt. Diese Mitarbeiter sind zwar offiziell noch im Betrieb angestellt, aber de facto arbeitslos, weil ohne reale Tätigkeit im Betrieb. Kommt nicht bald ein kräftiger Aufschwung, könnte für sehr viele dieser Arbeiter bald eine echte, offizielle Arbeitslosigkeit folgen. Und das auch mit all den Folgen für die Zuliefer-Industrie. Zitat VDA auszugsweise:

Die massiv geringere Produktion hat nicht nur für Hersteller, sondern besonders für viele mittelständische Zulieferer schwerwiegende Konsequenzen“, so Hildegard Müller. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Beschäftigtenzahl bis zum Jahresende 2020 weiter zurückgeht.“

Hier weitere Aussagen des VDA zu Produktionsrückgängen und Aussichten:

Im ersten Halbjahr 2020 gingen die Pkw-Neuzulassungen in Deutschland um knapp 35 Prozent auf 1,21 Mio. Pkw zurück. Das ist der niedrigste Wert für ein erstes Halbjahr in Deutschland seit der Wiedervereinigung vor 30 Jahren. Ähnlich ist das Bild auf den internationalen Märkten: So ging der europäische Pkw-Markt bis Mai um 43 Prozent zurück, der US-Markt um 23 Prozent, der Markt in China um 27 Prozent.

Für das zweite Halbjahr deutet sich eine leichte Erholung an. Ein Zeichen dafür ist der Auftragseingang bei deutschen Herstellern, bei dem das Minus gegenüber dem Vergleichsmonat aus dem Vorjahr im Juni deutlich geringer war als noch im Mai. Doch auch ein fortgesetzter Aufwärtstrend wird den Einbruch aus der ersten Jahreshälfte nicht annährend ausgleichen können.

So rechnet der VDA für das Gesamtjahr 2020 mit einem Rückgang des Pkw-Weltmarkts um 17 Prozent auf 65,9 Mio. Einheiten (2019: 79,5 Mio.). Besonders stark wird der Rückgang in Europa mit 24 Prozent sein. Für Deutschland geht der VDA von rund 2,8 Mio. Pkw-Neuzulassungen im Gesamtjahr aus (-23 Prozent). Demgegenüber etwas glimpflicher verlaufen wird der Einbruch in den USA (-18 Prozent) sowie in China (-10 Prozent). Den Erwartungen liegt die Annahme zugrunde, dass es gelingt, die Corona-Pandemie in Europa, aber auch in anderen Teilen der Welt weiter einzudämmen.

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    Scheer

    3. Juli 2020 22:39 at 22:39

    Die weltweiten Autoverkäufe sind rückläufig (Quelle: Zerohedge *)und Tesla soll mehr Autos verkauft haben. Das ist mehr als zweifelhaft!
    Zitat aus Zerohedge:
    „Edmunds hatte für das zweite Quartal, das aufgrund der Pandemie voraussichtlich das schlimmste Quartal des Jahres sein wird, einen Verkaufsrückgang von 34% vorausgesagt. Die Verkäufe von GM fielen auf den ersten Blick um 34%, die von Fiat um 38,6% und die von Toyota um 34,6%.

    Die von Nissan gemeldeten Verkäufe im zweiten Quartal brachen um 49,5% ein, und die Verkäufe von Hyundai fielen um 23,7%, einschließlich eines Einbruchs von 21,9% im Juni. Volkswagen verzeichnete einen Verkaufsrückgang von 29% und verkaufte in diesem Quartal weniger als 70.000 Fahrzeuge. Die Verkäufe von Porsche sanken um 19,9%. “
    *https://www.zerohedge.com/economics/us-auto-sales-plunged-q2-gm-toyota-fiat-suffering-30-drops-sales

  2. Avatar

    Matthias Lochmann

    4. Juli 2020 05:25 at 05:25

    Die deutschen Autobauer könnten ja von sich aus höhere Rabatte geben, so wie es Hyundai macht. Wäre ja nicht so das BMW, Mercedes, und VW auf Milliarden sitzen würden.

    Und wie immer sind nur die deutschen Autobauer laut am rumheulen.

  3. Avatar

    Tino Gruchmann

    4. Juli 2020 11:10 at 11:10

    Bei uns in der Zulieferindustrie in Spanien werden schon Massenhaft Jobs gestrichen und da sind erst 3Monate vergangenen.

  4. Avatar

    sabine

    4. Juli 2020 12:27 at 12:27

    „Lügen-Tesla“

    Naja, an irgendetwas erinnert mich das, aber ich komm grad nicht drauf.

  5. Avatar

    sabine

    4. Juli 2020 12:41 at 12:41

    Zulieferer Wellhäuser ist platt. 20.2. war Insolvenz, also vor Corona!!! Jetzt werden die Maschinen abtransportiert. Es gab glaub ich keinen Käufer. 120 MA ist nicht too big to fail.
    https://www.kunststoffweb.de/insolvenzen/eroeffnung_wk_plastics_i244875
    Aber es begann schon Anfang des Jahres!!! Bösner Schrauben z.B.
    https://www.rhein-zeitung.de/region/aus-den-lokalredaktionen/kreis-neuwied_artikel,-zum-vierten-mal-in-elf-jahren-schraubenhersteller-boesner-in-niederbieber-ist-schon-wieder-in-der-in-_arid,2084502.html
    Schlemmer Group auch Anfang des Jahres!
    https://www.sueddeutsche.de/muenchen/landkreismuenchen/aschheim-schlemmer-group-insolvenz-1.4757137
    Leoni hatte stark gewackelt, war aber too big to fail und wurde gerettet, und zwar wie die Billiarden Weltschulden der Globalen, Schulden nach hinten verschoben. Später wird man sie abzahlen. (Nach dem jüngsten Gericht.)
    https://www.deraktionaer.de/artikel/aktien/leoni-pleite-abgewendet-doch-zu-welchem-preis-20198353.html
    Der war sogar Ende letzten Jahres schon am Ende.

    Bei uns heißt es nur noch, „schon wieder einer“. Seit ich in der Firma bin, war das noch nie.
    Und genau so sagt es Ernst Wolff, der Crash begann vor Corona. Es merkt aber niemand, weil die Medien es uns als Corona-Crash gehirnwaschen. (Der sieht aus wie Robert Redford und redet auch so. Nur halt deutsch.)
    https://www.youtube.com/watch?v=SOiTYOEWW8o

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      Scheer

      4. Juli 2020 23:30 at 23:30

      Hallo Sabine,
      ja es war natürlich früher. Wer behauptet denn, dass es wegen Corona gewesen sein soll?
      Das ganze wurde nur duch die Pandemie beschleunigt, aber die Ursache entstand schon viel früher.

      • Avatar

        sabine

        5. Juli 2020 13:52 at 13:52

        Die Massenmedien sagen das: Der Coronacrash. Wenn irgendwelche Experten das anders sagen, fließt es wegen unserer Journalie nicht in die Entscheidung von 95% der Leute mit ein. Und das ist entscheidend.
        Es ist leider nicht wichtig, was wahr ist, sondern was die Mehrheit der Leute denken, was wahr ist. Und da ist der Medien-Consumer mit der „Wahrheit“ aus den Qualitätsmedien noch die absolut absolute Mehrheit.

        Was ist wahr beim E-Auto: In meiner Firma heißt es, der Diesel ist die Zukunft. Wird nicht so stark raffineriert wie Benzin, ist transportfähiger als Strom und vom CO2 Verbrauch besser als E-Autos.
        Sowieso ist das CO2-Theater in einigen Jahren wieder Geschichte. (Wie Hühnergrippe, Brexit, usw.)
        https://www.businessinsider.de/wirtschaft/e-autos-schaden-der-umwelt-mehr-als-diesel-r/
        Was in diesem Artikel steht, wissen viele schon sehr lange. Das E-Autos von der EU dagegen als direkt CO2-neutral (!) eingestuft werden, ist eine offensichtliche Lüge, denn die werden ja nicht aus Bananenblättern zusammengeflochten.
        Im Gegensatz zu Stickstoff (ca.78%) und O2 (ca 21 %) liegt der Anteil bei 0,04 %. Und den Anteil davon, den Deutschland ums verrecken verbessern soll, liegt natürlich bei 0,000xxx%. Die anderen lachen nur über stupid germany!
        https://www.stern.de/wirtschaft/stupid-german-money–studie-bestaetigt-vorurteil-gegen-deutsche-anleger-8788636.html

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          Scheer

          5. Juli 2020 21:42 at 21:42

          Ha, auf den Artikel von Businessinsider habe ich schon hingewiesen und keiner hat darauf reagiert.
          Was ihr Statement betrifft „Es ist leider nicht wichtig, was wahr ist, sondern was die Mehrheit der Leute denken, was wahr ist. Und da ist der Medien-Consumer mit der “Wahrheit” aus den Qualitätsmedien noch die absolut absolute Mehrheit.“
          stimme ich Ihnen vollkommen zu. Sie haben´s verstanden

        • Avatar

          Matthias Lochmann

          7. Juli 2020 13:24 at 13:24

          CO2 ist einer der größten anteile die das Klima nachteilig für alle Verändern, was man schon seit Jahren sieht. Dazu braucht man nicht einmal auf Wissenschaftliche Daten zurück zu greifen, das merkt und sieht man auch bereits ohne die Eigenschaften von CO2 zu kennen.

          Auch möchte ich auf den Beitrag bzw die Studie eingehen die dem Diesel weniger CO2 Ausstoß bescheinigt: Diese Studie wurde bereits mehrfach wiederlegt, und zwar von Unabhängigen Experten, den nicht mal mit dem Deutschen Strommix kommt man auf mehr CO2 als ein Diesel.. Wenn der ifo Involviert ist kann man leider nicht von Unabhängig Sprechen, ist ähnlich wie der IW.

          Sie sollten sich auch damit auseinandersetzen wie Diesel gewonnen wird. Der ist nur eines von vielen Beiprodukten, ein anderes Beiprodukt ist Kerosin und normales Benzin. Und wenn man den gesamten Strang vom Bau des Dieselautos, und der Gewinnung des Diesel und dessen transports wirklich aufrechnet, kommt dabei deutlich mehr CO2 heraus. Es wird auch oft vergessen zu messen wieviel CO2 ein Diesel bei der Selbstreinigung des Katalysators raus blässt. Und was auch vernachlässigt wird, ist das ein Akku eines eAutos eine massiv längere Lebenszeit hat als die meisten Diesel und Benziner die heute hergestellt werden, oben drauf kommt noch das z.b. Tesla rein Erneuerbare Energie zur Akku Herstellung nutzt, was bei der Studie ebenso ignoriert wurde.

          Und das wichtigste bzw katastrophale und giftigste was aus dem Auspuff eines Diesels kommt wird nur sehr sehr selten angesprochen: NOx.

          Übrigens: Wenn wir von heute auf morgen von Verbrenner auf Stromer Umstellen würden, würden wir deutlich weniger Stromerzeugung brauchen. Den der Strom der für die Raffinerien in Deutschland für die Raffinerien benötigt wird, übersteigt den benötigten Strom für eine komplette Elektrifizierung des Verkehrs bei weitem.

          • Avatar

            Scheer

            7. Juli 2020 16:00 at 16:00

            Quellen?

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Wie die Entwicklungsländer versuchen die Krise zu überleben

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Coronakrise sorgt in Entwicklungsländern für immense Probleme

Viele Schwellenländer standen bereits vor dem Ausbruch der Pandemie vor großen finanziellen Problemen. Einige von ihnen waren bereits unmittelbar vom Staatsbankrott bedroht. Wie gehen die Entwicklungsländer mit der Zusatzbelastung durch die Corona-Krise um, trotz bereits zum Teil überbordender Schuldenstände und weniger effizienter Staatsstrukturen und Sozialsysteme? Können sie die Krise finanziell überhaupt überleben oder lösen sie eine globale Pleitewelle bei Staaten aus?

Lage der Entwicklungsländer spitzt sich zu

Momentan schauen in Zeiten der Pandemie die westlichen Ökonomen vor allem auf die Entwicklungen vor der eigenen Haustür. Doch gerade das stark vom Export abhängige Deutschland sollte auch die Entwicklungen jenseits der Hauptabsatzmärkte Europa und USA im Auge behalten. Der Wachstumsbeitrag der Entwicklungsländer für die Weltwirtschaft betrug bislang immerhin drei Viertel des globalen Gesamtwachstums. Dieser Trend soll sich laut dem Analysehaus Ashmore und dem IWF auch in Zukunft fortsetzen (Daten aus 2019). Doch dazu müssen die Schwellenländer zunächst die Pandemie ökonomisch und gesellschaftlich überleben.

Grafik zeigt globalen Wachstumsbeitrag der Entwicklungsländer

Wuchsen die Ökonomien der als Schwellenländer eingestuften Staaten in den letzten 20 Jahren durchschnittlich um 5,9 Prozent pro Jahr, so droht ihnen im Jahr 2020 die erste Rezession mit einer wirtschaftlichen Kontraktion in Höhe von durchschnittlich 3,3 Prozent. Davon geht der Internationale Währungsfonds (IWF) in seiner aktuellen Publikation „Emerging And Frontier Markets: Policy Tools In Times Of Financial Stress“ aus. Doch es könnte noch viel schlimmer kommen, wenn sich die Konjunkturlage im Zuge wirtschaftlicher Einschränkungen durch die Pandemie nochmals verschlechtert und bereits jetzt stark geschwächte Länder weitere Belastungen verkraften müssen.

Besonders Staaten wie Venezuela, Argentinien, Pakistan, die Türkei, Chile, Indien etc. haben jetzt schon massive wirtschaftliche Probleme bis hin zu Währungskrisen und der teilweisen Zahlungsunfähigkeit zu meistern. Am Anfang der Pandemie hatte eine beispiellose Kapitalflucht eingesetzt, bei der innerhalb kürzester Zeit über 100 Milliarden US-Dollar von internationalen Investoren aus Schwellenländern abgezogen wurden. Die Situation war von der Dimension her damit bereits im Frühling 2020 dramatischer als während der Weltfinanzkrise. Länder wie Argentinien, die Ukraine und Chile gerieten an den Rand des Staatsbankrotts. Und so könnte die sich mit der Pandemie weiter ausbreitende Rezession lediglich der Vorbote einer neuen Schwellenländerkrise sein.

Ein globales Problem

Die Budgets und logistischen Möglichkeiten zur Stützung der heimischen Wirtschaft, zur Gesundheitsversorgung und zur Aufrechterhaltung sozialer Mindeststandards sind im Gegensatz zu den entwickelten Volkswirtschaften in den Schwellenländern deutlich geringer ausgeprägt und damit anfälliger für Krisen. Selbst der Kollaps einzelner Entwicklungsländer ist nicht mehr auszuschließen (Failed States).

Wird diese Entwicklung zum Massenphänomen, bekommen auch die Industrieländer ernste Probleme. Dabei geht es nicht nur um die finanzielle Kosten, die über die Anteile der Industriestaaten an der Weltbank und dem IWF in Form von Nothilfen oder Kreditstundungen gewährt werden, sondern auch um massive Migrationsbewegungen, die sich längst in Gang gesetzt haben und zu gesellschaftliche Spannungen führen können. So sind allein wegen der sich weiter zuspitzenden humanitären Katastrophe in Venezuela ca. 4,8 Millionen Menschen oder 15,6 Prozent der Gesamtbevölkerung seit 2016 aus dem Land geflohen. Diese Massenbewegung, auch bekannt als Bolivarian diaspora, wirkt sich auch auf die Aufnahmeländer belastend aus.

Dabei ist Venezuela alles andere als ein Einzelfall: Laut der UNO Flüchtlingshilfe waren noch nie so viele Menschen wie heute auf der Flucht vor Armut und bewaffneten Konflikten. Ende 2019 lag die Zahl der Menschen, die weltweit auf der Flucht waren, bei knapp 80 Millionen – mehr als ein Prozent der Weltbevölkerung. Im Vergleich zum Vorjahr waren das fast neun Millionen Menschen mehr. Seit 2010 hat sich die Zahl der Menschen auf der Flucht verdoppelt. Für das kommende Jahr wird mit einer deutlichen Intensivierung der globalen Fluchtbewegung in Folge steigender Armut gerechnet. Für die Entwicklungsländer und vor allem für ehemalige Kriegsgebiete wie Syrien bedeutet dies, dass für den Wiederaufbau und für die Erwirtschaftung von Wohlstand und Steuereinnahmen dringend benötigte Menschen dauerhaft verloren gehen.

Maßnahmen gegen den Kontrollverlust in den Entwicklungsländern

Der IWF und die Weltbank haben bereits im April Mittel mobilisiert, um die Corona-Folgen für die Entwicklungsländer abzufedern. Dadurch sind zunächst die akuten Zahlungsbilanzprobleme vieler ärmerer Länder abgemildert worden. Doch das war lange vor der zweiten Corona-Welle. Im Sommer war es durch Notkredite des IWF in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar, die in Rekordgeschwindigkeit ausgezahlt wurden, noch gelungen, den sofortigen finanziellen Kollaps der Entwicklungsländer abzuwenden.

Zusätzlich zu den Notfallmaßnahmen des IWF hatten die G20-Staaten ein Schuldenmoratorium für die ärmsten 43 Entwicklungsländer beschlossen. Laut Weltbank sorgt diese Maßnahme in den betroffenen Staaten für eine Entlastung beim Schuldendienst von 11,5 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr. Nun ist in Anbetracht der zweiten Corona-Welle bei den G-20-Staaten bereits eine Verlängerung des Schuldenmoratoriums bis Mitte 2021 im Gespräch. Doch auch das könnte nicht reichen, wenn die Pandemie und deren ökonomische Folgen den nach wie vor recht optimistischen Prognosen der IWF-Ökonomen folgen.

Geld spielt keine Rolle

Auch der am 27. Dezember 1945 gegründeten IWF war in seiner 75-jährigen Geschichte bisher noch nie mit einer derartigen Krise globalen Ausmaßes konfrontiert. Und so fordert die Direktorin dieser supranationalen Institution, Kristalina Georgieva, das Vermögen des Fonds von einer Billion Euro auf 2 Billionen Euro zu verdoppeln, da andernfalls im Zuge einer zweiten oder sogar dritten Corona-Welle dem Fonds die Mittel auszugehen drohen.

Doch woher kommt das Geld des Internationalen Währungsfonds (IWF)? Zum einen kann der IWF sogenannte Sonderziehungsrechte vergeben, die nichts anderes als Buchkredite der Institution an seine Mitglieder darstellen. Zum anderen kommt Geld (und Gold) über Quotenregelungen direkt von den Mitgliedsstaaten, die zu den Nettozahlern gehören, wie z B. Deutschland oder die USA. Diese Staaten müssen sich gleichwohl für die Zahlung dieser gigantischen Summen selbst zusätzlich verschulden. Da der private Kapitalmarkt diese Schuldenmassen zu für die Schuldner tragfähigen Zinsen nicht mehr schultern kann, springen die Notenbanken ein und drucken das Geld (digital).

Nichts anderes tun aktuell auch die Zentralbanken vieler Entwicklungsländer, um ihre Staaten flüssig zu halten. Da dies bei Staaten mit ohnehin schwachen Währungen gleichwohl gefährlich ist und schnell zu einem Kollaps des Außenwertes der Währung führen kann, müssen die Geldpolitiker der Schwellen- und Entwicklungsländer andere Wege zur Unterstützung der Wirtschaft und des Staates gehen.

Nahezu alle Zentralbanken senkten daher zunächst die Zinssätze. Die größten Notenbanken intervenierten an den Devisenmärkten, entweder mit eigenen Reserven oder mit Geldern des IWF bzw. US-Dollar-SWAP-Linien der US-Notenbank Fed. Etwa die Hälfte der Institute senkte die Mindestreserveanforderungen für Banken, um das Finanzsystem liquide zu halten und die Kreditbedingungen zu lockert. Rund 20 Zentralbanken der Entwicklungsländer haben zum ersten Mal überhaupt quantitative Lockerungen vorgenommen (Geldmengenausweitung), um Staats- und Privatschulden am Sekundärmarkt zu erwerben, die sonst keine Käufer mehr fanden.

Die Folgende Grafik zeigt sehr anschaulich, dass anders als in den Industrieländern mit vermeintlich starken Währungen die Notenbanken der Entwicklungsländer primär über qualitative Maßnahmen agierten. Aber nicht aus purer Vernunft, sondern weil ihnen schlicht und einfach das Privileg der momentan noch konsequenzlosen Gelddruckens in beliebiger Höhe verwehrt ist. Daher ist es nur fair, dass Staaten wie die USA oder Länder der Eurozone ihre Geldschöpfungsprivilege im Interesse der durch die Pandemie in Existenznöte geratenen Entwicklungsländer einsetzen.

Grafik zeigt Unterstützung der Notenbanken

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Bundesbank: Erholung der Industrie läuft, Dienstleistungen problematisch

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Deutschland Flagge

Die Bundesbank hat heute ihren Monatsbericht für Oktober veröffentlicht. Demnach verliert der wirtschaftliche Aufschwung deutlich an Schwung. Die Wirtschaftsleistung in Deutschland dürfte im dritten Vierteljahr 2020 stark angestiegen sein. Gemessen am vierteljährlichen Bruttoinlandsprodukt könnte die deutsche Wirtschaft damit bereits etwas mehr als die Hälfte des drastischen Einbruchs im ersten Halbjahr wieder wettgemacht haben. Trotzdem dürften noch etwa 5 Prozent im Vergleich zum Vorkrisenniveau vom letzten Vierteljahr 2019 fehlen.

Aus heutiger Perspektive dürfte sich die wirtschaftliche Erholung im laufenden Vierteljahr zwar fortsetzen, dabei jedoch eine erheblich langsamere Gangart einlegen. Die Industrie ist gemäß der Bundesbank-Aussagen nicht das Problem, sondern der Bereich Dienstleistungen, der ja von erneuten Corona-Restriktionen direkt betroffen ist. Die deutsche Exportindustrie profitiert derweil zum Beispiel durch die wieder gut laufende Konjunktur in China. Hier die Bundesbank mit ihrer Headline-Aussage zur Industrie:

Dem Monatsbericht zufolge hat die Industrie nach dem besonders starken Einbruch im Frühjahr bis Juli bemerkenswert aufgeholt. Im August habe die Erholung zwar eine Verschnaufpause eingelegt, im Mittel der Monate Juli und August sei die Industrieproduktion dennoch gegenüber dem stark gedrückten Frühjahrsquartal kräftig angestiegen (+13,5 %). Gleichwohl verfehlte sie das Vorkrisenniveau aus dem vierten Quartal 2019 immer noch um gut ein Zehntel. Die Auftragseingänge hätten jedoch weiter zugenommen und beinahe wieder das Vorkrisenniveau erreicht.

Und hier die Headline-Aussagen zum Dienstleistungssektor:

Während sich die Stimmung bei den Industrieunternehmen laut Umfrage des ifo Instituts etwas aufhellte, trübte sie sich bei den Dienstleistungsunternehmen im September zum ersten Mal seit dem Frühjahr wieder etwas ein, schreibt die Bundesbank. Insbesondere Branchen wie das Gastgewerbe dürften durch die zuletzt stark gestiegenen Infektionszahlen und die deshalb in einigen Regionen ausgeweiteten Eindämmungsmaßnahmen belastet werden. Die Fachleute gehen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung im laufenden Vierteljahr wohl nur noch vergleichsweise wenig steigen wird.

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Hans-Werner Sinn bei Marc Friedrich – die große Krise

Claudio Kummerfeld

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am

Hans-Werner Sinn ist als ehemaliger Leiter des ifo-Instituts immer noch ein bundesweit hoch anerkannter und gern gesehener Gesprächspartner rund um ökonomische Themen. Seine Meinung hat Gewicht. Aktuell wurde er vom (durch große Medien als Crashprophet bezeichneten) Marc Friedrich interviewt zur aktuellen großen Krise.

Hans-Werner Sinn über zweite Corona-Welle und China

Laut Hans-Werner Sinn sei die zweite Corona-Welle längst da. Einen zweiten, echten und harten Lockdown könne Deutschland nicht verkraften – deswegen werde es ihn auch nicht geben. Man werde stattdessen versuchen Brandherde einzeln und lokal zu löschen. Besprochen werden von den beiden zahlreiche bestehende ökonomische Probleme, darunter die Südländer in Europa, für die der Euro nach wie vor zu teuer sei. Auch die Krise der Autohersteller wird angesprochen. Hier gehe es um Regulierungsprobleme.

Marc Friedrich spricht die starke Überschuldung in China an. Hans-Werner Sinn erwähnt hier aber die in wenigen Jahren stark gestiegene Bedeutung Chinas für Deutschland. Vor vier Jahren sei China noch das viert wichtigste Exportland für die deutsche Wirtschaft gewesen, heute sei es das wichtigste Land. Die dortige rasche konjunkturelle Erholung helfe derzeit auch sehr stark der deutschen Exportwirtschaft.

Schulden-Vergemeinschaftung

Auch besprechen Hans-Werner Sinn und Marc Friedrich ausführlich das Thema der neuen EU-Anleihen und der zunehmenden Staatsfinanzierung durch die EZB. Angesprochen werden auch die ursprünglichen Grundsätze zu Zeiten der Euro-Einführung, wonach die EZB die Staaten nicht direkt finanzieren dürfe. Aus der Formulierung hätte Juristen dann den Schluss gezogen, dass eine indirekte Finanzierung erlaubt sei, so wie sie jetzt laufe (Banken kaufen Staatsanleihen in der Erstauktion, verkaufen sie kurz danach an die EZB).

Auch werden von den beiden Themen angesprochen wie eine mögliche Hyperinflation, das massive Rentenproblem und die großen wirtschaftlichen Probleme, die in Deutschland schon in zehn Jahren sichtbar sein sollen. Hans-Werner Sinn formuliert es drastisch und klar. Europa gehe über in ein dauerhaftes Siechtum bestehend aus dauerhaften Transfers nach Südeuropa, und ohne ausreichende Produktivität.

Bankenkrise

Egal ob die Zinsen nun wieder steigen würden, oder ob man weiter auf der Null-Linie bleibe. Auf die Banken in Europa werden laut Hans-Werner Sinn immense Probleme zukommen, die nicht ewig mit Sondermaßnahmen (wie es derzeit passiert) kaschiert werden könnten. Ein sehenswertes Gespräch, es lohnt sich! Nehmen Sie sich die Zeit.

Finden Sie beim Klick an dieser Stelle die fünf Investment-Ideen von Marc Friedrich.

Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn. Foto: blu-news.org CC BY-SA 2.0

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