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Bankrotte Unternehmen sind die neuen Börsen-Stars

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Insolvente Unternehmen in der Besprechung

Was haben der Autovermieter Hertz, das Öl-Unternehmen Chesapeake, der Energieversorger PG&E, der Einzelhändler Ascena Retail Group und die Fluglinien Norwegian Air Shuttle und LATAM gemeinsam? Sie alle haben Insolvenz angemeldet bzw. angekündigt, den Insolvenzantrag einzureichen, und ihre Aktienkurse sind explodiert. Ist der Aktienmarkt vollends verrückt geworden, oder gibt es eine Erklärung für steigende Aktienkurse von bankrotten Unternehmen?

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Ob Chapter 7 oder 11 – für Aktionäre bleibt in der Regel wenig übrig

Wenn ein Unternehmen Insolvenz nach US-amerikanischem Recht anmeldet, gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie es weitergeht. Das Insolvenzrecht in den USA ist in verschiedene Chapter aufgeteilt. Die wichtigsten sind Chapter 7 und Chapter 11. Chapter 7 beschreibt die Liquidation eines Unternehmens. Wird Insolvenz nach Chapter 7 angemeldet, können Aktionäre davon ausgehen, einen Totalverlust zu erleiden. Bei der am häufigsten gewählten Form des Insolvenzantrags werden die Geschäfte des Unternehmens eingestellt, der Insolvenzverwalter verkauft, was sich verkaufen lässt und teilt die Erlöse unter den Gläubigern auf. Da in der Regel die Insolvenzmasse kleiner ist als die Verbindlichkeiten – schließlich läge sonst kein Insolvenzgrund vor – bleibt für die Aktionäre des Unternehmens nichts mehr übrig.

Für Unternehmen wie Aktionäre vorteilhafter ist ein Insolvenzantrag nach Chapter 11. Ziel dabei ist die Sanierung des Unternehmens. Voraussetzung dafür ist, dass das Unternehmen ohne seine Schuldenlast theoretisch in der Lage wäre, Gewinne zu erwirtschaften. Es sollte idealerweise auch noch Liquidität vorhanden sein, um nach einer Sanierung neu starten zu können. Im Rahmen einer Chapter-11-Insolvenz werden die Verbindlichkeiten des Unternehmens neu verhandeln. Dazu zählen Miet- und Arbeitsverträge, Pensionsverpflichtungen und natürlich auch aufgenommene Kredite. Üblich ist die Umwandlung von Fremd- in Eigenkapital. Die Kreditgeber werden also zu Aktionären, womit Rückzahlungs- und Zinsansprüche verloren gehen.

Da die Schulden in der Regel deutlich größer sind als die Marktkapitalisierung des insolventen Unternehmens, bekommen die Gläubiger einen großen Teil des oder sogar das gesamte restrukturierte Unternehmen. Für Altaktionäre bleibt in der Regel nur ein kleiner Bruchteil übrig. Es ist also nahezu, aber kein kompletter Totalverlust für Altaktionäre. Beispiel dafür ist Norwegian Air, bei deren Restrukturierung Altaktionäre nur noch 5% am sanierten Unternehmen bekamen.

Bei Chapter 11 bestehen noch Chancen auf Kapitalerhalt

Das besondere beim Chapter 11 ist, dass der Antragsteller nicht insolvent sein muss, um die Insolvenz zu beantragen. Daher wird dieser Ausweg gern gewählt, um sich vor Forderungen zu schützen, die die Insolvenz des Unternehmens bedeuten könnten. Zum Beispiel, wenn hohe Schadensersatzforderungen drohen. Im Falle einer solchen unechten Insolvenz haben Aktionäre die besten Chancen auf Erhalt ihres Kapitals.

In den vergangenen Wochen gab es etliche Insolvenzanmeldungen, die gefolgt waren von teils massiven, dreistelligen Kursanstiegen der betroffenen Aktien. Über den Fall von Norwegian Air Shuttle, deren Marktkapitalisierung nach der Insolvenz ein Allzeithoch erreichte, berichtete ich bereits in der vergangenen Woche. Ein Einzelfall war es nicht.

So kamen am Montag Gerüchte auf, Chesapeake Energy bereite einen Insolvenzantrag nach Chapter 11 vor. Der Aktienkurs stieg an diesem Tag um 178%. Am gleichen Tag stieg die Aktie der insolventen LATAM um knapp 38%, Norwegian Air Shuttle um 8,8%. Ascena Retail Group bereitet den Insolvenzantrag vor. Die Aktie stieg seit dem 3. April trotzdem um… 200%. Hertz, Chapter 11 beantragt, stieg am Montag um 115,2%.

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Wer am 26. Mai jeweils 10.000 US-Dollar in Hertz, Chesapeake, Ascena und LATAM investierte, machte daraus in zwei Wochen 225.000 US-Dollar. Der Löwenanteil, 100.000 US-Dollar, kam dabei von der insolventen Autovermietung Hertz gefolgt von Chesapeake, die angekündigten, den Insolvenzantrag vorzubereiten.

Gibt es dafür eine Erklärung? Mir fällt nur die Möglichkeit ein, dass die Aktie als Wettschein angesehen wird. Sollte wie durch ein Wunder eine Sanierung gelingen, ohne dass die Aktionäre allzu viel vom Anteil abgeben müssen oder das Unternehmen gar durch staatliche Intervention gerettet werden, locken üppige Gewinne.

Uninformierte Retail-Investoren als Kurstreiber?

Denkbar ist aber ebenso, dass eine große Menge uninformierter Retail-Investoren keine Ahnung hat, was sie tun und weder Unternehmensmeldungen, noch Bilanzen lesen und sich bei ihren Investitionsentscheidungen einzig und allein an alten Hochs orientieren. Eine Aktie wie Ascena, die Ende 2019 mal 12,50 US-Dollar kostete, ist aus dieser Sicht bei 1 US-Dollar ein Schnäppchen. Hertz, die im Februar bei 20 US-Dollar notierten, ist bei 0,40 US-Dollar ein Geschenk und Chesapeake mag zwar insolvent sein, ist vom Allzeithoch aber auch mehr als 1.600 US-Dollar entfernt gewesen. Mit rationalem Investieren hat das natürlich nichts mehr gemeinsam.

Dass die Kunden von Robin Hood, einem in den USA bei Retail-Investoren sehr beliebten Gratis-Broker, ein Herz für Hertz entdeckten, bei Chesapeake gern kaufen, Ascena nicht abgeneigt sind, PG&E bei fallenden Kursen wie verrückt zukauften und auch LATAM als heißen Tipp ansehen, spricht für diese Retail-These.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    RC

    9. Juni 2020 11:51 at 11:51

    Marktmanipulation bei niedrigem Handelsvolumen? Oder newsbasierte Algos, die bei vermehrter Nennung Kauforders absetzten?

  2. Avatar

    Mike Lohmann

    9. Juni 2020 15:22 at 15:22

    Wie sollen Bankfachleute, die mit 25 in die Beratung und Trading eingestiegen sind und noch nie etwas anderes als steigende Kurse plus Problembehebung mit Geldflutung je gesehen haben, sich und ihre Kunden beraten? Dazu kommt noch, dass sogar Nationalbanker ohne Intelligenztest absolviert zu haben, machen und erzählen dürfen was sie wollen. Wo soll da der Nachwuchs noch entsprechende Vorbilder mit Sinn für Ökonomie finden?

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Aktien

Aktienrückkäufe: Wie CEOs ihre Unternehmen aufs Spiel setzen

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An der Wall Street sieht man Aktienrückkäufe als normales Instrument an

In den vergangenen Jahren gab es zwei von Top-Managern initiierte Schemata, die beide die von ihnen geführten Unternehmen aufs Spiel setzten: Aktienrückkäufe (verlorenes Jahrzehnt?) und für Kredite als Sicherheit hinterlegte Aktien! Beide Schemata fliegen den Unternehmen nun reihenweise um die Ohren. Im ersten Fall fehlt den Unternehmen nun das Geld in der Krise, im zweiten Fall können die als Kreditsicherheit hinterlegten Aktien schlimmstenfalls einen Abwärtstrend in der Aktie noch zusätzlich verstärken.

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Aktienrückkäufe leerten die Konten der Unternehmen, ohne Nutzen zu stiften

Aktienrückkäufe waren über etliche Jahre beim Management zahlloser Unternehmen Mittel der Wahl, um angeblich Aktionäre am Unternehmenserfolg zu beteiligen. Hunderte Milliarden US-Dollar wurden ausgegeben, um Aktien zurückzukaufen. Dieser Rückkäufe erhöhen temporär den Preis einer Aktie, da die Nachfrage nach den Papieren erhöht wird. Und wenn die Unternehmen die Aktien nach dem Rückkauf vernichten, dann haben die verbliebenen Aktionäre auch einen größeren Anteil am Unternehmen. Eventuelle Dividenden verteilen sich auf weniger Aktien und bei unverändertem Unternehmenswert sollte jede Aktie aus dem kleiner gewordenen Pool aller Aktien mehr wert sein. Um Steuern zu sparen und gemachte Gewinne nicht versteuern zu müssen, nahmen Unternehmen wie Apple sogar Kredite im Umfang dutzender Milliarden US-Dollar auf, um die eigenen Aktien zu kaufen.

Die Kredite sind bei Apple weniger ein Problem, da das Unternehmen gleichzeitig auf enormen Barreserven sitzt. Andere Unternehmen wie Boeing haben es deutlich schwieriger. Geld, das in den vergangenen Jahren für Aktienrückkäufe ausgegeben wurde, fehlt dem Unternehmen nun. Es wurde ausgegeben, ohne dadurch zusätzliches Wachstum für das Unternehmen zu generieren. Es ist das Mittel der Wahl für faule Manager, die keine Ideen haben, wie sie die vom Unternehmen erwirtschafteten Gewinne so reinvestieren können, dass Aktionäre dadurch langfristig profitieren. Dabei wäre die Mehrung des Unternehmensvermögens genau das, wofür das Management von den Aktionären eingesetzt wurde.

Dividenden-Ausschüttungen würden dem Unternehmen zwar auch Kapital entziehen, ohne dadurch zusätzliches Wachstum zu generieren. Doch Dividenden fließen den Aktionären wenigstens direkt zu. Von Aktienrückkäufen haben Aktionäre real höchstens dann etwas, wenn sie ihre eigenen Aktien zum künstlich gepushten Kurs veräußern.

Aktienrückkäufe lassen vor allem das Management profitieren

Dividenden haben zudem den Vorteil, dass das Management nicht überproportional davon profitiert. Genau das tut es aber bei Aktienrückkäufen. Denn inzwischen machen Optionskomponenten den Großteil der Managervergütungen aus. Je höher der Aktienkurs des Unternehmens ist, umso mehr wert sind auch die zugeteilten Aktienoptionen. Manche Aufsichtsräte waren sogar so verrückt, die Managervergütung direkt an den Aktienkurs zu koppeln – bei Tesla Motors zum Beispiel. Das Management hat damit einen maximal großen Anreiz, den Aktienkurs kurzfristig zu erhöhen.

Aktien-Optionen haben zudem den Nachteil, die Anteile der Altaktionäre zu verwässern. Denn jede ausgeübte Aktien-Option führt dazu, dass mehr Aktien im Umlauf sind. Vom gleichen Management durchgeführte Aktienrückkäufe neutralisieren somit erstens die Verwässerungseffekte der eigenen Aktien-Optionen und führen zweitens zu temporär höheren Aktienkursen, die die vom Management gehaltenen Optionen mehr wert werden lassen – oder wie im Falle von Tesla überhaupt erst zur Zuteilung der Optionen führen. Fehlt den Unternehmen nach den Rückkäufen dann auch noch das Geld in der nächsten Krise, wie bei Boeing, dann hat das Management die Unternehmenszukunft aufs Spiel gesetzt, um sich selbst Vorteile zu verschaffen.

Manager verpfänden ihre Aktien, um den eigenen Lebensstil steuerfrei zu finanzieren

Ein zweites gern von Managern genutztes Schema der Bereicherung zum Nachteil des Unternehmens ist abseits der Aktienrückkäufe die Kreditaufnahme für persönliche Zwecke. Manager wie Elon Musk von Tesla oder Markus Braun von Wirecard zahlen ungern Steuern. Und sie geben auch ungern das Steuer „ihres“ Unternehmens aus der Hand. Gleichzeitig pflegen oder pflegten sie jedoch gern einen opulenten Lebensstil. Um den zu finanzieren, müssten sie eigentlich einen Teil ihrer Aktien verkaufen. Dabei müssten die Kursgewinne versteuert werden und sie hätten anschließend weniger Stimmrechte auf der nächsten Aktionärsversammlung.

Liebend gern boten und bieten Banken daher an, doch einfach einen (großen) Teil der eigenen Aktien als Kreditsicherheit zu hinterlegen. Für Kredit fallen keine Steuern an, die Stimmrechte bleiben beim Aktienbesitzer und trotzdem ist der Lebensstil gesichert. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld werden die Zinsen dafür gern gezahlt.

Doch die Sache hat einen kleinen Haken: Das Schema funktioniert nur solange, wie der Aktienkurs nicht crasht. Tut er das, werden die Banken irgendwann nervös. Reicht der Wert der als Sicherheit hinterlegten Aktien nicht mehr aus, um den Kredit zu besichern, folgt der Margin Call. Der Kreditnehmer muss dann neue Sicherheiten hinterlegen. Kann er das nicht, werden die Kreditsicherheiten, also die Aktien, verwertet. Das heißt, die Bank wirft die Aktien auf den Markt. Alle. Zur gleichen Zeit. So wie bei Wirecard vor einigen Tagen. Diese Notverkäufe befeuern einen ohnehin bestehenden steilen Abwärtstrend zusätzlich. Je niedriger der Aktienkurs ist, umso schwieriger werden jedoch Kapitalerhöhungen. Denn für den gleichen neu eingeworbenen Betrag müssen viel mehr neue Aktien verkauft und damit der Anteil der Altaktionäre auch stärker verwässert werden.

Der Anteil der verpfändeten Aktien kann dabei durchaus enorme Werte annehmen. Bei Elon Musk sind es 54% all seiner Tesla-Aktien, von denen er rund 20% besitzt. Bei Softbanks Masayoshi Son sind es 60%. Son hält 27% an Softbank. Und Steven Rales, CEO der Danaher Corporation, hat 74% seiner Aktien verpfändet. Er hält 6,2% an Danaher. Sein Bruder Mitchell Rales hält weitere 5,1% an Danaher, von denen wiederrum volle 90,7% für Kredite verpfändet wurden.

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Tesla – die Wiederauferstehung der Dotcom-Blase!

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Die Euphorie um Tesla erinnert stark an die Dotcom-Blase: damals wurde alles gekauft, was mit Internet zu tun hatte – heute ist an die Stelle des Internets die Euphorie um die Elektromobilität getreten. Vor allem Tesla steigt von Allzeithoch zu Allzeithoch – aber dieser Anstieg basiert auf zwei eher unwahrscheinlichen Prämissen: erstens dass Elektroautos den Markt klar dominieren werden in Zukunft, und zweitens dass kein anderer Hersteller in der Lage sein wird, Tesla wirklich Konkurrenz zu machen..

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Dirk Müller zum Wasserstoff-Hype: Warum man jetzt nicht einsteigen sollte

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Wir hatten erst vorgestern über die Aussagen von Dirk Müller berichtet,über die Wahnsinns-Hausse der letzten Wochen in den USA, wo teilweise Minderjährige mit den Kreditkarten ihrer Eltern die Börse stürmen, und wo Millionen von Menschen mit Kleinstbeträgen wie wahnsinnig Börsenkurse pushen. Heute spricht Dirk Müller im folgenden Video über den aktuellen Hype rund um das Thema Wasserstoff. Diese Woche wurde der Hype nochmal kräftig befeuert durch die erst gestern präsentierten großen Pläne der EU, dass man bis 2050 klimaneutral werden wolle, und das mit Wasserstoff. Gigantische Milliardenprogramme sollen von Staaten und Unternehmen in Europa aufgelegt werden.

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Also, ist das nun auch der große Start für den Hype rund um Wasserstoff-Aktien? Oder läuft er schon, und Anleger, die sich hier noch nicht auskennen, kommen zu spät? Genau davor warnt Dirk Müller im folgenden Video. Er beschreibt diese jetzige Euphorie und vergleicht sie mit Themen wie 3D-Druck oder Cannabis-Aktien. Jetzt sei der Markt für Anleger schon zu teuer. Man müsse nun erst einmal auf die Marktbereinigung warten, die nach der Euphorie einsetze. Er beschreibt auch Phasen der Markteuphorie, wie es sie in anderen Bereichen schon gegeben habe, die nun auch so beim Wasserstoff ablaufen würden.

Wasserstoff Tankstelle in Belgien
Eine Wasserstofftankstelle in Zaventem Belgien. Foto: Dr. Artur Braun (Arturbraun) CC BY-SA 4.0

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