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Bargeld abschaffen? Was sind die Folgen? Diese gute Doku lässt ein Problem aus

Claudio Kummerfeld

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Derzeit ist das Thema „Bargeld abschaffen“ nicht auf der Tagesordnung. Ein Thema für ängstliche Wutbürger, die sich vor allem fürchten? So lautet vermutlich die unausgesprochene Leitlinie der Politik. Leute, Leute, hört doch endlich auf mit eurer Angst, wir schaffen euer Bargeld schon nicht ab… klingt das in Schweden derzeit genauso? Leute, keine Angst, wir schaffen das Bargeld schon nicht ab?

In Schweden wird das Bargeld derzeit in Rekordtempo abgeschafft, und zwar über den „kalten Entzug“ von Bargeld, wie wir es nennen möchten. Wenn Bargeld einzahlen oder auszahlen extrem teuer wird, wenn Banken gar kein Bargeld mehr annehmen, wenn Einzelhändler selbst für kleinste Zahlungen kein Bargeld mehr annehmen… tja, wie will man dann als Bürger noch auf seine Bargeld-Zahlung bestehen?

Eine Dokumentation der ARD mit dem Titel „Welt ohne Geld“ zeigt sehr gut auf, welche Risiken mit der schleichenden Abschaffung von Bargeld verbunden sind. Staatliche Kontrolle, Verkauf der Nutzerdaten, und eine unterbewusste Anpassung des Bürgers an allgemein erwünschte Verhaltensrichtlinien – denn wer weiß, dass er komplett gläsern ist, hat Angst aufzufallen, und passt sich an. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern findet unterbewusst statt.

Aber die Doku spricht auch Probleme an wie Hackerangriffe oder Bankenpleiten. Wenn Banken pleite gehen, und das Kontoguthaben der Bürger weg ist, was dann? Wie will man als Bürger dann Lebensmittel kaufen, womit? Wenn Bankensysteme kollabieren, nützen auch Einlagensicherungssysteme nichts, denn die Beträge sind viel zu groß, die erstattet werden müssten. Also ist und bleibt Bargeld eine echte Sicherheit, die einem niemand wegnehmen kann.

Eine große Gefahr bei der Bargeld-Abschaffung wurde nicht angesprochen

Eine große Gefahr wurde in der Doku aber nicht angesprochen. Wir haben in den letzten Jahren der Nullzinspolitik schon mehrfach darauf hingewiesen. Aktuell zahlen Banken -0,4% Strafzinsen, wenn sie ihre überschüssigen Guthaben bei der EZB parken. Diesen Verlust reichen die Banken in Deutschland nur bei Großkunden mit Millionen-Guthaben an die Endkunden weiter – noch. Denn man wolle ja den braven Kleinsparer nicht Geld abziehen, wenn er Geld anlegt, so der Tenor der Finanzbranche.

Was, wenn es kein Bargeld mehr gibt? Dann sind die Menschen dem Bankensystem de facto ausgeliefert. Was die Banken vorschreiben, müssen die Kunden akzeptieren. Leiten die Banken dann einen Negativzins der Zentralbank an alle Kunden weiter, muss auch der brave deutsche Michel mit seinem kleinen Sparkonto Verluste hinnehmen, obwohl er doch Zinsen kassieren will. Genau das Gegenteil passiert aber, und er/sie kann sich dagegen nicht wehren.

Das kann er heute, weil er im Notfall sein Sparkonto auflösen und das Geld abheben kann. Zuhause unter die Matratze, und die Negativzinsen haben keine Chance. So ist die Lage heute. Aber wären die Banken immer noch so kundenfreundlich, wenn sie wüssten, dass die Kunden mit ihren Guthaben nicht weglaufen können? Wohl kaum. Die Doku ist sehenswert, und zeigt neben Schweden zum Beispiel auch, was derzeit in China passiert. Klicken Sie bitte hier, um die ganze Doku sehen zu können.

Bargeld Museum Bundesbank
Geldmuseum der Bundesbank. Foto: © Uwe Nölke / Deutsche Bundesbank

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Kritisch

    1. August 2018 11:43 at 11:43

    Ich habe schon jahrelang keine Guthaben auf Konten diverser Kreditinstitute und bezahle praktisch immer in bar. Kreditkarten sind bei mir Pre-paid und nur für Notfälle (bin aber seit jahren nie in den USA, wo du ja ohne „Plastik“ praktisch lebensunfähig bist). Ein wenig Bargeld, in verschiedenen Währungen und Gold in rechtskonformer Form, so sieht meine Antwort auf die in den letzten Jahren sich zuspitzende Finanzkrise aus. Wesentlich ist mir auch eine gewisse Notfallsicherung in Form von Grundbesitz (lastenfrei),ein Dach über dem Kopf (lastenfrei) mit Feststoff-Heizung (umschaltbar von Erdgas). Ich bin grundsätzlich ein positiver Mensch aber nicht so naiv als dass ich dem Bankensystem oder den Volksvertretern auch nur in geringster Form über den Weg traue. Deren einziges Interesse liegt daran sich selbst die Taschen zu füllen und möglichst ein Höchstmaß an Macht zu gewinnen.Vielleicht ein bisschen „grazy“, es lässt mich aber ruhig schlafen.

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      Lehmann

      1. August 2018 12:38 at 12:38

      Das ist nicht crazy – das ist gesunder Menschenverstand.
      Mache ich genauso – habe gerade meinen alten Feststoffbrennofen renovieren lassen.

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    Uwe E. Mertens

    1. August 2018 11:53 at 11:53

    „Wir befinden im gegenwärtigen westlichen Demokratiegebilde in einem universellen Betrugssystem mit der Tendenz zum perfekten Verbrechen mit Selbst- und Mitläuferqualität.
    Kämpfen wir noch mit dem Geschäftsbankenbereich in Zins- u. Zinseszins und deren geschickte Manipulationsfähigkeiten über deren gehütetes Bankgeheimnis. Einer scheinheiligen Geldschöpfungsberechtigung aus dem Nichts massenhaft unendlich viel Luftgeld erschaffen zu können und über Kredit mit Verzinsungen weiter zu verteilen.
    Dieser Bereich der realen Wirtschaftsfinanzierung über Luftgeldschöpfung im Geschäftsbankenbereicht liegt angeblich gegenwärtig nur etwa 5 % Anteil an der aktuellen Summe des Weltgeldes …oder?.
    Richtig tobt der Bär im Investmentbereich, mittlerweile soll dieser Bereich schon 95 % der Summe des erfassten Weltgeldes ausmachen…oder?
    Wo soll das noch hinführen … ins grauenhafte Endzeitchaos?
    Wir sterben jeden Tag intensiver, hinterhältiger und werden in der Masse gezielt willenloser.

    Raus aus der Sache der manipulierten Massenverblödung, rein ins natürliche menschliche Denkvermögen…..Blödsinn ist in er Regel von Menschen gemacht und Menschen können
    Ihn auch beenden, wenn sie es wollen, aber…..
    In der aktuellen Scheinwelt gibt es kaum Wahrheiten, oft herrschen mehr pseudowissenschaftliche Regeln, als tatsächlich begründete Realität.
    Es spielen Geschäftemacher, Irre und Kriminelle einen unglaublichen Quatsch mittels eines wissenschaftlichen Anscheins.
    Es wird immer stärker sichtbar, eine anständige Glaubwürdigkeit ist gegenwärtig vorab schon völlig ruiniert….. Was tun?
    Wer geht voran, wem können alle folgen? Ist ein bewaffneter Aufstand sinnvoll?

    Wir können das System der friedlichen Revolution von 1989, jetzt als Gesamtleistung
    neu, zunächst beispielgebend als gesamtdeutscher Aktion durchführen…oder?

    Die aktuellen westlichen Regierungen wollen keine zur konstruktiven Kritik befähigten Menschen, die in der Lage sind frei zu denken, sachkundig und gebildet auf Herausforderungen oder zukunftsfähige Wegsuchen zu reagieren. Wozu? Die Parteilichen laufen wegen ihre Scheuklappen extrem schnell gerade aus und meinen göttliche Aufgaben aus fremdartige Machtinteressen im vorauseilenden Gehorsamtrieb gegenüber unerkannt scheinbar unsichtbaren Machtsüchtiger erfüllen zu müssen.
    So, ist die gegenwärtige parlamentarische westliche Regierungsform mit demokratischem Antlitz, ist nichts anderes, als eine Fortsetzung von arroganter hinterhältiger Diktatur mit irrigen Mitteln.
    Letztlich geht es immer um reale Macht, im Politischen Gezänk wird dies geschickt getarnt, dass eine kleine Minderheit über falsches Geld die Welt immer noch regiert.
    Wem diese Erkenntnis zu abstrakt erscheint, gehört mit hoher Wahrscheinlichkeit zu den hilflosen Mitläufern, Anpassern und unmotivierten Jasagern mit Ballastfunktion, die freie menschlich natürliche Entwicklung erschweren sollen …oder?
    Oder man ist eiskalt berechnend, für sich selbst ein überdurchschnittliches Stück aus dem Kuchen herausschneiden zu können.
    Die Anständigen und Fleißigen werden immer mehr ausgepresst.

    Pfui Teufel !

    • Avatar

      globalvoterorg

      6. August 2018 13:14 at 13:14

      Pfui Gesellschaft. Der „Teufel“ sitz im pyramidalen MachtSystem, zwar, an der obersten Spitze, aber, WIR, selbst sind die Akteure und Opfer, zugleich. Ohne, unsere Unterwürfigkeit und Gehirnwäsche würde die Dominanz nicht brillieren!
      Genial ist das System: Teile und Herrsche! Funktioniert seit Jahrhunderten. Jede Diktatur ist von Mitläufern (political correctness) getragen. Die Deutschen sollten, eigentlich, aus Hitlers und Honnekers Zeiten gelernt haben. Sollten das Regime Merkel erkennen. NIE WIEDER, wurde nach 1945 „gejault“! Trotzdem, sind wir wieder mitten drin in unserem Hang zum Größennwahn und dem Bazillus der Selbstüberschätzung. „Wir sind was Besseres“ Die Griechen können ohne uns nix und die anderen schon garnicht. AD war garnicht sooo schlimm. Fehlt nur noch ein „revival“ der DDR! HUCH, haben wir schon!?
      Was die Leute nicht verstanden, daß sie den Untergang verdienten. Vergangenheitsform, weil die rote Linie schon überschritten wurde, Dekadenz ist ein „zähes“ Luder, aber eines Tages ist „Schluß mit lustig“. So war es immer und so wird es bleiben.
      Das gilt auch für das SchuldgeldSystem. Eine kriminelle, unmenschliche Machtkrake, sonst nichts!!! Da keiner zuhört und mitdenkt, seit 1913, fällt dem „Köter“ (Oder auch Gojim/ Kuffar/ Muggel, je nach Sekte und Tageslaune) nicht auf, daß er einen tödlichen Fehler begeht, im wahrsten Sinne der Tragödie: NUR, er muß sich fürs Geld abrackern! Die anderen drucken es sich, für lau!
      Die Abschaffung des Bargeldes, liebe Untertanen, ist wie vom Regen in die Traufe. Vom analogen, zum virtuellen Machtsystem. Capice!? Nein!? 6, setzen!

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    Gixxer

    1. August 2018 14:32 at 14:32

    „Eine große Gefahr wurde in der Doku aber nicht angesprochen. Wir haben in den letzten Jahren der Nullzinspolitik schon mehrfach darauf hingewiesen. Aktuell zahlen Banken -0,4% Strafzinsen, wenn sie ihre überschüssigen Guthaben bei der EZB parken. Diesen Verlust reichen die Banken in Deutschland nur bei Großkunden mit Millionen-Guthaben an die Endkunden weiter – noch. Denn man wolle ja den braven Kleinsparer nicht Geld abziehen, wenn er Geld anlegt, so der Tenor der Finanzbranche.

    Was, wenn es kein Bargeld mehr gibt? Dann sind die Menschen dem Bankensystem de facto ausgeliefert. Was die Banken vorschreiben, müssen die Kunden akzeptieren. Leiten die Banken dann einen Negativzins der Zentralbank an alle Kunden weiter, muss auch der brave deutsche Michel mit seinem kleinen Sparkonto Verluste hinnehmen, obwohl er doch Zinsen kassieren will. Genau das Gegenteil passiert aber, und er/sie kann sich dagegen nicht wehren.“

    Meines Erachtens wird diese Problematik absichtlich nicht angesprochen, denn früher oder später wird man die anderen Bedenken ausgeräumt haben und dann kann man sagen: „Was wollt ihr denn, es ist doch jetzt kein Problem mehr, wenn Bargeld abgeschafft wird.“ Die breite Masse wird es dann akzeptieren, da sie das o.g. Problem, da es nie angesprochen wurde nicht auf dem Schirm haben und wenn es dann erst mal weg ist, das Bargeld ist es zu spät.

    Ich zahle daher auch (fast) ausschließlich mit Bargeld und das bleibt auch so!

  4. Avatar

    Steven

    1. August 2018 14:52 at 14:52

    Note: in Schweden drehen sich die Uhren Grade Rückwärts.

    Regelungen werden aufgeweicht.
    Die Meinung dreht sich

  5. Avatar

    Bargeld

    6. August 2018 01:58 at 01:58

  6. Avatar

    Data Case

    8. August 2018 15:35 at 15:35

    Ist es eigentlich noch nicht jedem klar, dass wir alle schon gläsern sind? Egal, ob wir nun Bargeld oder Plastik benutzen?

    Die Zukunftsutopien sind keine mehr!

    Das Internet ist Fluch und Segen zugleich.

    Alleine ein Handy zu besitzen ist schon der Zugang.

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US-Wahl: Was passieren muß, damit Trump gewinnt!

Markus Fugmann

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am

Die US-Wahl rückt immer näher, laut Umfragen liegt Donald Trump derzeit recht deutlich hinter Joe Biden. Eines scheint klar: wenn Trump die US-Wahl gewinnen will, muß er zwingend den Bundeststaat Florida gewinnen – gewönne Biden in Florida, wäre ein Wechsel im US-Präsidentenamt praktisch sicher. Die Zwischenstände aus Florida werden also extrem wichtig – es gibt sogar einen kleinen Wahlbezirk in diesem Bundeststaat, der schon früh die Richtung anzeigen dürfte.

US-Wahl – das sind die Szenarien

Die US-Seite https://fivethirtyeight.com/ zählt zu den führenden Prognose-Quellen in den USA. Sie bietet ein interaktives Tool an, mit dem man Szenarien durchspielen kann: gewinnt etwa Biden den swing state Pennsylvania, dann hat das einen positiven Einfluß auch auf seine Sieges-Chancen auch in Nachbar-Bundestsaaten. Sehen Sie hier, was passieren muß, damit Trump gewinnen kann:

 

Und so ist die Lage in den USA unmittelbar vor der US-Wahl – es ist ein gespaltenes, zerrissenes Land, wie folgende ARTE-Dokumentation zeigt:

 

Was muß passieren, damit Trump die US-Wahl gewinnt?

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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am

Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Sahra Wagenknecht über die große Krise, und wie man sie lösen kann

Redaktion

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Sahra Wagenknecht hat den Ruf wirklichen wirtschaftlichem Sachverstand zu besitzen. Bei ihr kann man erkennen: Es wird nicht stumpf das sozialistische Lied abgespielt. Bei ihren Aussagen merkt man, dass sie das Gesamtbild im Blick hat und auch versteht. Natürlich kann und darf man über ihren Lösungsansatz für das große Gesamtproblem streiten. Aber auch ihren Lösungsansatz begründet sie inhaltlich nachvollziehbar.

Sahra Wagenknecht mit Bestandsaufnahme der Krise

In ihrem aktuellsten Video (am Ende dieses Artikels) wirft Sahra Wagenknecht die Frage auf, ob eine große Finanzkrise bevorsteht. Dafür arbeitet sie sich an vielen Ungleichgewichten und wirtschaftlichen Schieflagen ab, die in dieser Form in der Tat auch bestehen. So bespricht sie die gigantische Geldschwemme der Notenbanken, in der Europa verursacht durch die EZB. Diese sorge für einen riesigen Push bei den Aktienkursen. Profitieren würden vor allem die Reichen, die in großem Umfang Aktien besitzen. Der Kleinsparer, der sein Geld nur auf dem Sparkonto parkt, würde durch Nullzinsen (neuerdings immer öfters auch Negativzinsen) und Inflation laut Sahra Wagenknecht real jedes Jahr Geld verlieren.

Die Großkonzerne würden in der Coronakrise mit billigem Geld überschwemmt, so dass sie gar keine Probleme hätten durch diese Krise zu kommen (ja, dafür gibt es zahlreiche Beispiele). Gleichzeitig haben es laut Sahra Wagenknecht kleine Unternehmen und Unternehmer derzeit sehr schwer überhaupt an Geld zu kommen, um die Krise überleben zu können. Demnach seien die großen Konzerne die Krisengewinner, die kleinen Betriebe die Verlierer. Sahra Wagenknecht nennt in diesem Zusammenhang auch die Anleihekäufe der EZB, wo auch in großem Stil Unternehmensanleihen gekauft werden. Und hier geht es eben um Anleihen großer Unternehmen, und nicht um Schulden kleiner Betriebe, die eh keine Anleihen ausgeben.

Als weiteres Ungleichgewicht benennt Sahra Wagenknecht auch die Immobilienblase. Bei den niedrigen Zinsen lohne sich die große Spekulation, welche die Preise immer weiter nach oben treibe. Und letztlich beleuchtet sie die (von uns bei FMW oft angesprochene) steigende Bedrohung für das Bankensystem in Europa. Schon vor der Krise habe es laut Sahra Wagenknecht 600 Milliarden Euro Volumen an faulen Krediten bei Banken in Europa gegeben – jetzt drohe diese Summe auf 1,4 Billionen Euro zu steigen.

Problemlösung

Was sei nun die Lösung des Problems? Laut Sahra Wagenknecht seien immer neue Schulden und immer tiefere Zinsen nicht die Lösung des Problems. Die Wirtschaft könne auch nicht so kräftig ansteigen, dass Volkswirtschaft und Staat aus dem gigantischen Schuldenberg „herauswachsen“ könnten, wie sie es formuliert. Inflation sei auch keine Lösung, da hierbei die kleinen Leute mit ihren Sparguthaben enteignet würden. Die reichen Leute würden mit ihren Immobilien und Betriebsvermögen ihren Wohlstand behalten, während die kleinen Leute bei einer spürbaren Inflation den Preis bezahlen müssten.

Für Sahra Wagenknecht gibt es nur eine Lösung des Problems. Und da kommt natürlich die linke Politik wieder zum Vorschein. Man müsse die enorme angehäufte Schuldenlast restrukturieren, und zwar zu Lasten der wirklich Vermögenden. Dazu kann man anmerken: Das ist eine politische Frage, was man will. Diese Lösung kann man befürworten, oder eben auch nicht. Ansichtssache. Aber abgesehen davon: Die anderen Alternativen sind auch nicht berauschend. Man darf vermuten: So wie die aktuelle Merkel-Regierung wird wohl auch ein Nachfolger wie Herr Laschet keinen großen Wurf machen, sondern stillschweigend zusammen mit der EZB auf die Lösung setzen, die auch die Amerikaner seit Jahrzehnten praktizieren, wenn es um Problemlösungen geht. „Kick the can down the road“ – die Dose die Straße weiter runter kicken. Das Problem also in die Zukunft verschieben. Also jetzt immer neue Rettungsprogramme auflegen (letztlich finanziert durch die EZB, das neue EU-Schuldenprogramm uvm), – und diese Probleme darf irgendwer in ferner Zukunft abzahlen.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht. Foto: Ferran Cornellà CC BY-SA 4.0

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