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Bargeld abschaffen? Was sind die Folgen? Diese gute Doku lässt ein Problem aus

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Derzeit ist das Thema “Bargeld abschaffen” nicht auf der Tagesordnung. Ein Thema für ängstliche Wutbürger, die sich vor allem fürchten? So lautet vermutlich die unausgesprochene Leitlinie der Politik. Leute, Leute, hört doch endlich auf mit eurer Angst, wir schaffen euer Bargeld schon nicht ab… klingt das in Schweden derzeit genauso? Leute, keine Angst, wir schaffen das Bargeld schon nicht ab?

In Schweden wird das Bargeld derzeit in Rekordtempo abgeschafft, und zwar über den “kalten Entzug” von Bargeld, wie wir es nennen möchten. Wenn Bargeld einzahlen oder auszahlen extrem teuer wird, wenn Banken gar kein Bargeld mehr annehmen, wenn Einzelhändler selbst für kleinste Zahlungen kein Bargeld mehr annehmen… tja, wie will man dann als Bürger noch auf seine Bargeld-Zahlung bestehen?

Eine Dokumentation der ARD mit dem Titel “Welt ohne Geld” zeigt sehr gut auf, welche Risiken mit der schleichenden Abschaffung von Bargeld verbunden sind. Staatliche Kontrolle, Verkauf der Nutzerdaten, und eine unterbewusste Anpassung des Bürgers an allgemein erwünschte Verhaltensrichtlinien – denn wer weiß, dass er komplett gläsern ist, hat Angst aufzufallen, und passt sich an. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern findet unterbewusst statt.

Aber die Doku spricht auch Probleme an wie Hackerangriffe oder Bankenpleiten. Wenn Banken pleite gehen, und das Kontoguthaben der Bürger weg ist, was dann? Wie will man als Bürger dann Lebensmittel kaufen, womit? Wenn Bankensysteme kollabieren, nützen auch Einlagensicherungssysteme nichts, denn die Beträge sind viel zu groß, die erstattet werden müssten. Also ist und bleibt Bargeld eine echte Sicherheit, die einem niemand wegnehmen kann.

Eine große Gefahr bei der Bargeld-Abschaffung wurde nicht angesprochen

Eine große Gefahr wurde in der Doku aber nicht angesprochen. Wir haben in den letzten Jahren der Nullzinspolitik schon mehrfach darauf hingewiesen. Aktuell zahlen Banken -0,4% Strafzinsen, wenn sie ihre überschüssigen Guthaben bei der EZB parken. Diesen Verlust reichen die Banken in Deutschland nur bei Großkunden mit Millionen-Guthaben an die Endkunden weiter – noch. Denn man wolle ja den braven Kleinsparer nicht Geld abziehen, wenn er Geld anlegt, so der Tenor der Finanzbranche.

Was, wenn es kein Bargeld mehr gibt? Dann sind die Menschen dem Bankensystem de facto ausgeliefert. Was die Banken vorschreiben, müssen die Kunden akzeptieren. Leiten die Banken dann einen Negativzins der Zentralbank an alle Kunden weiter, muss auch der brave deutsche Michel mit seinem kleinen Sparkonto Verluste hinnehmen, obwohl er doch Zinsen kassieren will. Genau das Gegenteil passiert aber, und er/sie kann sich dagegen nicht wehren.

Das kann er heute, weil er im Notfall sein Sparkonto auflösen und das Geld abheben kann. Zuhause unter die Matratze, und die Negativzinsen haben keine Chance. So ist die Lage heute. Aber wären die Banken immer noch so kundenfreundlich, wenn sie wüssten, dass die Kunden mit ihren Guthaben nicht weglaufen können? Wohl kaum. Die Doku ist sehenswert, und zeigt neben Schweden zum Beispiel auch, was derzeit in China passiert. Klicken Sie bitte hier, um die ganze Doku sehen zu können.

Bargeld Museum Bundesbank
Geldmuseum der Bundesbank. Foto: © Uwe Nölke / Deutsche Bundesbank

8 Kommentare

8 Comments

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    Kritisch

    1. August 2018 11:43 at 11:43

    Ich habe schon jahrelang keine Guthaben auf Konten diverser Kreditinstitute und bezahle praktisch immer in bar. Kreditkarten sind bei mir Pre-paid und nur für Notfälle (bin aber seit jahren nie in den USA, wo du ja ohne “Plastik” praktisch lebensunfähig bist). Ein wenig Bargeld, in verschiedenen Währungen und Gold in rechtskonformer Form, so sieht meine Antwort auf die in den letzten Jahren sich zuspitzende Finanzkrise aus. Wesentlich ist mir auch eine gewisse Notfallsicherung in Form von Grundbesitz (lastenfrei),ein Dach über dem Kopf (lastenfrei) mit Feststoff-Heizung (umschaltbar von Erdgas). Ich bin grundsätzlich ein positiver Mensch aber nicht so naiv als dass ich dem Bankensystem oder den Volksvertretern auch nur in geringster Form über den Weg traue. Deren einziges Interesse liegt daran sich selbst die Taschen zu füllen und möglichst ein Höchstmaß an Macht zu gewinnen.Vielleicht ein bisschen “grazy”, es lässt mich aber ruhig schlafen.

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      Lehmann

      1. August 2018 12:38 at 12:38

      Das ist nicht crazy – das ist gesunder Menschenverstand.
      Mache ich genauso – habe gerade meinen alten Feststoffbrennofen renovieren lassen.

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    Uwe E. Mertens

    1. August 2018 11:53 at 11:53

    „Wir befinden im gegenwärtigen westlichen Demokratiegebilde in einem universellen Betrugssystem mit der Tendenz zum perfekten Verbrechen mit Selbst- und Mitläuferqualität.
    Kämpfen wir noch mit dem Geschäftsbankenbereich in Zins- u. Zinseszins und deren geschickte Manipulationsfähigkeiten über deren gehütetes Bankgeheimnis. Einer scheinheiligen Geldschöpfungsberechtigung aus dem Nichts massenhaft unendlich viel Luftgeld erschaffen zu können und über Kredit mit Verzinsungen weiter zu verteilen.
    Dieser Bereich der realen Wirtschaftsfinanzierung über Luftgeldschöpfung im Geschäftsbankenbereicht liegt angeblich gegenwärtig nur etwa 5 % Anteil an der aktuellen Summe des Weltgeldes …oder?.
    Richtig tobt der Bär im Investmentbereich, mittlerweile soll dieser Bereich schon 95 % der Summe des erfassten Weltgeldes ausmachen…oder?
    Wo soll das noch hinführen … ins grauenhafte Endzeitchaos?
    Wir sterben jeden Tag intensiver, hinterhältiger und werden in der Masse gezielt willenloser.

    Raus aus der Sache der manipulierten Massenverblödung, rein ins natürliche menschliche Denkvermögen…..Blödsinn ist in er Regel von Menschen gemacht und Menschen können
    Ihn auch beenden, wenn sie es wollen, aber…..
    In der aktuellen Scheinwelt gibt es kaum Wahrheiten, oft herrschen mehr pseudowissenschaftliche Regeln, als tatsächlich begründete Realität.
    Es spielen Geschäftemacher, Irre und Kriminelle einen unglaublichen Quatsch mittels eines wissenschaftlichen Anscheins.
    Es wird immer stärker sichtbar, eine anständige Glaubwürdigkeit ist gegenwärtig vorab schon völlig ruiniert….. Was tun?
    Wer geht voran, wem können alle folgen? Ist ein bewaffneter Aufstand sinnvoll?

    Wir können das System der friedlichen Revolution von 1989, jetzt als Gesamtleistung
    neu, zunächst beispielgebend als gesamtdeutscher Aktion durchführen…oder?

    Die aktuellen westlichen Regierungen wollen keine zur konstruktiven Kritik befähigten Menschen, die in der Lage sind frei zu denken, sachkundig und gebildet auf Herausforderungen oder zukunftsfähige Wegsuchen zu reagieren. Wozu? Die Parteilichen laufen wegen ihre Scheuklappen extrem schnell gerade aus und meinen göttliche Aufgaben aus fremdartige Machtinteressen im vorauseilenden Gehorsamtrieb gegenüber unerkannt scheinbar unsichtbaren Machtsüchtiger erfüllen zu müssen.
    So, ist die gegenwärtige parlamentarische westliche Regierungsform mit demokratischem Antlitz, ist nichts anderes, als eine Fortsetzung von arroganter hinterhältiger Diktatur mit irrigen Mitteln.
    Letztlich geht es immer um reale Macht, im Politischen Gezänk wird dies geschickt getarnt, dass eine kleine Minderheit über falsches Geld die Welt immer noch regiert.
    Wem diese Erkenntnis zu abstrakt erscheint, gehört mit hoher Wahrscheinlichkeit zu den hilflosen Mitläufern, Anpassern und unmotivierten Jasagern mit Ballastfunktion, die freie menschlich natürliche Entwicklung erschweren sollen …oder?
    Oder man ist eiskalt berechnend, für sich selbst ein überdurchschnittliches Stück aus dem Kuchen herausschneiden zu können.
    Die Anständigen und Fleißigen werden immer mehr ausgepresst.

    Pfui Teufel !

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      globalvoterorg

      6. August 2018 13:14 at 13:14

      Pfui Gesellschaft. Der “Teufel” sitz im pyramidalen MachtSystem, zwar, an der obersten Spitze, aber, WIR, selbst sind die Akteure und Opfer, zugleich. Ohne, unsere Unterwürfigkeit und Gehirnwäsche würde die Dominanz nicht brillieren!
      Genial ist das System: Teile und Herrsche! Funktioniert seit Jahrhunderten. Jede Diktatur ist von Mitläufern (political correctness) getragen. Die Deutschen sollten, eigentlich, aus Hitlers und Honnekers Zeiten gelernt haben. Sollten das Regime Merkel erkennen. NIE WIEDER, wurde nach 1945 “gejault”! Trotzdem, sind wir wieder mitten drin in unserem Hang zum Größennwahn und dem Bazillus der Selbstüberschätzung. “Wir sind was Besseres” Die Griechen können ohne uns nix und die anderen schon garnicht. AD war garnicht sooo schlimm. Fehlt nur noch ein “revival” der DDR! HUCH, haben wir schon!?
      Was die Leute nicht verstanden, daß sie den Untergang verdienten. Vergangenheitsform, weil die rote Linie schon überschritten wurde, Dekadenz ist ein “zähes” Luder, aber eines Tages ist “Schluß mit lustig”. So war es immer und so wird es bleiben.
      Das gilt auch für das SchuldgeldSystem. Eine kriminelle, unmenschliche Machtkrake, sonst nichts!!! Da keiner zuhört und mitdenkt, seit 1913, fällt dem “Köter” (Oder auch Gojim/ Kuffar/ Muggel, je nach Sekte und Tageslaune) nicht auf, daß er einen tödlichen Fehler begeht, im wahrsten Sinne der Tragödie: NUR, er muß sich fürs Geld abrackern! Die anderen drucken es sich, für lau!
      Die Abschaffung des Bargeldes, liebe Untertanen, ist wie vom Regen in die Traufe. Vom analogen, zum virtuellen Machtsystem. Capice!? Nein!? 6, setzen!

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    Gixxer

    1. August 2018 14:32 at 14:32

    “Eine große Gefahr wurde in der Doku aber nicht angesprochen. Wir haben in den letzten Jahren der Nullzinspolitik schon mehrfach darauf hingewiesen. Aktuell zahlen Banken -0,4% Strafzinsen, wenn sie ihre überschüssigen Guthaben bei der EZB parken. Diesen Verlust reichen die Banken in Deutschland nur bei Großkunden mit Millionen-Guthaben an die Endkunden weiter – noch. Denn man wolle ja den braven Kleinsparer nicht Geld abziehen, wenn er Geld anlegt, so der Tenor der Finanzbranche.

    Was, wenn es kein Bargeld mehr gibt? Dann sind die Menschen dem Bankensystem de facto ausgeliefert. Was die Banken vorschreiben, müssen die Kunden akzeptieren. Leiten die Banken dann einen Negativzins der Zentralbank an alle Kunden weiter, muss auch der brave deutsche Michel mit seinem kleinen Sparkonto Verluste hinnehmen, obwohl er doch Zinsen kassieren will. Genau das Gegenteil passiert aber, und er/sie kann sich dagegen nicht wehren.”

    Meines Erachtens wird diese Problematik absichtlich nicht angesprochen, denn früher oder später wird man die anderen Bedenken ausgeräumt haben und dann kann man sagen: “Was wollt ihr denn, es ist doch jetzt kein Problem mehr, wenn Bargeld abgeschafft wird.” Die breite Masse wird es dann akzeptieren, da sie das o.g. Problem, da es nie angesprochen wurde nicht auf dem Schirm haben und wenn es dann erst mal weg ist, das Bargeld ist es zu spät.

    Ich zahle daher auch (fast) ausschließlich mit Bargeld und das bleibt auch so!

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    Steven

    1. August 2018 14:52 at 14:52

    Note: in Schweden drehen sich die Uhren Grade Rückwärts.

    Regelungen werden aufgeweicht.
    Die Meinung dreht sich

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    Bargeld

    6. August 2018 01:58 at 01:58

  6. Avatar

    Data Case

    8. August 2018 15:35 at 15:35

    Ist es eigentlich noch nicht jedem klar, dass wir alle schon gläsern sind? Egal, ob wir nun Bargeld oder Plastik benutzen?

    Die Zukunftsutopien sind keine mehr!

    Das Internet ist Fluch und Segen zugleich.

    Alleine ein Handy zu besitzen ist schon der Zugang.

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Pläne von Merkel, Macron, EZB: “Brandgefährlich” für unser Geld

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Thomas Mayer war ehemals Chefvolkswirt der Deutschen Bank und ist heute für Flossbach von Storch tätig. Aktuell hat er Mission Money ein Interview gegeben, in dem die neuen Vorschläge von Angela Merkel und Emmanuelle Macron besprochen werden. Sie wären eine neue Ära der Eurozone in Sachen Verschuldung, so Thomas Meyer. Wie schon nach der Gründung des Euro werde es auch diesmal keine Anpassungsprozesse in den Südländern der Eurozone geben, sondern es gebe halt nur neue Schuldentöpfe, die aufgemacht und angezapft werden (unsere Wortkreation). Es brauche laut Thomas Mayer Punkte wie Deregulierung und flexiblere Arbeitsmärkte in diesen Ländern. Warum Macron auf dem Schuldentrip sei? Thomas Mayer ist der Meinung, dass Frankreich sich nach der Coronakrise nun den Südländern zugehörig fühle, weil die Krise das Land wirtschaftlich viel härter treffe als Deutschland. Auch nennt Meyer Gründe, warum Angela Merkel wohl beim Plan für EU-Schulden und quasi Geschenke Richtung Südländer mitmacht. Aber schauen Sie selbst!

Merkel und Macron
Merkel und Macron. Foto: Kremlin.ru CC BY 4.0

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EZB-Bilanz explodiert immer weiter – zu großer Hunger auf deutsche Papiere

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Die Zentrale der EZB in Frankfurt

Seit gestern liegt die EZB-Bilanz für den Stichtag 29. Mai vor. Am Ende dieses Artikels drucken wir die Übersicht der Aktiva ab, woraus auch die gigantischen Anleihekäufe der EZB ersichtlich sind. Die gesamte Bilanzsumme wuchs binnen einer Woche um 40,8 Milliarden auf 5,596 Billionen Euro! Noch im Februar waren es 4,7 Billionen Euro. Tja, das Geld für all die aufzukaufenden Staatsschulden und für die Kredite an die Banken muss irgendwo her kommen. Euros aus dem Nichts erschaffen, das bläht die Bilanzsumme auf! Die zu “geldpolitischen Zwecken gehaltene Wertpapiere” (Anleihekaufprogramme) haben jetzt ein Volumen von 3,019 Billionen Euro erreicht – ein Plus von 24 Milliarden Euro in nur sieben Tagen.

Die längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte (Kredite an Banken) wuchsen um 18 Milliarden Euro im Vergleich zur Vorwoche. Die EZB-Bilanz macht nun 47 Prozent der Wirtschaftsleistung der Eurozone aus. Abgesehen von der Summe ist auch diese prozentuale Relation ein Rekord! Interessant ist auch, dass die EZB derzeit offenbar mehr deutsche Staatsanleihen aufkauft, als es nach dem Kapitalschlüssel angedacht wäre. Schon mal vorsichtshalber viele deutsche Papiere aufkaufen, bevor es der Bundesbank nach dem Urteil aus Karlsruhe endgültig verboten wird an den Anleihekäufen der EZB mitzuwirken? Im folgenden Chart sehen wir den Verlauf der EZB-Bilanz seit der Entstehung der Zentralbank.


source: tradingeconomics.com

EZB-Bilanz mit Stand 29. Mai

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Coronakrise und das Sparverhalten der Menschen

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Die Volkswirtschaften taumeln rund um den Globus in der Coronakrise. Notgedrungen halten sich die Menschen mit ihren Konsumausgaben zurück. Sei es aus Gründen der Einkommenseinbußen oder aus dem Umstand, dass bestimmte Formen des Shoppings in Zeiten der Sicherheitsmaßnahmen wegen Covid-19 einfach weniger Freude bringen. Aber wie verhält es sich eigentlich mit dem Sparverhalten der Menschen in diesen Zeiten? Gibt es ein Umdenken in deutschen Landen?

Das Geldvermögen der Deutschen und die Coronakrise

Trotz der Konzentration des Gesamtvermögens der Deutschen auf das obere Zehntel, „die oberen Zehntausend“, hält in der Breite der Bevölkerung ein Trend an: Man misstraut der „riskanten“ Aktienanlage und spart vorwiegend in kurzfristigen und „sicheren“ Bankeinlagen. So stieg das Geldvermögen der Deutschen innerhalb der letzten fünf Jahre von 5,36 auf 6,46 Billionen Euro, knapp 40 Prozent davon in Form von Bargeld und Bankeinlagen.

Zum Vergleich: Der Wert aller deutschen Dividendentitel im DAX, M-Dax, Tech-Dax u.s.w. beträgt gerademal um die zwei Billionen Euro und davon befindet sich ein erheblicher Anteil auch noch in ausländischen Händen.

Obwohl die Zinsen bereits seit 2012 oft real unter null liegen und seit 2016 permanent, ignoriert man den schleichenden Kaufkraftverlust. Seit 2012 ist dies ein dreistelliger Milliardenverlust, egal welche Schätzung man zu Rate zieht.

Eine Umfrage des Bankenverbandes ergab, dass 53 Prozent der Sparer nicht bereit sind, für eine höhere Rendite ein größeres Risiko einzugehen. Diese Einstellung vererbt sich anscheinend von Generation zu Generation. Nach einer Berechnung der ING Deutschland hat sich das Finanzvermögen der Bundesbürger in den letzten 20 Jahren glatt verdoppelt – was aber nicht an den üppigen Zinsen lag, sondern daran, dass man einfach die Sparrate erhöht hat, insbesondere nach Krisen (das dürfte in der Cornakrise nicht anders sein!). Seit 2014 sei jeder zweite Spar-Euro in Bankeinlagen geflossen. Mit real unangenehmen Folgen, schließlich schlägt die Geldentwertung in jedem Jahr mit ein bis zwei Prozent zu. Auch wenn die Geschichte von negativen Realzinsen nicht wirklich neu ist – in den vergangenen Jahrzehnten gab es immer wieder solche Phasen, allerdings verschleiert durch positive Zinssätze – so gibt es derzeit kein Entrinnen.

Die besondere Lage in den USA

Im Gegensatz zu den Deutschen legen die Amerikaner nicht so viel zur Seite, die Sparquote betrug jahrelang um die sieben Prozent. Allerdings sind einer Studie der Notenbank zufolge fast die Hälfte der Bevölkerung nicht einmal in der Lage 400 Dollar für Ersatzbeschaffungen oder Reparaturen aufzubringen. Da müsste man eigentlich bei derzeit über 41 Millionen Arbeitslosen das Schlimmste befürchten. Aber die wöchentlichen Schecks von 600 Dollar pro Woche durch die US-Regierung sorgen für eine Sondersituation: Niedriglöhner mit mehreren Jobs haben derzeit mehr in der Tasche als vor der Coronakrise.

In den USA ist im April die Sparrate sprunghaft auf 33 Prozent gestiegen, es ist der höchste je gemessene Wert seit man diesen Wert ermittelt – in den 1960-ern. Die bisher höchste Quote stammt aus dem Mai 1975 mit 17,3 Prozent.

Anscheinend spart der Durchschnittsamerikaner einen Teil der Summe, den er von Seiten des Staates erhält für die kommende Zeit oder er zockt am Aktienmarkt, wie es Markus Fugmann kürzlich in einem Video dargestellt hat.

Coronakrise: Italien sorgt sich um seine Sparer

Eine ebenso ungewöhnliche Situation für Sparer ergibt sich derzeit in dem sehr durch die Coronakrise gebeutelten Italien. Das italienische Finanzministerium hat in der letzten Woche eine Anleihe aufgelegt, die eine Positivrendite von 1,4 Prozent oberhalb der Inflationsrate garantiert – Laufzeit bis Mai 2024. Der Umfang der Emission lag auf rekordverdächtigem Niveau von 22 Milliarden Euro, gezeichnet von Privatanlegern und Institutionellen. Dieses Papier ist für den Staat damit erheblich teurer, als man es über den ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) hätte haben können, wahrscheinlich um die 1,6 Milliarden Euro bis Laufzeitende. Ein eindeutiges Geschenk für italienische Sparer, denn Ausländer kamen nicht zum Zuge.

Fazit

Egal ob Coronakrise oder andere Krisen, ob die Zinsen hoch oder niedrig sind: die Deutschen sind und bleiben Geldsparer. Sinken die Zinsen, erhöht man, wenn man es kann, ganz einfach die Sparrate. Solange der Nominalbetrag nicht schrumpft und der Normalverbraucher den realen Verlust nicht auf seinem Kontostand sieht. Aber was wird passieren, wenn das Sparen Verluste einbringt? Aus unzähligen Untersuchungen der Psychologen weiß man, dass Verluste in unserem limbischen System (dem Gefühlszentrum) sehr viel mehr schmerzen, als Gewinne Freude bereiten, der Fachbegriff ist Verlustaversion. Wird es in Deutschland nach der Coronakrise eine Umorierentierung in riskantere Anlageformen geben? Schnell bestimmt nicht, allerdings gab es auf dem Höhepunkt der Coronakrise bei der ING Deutschland anscheinend Rekordzahlen bei den Abschlüssen von Sparplänen auf Fonds und ETFs. Das niedrige Kursniveau hatte nicht wenige zu diesem Schritt animiert. Geworben wird für die Aktienanlage in unzähligen Artikeln auf Wirtschaftsseiten der Zeitschriften sowieso und auch in vielen Fernsehbeiträgen. Mal sehen, ob daraus ein Trend wird, die Zinsen dürften so schnell nicht steigen, aus ebenfalls x-fach dargelegten Gründen.

Auch in der Coronakrise wird fleißig gespart

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