Allgemein

Top-Experten rechnen vor Bestechende Analyse: Warum die Inflation auf über 10 Prozent steigen könnte

Explodierende Gaskosten und auslaufende staatliche Hilfen drücken wohl bald weiter auf die Inflation.

Brennender Geldschein als Symbol für Inflation

Die Inflation in der Eurozone liegt aktuell bei 8,9 Prozent. Aktuell ist uns eine Analyse der Ökonomen der Commerzbank ins Auge gefallen. Und man muss sagen – es ist eine bestechende Analyse, die klar darlegt, dass die Inflationsrate im Herbst über 10 Prozent ansteigen könnte.

Inflation in vielen Ländern bereits weit über 10 Prozent

Bereits heute ist die Inflation in 10 von 19 Ländern der Eurozone über der 10 Prozent-Marke. Der Schnitt liegt nur deswegen noch unter 10 Prozent, weil die Länder mit großer Bevölkerungsanzahl wie Italien, Frankreich und Deutschland noch unterhalb von 10 Prozent liegen.

Inflation in der Eurozone aufgeteilt nach Ländern

Zahlreiche staatliche Eingriffe dämpfen kurzfristig den Anstieg der Inflation

Für mehrere Monate dämpfen derzeit staatlichen Maßnahmen den Anstieg der Inflationsrate, und das nicht nur in Deutschland. Nach Auslaufen dieser staatlichen Hilfen dürfte die Inflation logischerweise einen Sprung nach oben machen. Die Commerzbanker erwähnen zum Beispiel, dass Frankreich im Oktober 2021 einen „Gebühren-Schutzschild“ eingeführt hat. Dieser begrenzt den Anstieg der Gas- und Elektrizitätspreise für die Verbraucher. Außerdem wurde ab 1. April ein auf vier Monate beschränkter Rabatt auf den Benzinpreis in Höhe von 15 Cents je Liter eingeführt, der durch staatliche Mittel finanziert wird. Berechnungen der Statistiker zufolge haben diese Maßnahmen die Inflationsrate im Juni 2022 um etwa 2 Prozentpunkte gedämpft.

Deutschland hatte ab Juni über einen Zeitraum von drei Monaten für den öffentlichen Personennahverkehr das stark vergünstigte „9-Euro-Ticket“ eingeführt sowie die Energiesteuer auf Kraftstoffe reduziert (Tankrabatt). Diese Maßnahmen haben die Inflationsrate um knapp 1 Prozentpunkt gesenkt. Die Experten betonen, dass viele solcher Maßnahmen zeitlich befristet seien. Danach steigen die Preise wieder, die Inflation wird angeheizt. So werde das Auslaufen des 9-Euro-Tickets und des Tankrabatts im September die Inflationsrate in Deutschland um einen vollen Prozentpunkt erhöhen.

Gas ist ein wichtiges Thema

Auch die Preisexplosion bei Gas ist ein wichtiges Thema. Die nun unmittelbar bevorstehende Weiterleitung höherer Preise an die Verbraucher in Deutschland dürfte die Inflation befeuern. So schreiben die Experten, dass die übliche Gaspreiserhöhung der Versorger bis Jahresende die deutsche Inflationsrate zusätzlich um 0,4 Prozentpunkte erhöhen dürfte. Ab 1. Oktober soll zusätzlich eine Gas-Umlage erhoben werden. Diese ist für alle Gaskunden gleich und soll nach Aussagen von Bundeswirtschaftsminister Habeck zwischen 1,5 und 5 Cents je Kilowattstunde betragen. Dies stelle für die Bürger einen massiven Kostenschub dar.

Für einen Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden würde die Gas-Umlage zu Mehrkosten zwischen 300 und 1.000 Euro pro Jahr führen. Die Experten rechnen vor: Eine Gas-Umlage von 1,5 Cent würde die Inflationsrate um 0,6 Prozentpunkte erhöhen, eine Umlage von 5 Cents sogar um knapp 2 Prozentpunkte. Im Extremfall werden das Ende des 9-Euro-Tickets und des Tankrabatts, die üblichen Gaspreiserhöhungen sowie die Gas-Umlage die deutsche Inflationsrate etwa 3 Prozentpunkte nach oben treiben. Die Inflationsrate wäre dann im vierten Quartal zweistellig. Im Euroraum sähe das nicht viel anders aus.

Nächstes Jahr Entspannung?

Preise für Rohstoffe und Industriemetalle sind in letzter Zeit gefallen wegen Ängsten vor einer heraufziehenden Rezession. Hilft dies mit einer Verzögerung von mehreren Monaten die Inflation im nächsten Jahr zu dämpfen? Laut Aussage der Commerzbanker hat der Anstieg der Produzentenpreise seinen Höhepunkt vermutlich schon überschritten, auch wenn die Vorjahresrate in der Eurozone im Juni mit 35,8 Prozent weiter extrem hoch ausgefallen ist.

Ihrer Aussage nach steht aber für nächstes Jahr keine richtige Entspannung beim Thema Inflation an. Bei etwas genauerem Hinsehen kommt man auch von ganz alleine auf das „Problem“. Was für jeden einzelnen Arbeitnehmer sein gutes Recht und auch notwendig ist, ist für die Inflation im großen Bild ein Belastungsfaktor. Die Preise steigen deutlich, also benötigen die Arbeitnehmer einen Ausgleich in Form steigender Löhne. Und die höheren Lohnabschüsse werden nächstes Jahr vermutlich dazu führen, dass die Unternehmen wiederum versuchen werden diese höheren Lohnkosten auf die Preise für ihre Produkte abzuwälzen – die Lohn-Preis-Spirale steht an und übt Druck auf die Inflation aus.

Lesen Sie auch

So sehen das auch die Experten der Commerzbank. Gerade bei den Dienstleistungen dürfte ihrer Aussage nach der Preisauftrieb hoch bleiben, schließlich seien hier die Arbeitskosten der wichtigste Faktor. Dabei dürfte der enge Arbeitsmarkt die Lohnkosten weiter anheizen. So ist die Arbeitslosenquote im Euroraum auf den tiefsten Stand seit Einführung des Euro gesunken. Am Personalmangel werde sich wohl nicht viel ändern. Entsprechend erwarten die Experten, dass die Tariflöhne bald spürbar anziehen. Mittlerweile hätten die Gewerkschaften mit Blick auf die stark gestiegene Inflation ihre Lohnforderungen nicht nur für Deutschland deutlich nach oben geschraubt.

Und die EZB hat laut Aussage der Experten zu spät auf die massiv gestiegene Inflation reagiert. Mit 0,0% liegt der EZB-Einlagensatz noch immer massiv unter dem sogenannten neutralen Zins, der die Konjunktur weder anschiebt, noch bremst, und den man mit Blick auf die mittelfristigen Wachstumsaussichten (0,5 bis 1,0%) und das EZB-Inflationsziel bei 2,5 bis 3,0% sieht. Die EZB dürfte ihre Leitzinsen auch in Zukunft nicht entschieden genug erhöhen, weil sie auf die hoch verschuldeten Länder vor allem im Süden der Währungsunion Rücksicht nimmt. Das spreche für ein langfristiges und hartnäckiges Inflationsproblem.



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

2 Kommentare

  1. Selbst wenn die Inflationsrate im Dezember bei „nur“ 10 % liegt, dann müssen der Teuerung aber noch die Inflation von Dezember 2021 hinzugerechnet werden, und die betrug 5,1 %.
    Da werden die Grundsicherungsempfänger aber ein Fass aufmachen, denn ihnen wurde die Grundsicherung um 0,67 % erhöht.
    Ob die Politiker sich wenigsten schämen, den ärmsten der Armen soetwas anzubieten.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  2. Pingback: Meldungen vom 8.8.2022 | das-bewegt-die-welt.de

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage