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Energiekrise Gasspeicher füllen sich schnell – jetzt über 70 Prozent

Die deutschen Gasspeicher füllen sich schnell. Aktuell sehen wir einen Füllstand von über 70 Prozent. Hier ein Blick auf die Gründe.

Gas-Flamme

Die deutschen Gasspeicher füllen sich seit Tagen, und das in großen Schritten. Laut aktuellsten Daten von „Gas Infrastructure Europe“ lag der Füllstand am 3. August bei 70,39 Prozent. In den letzten Tagen sieht man pro Tag bedeutende Fortschritte. Die letzten fünf Tage waren es Schritte von 0,43, 0,51, 0,40, 0,50 und 0,47 Prozentpunkten. Anfang Juli war es noch ein Füllstand von 61,47 Prozent. Anfang dieser Woche berichteten wir bereits, dass sich die Gasspeicher schnell füllen, und das trotz weniger Gasfluss über Nord Stream 1. Daran hat sich nichts geändert. Durch die Pipeline fließt seit Tagen die reduzierte Menge von 14,4 Millionen kWh/h pro Stunde, so zeigen es auch aktuellste Daten der Nord Stream AG. Hier eine Übersicht der Faktoren, die für die Auffüllung der Gasspeicher sorgen:

– Freiwillige Einsparungen von staatlichen Institutionen, Unternehmen und Verbrauchern
– Erzwungene Einsparung von Unternehmen aufgrund der hohen Gaspreise (laut DIHK drosseln Betriebe deswegen inzwischen ihre Produktion)
– Im Sommer wird kein Gas fürs Heizen benötigt
– Millionen von deutschen Konsumenten sind derzeit im Urlaub im Ausland, daher verbrauchen sie aktuell kein Gas fürs Kochen hierzulande
– Maximal möglicher Einkauf von Flüssiggas auf dem Weltmarkt
– Gazprom liefert zwar weniger, aber dennoch gibt es weiterhin täglich einen Gasfluss über Nord Stream 1

Man beginnt jetzt mit der erweiterten Stromproduktion durch Kohle, womit man weniger Gas für die Stromerzeugung benötigt. Gerade erst diese Woche ist das erste Kohlekraftwerk aus der Reserve aktiviert worden, und zwar im niedersächsischen Hohenhameln. Da dies erst diese Woche geschah, wird diese Maßnahme wohl noch nicht in den aktuellen Daten für eine stärkere Befüllung der Gasspeicher gesorgt haben. Aber auf Sicht mehrerer Wochen, wenn auch andere Kohlekraftwerke hochfahren und deutlich weniger Gas für die Stromproduktion verfeuert wird, kann dies ein weiterer entlastender Faktor werden, der die Gasspeicher beim schnelleren Befüllen unterstützt.

Erfolg vollerer Gasspeicher – Mischung aus Anstrengungen und Sommerferien

Wenn man sich anschaut, in welch große Schritten die Auffüllung der Gasspeicher in Deutschland derzeit vollzogen wird, wäre es leicht zu sagen: Die Panik war übertrieben, es läuft doch. Aber man darf wohl eher annehmen: Gerade wegen der Panik gibt es seit Monaten diese massiven Anstrengungen, und man dreht deswegen an diversen Stellschrauben. Dies scheint jetzt Früchte zu tragen, und auch bei relativ wenig Gasfluss aus Russland sieht man sich schnell füllende Gasspeicher. Dafür zahlt der deutsche Gasverbraucher aber einen Preis, wortwörtlich. Denn vor allem das Aufkaufen von Flüssiggas auf dem Weltmarkt treibt den Gaspreis massiv in die Höhe. Denn wer unbedingt kaufen will und muss, ist bereit die anderen Bieter (siehe Länder wie Pakistan) zu überbieten (hier dazu eine Analyse von Thomas Hartz). Zu den diversen Anstrengungen kommt derzeit natürlich auch der Faktor „Sommer“ dazu, der weniger Gasverbrauch bedeutet und beim schnelleren Auffüllen der Gasspeicher hilft. Hier eine Übersicht der Gasflüsse Richtung Europa:

Laut aktueller Aussage des Experten Stephen Stapczynski werden Europas Bemühungen in diesem Winter warm zu bleiben, stark abhängen von Japan, China und Südkorea, den drei weltweit größten Importeuren von Flüssiggas. Jede Vorhersage eines eisig kalten Winters könne ein intensiveres Ringen um den Brennstoff auslösen. Was das bedeuten könnte? Wenn Ostasien (wo man auch mit höheren Preisen mit bieten kann) und Europa in den nächsten Monaten in einen harten Nachfrager-Wettstreit um Flüssiggas eintreten, würde dies weiter steigende Preise bedeuten.



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5 Kommentare

  1. Das wird preislich das gleiche Chaos, wie bei der Maskenbeschaffung.
    Egal was es kostet, wir zahlen es.
    Der dumme deutsche Michel, zahlt das schon. Ein schönes W.E. Frank

  2. Wie auch immer, der Verbraucher (gemeint sind die Privaten) ist der Dumme. Das Ziel der Sanktionen, die Russen wirtschaftlich zu destabilisieren (s. Baerbock) dürfte so schnell nicht erreichbar sein.

    Ergo, die Stanktionen sind für die Katze, im Gegenteil sogar, sie schaden hauptsächlich Deutschland und Ländern wie Pakistan, nicht aber dme sanktionierten Russland.

    Dafür schicken wir Mrd. für Mrd. in die Ukraine, immer größere Waffen und tgl. sterben dort junge Mäner und Frauen.

    Dafür kann man der G7 nur Beifall zollen.

    1. Das in der Ukraine Menschen sterben liegt ja an Russland und nicht an der Ukraine. Hätten England und Russland in WK 2 sagen sollen wir wollen keine toten also ergeben wir uns den Nazis und lassen uns auslöschen wie das die Orks jetzt mit den Ukrainern machen? Zudem ist es längst widerlegt das die Russen nicht massiv unter den Sanktionen leiden. Nur haben sie nicht so wehleider wie in Deutschland denen 2 Grad weniger heizen einer Katastrophe klarkommt

  3. 14,4 kWh je Stunde ist sehr wenig, ist das korrekt?

    1. 14,4 Millionen ist richtig, Schreibfehler in ursprünglicher Version. Danke für den Hinweis, wurde jetzt korrigiert.

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