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Bilanzen – Aufhübschen bei Dax-Konzernen

Bilanzkosmetik und „Financial Engineering“ mittels opulenter Aktienrückkäufe, die zu einer Steigerung der Gewinne in den Bilanzen der Unternehmen führten – so etwas stammt vorwiegend aus dem Mutterland des Kapitalismus. Aber da „alles Gute oder Schlechte“ aus den USA kommt, machen einige Methoden bei Dax-Konzernen Schule, wie eine Studie des Vermögensverwalters Flossbach von Storch nahelegt.

 

Der neue Trend bei den Bilanzen

Die Dax-Unternehmen hübschen vor der Präsentation ihrer Erträge, Gewinne und die Profitabilität die Kennzahlen auf, indem sie diese um Sonderfaktoren bereinigen. Laut der erwähnten Studie haben von 2008 bis 2018 – 17 der 30 Dax-Konzerne 104-mal ihr Ergebnis je Aktie angepasst. Im Schnitt erhöhte damit jedes Unternehmen pro Geschäftsjahr seinen Nettogewinn um 483 Millionen Euro. Damit soll in vier von fünf Fällen das Ergebnis um ein Drittel angehoben worden sein.

Der Autor der Studie Philipp Immenkötter dazu: „Zwischen 2008 und 2018 hat sich die jährliche Anzahl der Anpassungen mehr als verdoppelt. Während 2008 nur fünf Unternehmen ihr Ergebnis bereinigten, waren es 2012 bereits zehn, 2015 zwölf und im vergangenen Geschäftsjahr sogar 13.“

Möglich macht dies die international gültige Rechnungslegung IFRS. Besonders hervor tut sich dabei der DAX- Konzern Bayer.

Dies geschieht am häufigsten durch die Einbeziehung von Restrukturierungsmaßnahmen als Sondereffekte. Das sind Umstrukturierungen innerhalb des Konzerns. So fallen bei Bayer seit 2008 in jedem Jahr Restrukturierungskosten an, sie waren 2018 mit 3,9 Milliarden Euro am höchsten und im ersten Halbjahr 2019 kamen bereits weitere 2,5 Milliarden Euro hinzu. Natürlich nennt man auch die nicht um diese Sondereffekte bereinigten Zahlen. Diese tauchen aber erst in am Ende der Aufstellungen auf und nicht in den Überblicken zu Beginn der Berichte.

 

Fazit

Kein Wunder, dass es bei den vielen Analysteneinstufungen zu den Firmen so große Abweichungen gibt. In den Headlines der Berichte erscheinen schöne Gewinnzahlen, im Kleingedruckten wird das Ganze relativiert. Wohl dem, der das Zahlenwerk schnell überblickt und sich nicht vom ersten Eindruck täuschen lässt.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass bei den Firmen unterschiedliche Begriffe für die Sondereinflüsse auftauchen: Restrukturierungsmaßnahmen, Strukturmaßnahmen, Integrationskosten, IT-Aufwendungen und Weitere. Also ein Wirrwarr an Finanzbegriffen, die von den Firmen nach keinem einheitlichen Schema angewendet werden, wie der Interessenverband der Analysten, Vermögensverwalter und die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse (DVFA) bemängeln.

Und wer hat’s erfunden?

Viele Dax-Konzerne hübschen ihre Bilanzen auf

Foto: Avarice (2012), by Jesus Solana / Wikipedia (CC BY 2.0) – Ausschnitt aus Originalfoto



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