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Devisen

Brexit: Eine armselige Wette von Theresa May – für das Pfund gut genug

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Und mal wieder war Theresa May in Brüssel, und mal wieder hat sie mit Jean-Clause Juncker irgendwas in Sachen Brexit besprochen. So richtig im Detail interessiert das kaum noch jemanden. Aber was soll das Ganze? Hier erst einmal ein paar kurze Wortschnipsel aus Sicht der EU-Kommission, und danach eine Videobotschaft von Theresa May. Danach unser Kommentar.

Brexit Bla Bla

Kommissionpräsident Juncker und Premierministerin May sind zusammengekommen, um Bilanz zu ziehen über ihre Bemühungen, einen geordneten Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU zu erreichen. Sie sprachen über die Rückversicherung (Backstop), um eine harte Grenze auf der irischen Insel zu vermeiden, sowie die politische Erklärung über die künftigen Beziehungen. Präsident Juncker und Premierministerin May vereinbarten, noch vor Ende des Monats erneut miteinander zu reden.

Ihr Gespräch betraf folgende Punkte:

Welche Garantien könnten in Bezug auf die Backstop-Lösung gewährt werden, die einerseits deren vorrübergehenden Charakter betonen und andererseits hinreichende Rechtssicherheit für beide Seiten bieten? Beide Gesprächsteilnehmer bekräftigten ihre Entschlossenheit, eine harte Grenze auf der irischen Insel zu vermeiden und die Integrität des EU-Binnenmarkts und des Vereinigten Königreichs zu wahren. Premierministerin May würdigte den Standpunkt der EU und insbesondere das Schreiben von Präsident Tusk und Präsident Juncker vom 14. Januar. Sie begrüßte die anhaltende enge Zusammenarbeit der Task Force 50 mit ihrem Team.

Präsident Juncker und Premierministerin May erklärten übereinstimmend, dass die Gespräche konstruktiv verlaufen seien, und forderten ihre jeweiligen Teams auf, die verschiedenen Optionen konstruktiv zu prüfen. Aufgrund des knapp bemessenen Zeitrahmens und der historischen Bedeutung einer zukünftigen tiefen und einzigartigen Partnerschaft zwischen der EU und dem Vereinigten Königreichs sollen die Fortschritte bereits in den kommenden Tagen überprüft werden.

Der entscheidende Punkt ist: Theresa May soll für ihr Parlament in London einen verbesserten Austrittsvertrag aus Brüssel mitbringen. Ihr einziger kleiner Hoffnungsschimmer ist derzeit folgender: Die Brexit-Befürworter haben Angst, dass UK nicht nur als Übergangsphase, sondern dauerhaft in der Zollunion mit der EU bleibt, und damit de facto EU-Mitglied ohne Stimmrecht wäre. Die Brexit-Befürworter wollen nun mal raus aus der EU! Die Nordirland-Frage wird davon geprägt, wie die Grenze zu Irland (EU) offen bleiben kann. Bislang ist geregelt, dass sie offen bleiben kann, weil UK als Ganzes ja erst einmal in der Zollunion bleibt. Nun soll angeblich ein Anhang an den Brexit-Vertrag geheftet werden, in dem vereinbart wird, dass der Verbleib in der Zollunion definitiv kein Dauerzustand sein wird.

Mit so einem Anhang könnte May ihre Hardliner in der eigenen Partei vielleicht etwas besänftigen, dass man in zwei, drei Jahren doch so richtig rauskommt aus der EU. May hofft (da sind sich viele Beobachter einig), dass die Zeit für sie arbeitet. In fünf Wochen ist Brexit-Tag, und bis dahin müssen die Parlamentarier mehrheitlich ihrem Deal mit der EU zustimmen, wonach UK erst einmal in der Zollunion verbleibt. Tun sie dies nicht, gibt es einen harten Brexit mit Zöllen.

Die Wette lautet: Die Parlamentarier aus der Opposition bekommen es mit der Angst zu tun, dass es einen harten Brexit gibt, und stimmen letztlich doch für May´s Deal mit Brüssel. Aber bitte, was für eine armselige Hoffnung oder auch Wette ist das? Aktuell versucht sie etwas rauszuschlagen für ihre eigenen Partei-Hardliner. Sie sollen die Gewissheit haben, dass der Verbleib in der Zollunion nur für einen Übergangszeitraum anhält. Aber inhaltlich, da hat sich nichts geändert.

Denn man bedenke: UK wollte eigentlich einen Handelsvertrag mit der EU schließen, wo UK weiterhin frei mit der EU handeln darf ohne Zölle, aber wo die Personenfreizügigkeit abgeschafft wird. Und daran war ein echter neuer Handelsvertrag gescheitert, seit zwei ganzen Jahren! Und in diesem entscheidenden Punkt gab es bis heute keinerlei Bewegung auf beiden Seiten. Und so ist all das, was heute verhandelt wird, nur ein absolutes Provisorium. Wie die Amerikaner sagen würden „kicking the can down the road“. Die Dose die Straße runterkicken, das Problem auf den Nachfolger verschieben. Dann muss der zusehen, wie es gelöst wird.

Das Pfund ist frohen Mutes

Der Devisenmarkt scheint derzeit wohl zu glauben, dass May´s armseliges Spiel Erfolg haben könnte. Und ja, in der Tat. Vielleicht hat sie damit wirklich Erfolg. Nur noch fünf Wochen, und politisch herrscht absoluter Stillstand. Brexit-Befürworter und Gegner stehen sich unversöhnlich gegenüber, und es findet sich keine Mehrheit für May´s EU-Deal (der ja nur ein Provisorium ist). Aber die pure Angst, ja nur die pure Angst vor einem harten Brexit könnte zahlreiche Parlamentarier in letzer Sekunde dazu bewegen doch für May´s Plan zu stimmen. Oder es gibt eine Verschiebung des Austrittstermins.

Aber wie gesagt, der Devisenmarkt ist optimistisch (diese Einschätzung muss man nicht zwingend teilen). Das Pfund (im Chart gegen USD seit 10. Januar) zeigte wochenlang Schwäche und fiel von 1,32 auf unter 1,28. In der letzten Woche dann die Erholung auf aktuell 1,3037. Wir trauen diesem Frieden nicht. Also bitte, Vorsicht im Pfund. Alles ist möglich.

Brexit Pfund vs USD

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Anleihen

Türkei: Warum der Druck auf Lira, Aktien und Anleihen bald enorm steigen könnte

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Aktuell schwächelt der türkische Kapitalmarkt bereits. Nach den jüngsten Vorgängen (Präsident Erdogan lässt die Wahl in Istanbul wiederholen) war das Vertrauen ausländischer Investoren in die Rechtsstaatlichkeit in der Türkei erneut geschwächt worden.

Die türkische Lira befindet sich seit Monaten in einem langsamen schleichenden Abwärtstrend. Die Aktienkurse in der Türkei befinden sich im Absturz. Heute notiert der türkische Leitindex BIST100 mit -1,5%, und ist nun seit sechs Tagen hintereinander am Fallen. Mit einem Tiefststand seit Anfang 2017 hat er aktuell auch den Zustand eines Bärenmarktes erreicht. Die Rendite für zehnjährige türkische Staatsanleihen steigt alleine heute um fast einen ganzen Prozentpunkt (Wahnsinn) auf aktuell 19,26%. Im Februar waren es noch 14%.

Und jetzt Achtung! In den nächsten Tagen könnte sich die Lage dramatisch verschärfen. Denn die Türkei will von Russland Raketensysteme kaufen. Laut einem offenbar auf Insiderquellen in US-Militärkreisen beruhenden Bericht von CNBC habe die Türkei noch zwei Wochen Zeit diesen Deal mit Russland zu stornieren. Die US-Regierung übt also massiven Druck aus. Man solle doch lieber Patriot-Raketen vom US-Hersteller Raytheon kaufen. Würde die Türkei ihre Bestellung nicht „umbuchen“, würden die USA der Türkei die Lieferung von F35-Flugzeugen aus US-Produktion verweigern, und womöglich würden die USA Sanktionen gegen die Türkei einführen. Man bedenke abseits von Donald Trumps „launigem“ Gemüt: Die Türkei ist NATO-Mitglied, und die Mitgliedsstaaten sollen Waffensysteme kaufen, die innerhalb der Gruppe kompatibel sind. Und das wird auf russische Raketen wohl kaum zutreffen.

Geht man davon aus, dass die Reporterin von CNBC richtig recherchiert hat (der Bericht klingt doch recht glaubwürdig), könnte es bald hoch her gehen zwischen der Türkei und den USA. Es ist kaum vorstellbar, dass Präsident Erdogan den Russen-Deal jetzt noch absagt. Dies wäre ein Gesichtsverlust in der Öffentlichkeit, weil er sich von den USA hätte diktieren lassen, wo er seine Waffen einkaufen darf.

Man bedenke, welche Turbulenzen die winzigen US-Sanktionen am Kapitalmarkt verursachten, als die Türkei einen US-Pastor freilassen sollte. Was wäre erst los bei dieser Verweigerung der Türken in Sachen Raketen-Einkauf? Es dürfte die US-Rüstungshersteller verdammt hart treffen solch große Aufträge nicht zu erhalten, also Raketen und 100 Kampfjets. Die Reaktion aus dem Weißen Haus könnte also heftig ausfallen, und damit auch die Turbulenzen am türkischen Kapitalmarkt.

Noch sind wir in dieser Sache im „Wenn-Modus“. Wenn dies passiert, könnte danach dies und jenes passieren. Aber wer in türkischen Aktien, der Lira oder in Anleihen unterwegs ist, sollte dieses Szenario für die nächsten Tage im Hinterkopf behalten!

Türkei Istanbul
Die Hagia Sophia in Instanbul. Foto: Julian Nitzsche CC BY-SA 4.0

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Devisen

Theresa Mays Untergang, der Handelskrieg und die Fed

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Von Naeem Aslam, chief market strategist bei ThinkMarkets

 

Das politische Ende von Theresa May

Die Sonne geht für Theresa May unter, ihre Tage als Premierministerin sind gezählt. Der britischen Abgeordneten haben deutlich gemacht, dass May offenkundig nicht in der Lage ist, den Job bei der Übergabe des Brexit-Deals auszuführen. Es ist also an der Zeit, das Büro zu verlassen.

Spekulanten wetten, dass sie innerhalb weniger Tage zurücktreten wird, was für das Pfund Sterling mehr Volatilität bedeutet. Sie hat gestern ihren letzten Trick ausprobiert: May bot engere Beziehungen zur Zollunion und auch die Möglichkeit eines weiteren Referendums an. Die Nachrichten brachten zunächst viel Aufregung für das Pfund Sterling mit sich, und wir erlebten einen enormen Anstieg des Preises – aber das begann zu verblassen, als die Händler erkannten, dass das, was sie anbot, nichts Neues war. Labour-Parteichef Jeremy Corbyn machte deutlich, dass der Deal nicht willkommen ist und es nichts Neues gibt, außer der Verpackung.

 

Der Handelskrieg

Was die globalen Aktienmärkte betrifft, so hatten wir in Asien einen ziemlich unspektakulären Verlauf, die US-Futures notierten kaum verändert. Der Schwerpunkt liegt auf dem Handelskrieg, und die Führer beider Länder, der USA und Chinas, scheinen dies als Schachspiel wahrzunehmen. Sie sind sich der Folgen ihres Handelns für das globale Wachstum scheinbar nicht bewusst. Ihre Disney-Welt sagt ihnen, dass die andere Partei mehr leidet – aber die Realität ist, dass in einem Handelskrieg niemand wirklich gewinnt.

Die chinesischen Beamten haben gestern ein weiteres positives Signal an die Trump-Administration gesendet, dass das Land bereit ist zu verhandeln, aber die USA müssten dafür ihr „Mobbingverhalten“ aufgeben.

 

Die Fed und der Dollar

An den Devisenmärkten dreht sich alles um die Stärke des mächtigen Dollars. Seit März hat er an Fahrt gewonnen, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich dies ändert. Dies trotz der Tatsache, dass die Fed in Bezug auf ihre Geldpolitik einen dvishen Ton angeschlagen hat. Noch gestern bestätigte James Bullard, St. Louis Fed, dass das Inflationswachstum überhaupt nicht beeindruckend sei, und wenn es so weitergehe, habe er kein Problem damit, eine Zinssenkung zu unterstützen. Aber wenn man sich den Dollar-Index ansieht, scheint es nicht so zu sein, dass Händler darauf achten. Der allmächtige Dollar scheiterte erst beim Widerstand von 98,32 und handelt derzeit bei 98,08.

Im Laufe des Tages haben wir das Protokoll der FOMC-Sitzung, und die Händler werden sich sehr genau damit befassen, um den Standpunkt der Fed gegenüber ihrer Geldpolitik zu beurteilen. Was in diesem Protokoll ganz wichtig sein wird, ist die Reaktion der Fed auf den anhaltenden Handelskrieg und die Verlangsamung des globalen Wachstums. Wir erwarten nichts Neues von der Fed, es ist sehr wahrscheinlich, dass die Fed den anhaltenden Handelskrieg zwischen den USA und China ignoriert.

 

 

Naeem Aslam

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Devisen

Britisches Pfund: Enttäuschung über May´s x-te Brexit-Luftnummer

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Und mal wieder. Wie oft hat Theresa May schon einen „neuen Brexit-Deal“ versprochen? Und nein, es kam anders. Schon drei Mal hat sie den selben Plan, der selbst nur ein Provisorium ist, im Parlament zur Abstimmung vorgelegt. Und drei Mal wurde er abgelehnt. Eigentlich wäre das schon lange genug gewesen um als Premier zurückzutreten. Das Pfund zeigt sich enttäsucht. Aber dazu gleich noch mehr.

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May´s „neuer“ Plan für den Brexit

Gestern kam die Meldung auf, dass Theresa May nun wirklich eine Idee habe, und etwas Neues präsentieren würde. Und worum geht es? Sie will den Brexit erneut als Referendum möglich machen – aber nur, wenn das Parlament vorher ihrem Brexit-Plan zustimmt. Im Klartext: Wenn die Wähler erneut für den Brexit stimmen, kann er nur noch so umgesetzt werden, wie Theresa May es will. Alles klar? Wer wird sich auf so eine merkwürdige Konstruktion einlassen?

May´s eigene Partei wird es niemals zulassen, dass das Volk erneut über den Brexit abstimmt. Das ist mal fast sicher. Und Jeremy Corbyn hat für die Opposition klargestellt, dass er Theresa May eh nichts mehr glaubt. Also, warum sollten die Parlamentarier Anfang Juni im vierten Anlauf May´s Brexit-Plan zustimmen?

Jeremy Corbyn sagte vor wenigen Stunden, dass May´s neuer Deal in Wirklichkeit der alte, schlechte Deal sei, nur in einer neuen Hülle. Das könne man (als Opposition) nicht unterstützen. Mal ehrlich. Wer kann Theresa May noch glauben oder ihr trauen? Gefühlt tausend Mal sagte sie im Parlament in den letzten Monaten und Jahren, dass Brexit auch Brexit bedeute, und dass es keine neue Volksabstimmung geben werde.

Und nun das? May´s Gesetzentwurf, der Anfang Juni von den Parlamentariern wohl abgelehnt werden wird, sieht also einerseits vor, dass die Parlamentarier selbst entscheiden, ob die Bürger neu abstimmen dürfen. Das ginge aber nur, wenn die Parlamentarier vorher May´s Deal zustimmen. Und das Parlament soll auch darüber abstimmen dürfen, ob UK für eine bestimmte Zeit in der Zollunion mit der EU verbleiben soll.

Pfund fällt weiter

Welche Steigerungsform von Chaos gibt es? „May“? Wirklich. Es ist kaum vorstellbar, dass sie Anfang Juni im Parlament eine Mehrheit bekommt. Der Devisenmarkt, der gestern doch tatsächlich hoffe, dass May etwas wirklich Neues präsentiert, hat inzwischen die Hoffnung verloren. Das Pfund fällt heute weiter. Mit 1,2666 liegt es aktuell tiefer als gestern und auch auf den tiefsten Stand seit Januar! Heute will Theresa May das Parlament über die Details zu ihrem „neuen Plan“ informieren. Luftnummer Teil 4!?!

Pfund vs USD seit Oktober 2018
Pfund vs USD seit Oktober 2018.

May Brexit
EU-Parlament Präsident Antonio Tajani und Theresa May. Foto: European Parliament „CC-BY-4.0: © European Union 20XY – Source: EP“ CC BY 2.0

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