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Brexit: Gute Daten aus UK, die Scheinblüte – und ein Gespenst geht um!

Heute, an diesem so wichtigen Tag für Großbritannien (nach der Entscheidung eines Gerichts, dass die May-Regierung den Artikel 50 des Lissabonner Vertrags nicht alleine triggern...

FMW-Redaktion

Heute, an diesem so wichtigen Tag für Großbritannien (nach der Entscheidung eines Gerichts, dass die May-Regierung den Artikel 50 des Lissabonner Vertrags nicht alleine triggern kann, sondern dafür die Zustimmung des Parlaments braucht) kommen auf den ersten Blick sehr gute Konjunkturdaten aus dem Reich der Briten: So lag der von Markit ermittelte Einkaufsmanagerindex Dienstleistung (Oktober) mit 54,4 deutlich über der Prognose von 52,3! Das war der beste Wert seit Januar! Und der Dienstleistungssektor ist nach der von Thatcher betriebenen Deindustrialisierung in UK klar dominant!

Zu den starken Zahlen schreibt Markit:

„The rate of growth of total business activity accelerated to the fastest since January, as did new business expansion. The sector continued to generate more jobs, albeit at a weaker rate than the average seen over the past three years.“

Also alles schick? Die Brexit-Befürworter frohlocken und sprechen vom „Brexit Boom“:

https://twitter.com/minefornothing/status/794109542707515392

Aber: die Wahrscheinlichkeit ist sehr sehr hoch, dass sie sich irren. Warum? Weil es sich aller Wahrscheinlichkeit um eine Scheinblüte handelt! Und das aus zwei Gründen. Der erste ist: der bislang dominante Dienstleistungssektor wird bald stark unter Druck kommen (dazu gleich mehr), während eine Umschichtung wieder hin zum produzierenden Gewerbe zu erwarten ist (aufgrund des schwächeren Pfunds, das in UK produzierten Produkten bessere Exportchancen gibt).

Das bedeutet: Alte Industriestädte wie Manchester stehen vor einer deutlich besseren Zukunft als etwa London, das vor allem auf Dienstleistungen (überwiegend aus dem Finanzbereich) fokussiert ist. Es ist daher sicher kein Zufall und sogar rational, dass London mehrheitlich gegen den Brexit gestimmt hat, während die britischen Industriestädte wie Manchester überwiegend für den Brexit gestimmt hatten!

Warum wird es für den Dienstleistungssektor sehr schwer werden – warum handelt es sich also um eine Scheinblüte? Mit einem Wort: wegen der Inflation. So stiegen die Kosten der von Markit befragten Dienstleister stark an, so stark wie noch nie, seit die Daten von Markit erfaßt werden (seit 20 Jahren). Dazu schreibt der Chefvolkswirt von Markit, Chris Williamson:

“The ugly flip-side of the weaker pound is clearly evident, however, with the rate of increase of service provider´s costs showing the largest monthly acceleration seen in 20 years of survey data collection. Costs are consequently rising at the fastest rate for over five years. If sustained, the increase in prices threatens to curb both corporate hiring and consumer spending, as firms seek to reduce staff costs and households see their pay eroded by rising inflation.“

Das heißt im Klartext: die Firmen haben die für sie gestiegenen Preise noch nicht an die Kunden weiter gegeben und sind einem erhöhten Kostendruck ausgesetzt, der sie dazu zwingen wird, Mitarbeiter zu entlassen. Da das ein allgemeines Phänomen sein wird, sinkt die Kaufkraft der Haushalte (weil die Arbeitslosigkeit steigt), was wiederum den Unternehmen die Möglichkeit nimmt, die Preise adäquat anzuheben (womit die Margen einbrechen). Ein Teufelskreis!

Und daher ist das alles eine Scheinblüte! Aber jetzt ist die Brexit-Frage ja wieder etwas offener!



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1 Kommentar

  1. „…der sie dazu zwingen wird, Mitarbeiter zu entlassen…..sinkt die Kaufkraft…(weil die Arbeitslosigkeit steigt)…“

    Muss die Arbeitslosigkeit z w a n g s l ä u f i g steigen?
    Ich weiß es nicht.

    Aber evtl müssen ja 1 Mio ausländischer Arbeitnehmer das Land verlassen bzw. kommen nicht rein? Das war ja ein Hauptgrund für das Brexit-Votum
    Oder es dürfen -maßgeschneidert gesteuert- nur so viele bleiben oder reinkommen, dass die Arbeitslosenquote genau da bleibt, wo sie jetzt ist oder sogar gegen NULL geht?

    Ich weiß es nicht, jedoch gibt es der Möglichkeiten viele.

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