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May´s krachende Brexit-Niederlage: So reagiert Juncker, und so merkwürdig reagiert das Pfund

Claudio Kummerfeld

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am

Wie erwartet, oder sogar noch schlimmer als erwartet, wurde der Brexit-Deal von Theresa May gestern Abend im britischen Parlament abgelehnt. Damit ist die Lage unklarer und verworrener denn je. Das Bizarre an der Situation ist: Nun hoffen Parlamentarier, britische Öffentlichkeit und der Devisenmarkt in London gemeinsam darauf, dass Theresa May sich bewegen wird, und einen noch viel besseren Deal für Großbritannien herausschlagen wird. Und irgendwie könne ja nun alles besser werden. So möchten wir beispielsweise eine wichtige Publikation zitieren, die sich mit dem britischen Devisenmarkt beschäftigt. Zitat:

„May’s initial statement after the defeat was more conciliatory than we expected and implies that perhaps she will change direction to try and find a resolution that Parliament supports,“ says Paul Dales, Chief UK Economist with Capital Economics. „If tonight’s catastrophic defeat for the government leads to a consensus in Parliament, then it could actually mark the start of an upturn for the economy and the Pound.“

Alles klar? Häähhhhhh? Wie soll das gehen? Die EU wird höchstens kosmetische Nachbesserungen anbieten können, wenn sie nicht ihr Gesicht verlieren will. Tja, der Devisenmarkt ist wohl „bester Hoffnung“. Im folgenden Chart haben wir seit gestern früh den Verlauf von Pfund vs US-Dollar in schwarz dargestellt, und den Verlauf von Euro vs Pfund in orange. Man sieht, dass das Pfund gewonnen hat nach der krachenden Ablehnung im Parlament gestern Abend.

Die Lage ist unklarer denn je

Nochmal: Hähhhh? Also, wird nun alles besser? Wir meinen, wie schon in den letzten Tagen: Die Lage ist unklarer denn je, eine Lösung ist weiter entfernt denn je, und der harte Brexit rückt immer näher. Die Signale aus London zeigen eindeutig, dass die eigenen Reihen heute das angesetzte Misstrauensvotum der Opposition gegen Theresa May abblocken werden. Sie bleibt also im Amt. Und sie hat klar gemacht, dass es mit ihr kein neues Brexit-Referendum für die Bevölkerung geben wird.

Macht sie nun das, was offenbar die Devisenhändler von ihr erwarten? Versucht sie (wie auch immer) einen besseren Deal für UK rauszuholen? Gelingt ihr das (wie auch immer), werden noch mehr Brexit-Hardliner um Boris Johnson gegen diesen Deal stimmen bei der nächsten Abstimmung. Denn sie wollen ja raus aus der EU, mit einer klaren Trennung! Also, bitte schön, warum sehen die Devisenhändler diese aktuelle Situation derart optimistisch? Wir wollen an dieser Stelle nicht dazu raten das Pfund zu shorten. Aber dennoch wollen wir darauf hinweisen, dass der aktuelle Pfund-Kurs doch womöglich deutlich zu hoch angesetzt ist bei dem Chaos, dass offenbar am Devisenmarkt in London kaum einer sehen will.

Gibt es doch ein zweites Referendum? Stürzt May heute doch? Oder macht die EU überraschend Zugeständnisse? Möglich ist alles, aber doch äußerst unwahrscheinlich nach aktueller Faktenlage. Trader sollten das Pfund im Auge behalten.

Brexit Pfund

EU bereitet sich auf harten Brexit vor, und hofft weiterhin das Beste

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat nach dem Scheitern des Brexit-Deals im britischen Parlament diese offizielle Erklärung verkünden lassen. Man geht stramm auf einen harten Brexit zu, auch wenn das in London noch niemand so wirklich wahrhaben will. Zitat:

Brüssel, 15. Januar 2019

Ich nehme das Ergebnis der Abstimmung heute Abend im britischen Unterhaus mit Bedauern zur Kenntnis.

Aufseiten der EU wird der Prozess zur Ratifizierung des Austrittsabkommens fortgesetzt.

Das Austrittsabkommen ist ein fairer Kompromiss und stellt den bestmöglichen Deal dar. Es begrenzt den Schaden, der für Bürgerinnen und Bürger sowie für Unternehmen in ganz Europa aufgrund des Brexit entsteht. Das Abkommen ist der einzige Weg, um einen geordneten Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union zu gewährleisten.

Die Europäische Kommission und insbesondere unser Chefunterhändler Michel Barnier haben sehr viel Zeit und Mühe in das Aushandeln des Austrittsabkommens investiert. Wir haben während des gesamten Prozesses mit viel Kreativität und Flexibilität nach Lösungen gesucht. Präsident Tusk und ich selbst haben Anfang dieser Woche erneut unseren guten Willen unter Beweis gestellt, indem wir Premierministerin Theresa May in einem Schriftwechsel weitere Klarstellungen und Zusicherungen angeboten haben.

Die Gefahr eines ungeordneten Austritts des Vereinigten Königreichs ist durch die Abstimmung heute Abend gestiegen. Auch wenn wir eine solche Situation nicht wünschen, wird die Europäische Kommission weiterhin an Maßnahmen für den Ernstfall arbeiten, um dafür zu sorgen, dass die EU vollständig vorbereitet ist.

Ich rufe das Vereinigte Königreich dringend auf, uns seine Vorstellungen über das weitere Vorgehen so rasch wie möglich mitzuteilen.

Die Zeit ist fast abgelaufen.

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Hans im Glück

    16. Januar 2019 12:03 at 12:03

    Wie jetzt Häähhhh? Da läuft das erwartete Drehbuch ab und das soll jetzt zur Verwirrung führen? May ist Teil der Krake und spielt ihre Rolle, am Ende ihres Auftritts auf der politischen Bühne hat ein neues Referendum zu stehen, das war von Anfang an klar. Jetzt stellt sich nur die Frage, ob es dieses mit vorherigem Chaos, oder ohne gibt. Bevorzugt wurde sicherlich eines mit kurzzeitigem Chaos, dann hätte man das abschreckende Beispiel für die Populisten und einen krachenden Sieg für die Befürworter des Verbleibs in der EU. Nun gibt es aber das Problem der steigenden Fragilität im globalen Wirtschaftssystem, bei gleichzeitigem Verlust des Pulvers um Probleme in die Zukunft zu verschieben. Die Hypotheken auf die Zukunft, die dummdreist 50 Jahre aufgenommen wurden, werden fällig.
    Zockt die Krake, oder bekommt sie kalte Füße? Also, Referendum mit kurzzeitigem harten Brexit, oder ohne?

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      leftutti

      16. Januar 2019 15:44 at 15:44

      @Hans im Glück, Referendum mit kurzzeitigem harten Brexit, oder ohne?
      Und nochmal Häähhhhhh? Was soll das denn für ein Szenario sein? Referendum mit kurzzeitigem harten Brexit? Erst vollchaotisch und ohne Kompromissbereitschaft austreten, dann neu abstimmen und wieder eintreten? Die EU mag ja vieles sein, aber doch kein Jo-Jo! :)
      Artikel 50 des Vertrags über die Europäische Union sieht dazu folgendes vor: Ein Staat, der aus der Union ausgetreten ist und erneut Mitglied werden möchte, muss dies nach dem Verfahren des Artikels 49 beantragen.
      Artikel 49 sieht unter anderem vor: Das Abkommen bedarf der Ratifikation durch alle Vertragsstaaten gemäß ihren verfassungsrechtlichen Vorschriften.

      Und Sie glauben jetzt im Ernst, dass nach einem harten Brexit mal so eben alle Mitgliedsstaaten (es darf nicht ein einziger dagegen sein) ganz locker und fluffig diese separatistischen Chaoten mit offenen Armen empfangen würde? Erinnert mich an die nette Geschichte mit dem verlorenen Sohn (oder war es ein Schaf?).
      Was hätte das weltweit für eine Wirkung in der Außendarstellung? Was würde das für das innere Gefüge der EU bedeuten? Da kann mal eben jeder rechtsnationalistische Separatistenschwachkopf das Volk aufhetzen, nach dem Referendum untertauchen und von der politischen Bühne verschwinden, weil er der nachfolgenden Verantwortung und den Konsequenzen nicht gewachsen ist. Nach der großen Siegesfeier versinkt man dann für zwei Jahre in Chaos und Unfähigkeit, tritt schnell aus, um dann reumütig in die offenen Arme der (doch nicht so bösen) EU zurückzukehren.

      Häähhhhhh?

  2. Avatar

    Michael

    16. Januar 2019 12:55 at 12:55

    Die Börsen und Märkte haben da einfach eine eigene Logik, die man nicht wirklich verstehen muss. Heute habe ich folgende scharfsinnige Aussage eines brillanten Analysten gelesen: Im Gegensatz zu dem, was alle erwartet haben, ist das Pfund gestiegen, was beweist, dass die Märkte bereits damit gerechnet hatten. AHA!!!
    Hatten nun die Märkte mit dem Abstimmungsergebnis gerechnet oder mit einem steigenden Pfund? Oder vielleicht mit einem fallenden Pfund (da dies ja schließlich „alle“ und somit logischerweise auch die Märkte erwartet haben)??
    Wenn alle ein fallendes Pfund erwartet haben, außer die Märkte, kann man dann noch von alle sprechen?
    Sind nicht im Gegenteil gerade die Märkte „alle“, wenn es um Währungen geht? Die durchschnittliche Hausfrau hat sicher kein fallendes Pfund erwartet.
    Wie gesagt, man muss das nicht verstehen und sollte sich von dieser seltsamen Währung fernhalten, wie ich es nach einigen schlechten Erfahrungen und historisch niedriger Trefferquote seit einigen Jahren mache. Oder man handelt Cable entgegen allen Überzeugungen und sonstigen Strategien genau gegenteilig, ohne sich Gedanken darüber zu machen, ob das nicht eigentlich widersinnig ist ;)

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      Bundesfinanzminister

      16. Januar 2019 13:31 at 13:31

      Ihr letzter Satz zum Thema Widersinn ist nicht von der Hand zu weisen. Jeder an der Börse kennt den Spruch „Buy the rumor, sell the fact (bzw. news)“. Auch ich habe heute von einem „brillanten Analysten“ eine interessante Formulierung zum Thema steigendes Pfund gelesen. Dieser gab tatsächlich zum Besten: „Erinnern Sie sich an den Spruch „verkaufen Sie das Gerücht und kaufen Sie die Nachricht“.
      Sine commentario!

    • Avatar

      leftutti

      16. Januar 2019 14:15 at 14:15

      Gerade weil fast alle auf ein fallendes GBP gesetzt haben, möchte ich an dieser Stelle nicht kategorisch ausschließen, dass sich mal wieder ein paar Fatfingers und Großzocker auf Kosten der großen Masse bereichert haben.
      Zumindest ist dieser Ansatz auch nicht schlechter als die paar wenigen skurrilen Erklärungsversuche, die man derzeit finden kann.

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EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

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am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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Coronavirus: Die Impfung und die praktischen Folgen

Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen?

Wolfgang Müller

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Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Impfzentren werden bereits für Mitte Dezember vorbereitet, obwohl noch gar kein Vakzin zugelassen ist. Die Politik macht Druck.

Mindestens 96 Corona-Impfzentren sollen allein in Bayern bis Mitte Dezember einsatzbereit sein. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt im Freistaat ist mindestens ein Impfzentrum geplant, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag.

Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen? Darüber wird man bald diskutieren.

Coronavirus: Immunisiert oder nicht

Im Prinzip müsste es im neuen Jahr vier verschiedene Gruppen innerhalb der Bevölkerung geben: Menschen, die bereits eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben. Und dann die, die  registriert sind: eine diffuse Gruppe mit Bürgern, die selbst nicht genau wissen, ob sie vielleicht nicht schon infiziert waren, die große Gruppe derer, die sich noch vor der Infektion geschützt haben – und schließlich die Geimpften. Wie verfährt man in Zukunft mit den Menschen, die die Infektionskrankheit überwunden haben und die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immun sind gegen die Krankheit und auch als Spreader des Coronavirus für die Mitmenschen wegfallen? Gibt es nach erfolgreicher Impfung so etwas wie einen Impfpass?

Der Impfpass, jetzt eine zweifelhafte Angelegenheit?

In Kürze, wenn die Zulassung des Impfstoffes vollzogen ist, wird es rasch zwei Gruppen von Bürgern geben, die annehmen können, die Krankheit bezwungen zu haben – die vormals Infizierten und die Geimpften. Nach dem Stand der Wissenschaft gilt eine rasche Wiederinfektion mit dem Coronavirus als unwahrscheinlich. Bei Abermillionen von Infektionen müsste dies schon aufgefallen sein. Die Zahl der Infizierten in Deutschland nähert sich der Ein-Millionen-Grenze (Ende dieser Woche?), die Dunkelziffer dürfte in Deutschland bei Faktor 3 bis 5, liegen, so die Annahme einiger Wissenschaftler aufgrund der Antikörpertests.

Jedenfalls wird die Zahl der „Immunen“ bald im Millionenbereich liegen. Während man den ehemals Infizierten nach langen Diskussionen keinen Immunitätsausweis zusicherte, so wird nach einer Impfung gegen Covid-19 sicherlich eine Impfbescheiningung ausgestellt werden, wie beim Impfpass nach jeder Standardimpfung.

Was wird passieren, wenn sich geimpfte Menschen sagen, „so jetzt bin ich geschützt, warum weiter eine Maske tragen?“ Nur eine von vielen praktischen Fragen.

Aber da beginnt bereits das Dilemma. Die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sieht eine „Impf- und Immunitätsdokumentation“ vor. Was wird diese für Folgen haben? Eine Wiedergewährung von Mobilitäts- und Freiheitsrechten? Der Ethikrat ist bereits bei der Beratung der Problembereiche.

Wo könnte der Impfpass Anwendung finden?

Trotz aller ethischen Bedenken, werden Impfungen bei Reisen in fremde Länder empfohlen oder sind sogar Verpflichtung (z.B. gegen Gelbfieber in bestimmten afrikanischen Ländern). Wie werden asiatische Länder auf die Impfung reagieren, Staaten wie Taiwan, Vietnam, Thailand, Südkorea, Australien, Neuseeland, die die Infektion bisher erfolgreich eindämmen konnten? Könnte ein Impfausweis nicht Voraussetzung werden, dass man nach der Einreise von Menschen aus Risikogebieten keine 14-tägige Quarantäne absolvieren muss?

Gibt es aktuell vor einer Reise mit einem Kreuzfahrtschiff nicht bereits die Verpflichtung zu einem Corona-Schnelltest, in dieselbe Richtung laufen Bestrebungen im Luftverkehr?

Und was ist eigentlich mit den vielen Unternehmen aus den Corona-geschädigten Branchen, sei es der Kulturbereich, bei Messen, oder jeglichen Veranstaltungen (Fußball) mit größerem Publikumsverkehr? Werden diese sich für das ethisch etwas zweifelhafte Instrument Impfbescheinigung einsetzen, weil es ihnen sofort Luft zum Atmen bringen würde? Oder wird dies der Staat abwiegeln und versuchen, die Branchen mit immer weiteren Notgeldern über Wasser halten? Eines ist doch schon heute absehbar: Bei einer Bevölkerungszahl von 83 Millionen Menschen, abzüglich der bereits Betroffenen und den Impfverweigerern wird es lange dauern, bis all die Freiwilligen oder auch Zwangsläufigen (Pflegepersonal?) im großen Umfang gegen das Coronavirus geimpft sind.

Fazit

Sicher ist es noch etwas früh, sich über die praktischen Folgen einer Impfung Gedanken zu machen. Allerdings werden Regelungen kommen, ja vermutlich sogar gefordert werden. Schließlich steht manchem Unternehmer das Wasser bis zum Hals und man sehnt sich nach Kunden, nach Menschen, die kein Risiko in Sachen Coronavirus darstellen, für sich und für andere. Wann werden die Diskussionen über die neue Sachlage starten?

Was werden die praktischen Auswirkungen der Impfungen gegen das Coronavirus sein?

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Was den schwachen Goldpreis aktuell bewegt

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren aus Gold

Der Goldpreis ist die letzten Tage ohne Stärke unterwegs. Eigentlich ist das merkwürdig, denn der US-Dollar schwächelt seit Tagen, und müsste Gold (das in Dollar gehandelt wird) daher doch eigentlich Auftrieb geben. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) hat binnen einer Woche von 92,80 auf 92,18 Indexpunkte verloren.

Corona-Impfstoffe dämpfen Aufwärtstrieb im Goldpreis

Mit aktuell 1.865 Dollar sieht man, dass die seit Donnerstag letzter Woche kurz aufgeflackerte Erholung mit Anlauf Richtung 1.900 Dollar wieder verpufft ist. Eindeutig ist zu sehen, dass die Anleger, die über das Vehikel der ETF (Exchange Traded Funds, hier die Begriffserklärung) in Gold investieren, letzte Woche auf der Verkäuferseite waren mit gut 30 Tonnen. Der folgende aktuelle Chart der Commerzbank zeigt seit Jahresanfang in gelb den Goldpreis-Verlauf, und in schwarz die Gold-ETF-Bestände. Die Nachfrage schlafft derzeit ab.

Chart zeigt ETF-Bestände in Gold im Vergleich zum Goldpreis

Die letzte wie auch die vorletzte Woche waren die Kapitalmärkte gefangen im Fieber der Corona-Impfstoff-Hoffnung. Nach Biontech und Pfizer kam letzte Woche Moderna mit einem fertigen Impfstoff, und heute früh dann auch noch AstraZeneca. Daher laufen die Aktienmärkte auch heute zum Wochenstart erfreulich nach oben. Alles was die Märkte positiv stimmt für eine Erholung der Weltwirtschaft, schwächt tendenziell den „Sicheren Hafen“ namens Gold. Im Chart sehen wir den Goldpreis im Verlauf der letzten 30 Tage. Der große Absturz in der Mitte des Charts rührt her von der ersten Impfstoff-Meldung gegen das Coronavirus vom 9. November von Biontech und Pfizer.

Laut heutiger Aussage des Commerzbank-Analysten Carsten Fritsch dürfte der aktuelle Optimismus hinsichtlich der Impfstoffe dagegen sprechen, dass es schon in Kürze zu einem neuerlichen Run auf die Gold-ETFs kommt. Entsprechend gedämpft sei der kurzfristige Ausblick für den Goldpreis. Die spekulativen Finanzanleger seien seiner Meinung nach durch den Preisrutsch Mitte letzter Woche offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt worden. Denn sie weiteten ihre Netto-Long-Positionen in der Woche zum 17. November auf gut 90.000 Kontrakte aus, nachdem sie diese in der Woche zuvor reduziert hatten. Entsprechend dürfte der Preisrückgang auf rund 1.850 Dollar letzten Mittwoch seiner Meinung nach auch durch spekulative Verkäufe begünstigt worden sein.

Mittel- und langfristig bergauf?

Bleibt es bei dem Szenario, welches wir letzte Woche schon erwähnten? Kurzfristig bleibt der Goldpreis trotz schwachem US-Dollar und dank der Corona-Impfstoff-Hoffnungen schwach? Aber mittel- und langfristig sieht man wieder Kurse über 1.900 Dollar und auch Richtung 2.000 Dollar? Das ist die Frage. Denn im großen Bild, da ist die Meinung der Notenbanker ja relativ eindeutig, wie man die letzten Tage und Wochen auch bei der EZB heraushören konnte. Die Geldpolitik (Anleihekäufe und Zinsen) wird noch sehr lange Zeit extrem locker bleiben, um die wirtschaftliche Erholung der Volkswirtschaften zu unterstützen. Also weiterhin Optimismus im größeren Bild für einen steigenden Goldpreis? Dieses Szenario bleibt vorhanden.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen

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