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Europa

Brexit-Sonderinfo: So dramatisch ist der Außenhandel mit Großbritannien bereits eingebrochen

Claudio Kummerfeld

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Dass der Handel zwischen Deutschland und Großbritannien spürbar einbrechen würde im Zuge des Brexit, ist kein Geheimnis. Aber wie stark der Einbruch seit dem Referendum der Briten vor drei Jahren schon jetzt zu spüren ist, das zeigt eine aktuelle Sonder-Information des Statistischen Bundesamtes. Die Rückgänge sind dramatisch! Auch die Gesamtbedeutung von UK als Außenhandelspartner für Deutschland sinkt spürbar.

Laut den Statistikern lag Großbritannien im Zeitraum Januar bis Juli 2019 mit einem Außenhandelsumsatz (Exporte und Importe) von 68,5 Milliarden Euro auf Rang 7 der wichtigsten Handelspartner Deutschlands. Damit hat das Vereinigte Königreich gegenüber dem Vorjahr 2018 einen weiteren Platz in der Rangfolge der wichtigsten Handelspartner verloren. Im Jahr 2015 – dem Jahr vor dem Brexit-Referendum – erreichte das Vereinigte Königreich noch Rang 5. Und so stark sinken die Exporte. Zitat von den Statistikern:

Insbesondere die deutschen Exporte in das Vereinigte Königreich sinken seit dem Referendum im Jahr 2016 kontinuierlich. Vor dem Referendum stiegen die deutschen Exporte von 2010 bis 2015 kontinuierlich an und erreichten im Jahr 2015 ihren Höchststand von 89 Milliarden Euro. Bereits im Jahr 2016 gingen die deutschen Exporte um 3,5 % auf 85,9 Milliarden Euro zurück. In den Jahren 2017 und 2018 sanken die Exporte weiter um 0,6 % und 4,0 % gegenüber dem Vorjahr. 2018 wurden nur noch Waren im Wert von 82,0 Milliarden Euro in das Vereinigte Königreich exportiert.

Der größte Verlierer des Brexit ist die Autoindustrie

Nicht nur die deutsche, aber noch viel mehr ist die britische Autoindustrie der größte Verlierer des Brexit. Das zeigen seit geraumer Zeit die Daten des britischen Automobilverbandes (hier die letzte Meldung). Das Statistische Bundesamt beleuchtet die Autoindustrie daher auch im Detail. Die Rückgänge sind dramatisch. Zitat:

Im Jahr 2018 wurden Kraftwagen und Kraftwagenteile im Wert von 22,5 Milliarden Euro in das Vereinigte Königreich exportiert. Gegenüber dem Jahr 2015 war das ein Rückgang von 22,7 %. Und auch die deutschen Importe von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeugteilen gingen stark zurück: von 2015 auf 2018 um 13,4 %. Im Jahr 2015 wurden noch Kraftwagen und Kraftwagenteile im Wert von 6 Milliarden Euro aus dem Vereinigte Königreich importiert, während im Jahr 2018 der Wert der Importe nur noch 5,2 Milliarden Euro betrug.

Auch die aktuellsten Ergebnisse des Statistischen Bundesamts bestätigen den rückläufigen Trend: Von Januar bis Juli 2019 gingen die Exporte von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeugteilen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9,7 % und die Importe dieser Güter um 9,1 % zurück. Von Januar bis Juli 2019 wurden Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeugteile im Wert von 13,0 Milliarden Euro exportiert und im Wert von 2,8 Milliarden Euro importiert.

Brexit - weniger Außenhandel - Containerschiffe als Symbol

8 Kommentare

8 Comments

  1. Pingback: Aktuelle Meldungen vom 14.10.2019 | das-bewegt-die-welt.de

  2. Avatar

    Sepp

    14. Oktober 2019 15:00 at 15:00

    Nicht wegen Brexit, sondern wegen der künstlichen Verhinderungen durch Deep State Handler. Würden die Briten zum ersten Termin ausgetreten,würde alles ganz normal mit billateralen Verträgen weiter laufen. Niemand braucht die EU zu irgendetwas.

    • Avatar

      tm

      14. Oktober 2019 16:21 at 16:21

      Ah richtig, der ominöse, böse Deep State… da gibt es doch tatsächlich Personen und Institutionen, die die Regierung daran hindern, diktatorisch zu regieren.

      • Avatar

        Sepp

        14. Oktober 2019 20:54 at 20:54

        Nein, nicht diktatorisch, das Gegenteil ist richtig. Das Referendum lautete raus aus der EU. Diese freie Entscheidung wird frech mißachtet und eben diktatorisch verzögert und möglicherweise ganz verhindert, weil es den sozialistischen, nicht gewählten EU Kommissaren nicht zur Agenda passt. Dt. Naziregime, UdSSR und jetzt „EU“ = Sozialisten @work.

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          Stina

          14. Oktober 2019 21:55 at 21:55

          Echt jetzt? Hat jemand aus der EU den Briten verboten, am 29. März 2019 auszutreten?

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            willi

            15. Oktober 2019 06:50 at 06:50

            Noch nie hat ein Herrscher große Teile seines Reiches freiwillig freigelassen.

  3. Avatar

    Bert T.

    14. Oktober 2019 19:46 at 19:46

    Alles, was unser Außenhandelsdefizit verringert, sehe ich positiv.

    • Avatar

      leftutti

      14. Oktober 2019 20:23 at 20:23

      @Bert T., was unser Außenhandelsdefizit verringert? Haben wir denn ein Defizit? Oder sind Sie Brite? Dann ergibt die Aussage Sinn, die Entwicklungen am FOREX-Markt wären der Exportbilanz jedoch nicht unbedingt förderlich.

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Europa

Großbritannien setzt negativen Schlusspunkt in Quartalsbilanz

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Es war das erwartete Katastrophenquartal für europäische Volkswirtschaften, vor allem aber für Großbritannien. Im Frühjahr des Jahres 2020 rauschten die westlichen Volkswirtschaften infolge des Lockdowns in ungeahnte Tiefen. Mit Einbrüchen bis zu 18,4 Prozent in Spanien. Jetzt legt das Vereinigte Königreich noch einen drauf.

Großbritannien und sein historischer Wirtschaftseinbruch

Obwohl Premierminister Boris Johnson schon vor Monaten vor den harten Zeiten warnte, die auf die Bürger des Landes zukommen würden, schockierten die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal in Großbritannien dennoch. Mit minus 20,4% war die Wirtschaft der zweitgrößten Nation in Europa in historischer Dimension abgestürzt, so stark wie seit drei Jahrhunderten nicht mehr und auch mit dem dem stärksten Minus in ganz Europa. Hier noch ein paar Vergleichszahlen:

Spanien: -18,5 Prozent
Portugal: -14,1 Prozent
Frankreich: – 13,8 Prozent
Italien: – 12,4 Prozent
Belgien: – 12,1 Prozent
Deutschland: – 10,1 Prozent
USA: – 9,6 Prozent
Tschechien: – 8,4 Prozent
Litauen: -5,4 Prozent
EU-Durchschnitt: – 11,9 Prozent
Dabei hatte das Minus im ersten Quartal (- 2,2 Prozent) noch auf dem Niveau Deutschlands gelegen.

Die späte Reaktion auf die Pandemie in Großbritannien

Wie oft wurde in den Medien darüber berichtet, wie der Premier anfangs Covid-19 auf die leichte Schulter nahm, bis es ihn selbst erwischte, er beatmet werden musste und man sich aus seinen Umfeld schon auf das Schlimmste gefasst machte. Die Reaktion auf die exponentiell ansteigenden Fälle der britischen Regierung war ein heftiger Lockdown ab Ende März, der das Leben in Großbritannien extrem lahmlegte. Dennoch hat das Land bisher offiziell über 313.000 Infektionen und eine Zahl von über 46.000 Toten, die mit oder an Corona gestorben sind. Ein Umstand, der dafür verantwortlich sein könnte, war (wie in New York), dass Millionen Bürger tagelang noch ungeschützt mit der U-Bahn zur Arbeit fuhren, auch das Personal für Krankenhäuser und Pflegeheime.

Aus diesen Gründen dauerten die anschließenden Vorsichtsmaßnahmen sowie die Folgen auch länger als in anderen Ländern.

Folgen des Lockdowns

Eine Ursache für das Rekordminus ist zweifelsohne die Dominanz des Dienstleistungssektors in der britischen Wirtschaftsleistung. Riesige 80 Prozent – was bei einem Lockdown und dem Social Distancing zweifelsohne verheerend wirken muss. Dann natürlich, wie in anderen Ländern auch, die starke Beeinträchtigung von Branchen, wie der Gastronomie, des Entertainments und der Kultur. Privater Verbrauch sowie die Investitionen fielen in Q2 um 23,1 beziehungsweise 25,5 Prozent.

Als Damoklesschwert hängt weiter die Hängepartie mit den Freihandelsgesprächen mit der EU nach dem Brexit über Großbritannien. Sollte es hier keine Lösung geben, gelten ab Januar die besonderen Regeln der Welthandelsorganisation (WHO), mit weiteren Belastungen für die britischen Unternehmen.

Wie geht es weiter?

Der Bank of England zufolge ist der Tiefpunkt der Wirtschaftskrise durchschritten und im dritten Quartal soll die Wirtschaft in Großbritannien um 18 Prozent gegenüber Q2 wachsen. Danach könnte es zwar wieder etwas langsamer weitergehen, aber im Gesamtjahr soll es bei einer Rezession von 9,5 Prozent bleiben.

Eine optimistische Sichtweise, aber warum sollten britische Ökonomen eine bessere Glaskugel haben, als ihre Kollegen aus Kontinentaleuropa?

Die Risiken sind auch in Großbritannien wenig anders geartet, als in anderen europäischen Staaten: Die zweite Coronawelle mit regionalen Lockdowns, die Entwicklung der Kurzarbeit und die überall so große Bedeutung der Höhe der Arbeitslosigkeit. Auch die Briten setzen auf das Instrument der Kurzarbeit, die allerdings im Oktober ausläuft. Und auf Rettungspakete, um die Folgen abzumildern, aber alles muss irgendwie finanziert werden.

Fazit

Großbritannien steht in einer doppelten Bewährungsprobe: Da ist zum einen das langwierige und zähe Ringen um die geänderten Wirtschaftsbeziehungen nach dem Brexit und die Eindämmung einer Pandemie, die nach wie vor voller Rätsel steckt. Ob jetzt die Zugehörigkeit zur Europäischen Union in der momentanen Lage nicht doch ein paar Vorteile mit sich bringen würde?

Die späte Reaktion auf das Coronavirus ließ in Großbritannien das BIP stärker einbrechen

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Europa

Verbraucherpreise: Deflation dank Mehrwertsteuer und Energie

Claudio Kummerfeld

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Geld und Waren als Symbole für Verbraucherpreise

Bevor die von einigen kritischen Personen erwartete Hyperinflation über Deutschland hereinbricht, steht aktuell erstmal die Deflation ins Haus. Hatte der Ölpreis-Schock aus dem Frühjahr die Verbraucherpreise eh schon Richtung Null-Linie laufen lassen, so gibt die Mehrwertsteuersenkung, die seit Juli gilt, einer möglichen positiven Preisentwicklung den Rest.

Energie beeinflusst Verbraucherpreise stärker als Mehrwertsteuersenkung

Heute früh hat das Statistische Bundesamt die endgültigen Daten für die Verbraucherpreise für Juli veröffentlicht. Im Vergleich zu Juli 2019 sind sie um 0,1 Prozent rückläufig. Im Monatsvergleich von Juni zu Juli 2020 ist es ein Minus von 0,5 Prozent. Die Verbraucherpreise für Energie gehen im Jahresvergleich um 6,7 Prozent zurück nach -6,2 Prozent im Juni. Ohne Berücksichtigung der Preise für Energieprodukte hätte die Inflationsrate im Juli 2020 bei +0,8 Prozent gelegen, ohne Energieprodukte und Nahrungsmittel bei +0,7 Prozent. Man sieht also: Energie wirkte sich stärker auf die jüngsten Tendenzen in die Deflation aus als die Mehrwertsteuersenkung. Man darf vermuten: Würde der Einzelhandel in vollem Umfang die gesenkte Mehrwertsteuer an die Endkunden weiterreichen, wäre die Deflation wohl noch viel stärker ausgefallen. Dazu im Wortlaut die Statistiker:

Nachdem die Inflationsrate im Juni 2020 leicht angestiegen war, dämpfte die Mehrwertsteuersenkung zum 1. Juli 2020 als eine Maßnahme des Konjunkturpakets der Bundesregierung nun die Preisentwicklung. In welchem Umfang die niedrigeren Steuersätze an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wurden, ist nur schwer nachweisbar, da die Preisentwicklung von vielen Faktoren abhängt. Der Einfluss der Senkung der Mehrwertsteuersätze kann daher nur modellmäßig berechnet werden. Unter der Annahme einer vollständigen und sofortigen Weitergabe der Mehrwertsteuersenkung an die Verbraucherinnen und Verbraucher ergibt sich im Juli 2020 rein rechnerisch eine um 1,6 Prozentpunkte niedrigere Inflationsrate. Ohne die Steuersenkung wäre die Inflationsrate also maximal 1,6 Prozentpunkte höher gewesen.

Verbraucherpreise aufgeteilt in einzelne Segmente

Großhandeldspreise deutlich in der Deflation

Die Großhandelspreise hängen nun schon den sechsten Monat in Folge in der Deflation! Nach heutigen Daten war es im Juli im Jahresvergleich ein Minus von 2,6 Prozent nach -3,3, -4,3 und -3,5 Prozent in den Vormonaten. Auch hier haben die Importe von Energieprodukten immer noch einen negativen Einfluss auf den Gesamtschnitt. Im Wortlaut von den Statistikern:

Den größten Einfluss auf die Gesamtentwicklung im Vergleich zum Vorjahresmonat hatten im Juli 2020 die niedrigeren Preise im Großhandel mit Mineralölerzeugnissen (-17,9 %). Nachdem diese von Februar bis Mai 2020 krisenbedingt um rund 30% gefallen waren, konnten seitdem deutliche Preissteigerungen (+16,3 % im Vergleich zu Mai 2020) beobachtet werden. Das Vorkrisenniveau ist aber noch nicht wieder erreicht: Die Preise für Mineralölerzeugnisse lagen im Juli 2020 immer noch 22,6 % niedriger als im Januar 2020.

Kräftige Preisrückgänge gegenüber dem Vorjahr gab es ebenfalls im Großhandel mit Altmaterial und Reststoffen. Insbesondere lagen die Preise für sortiertes gemischtes Altpapier (-43,4 %) sowie für Eisen- und Stahlschrott (-19,6 %) unter denen des Vorjahres. Auch im Großhandel mit lebenden Tieren (-8,6 %) sowie mit Datenverarbeitungsgeräten, peripheren Geräten und Software (-3,9 %) lagen die Preise deutlich unter dem Vorjahresniveau. Dagegen waren unter anderem die Preise für Tabakwaren auf Großhandelsebene höher als im Juli 2019 (+4,2 %).

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Europa

Industrieproduktion in der Eurozone: Ist das die V-förmige Erholung?

Claudio Kummerfeld

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Stahlfertigung als Symbol für Industrieproduktion

Die Industrieproduktion in Europa ist kräftig abgestürzt in der Coronakrise. Die Frage lautet: Gibt es eine langsame Erholung, ein Dahindümpeln im negativen Bereich, oder eine schnelle V-förmige Erholung? Im Juni stieg die saisonbereinigte Industrieproduktion gegenüber Mai 2020 sowohl im Euroraum als auch in der EU um 9,1 Prozent, laut heute veröffentlichten Schätzungen von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union. Im Mai 2020 stieg die Industrieproduktion im Euroraum um 12,3 Prozent und in der EU um 11,6 Prozent. Gegenüber Juni 2019 ging die Industrieproduktion im Juni 2020 im Euroraum um 12,3% und in der EU um 11,6% zurück.

Die Frage ist jetzt nur: Geht diese V-Erholung im Juli auch weiter im selben Tempo wie im Mai und Juni? Dann wird es wirklich etwas mit einem klassischen V. Bis jetzt sieht es jedenfalls danach aus. Der folgende Chart von Eurostat sieht doch schon stark nach V-Erholung aus? Er zeigt die Entwicklung der Industrieproduktion in der Eurozone und in der Gesamt-EU seit dem Jahr 2011.

Industrieproduktion in EU und Eurozone seit 2011

Hier die Veränderung im Jahresvergleich (ein Balken steht für einen Monat).


source: tradingeconomics.com

Hier die Veränderung im Monatsvergleich (ein Balken steht für einen Monat).


source: tradingeconomics.com

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