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Bridgewater: Gigantische Short-Wette – perfekter Kontraindikator?

Im Coronascrash war das Timing ein Desaster..

Der Hedge Fonds Bridgewater von Ray Dalio verdoppelt seine Short-Positionen auf europäische Aktien – ist das wie in 2020 der perfekte Kontraindikator?

Der von Ray Dalio gemanagte Hedge Fond Bridgewater Associates hat in der Woche vom 15. Bis 21. Juni seine Short-Positionen (Leerverkauf – Investor leiht sich Aktien, um sie sofort zu verkaufen und zu einem späteren Zeitpunkt mit einer Differenz zurück zu kaufen) auf europäische Aktien massiv ausgebaut und wettet insgesamt mit 10,5 Milliarden Euro auf einen weiter fallenden EuroStoxx50.

Die Meldung ging letzte Woche bereits viral und sorgte für Schlagzeilen. Vor gut zwei Jahren, genau am 17. März 2020, also mitten im tiefsten Corona-Crash, titelte der Aktionär: „Hedgefonds-Legende wettet im großen Stil gegen Europa.“ Wiederholen sich nun die Ereignisse? Schließlich war das Markttiming damals sehr ungünstig, denn am 19. März bildetet der EuroStoxx50 seinen Tiefpunkt aus. Anschließend kannten die Kurse praktisch nur noch eine Richtung – nach oben!

Shortet Bridgewater erneut das Markttief wie in 2020?

Ray Dalio erzielte mit seiner Aussage Anfang 2020 „Cash is trash“ viel mediale Aufmerksamkeit, insbesondere, weil sich kurze Zeit später das Gegenteil heraus stellte. Während des folgenden Corona-Crashs war nämlich Cash eine sehr gute Wahl. Bridgewater ging damals eine Reihe von Short-Wetten auf europäische Unternehmen ein, darunter SAP und ASML Holdings NV. Wie sieht die Situation jetzt aus, welche Unternehmen wurden von Bridgewater Associates geshortet?

Welche Unternehmen wurden von Bridgewater geshortet?

Laut aktueller Veröffentlichung im Bundesanzeiger wurden folgende Short-Positionen bei deutschen Unternehmen auf- und ausgebaut:
Deutsche Post, Vonovia, Allianz, Münchener Rückversicherung, Deutsche Börse, Infineon, SAP, Bayer, BASF, Siemens und Adidas.

Bridgewater Associates hat auch europäische Unternehmen im Visier. Aus Frankreich AXA, BNP Paribas, Danone, Air Liquide, Safran, Sanofi, Schneider Electric, TotalEnergies und Vinci, aus Italien ENEL und Intesa Sanpaola, aus den Niederlande ASML, Adyen und ING und aus Spanien Iberdrola, Banco Santander und BBVA. Alle Titel sind im EuroStoxx50 enthalten.

Die größte Short-Position hält Bridgewater bei ASML Holding, einem niederländischen Unternehmen und weltweit größte Anbieter von Lithographiesystemen für die Halbleiterindustrie. TotalEnergies aus Frankreich, das viertgrößte Mineralölunternehmen, ist die zweitgrößte Short-Position.

Short-Wette oder Hedge?

Auf die Frage, ob es sich um eine Wette oder einen Hedge (Absicherung) handelt, äußert sich Bridgewater zu seinen Short-Positionen wie folgt:

„Bridgewater handelt in über 150 Märkten weltweit und verwaltet viele miteinander korrelierenden Positionen, darunter viele Hedges, und diese Positionen unterliegen häufigen Wechsel. Daher wäre es nicht korrekt, aus einer einzelnen Position zu einem beliebigen Zeitpunkt Rückschlüsse auf die Gesamt-Strategie abzuleiten.“ Das ist die Standard-Antwort, die Bridgewater auch in 2020 auf die gleiche Frage gegeben hat.

Wie hat sich der EuroStoxx50 in der Zeit vom 13. bis 21. Juni entwickelt?

Bridgewater und Eurostoxx

Der im Chart farblich eingerahmte Bereich stellt den Zeitraum dar, in dem die Short-Positionen im EuroStoxx50 aufgebaut wurden. Ob es ein gutes Timing war, wird die Zeit zeigen. Aber nur weil eine vor zwei Jahren richtige Strategie, die von der folgenden expansiven Notenbankpolitik durchkreuzt wurde, nicht funktioniert hat, muss das nicht bedeuten, dass sie auch diesmal falsch ist. Schließlich ist das aktuelle Marktverhalten der Notenbanken mit Zinserhöhungen und Quantitative Tightening ein völlig konträres wie in 2020.

Vielleicht liegt Ray Dalio mit seinem Hedge Fonds Bridgewater Associates diesmal richtig, wie in 2008, als er aus der Krise hohe Profite zog und seinen legendären Ruf als Investor begründete. Wenn aber bereits alle großen Marktteilnehmer massive Short-Positionen aufgebaut haben, besteht die reelle Chance eines „Short-Squeeze“. Wie so oft ist an der Börse alles möglich, auch das Gegenteil.

Kursdaten aus https://de.tradingview.com

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Ray Dalio und Bridgewater Short-Wette
7 November 2018; Ray Dalio, Founder, Co-Chief Investment Officer & Co-Chairman, Bridgewater Associates on the Forum Stage during day two of Web Summit 2018 at the Altice Arena in Lisbon, Portugal. Photo by Harry Murphy/Web Summit via Sportsfile

Foto: By Web Summit – HM1_7481, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=74255790



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8 Kommentare

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Na der hat eigentlich nur die Werte geshortet die vorher super gut gelaufen sind. Viel Phantasie gehört da nicht dazu.
    Ist natürlich riskant, weil zum Beispiel in der Deutschen Börse AG viele bekannte Investoren engagiert sind, viele große Investoren mit ganz tiefen Taschen.

  2. Ein Short auf europäisches Aktien würde ja bedeuten, dass die Welt durch Russlands-Angriffiskrieg nicht betroffen sei ?

    Hört sich für mich doch sehr, sehr abenteuerlich an ? Mit der „Welt“ meine ich ausdrücklich die USA ?

    Also geht diese „regionale Sache“ die „Welt“ nix an ?

    Was will der Mann damit sagen, dass Europa im Endeffekt von den Russen angeriffen wird, also die Ukriane als 1. Step? Dem Herren ist schon klar, was danach folgt, da im schönen Amiland lebend ? Also kein Nato-Büdnisfall ?

    Siehe die Sache mit Litauen / Kaliningrad ?

    Dem Herren ist schon klar, dass ein Angriff der Russen auf Zentraleuropa den 3. Weltkrieg bedeuten würde, da kann sich Amerika ein Ei drauf backen, ein Weltkrieg ist eben das, es ist ein ganz, ganz toller 3. Weltkrieg !

    Und wie schon das Wort „Weltkrieg“ sagt, da wird der Amiladen aber mit an Sicherheit grenzendender Wahrscheinleinlichkeit mit dabei sein !!!

    Viel Spass beim shorten von Europa…

  3. Wie gesagt, sollte Russland, nachdem sie die Ukraine erobert haben, jedweden Nato-Staat angreifen, so tritt der Bündnisfall ein, was den 3. Weltkrieg bedeuten würde, welcher ganz ganz schnell vorbei sein könnte/ dürfte, sollten Atomraketen eingesetzt werden sollen, welche von den Russen ja angedroht wurden—

    So ist das nun mal, das wäre dann auf alle Fälle das Ende der westlichen Welt, nebst der östlichen – Punkt.

  4. Ray Dalio’s Strategie wird in jedem Fall den Erfolg bringen.!! Es sind einig völlig Überschuldete Konzerne und Firmen darunter. Die Deutsche Bank steht mit einem Anlage zu Schulden Risiko von ca. 1 : 25 auf der Minus-Seite . Die Situation von BNP Paribas ist 1: 35 und die genannten Anderen stehen auch auf seeehr soliden Füssen für den Insolvenzverwalter!
    Aber kein Problem, die Italienischen Banken sind mit >70facher Überschuldung zum Anlagevermögen immer noch stabil da, sind die 100fache Überschuldung doch noch weit entfernt.
    Um für diese Paar (es ist nur die Spitze des Schuldenbergs) der europäischen Bad-Banks und -Konzerne den Bail-Out zu machen ist die schnelle EZB ganz sicher bereit, ihre bisherige Bilanz, die ja ungebremst weiter stiegt, dann um mindestens das 3-fache zu erweitern, nur um den T€uro zu retten, aber nur sehr kurzfristig.
    Gegen die Hyperinflation der Weimarer Republik ist das dann wie ein Kindergeburtstag und Wladimir Putin bekommt dann alles zum Schnäppchenpreis und ohne auch nur einem Russischen Soldaten zu opfern. Seine Oligarchen in Dubai reiben sich schon lange (seit den wirkungslosen Sanktionen) die Hände in gekühlter Kamelmilch.

  5. Ich wuerde gerne eine Allianz oder eine Muenchner Rueck fuer 100 € kaufen wann ist das denn soweit?

  6. Hans-Peter Seiffert

    Also ein Kontraindikator war Dalio nicht, jedenfalls, was den März 2020 angeht. Siehe hierzu die Marktgeflüster-Ausgabe vom 22.11.2019 mit dem Titel „Größter Hedgefonds geht Short!“. Die Optionen hatten damals eine Laufzeit bis März und wie wir uns erinnern, war im März 2020 der Corona-Crash. Er lag also goldrichtig und war mitnichten ein Kontraindikator. Gut, Corona konnte er nicht ahnen, aber recht hatte er.

    1. Vollste Zustimmung. Ray Dalio ist einer der wenigen im Finanzgeschäft, der nicht nur gut dasteht, wenn die Zentralbanken Gelddrucken wie blöde und alle einfach dem Trend folgen.

  7. Shorti vom Swingerclub

    Ich nehme an ,dass Ray Dalio seine Strategie für sich behält.Gemäss eines Berichtes hat er Put und Call Optionen gekauft. Man rätselt auch ,ob es vielleicht nur Absicherungen sind.Bei erwarteter grosser Volatilität könnten die Puts und die Calls Gewinn bringen.
    Bei starkem Anstieg oder starkem Fall würde auf einem dieser Produkte soviel gewonnen,dass man die andere Seite abschreiben könnte.Eines ist sicher, der immer grössere Anteil von Optionen und Derivaten vergrössern die Volatilität und das heisst für mich ,der Wash-Out liegt noch vor uns.Die starken Rallys im Abwärtstrend sind auch interessant für Swingtrader, so kann man mit ein wenig Glück gewisse Bewegungen doppelt mitnehmen.

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