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Aktien

China muß die USA kopieren: Schuldenexport als Lösung

Markus Fugmann

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am

Es ist derzeit nicht gerade so, dass positive Meldungen über Chinas Wirtschaft vom Himmel hageln: Moody´s senkte heute den Ausblick für den Immobilienmarkt im Reich der Mitte, Goldman Sachs warnt vor einem mindestens zwei Jahre andauernden Abschwung der Branche. Und das ist ein massives Problem:

„In China dreht sich alles um den Häusermarkt: Aktien, Bankkredite, das Schattenbankensystem – alles hängt vom Immobiliensektor ab. Sinkende Immobilienpreise werden viele schlechte Kredite ans Tageslicht spülen. In den kleineren Städten ist die Korrektur schon voll im Gang” (Francis Cheung, siehe dazu den Artikel „China wird noch langsamer wachsen als erwartet„).

Richtig dramatisch aber ist die Lage für Chinas Unternehmen: ihre Verschuldung ist die höchste der Welt und liegt derzeit über 150% des chinesischen BIPs – Tendenz steigend. Die französische Großbank BNP Paribas geht davon aus, dass Chinas Unternehmen ein nominales BIP-Wachstum zwischen 11 und 12 Prozent benötigen, um ausreichend Liquidität zur Bedienung der Schulden zu generieren und eine pyramidenförmige Schuldendynamik zu verhindern. 11 bis 12%! Derzeit liegt die offizielle Rate bei 7,4% – und vermutlich ist auch diese Zahl geschönt.

Nun ist eine hohe Verschuldung immer schlecht, aber noch schlechter ist sie, wenn die dafür zu zahlenden Zinsen extrem hoch sind: der durchschnittliche Zinssatz für Chinas Unternehmen bei offiziellen Banken beträgt, laut BNP Paribas, 6,3% – im Schattenbankensektor müssen die Unternehmen über 8% bezahlen.

Solche Zinssätze muss man sich erst einmal leisten können. Einige Branchen wie Stahl, Kohle, Solar oder Schifffahrt sind bereits weitgehend abgeschnitten von Krediten durch offizielle Banken. Faktisch droht in den nächsten Jahren ein massives Firmensterben, das nur durch Eingriffe der Regierung verhindert werden kann.

BNP Paribas geht daher davon aus, dass die Regierung ihren eingeschlagenen Weg der Konsolidierung wieder verlassen und die Kreditvergabe erneut stimulieren muss. Damit wäre die von der neuen Regierung betriebene Reformagenda wieder auf Eis gelegt – aber in einer extrem kreditgehebelten Wirtschaft kann man Blasen eben nicht dadurch bekämpfen, indem man versucht, Luft aus der Blase zu lassen. Sondern nur dadurch, indem man die Blase weiter befeuert – sonst bricht das System zusammen.

Wahrscheinliche Maßnahmen sind: die Senkung des Mindestreservesatzes für die Banken, direkte Kapitalspritzen für Unternehmen, oder gleich die fortgesetzte Abwertung des Yuan. Damit hat die Regierung faktisch schon begonnen, sehr zum Leidwesen der Amerikaner, die meinen, sie hätten das Monopol auf Abwertung.

Von Amerika lernen aber heißt siegen lernen – das werden bald auch die Chinesen begreifen. Um ihre Pump-Wirtschaft am Leben zu erhalten, muss das Land – ebenso wie die USA – seine Schulden exportieren. Dafür werden sich sicher ausreichend Dumme finden – schließlich sind die Investoren der westliche Welt verzweifelt auf der Suche nach Rendite, da kämen verbriefte Kredite aus China sehr gelegen.

Der geplante Börsengang des Internetriesen Alibaba ist dazu der erste Schritt: man bringt ein Unternehmen an die Börse, dessen Perspektiven durch den wirtschaftlichen Abschwung Chinas bestenfalls als mäßig bezeichnet werden können. Die Anleger werden trotzdem beherzt zugreifen!

Lang lebe also der american way of life – solange sich genügend Idioten finden, die ihn finanzieren (die deutschen Landesbanken kommen dafür leider nicht mehr in Frage). Das ist die Lektion, die China lernen muss, wenn es ökonomisch überleben will..

 

 

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    T2014

    22. Mai 2014 14:18 at 14:18

    Um eine Leitwährung zu haben, muss diese exportiert werden. Da Geld = Schuld in unserem System, muss man somit „Schulden“ (Staatsanleihen) exportieren. Das hier ist nur Vorarbeit so zu sagen, Terrain vorbereiten.

  2. Avatar

    T2014

    22. Mai 2014 14:22 at 14:22

    Achja und: eine Leitwährung ist auch immer defizitär, sonst würde das Spiel ja gar nicht funktionieren.

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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am

Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Value-Werte auf der Überholspur

Redaktion

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Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Es gibt gute Konjunkturindikatoren aus Deutschland und Asien. Laut Markus Koch sind die Value-Werte jetzt auf der Überholspur.

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fashionette: Onlineshop für Luxus-Shopping geht an die Frankfurter Börse

Claudio Kummerfeld

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Bürotürme in Frankfurt

fashionette ist kein normaler Onlineshop für Klamotten und Schuhe. Nein, hier werden nur hochpreisige Handtaschen, Schuhe, Schmuck etc verkauft. Darauf hat sich die Düsseldorfer fashionette AG spezialisiert. Man konzentriert sich auf die Region Deutschland, Österreich und Schweiz. Nach eigenen Angaben bietet das Portal 11.000 Artikel von 150 Premium- und Luxus­marken, und hat pro Monat mehr als 3 Millionen Seitenaufrufe. Die Umsatzerlöse lagen im Jahr 2019 bei 73 Millionen Euro, und der Gewinn (EBITDA) lag bei 6,8 Millionen Euro. Das entspricht einer Marge von 9,3 Prozent.

Die Deutsche Börse hat heute offizielle Angaben zur Aktienzeichnung und zum ersten Handelstag an der Börse für das Unternehmen veröffentlicht. Die Aktienzeichnung für den Börsengang der fashionette AG (ISIN: DE000A2QEFA1) an der Frankfurter Wertpapierbörse ist heute gestartet und wird voraussichtlich bis zum 27. Oktober andauern. Inklusive der Mehrzuteilungsoption werden bis zu 3.605.000 Aktien angeboten, die Bookbuilding-Spanne liegt bei 30,00 bis 38,00 Euro je Aktie. Der erste Handelstag der fashionette AG im Segment Scale ist laut der Deutschen Börse für den 29. Oktober geplant.

Beim Klick an dieser Stelle finden sie alle Detaildaten zu dieser Emission bei der Frankfurter Börse.

Der Börsengang von fashionette hat einen Gesamtumfang von bis zu 137 Millionen Euro. Aber der Großteil der Papiere werden vom aktuellen Hauptaktionär Genui verkauft, womit ein Großteil der Emission nicht in der Firma landet, sondern an den Altaktionär fließt. Im Unternehmen werden von der Emission wohl 36-46 Millionen Euro ankommen.

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