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Weniger Transparenz bei Kapitalmarkt China: Nach Abverkauf werden keine Daten mehr veröffentlicht

China nach Abverkauf
Foto: subsri13 - Freepik.com

Auf den historischen Tiefstand der Kapitalmärkte in China folgt nun eine Phase verminderter Transparenz. Diese Entwicklung markiert einen signifikanten Einschnitt in die Verfügbarkeit von Marktinformationen, der weitreichende Konsequenzen für das Vertrauen und die Strategien der Akteure mit sich bringt.

Kapitalmärkte in China: historischer Tiefstand

Die Kapitalmarktaktivitäten in China haben einen historischen Tiefpunkt erreicht, was die zögerliche wirtschaftliche Erholung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft widerspiegelt und zu einem spürbaren Vertrauensverlust bei den Investoren geführt hat. Nach Angaben von Dealogic haben chinesische Firmen auf dem heimischen Markt bisher lediglich 6,4 Milliarden US-Dollar durch Börsengänge, Kapitalerhöhungen und die Ausgabe von Wandelanleihen generiert – ein Allzeittief.

Die Kapitalaufnahme auf ausländischen Märkten, einschließlich Hongkongs, ist mit 1,6 Milliarden US-Dollar auf dem niedrigsten Niveau seit 2003 angelangt. Mit lediglich 2,5 Milliarden US-Dollar sind auch die grenzüberschreitenden M&A-Aktivitäten Chinas so gering wie seit 2005 nicht mehr. Auf den internationalen Anleihemärkten haben chinesische Unternehmen, Banken und staatliche Schuldner in diesem Jahr bislang 26 Milliarden US-Dollar aufgenommen – ein geringfügiger Anstieg gegenüber den 24 Milliarden US-Dollar des Vorjahres, jedoch der niedrigste Betrag seit 2016. Die inländische Kreditaufnahme beläuft sich auf 246 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 177% gegenüber dem Vorjahr entspricht.

China: Börsen drosseln Datenfluss

In Kürze wird die Transparenz der Kapitalströme auf dem chinesischen Aktienmarkt über Hongkong abnehmen. Die Börsen in Shanghai und Shenzhen haben angekündigt, dass die Live-Daten des Handels zwischen Shanghai und Hongkong sowie Shenzhen und Hongkong in etwa einem Monat nicht mehr übermittelt werden. Stattdessen sollen die Umsatzdetails nach Abschluss der täglichen Handelssitzungen veröffentlicht werden. Dies bedeutet den Verlust eines wesentlichen Instruments, das insbesondere internationale Marktteilnehmer zur Einschätzung der Marktlage genutzt haben.

Die Börsen in China begründen die Änderungen damit, dass sie die chinesischen Praktiken an die globalen Standards angleichen wollen. „An den europäischen, amerikanischen und anderen entwickelten Märkten gibt es keine Echtzeitdaten für den Handel einer spezifischen Investorengruppe, und diese Märkte differenzieren auch nicht zwischen lokalen und internationalen Investoren bei der Datenveröffentlichung“, erklärten sie.

Chinas Führung: Stabilisierung durch Intransparenz

Investoren werden nun ein Instrument weniger haben, um den Markt zu beobachten, und es wird eine gewisse Anpassungszeit erfordern. Der Schritt könnte jedoch auch ein weiterer Versuch der chinesischen Führung sein, einen Markt zu stabilisieren, der im letzten Jahr unter einem Vertrauensverlust der Einzelhändler und dem Rückzug ausländischer Fondsmanager gelitten hat.

Die Änderungen bei der Datenveröffentlichung reflektieren ein Umfeld, in dem sich das chinesische Finanzsystem trotz des Endes der Pandemie zunehmend isoliert. Internationale Banken, die seit Jahren versuchen, in das umfangreiche chinesische Finanzsystem einzudringen, sehen sich mit sinkenden Aktivitätsniveaus konfrontiert.

Die Regulierungsbehörden legen ihr Augenmerk auf hochvolatile Intraday-Daten, um die Investitionen auf langfristige Ziele auszurichten.  Obwohl einige Anleger die fehlende Transparenz bedauern mögen, scheinen die Behörden in China auf altbekannte Muster zurückzugreifen. Anstatt wirtschaftliche Herausforderungen mit reformorientierten Ansätzen zu bewältigen, reagieren sie mit einer Politik des ‚Shoot the Messenger‘. Statt den Marktteilnehmern durch mehr Offenheit ein besseres Verständnis des chinesischen Marktes zu ermöglichen und somit Investitionen in China zu erleichtern, tendiert das Land dazu, sich weiter abzuschotten. Diese Entwicklung wird eher dafür sorgen, dass Investoren, die auf eine transparente und offene Marktkommunikation angewiesen sind, langfristig eher noch vorsichtiger mit einem Engagement in China zu sein werden.



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