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Konflikt um Taiwan - Bestand an US-Staatsanleihen fällt auf tiefsten Stand seit 12 Jahren China verkauft US-Staatsanleihen – erwartet Konflikt mit USA

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China senkt seinen Bestand an US-Staatsanleihen auf den tiefsten Stand seit 12 Jahren – der Grund: die Führung in Peking erwartet einen Konflikt mit den USA.

China erwartet Konflikt mit USA und verkauft US-Staatsanleihen

Wie die South China Morning Post am 20. Juli berichtete, hat China seinen Bestand an US-Staatsanleihen wegen des „Risikos eines möglichen Konflikts“ mit den USA wie bereits in den Vormonaten weiter deutlich abgebaut. Chinas Bestände, im April noch bei knapp über einer Billionen US-Dollar, fielen nach Angaben des US-Finanzministeriums im Mai auf 980 Milliarden US-Dollar, dem niedrigsten Stand seit 2010.

Auch Hongkong reduzierte seine Bestände an US-Staatsanleihen von 195,4 Milliarden US-Dollar im Mai auf 186,6 Milliarden US-Dollar im Juni. In einem von Spannungen beherrschten internationalen Umfeld wirkt so eine Information wie der Vorbote kommender Ereignisse. Bereitet sich die chinesische Regierung im verborgenen auf die Invasion Taiwans vor oder ist dies nur ein weiterer Schachzug im Wirtschaftskrieg zwischen den USA und China?

„China muss das Risiko eines Konflikts mit den USA vermindern“ – Tan Yaling

Der Leiter des China Forex Investment Research Institute, einem in Peking ansässigen Think-Tank, Tan Yaling, äußerte sich zu diesem Thema: „Es ist im wesentlichen eine Frage der Beziehung zwischen China und den USA.“

Abgesehen davon, dass die USA mit dem höchsten Inflationsniveau seit über 40 Jahren konfrontiert sind, belasten die angespannten bilateralen Beziehungen zwischen beiden Ländern in den Bereichen Technologie, Handel und Russland. China hat sich bis jetzt im Ukraine-Konflikt Seite an Seite mit Putin gezeigt, eine Haltung, die im „Westen“, insbesondere in den USA, nicht akzeptiert wird. Das hat man in Peking mittlerweile zur Kenntnis genommen. Tan Yaling fügt noch weiter hinzu, dass „die großen Bestände der Vergangenheit auf die guten bilateralen Beziehungen zurückzuführen waren, aber jetzt muss China das Risiko eines möglichen Konflikts mit den Vereinigten Staaten vermindern.“

Mit „Risiko“ meint Tan Yaling hier die wohl möglichen finanziellen Sanktionen, die als Reaktion der USA auf einen Einmarsch China in Taiwan folgen könnten. Die gegen Russland verhängten Sanktionen wurden in China in der Öffentlichkeit breit diskutiert und als Warnung empfunden.
Damit fielen die Bestände an US-Staatsanleihen den sechsten Monat in Folge. Und das in einem Umfeld, indem chinesische Akademiker und politische Kreise hitzige Debatten über Ent-Dollarisierung und Ent-Koppelungen führen. Ein ehemaliger Zentralbank-Berater, Yu Yonding, hatte sich in einem im Mai in Peking organisierten Forum sehr klar geäußert und empfohlen, dass China sein Portfolio an ausländischen Vermögenswerten anpassen sollte. Er forderte sogar ausdrücklich, die Bestände an US-Staatsanleihen zu kürzen. Vor allem im Hinblick auf niedrige Rentabilität und das zunehmende Risiko eines Konflikts mit den USA.

Anteil an US-Vermögenswerten sinkt konstant seit 1995

Laut Daten des State Administration of Foreign Exchange ist der Trend zur Diversifizierung von Chinas Auslandsvermögen in vollem Gange. Der Anteil an US-Vermögenswerten ist von rund 70 Prozent im Jahre 1995 auf 58 Prozent im Jahre 2015 gesunken. Der derzeitige Bestand an US-Staatsanleihen entspricht nur noch rund 31,4 Prozent der Devisenreserven von insgesamt 3,07 Billionen US-Dollar. Seit dem Höchststand von 1,32 Billionen US-Dollar an US-Staatsanleihen im November 2013 ist das ein Rückgang um 25 Prozent, und seit dem Amtsantritt von Joe Biden ein Rückgang um 10,4 Prozent. Tan Yling ergänzte, China könne seinen Fokus auf Gold, das Seidenstraßen Projekt oder auf die Bildung von Reserven richten, um inländische Risiken abzupuffern.

Chinas Goldreserven sind seit November 2019 unverändert geblieben. Sie belaufen sich auf 1.948 Tonnen Gold, gab die People´s Bank of China (PBOC) an. Vielleicht lockt der aktuell gefallene Goldkurs, die Bestände wieder zu erhöhen?

Japan und Großbritannien neben China die größten Gläubiger der USA

Japan hatte 2019 China als größten Gläubiger der USA abgelöst. Auch hier wurden für 5,7 Milliarden US-Dollar Bestände abgebaut auf insgesamt 1,212 Billionen US-Dollar. Dies ist der niedrigste Stand seit Januar 2020. Großbritannien, die Schweiz und Belgien meldeten im Mai netto Käufe von US-Staatsanleihen. Großbritannien ist mit 643 Milliarden der drittgrößte Gäubiger der USA.

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Wie die PBOC ihre Geldpolitik in einem Umfeld weltweit steigender Zinsen gestaltet, wird „hauptsächlich von inländischen Bedürfnissen bestimmt“, so Zou Lan, Leiter der geldpolitischen Abteilung der Zentralbank auf dem G20 Treffen letzte Woche. Dabei will man aber „das interne und externe Gleichgewicht berücksichtigen.“

Damit China seine ehrgeizigen Wachstumsziele von 5,5 Prozent in diesem Jahr noch erreichen kann, ist laut Wirtschaftsexperten ein Stimulus notwendig. Das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal belief sich auf magere 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und im eigenen Land türmen sich eine Menge hausgemachter Probleme auf, die die ehrgeizigen Ziele der Regierung in Beijing bedrohen. Der bröckelnde Immobilienmarkt, die zero-covid-Politik und die Lockdowns sind eine Gefahr für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Der Sprecher des Nationalen Statistikamtes, Fu Linghui, äußerte sich skeptisch und sagte, „es sei eine echte Herausforderung, die erwarteten wirtschaftlichen Wachstumsraten auf Jahressicht zu erreichen.“ Ohne einen ordentlichen Stimulus sind die Ziele wohl kaum erreichbar. Es ist davon auszugehen, dass die Chinesische Zentralbank die weltweiten Zinsanhebungen nicht im vollen Umfang mitmachen wird, solange die Inflation in China (derzeit bei 2,5 Prozent) unter Kontrolle bleibt.

Wie hat sich der Yuan zum Dollar und zum Euro seit Jahresanfang entwickelt?

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Seit Jahresanfang hat der Yuan zum Dollar abgewertet und zum Euro aufgewertet. Für die USA verbilligen sich dadurch die Importe aus China und wirken Inflations-dämpfend – für Europa gilt das Gegenteil. Je nachdem, wie zaghaft die EZB die Leitzinsen im Vergleich zur Fed anzieht, wird sich der Trend weiter fortsetzen.



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5 Kommentare

  1. Schuldner der USA? Ich dachte immer, wer Anleihen kauft ist der Gläubiger….

    1. Ist ein Dreiecks-Geschäft!
      Wertlose Papier-Dollar gegen wertvolle Waren. Die Bonds kann man ja, falls nötig gegen „echtes“ Geld eintauschen. Nachdem die USA unter der EU-Mithilfe den Dollar als Waffe gegen die ganze Welt einsetzt (Zinserhöhung der FED) stürzen sich alle Geldgeier auf den vermeintlich sicheren Hafen US-Dollar, weil dort der Gewinn negativ ist, mit minus 7%, muß das doch ein gutes Geschäft sein!🤣
      Aber Schina geht es nur darum, nicht in die gleiche Situation mit Russland zu kommen, da die Schinesen noch zu viel IOU-nothing Dollar im Bestand haben.
      Nebeneffekt ist, das einige der Mrd-Schulden im Real Estate Sektor in Schina noch als Insolvenzen kommen werden. Die Immo-Kriese in Schina hat noch nicht einmal richtig angefangen und die Banken weigern sich immer öfter ihren Einlegern (Schina-Normal-Bürger) ihr Erspartes zurück zu zahlen. Die ersten Panzer stehen schon als Schutz vor den Banken.
      Da ist es doch besser, die Bonds zu verkaufen und gegen Dollars einzutauschen, damit ein paar Verbindlichkeiten bei den US-Bürgern und Institutionen zurück zuzahlen und mit dem Rest die eigene Bevölkerung davon abzuhalten gegen die Regierungsbeamten und Soldaten schlagkräftige Argumente in Anwendung zu bringen.
      Nicht vergessen: Kaiser Xi-Jinping will in ein paar Wochen für die Ewigkeit gewählt werden! Genauso wie Wladimir Putin das schon gemacht hat.

  2. „Das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal belief sich auf magere 0,4 Prozent, …“
    Mit Sicherheit nicht.

  3. Auwei, was machen wir denn dann, wenn China Taiwan angreift?
    Auch Sanktionen?
    Einfrieren von chinesischen Geldern?
    Enteignung der chinesischen Milliardäre in Europa?
    Ziehen sich die deutschen Automobilbauer auch aus China zurück?
    Handelsverbot mit chinesischen Banken?
    Keine Ersatzteile mehr für Flugzeuge?
    Nein?
    Achso, ist ja nicht der Russe.
    Dann ist so ein Überfall natürlich ganz was anderes.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  4. Wenn China Taiwan angreifen sollte, müssen wir uns um Sanktionen wohl keine Gedanken machen.
    Dann steht der 3 Weltkrieg vor der Tür.

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