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Corona-Maßnahmen wirklich sinnvoll? Exklusiv-Interview mit Facharzt für Hygiene

Stefan Kasper-Behrs

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am

Sind die zahlreichen Corona-Maßnahmen sinnvoll?

Wie sinnvoll sind die zahlreichen Corona-Maßnahmen? Spanien zum Beispiel verbietet als erstes Land in Europa das Rauchen im Freien. Wo kein Abstand von mindestens zwei Metern gewährleistet werden kann, darf nicht geraucht werden. Begründung durch Spaniens Epidemiologen und Lungenfachärzte:

1. In dem ausatmenden Rauch sind besonders viele infektiöse Tröpfchen enthalten.
2. Wer Zigaretten raucht, hat auch ein erhöhtes Risiko, besonders schwer an Covid-19 zu erkranken.
3. Raucher stecken sich leichter an, weil sie sich ständig an ihren Mund fassen.

Bereits im Februar hatte ich Prof. Dr. Günter Kampf, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin, zum Coronavirus interviewt. Aktuell habe ich ihn erneut ausführlich befragt über die Wirksamkeit der derzeitigen zahlreichen Corona-Maßnahmen, die vielen Bürgern sinnvoll erscheinen, vielen anderen aber auch völlig sinnlos oder sogar albern.

FMW: Herr Prof. Dr. Kampf, wie bewerten Sie die Maßnahmen der spanischen Politik, die den Wunsch der spanischen Epidemiologen umgesetzt haben?

Ich höre auf diesem Weg erstmals davon und bin doch überrascht, dass eine solche Maßnahme angeordnet wurde. Auf BBC war zu lesen, dass diese nur gilt, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Die Begründung ist für mich dennoch zweifelhaft. Ich kenne keine Studie, in der nachgewiesen wurde, dass der ausgeatmete Rauch viele infektiöse Tröpfchen enthält. Beim Husten und Niesen werden viele Tröpfchen ausgestoßen, beim normalen Ausatmen sind es vergleichsweise wenig. Das Rauchen kann sogar einen Vorteil haben, denn man sieht unmittelbar, wo die ausgeatmete Luft hingeht und kann auf diese Weise den Rauch an seinen Mitmenschen vorbei ausatmen. Raucher haben ein höheres Risiko für COVID-19, vorgeschädigte Lungen können sich schlechter wehren. Ob in diesem Zusammenhang der häufigere Kontakt zum Mund eine nennenswerte Rolle spielt, ist aus meiner Sicht fraglich.

Auf den Kanaren und auf Mallorca besteht eine Handschuhpflicht beim Einkaufen in den Supermärkten.

FMW: Wie wirksam halten Sie diese Maßnahme, und sollte man die Handschuhpflicht auch in Deutschland einführen?

Davon halte ich nichts. Durch das Tragen der Handschuhe wird der Hauptübertragungsweg über Tröpfchen nicht verändert. Selbst wenn in meinem Umfeld beim Einkaufen ein Virusträger in meiner Nähe ist und seine Tröpfchen auf meine Hände oder Handschuhe hustet (trotz Mund-Nase-Bedeckung), ist es letztlich doch egal, ob die Viren auf der Hand oder der Außenseite der Handschuhe sind, solange ich den Hand-Gesicht-Kontakt vermeide und nach dem Einkauf die Hände wasche. Das Händewaschen beim Nachhausekommen wird nach wie vor empfohlen, und ich halte diese einfache Maßnahme unverändert für richtig und wichtig, insbesondere in den kommenden Herbst- und Wintermonaten.

Eine große deutsche Tageszeitung titelte am 25.08.2020 „Nächster Corona-Schock! Patienten auch in Europa doppelt infiziert.“

FMW: Wird hier nicht wieder eine Panik verbreitet, die sich offensichtlich besser verkaufen lässt? Könnte es nicht auch heißen: Körpereigenes Immunsystem produziert keine Antikörper nach drei bis vier Monaten mehr, weil unser Organismus es als nicht mehr so gefährlich ansieht? Oder würde eine solche Ansicht der Fakten die Bürger in Leichtsinn verfallen lassen?

Die Rolle zahlreicher Medien einschließlich der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist aus meiner Sicht leider in Teilen unprofessionell und trägt ohne Not bei vielen Menschen zu Angst und Panik bei. Die Schlagzeile soll Interesse wecken, und dann kommt so etwas dabei heraus. Es stimmt, dass es inzwischen in Hong Kong eine Person gibt, die vor Monaten eine COVID-19 Infektion hatten und bei der später wieder die RNA vom Coronavirus nachgewiesen wurde. Dieser Fall zeigt jedoch, dass die Schlagzeile unseriös ist. Der 33-jährige Mann hatte tatsächlich im April eine COVID-19 Infektion, von der er sich gut erholt hat. Nach einem Besuch in Spanien wurde er nun im August auf die Virus-RNA positiv getestet. Interessanterweise handelte es sich um unterschiedliche SARS-CoV-2 Stämme. Hier muss man jedoch ganz klar zwischen einer Infektion (mit Symptomen wie Husten, Fieber und Abgeschlagenheit) und einem Nachweis der viralen RNA (möglicherweise oder wahrscheinlich ohne Symptome) sowie einem positiven Testergebnis unterscheiden.

Lassen Sie mich das kurz erläutern. Je nach Testverfahren kann es sein, dass zwar das Testergebnis positiv ausfällt, die Person aber kein Virusträger ist (falsch positiver Befund). Nach dem ersten großen Ringversuch waren von 1000 Proben durchschnittlich 14 falsch positiv (kein Virus vorhanden, Testergebnis dennoch positiv). Was macht man nun, wenn in einem Landkreis 10.000 Tests durchgeführt wurden und 140 ein positives Ergebnis haben? Sind das alles Infizierte? Sicherlich nicht. Sind das alles Virusträger? Sehr wahrscheinlich nein. Sind das alles falsch positive Ergebnisse? Vermutlich nein. Alle Ergebnisse, die vom RKI und den Medien beschrieben werden, sind lediglich „positive Testergebnisse“ und keine „Infektionen“, das muss man sich immer wieder klar machen. Deshalb kann man bei der Person aus Hong Kong nicht von „doppelt infiziert“ sprechen. Das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin hat erst am 20. August 2020 sehr deutlich darauf hingewiesen, dass viele Leitmedien oft in irreführender Weise berichten und aus „positiven Testergebnissen“ schnell „Infizierte“ werden.

Man weiß auch von anderen geheilten COVID-19 Patienten, dass bereits nach 2 oder 3 Monaten die Antikörper nicht mehr nachweisbar sind. Das Verhalten der Menschen wird diese Erkenntnis jedoch kaum beeinflussen. Doch was bedeutet das für einen möglichen Impfstoff, wenn die vermeintliche Schutzwirkung bereits nach wenigen Monaten nicht mehr vorhanden ist? Das ist für mich die spannendere Frage, auf die es momentan noch keine Antwort gibt.

Am 13.4.2020 hat der Gesundheitsminister Herr Spahn den Zuschlag an über 730 Unternehmen gegeben, die sich online um die Ausschreibung zum Verkauf von FFP2 Masken, OP-Masken beworben haben. Viele dieser Unternehmen waren nicht qualifiziert, wurden nicht vorab geprüft und wurden extra dafür von Unternehmern gegründet. Bis zum 30.4.2020, also nur 14 Tage später, sollten z.B. über 1 Milliarde FFP2 Masken an die Bundesregierung nach Nesse-Apfelstädt durch Fiege Logistik, zu einem Preis von 4,50 € von den Unternehmen geliefert werden. Der Einkaufspreispreis zu diesem Zeitpunkt in China lag zwischen 0,75 € bis 1,80€. Herr Spahn kaufte mit den Steuergeldern die Masken überteuert ein!

FMW: Wie erklären Sie sich diese katastrophale Organisation? Jeder normale Geschäftsmann hätte sich vorher erkundigt, ob es logistisch in dieser Kürze überhaupt machbar ist, welche seriösen Firmen den Zuschlag der Ausschreibung letztendlich bekommen und wie der aktuelle Marktpreis in China zu diesem Zeitpunkt war. 

Letztlich kann ich es nicht erklären. Möglicherweise war der Mangel an Schutzausrüstung für Kliniken, Praxen und Heime in der Zeit der Ausschreibung und Bestellung so groß, dass jedes Mittel recht war, an die Masken zu kommen. Vielleicht wird sich der Bundesrechnungshof in seinem Jahresbericht 2020 dazu äußern.

FMW: Wie wichtig sind die Masken aus ihrer Sicht zum Schutz gegen das Virus?

Hier gilt es drei Fälle zu unterscheiden, die in dieser Form von der WHO seit Monaten unverändert empfohlen werden. Fall 1 ist eine Person, die Symptome einer Atemweginfektion hat (also möglicherweise COVID-19) und sich im öffentlichen Raum oder zuhause aufhält. Hier wird zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung geraten, und das ist auch sinnvoll und wissenschaftlich recht gut abgesichert. Fall 2 ist eine Person, die ein überdurchschnittlich hohes Risiko einer schweren COVID-19 Infektion hat und sich unabhängig von den Menschen in ihrem Umfeld besser schützen möchte. Laut WHO macht es auch in diesem Fall Sinn, eine Mund-Nase-Bedeckung anzulegen. Fall 3 sind die Menschen im öffentlichen Raum, in Geschäften, im Zug oder am Arbeitsplatz, von denen praktisch keiner Symptome einer Atemweginfektion hat. Für diese Situation gibt es seitens der WHO ausdrücklich keine grundsätzliche Empfehlung zum Tragen einer Maske. Wenn momentan jemand Halsschmerzen oder leichten Schnupfen hat, wird doch meist eine freiwillige häusliche Quarantäne bis zum Abklingen der Symptome vorgenommen. Eine ad hoc Arbeitsgruppe der Gesellschaft für Virologie schrieb am 6. August 2020 zu Schutzmaßnahmen bei Schulbeginn, dass „die Evidenz zur Schutzwirkung bei konsequentem und korrektem Einsatz von Alltagsmasken in der Zwischenzeit zugenommen hat“ und beruft sich unter anderem auf eine Stellungnahme der RKI und eine Studie aus der renommierten Fachzeitschrift Lancet.

In dieser Studie wurde jedoch auch die Schutzwirkung bei Konstellationen bewertet, die hier als Fall 1 beschrieben sind. Da weiß man um den Nutzen. Eine andere Übersichtsarbeit aus Emerging Infectious Diseases, in der ein Nutzen von Masken nur für den Fall 3 zusammenfassend bewertet wurde, ist in dem Dokument der ad hoc Arbeitsgruppe nicht einmal zitiert worden, obwohl es die Lebensrealität in Schulen wahrscheinlich besser abbildet. Dort wurden 10 methodisch gute Studien mit Influenzaviren ausgewertet und untersucht, ob Masken die Übertragung der Grippe verhindern können. In keiner dieser 10 Studien wurde eine signifikante Schutzwirkung nachgewiesen. Und was machen Politik und Medien aus diesen Erkenntnissen? Hört man darüber etwas? Wenn man diese eindeutigen Ergebnisse für eine wissenschaftliche Bewertung zugrunde legt, müsste man beim oben genannten Fall 3 das obligatorische Tragen der Masken sofort beenden und den Bürgern selber überlassen, ob sie eine Maske tragen wollen oder nicht. Manche werden eine Maske tragen wollen, andere werden darauf verzichten. Das wäre ein kleiner aber vielleicht wichtiger Schritt, um den Menschen wieder ein mehr selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, ohne andere zu gefährden.

Im Februar 2020 hatte ich Sie gefragt wie lange das Virus an der Oberfläche überlebt und wie lange man sich im schlechtesten Fall, z.B. an einem Türgriff, anstecken kann. Damals konnten Sie durch belegte Studien sagen, dass es 5 bis 9 Tage überlebt. Aber ob es auf Oberflächen tatsächlich infektiöses Virus gibt, konnten Sie nicht sagen, weil es noch keine Studien gab.

FMW: Haben Sie mittlerweile neue Erkenntnisse, ob bzw. wo man infektiöses Virus auf Oberflächen finden kann?

Ja, im Februar wusste man von anderen, für den Menschen relevanten Coronaviren, dass diese bei Raumtemperatur bis zu 9 Tage auf unbelebten Flächen als infektiöses Virus nachweisbar bleiben können. Meist waren es 2 – 5 Tage. Inzwischen wurden Daten von SARS-CoV-2 veröffentlicht. Auch beim Pandemievirus sind es 2 – 5 Tage, die Größenordnung ist also wie bei anderen Coronaviren. Interessanterweise hat man inzwischen neue Erkenntnisse zur Kontamination von Flächen im unmittelbaren Umfeld von COVID-19 Patienten, beispielsweise aus den Schwerpunktkliniken in China. Dort kann man in unterschiedlicher Häufigkeit das Erbgut des Virus (RNA) nachweisen. Das wurde in vielen Studien gezeigt. In drei Studien wurde parallel versucht, infektiöses Virus von den Flächen zu isolieren. Das ist bislang in keiner Studie mit SARS-CoV-2 gelungen. Die Flächen spielen ganz offensichtlich höchstens eine untergeordnete Rolle für die Transmission des SARS-CoV-2. Deshalb sollte die häufige Flächendesinfektion in allen möglichen öffentlichen Einrichtungen (teilweise alle 30 min) umgehend auf den Prüfstand gestellt werden und durch eine Reinigung ersetzt werden. Es ist doch nicht vermittelbar, dass auf Intensivstationen im Patientenumfeld einmal täglich desinfiziert werden, der Handlauf in einem Museum jedoch alle 30 min, bei dem mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht einmal infektiöses SARS-CoV-2 zu finden ist.

Viele Pharmaunternehmen arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff gegen Covid-19. So auch der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca, welcher zusammen mit der Universität Oxford angeblich kurz vor dem Durchbruch sind. Wie die Bild-Zeitung berichtet, hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für Deutschland bereits 54 Millionen gesichert.

FMW: Würden, wie die Politik zum Teil suggeriert, mit einem Impfstoff alle Probleme vom Tisch sein?

Politik und Medien haben leider immer wieder suggeriert, dass die Pandemie und die Maßnahmen zu ihrer Eingrenzung erst dann beendet sein werden, wenn es einen Impfstoff gibt. Nach heutiger Erkenntnis ist eine solche Aussage mit großer Wahrscheinlichkeit falsch und somit irreführend. Sie setzt zum einen voraus, dass die gesamte Bevölkerung geimpft wird. Da eine Impfung formal eine Körperverletzung ist, die der Zustimmung des Patienten bedarf, kann man auf Basis einer freiwilligen Entscheidung davon ausgehen, dass nur ein Teil der Bevölkerung ein Impfangebot annehmen wird. Als nächstes müsste ein Impfstoff zu 100% eine Infektion verhindern, so dass die geimpfte Person im Fall eines Kontakts mit einer infizierten Person keine neue Infektion entwickelt und somit auch das Virus nicht weiterverbreiten kann. Nun ist noch völlig offen, welcher der zahlreichen in der Prüfung befindlichen Impfstoffkandidaten am Ende das Rennen machen wird. Doch die Erkenntnisse zur Grippeimpfung dämpfen meine Erwartung an den Nutzen einer Coronavirus-Impfung erheblich.

Nach Angaben der WHO gibt es weltweit jedes Jahr ca. 1 Milliarde Grippeinfektionen, ca. 3 – 5 Millionen Patienten erkranken daran schwer, und bei 290.000 bis 650.000 Patienten verläuft die Infektion tödlich. Und das alles, obwohl es bereits einen Grippeimpfstoff gibt, der jedes Jahr auf Basis der häufigsten Grippeviren des Vorjahres neu zusammengesetzt wird. Das Grippevirus wandelt sich permanent und schnell, was diesen bescheidenen Impferfolg erklären mag. Ob das beim Coronavirus auch so sein wird, ist eine noch ungeklärte Frage. Und schließlich gibt es zahlreiche wissenschaftliche Übersichtsarbeiten auf Basis systematischer Literaturrecherchen, in denen die verschiedenen Impfstudien mit Influenzaviren ausgewertet wurden. Da heißt es dann beispielsweise: Die Schutzwirkung ist moderat. Selbst Geimpfte können sich infizieren, die Symptome sind evtl. weniger schwerwiegend, doch eine Verbreitung des Virus beim Husten und Niesen ist in diesem Fall anzunehmen. Ob das bei einer Coronavirus-Impfung auch so sein wird, kann man noch nicht sagen. Doch sollte es so sein, was ich für naheliegend halte, dann wird eine Impfung die Weiterverbreitung des Coronavirus doch nicht zu 100% vermeiden können. Es wäre somit viel sinnvoller, das Leben mit dem Coronavirus vernünftig zu gestalten, unabhängig von einer Impfung.

FMW: Würden Sie sich impfen lassen?

Zum jetzigen Zeitpunkt auf Basis der heutigen Erkenntnisse: Nein. Das hat zwei Gründe. Zum einen erkrankt die Mehrzahl der Betroffenen nicht schwer, sondern hat keine, leichte oder mittelschwere Symptome. Vor allem ältere Patienten mit zahlreichen und gravierenden Vorerkrankungen haben ein deutlich höheres Risiko für eine schwere Infektion und können in der Folge auch an der Infektion versterben. Zu diesem Personenkreis zähle ich (noch) nicht. Zum anderen ist noch völlig offen, welcher Impfstoff am Ende zur Verfügung stehen wird. Da gibt es Kandidaten auf Basis von Adenoviren, in die Bestandteile des Coronavirus eingebaut wurden. Diese Art vom Impfstoff ist bereits recht gut erforscht. Es gibt aber auch Bestrebungen, Impfstoffe auf Basis der sogenannten „messenger RNA“ zu etablieren. Dabei wird fremdes Erbgut in den Körper „geimpft“, so dass in der Folge die körpereigenen Zellen Antikörper gegen das Coronavirus produzieren. Diese Technologie ist noch nicht etabliert, die möglichen Risiken kaum erforscht. Sollte dieser Impfstofftyp am Ende zur Verfügung stehen, würde ich auch aus diesem Grund einer Impfung nicht zustimmen, es sei denn, dass bis dahin überzeugende wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, aus denen die Unbedenklichkeit nachvollziehbar abgeleitet werden kann und ein Nutzen klar belegt ist.

Schweden hatte kein Lockdown, die USA haben sehr spät runtergefahren, und Deutschland sehr früh.

FMW: Gibt es Länder (aus Ihrer Sicht), die es richtiger als andere gemacht haben?

Die Entscheidungen der Regierungen wurden zu einem Zeitpunkt getroffen, zu dem es leichter war, das zu tun, was die Mehrzahl anderer Länder auch bereits getan hat oder zu tun beabsichtigen. Schweden ist in dieser Hinsicht einen eigenen Weg gegangen. Ob es richtiger war, ist schwer zu sagen. Denn man sollte die kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Effekte berücksichtigen. Kurzfristig war der schwedische Weg wahrscheinlich mit mehr Infektionen und Todesfällen verknüpft, zumindest im Vergleich zu Deutschland. Doch man weiß inzwischen auch, dass in Ländern wie Spanien, Frankreich und Belgien, die einen harten und für die Bevölkerung sehr beschwerlichen Lockdown angeordnet haben, mehr Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 pro 100.000 Einwohner hatten als Schweden. Vom Gesundheitsminister in NRW wird berichtet, dass dieser vor kurzem den Lockdown im März 2020 als Fehler bezeichnet hat. Und man weiß aus den USA, dass es in den Monaten März und April ca. 87.000 zusätzliche Tote im Vergleich zu den Vorjahren gab. Ein Drittel dieser zusätzlichen Toten hatte jedoch nichts mit COVID-19 zu tun.

Sie starben vor allem an Herzerkrankungen wie Herzinfarkt oder Diabetes. Die medialen Aufforderungen wie „stay at home“ im Rahmen des Lockdowns hatten in den USA einen hohen Preis. Mittelfristig und langfristig wird der schwedische Weg wahrscheinlich der insgesamt sinnvollere und für die Gesellschaft und den Umgang der Menschen miteinander der gesündere sein. Nicht umsonst war aus Norwegen (einem Lockdown-Land) zu lesen, dass man in der kommenden Wintersaison plant, dem schwedischen Beispiel zu folgen und keinen weiteren Lockdown anordnen wird. Deshalb sollten wir als Gesellschaft möglichst bald lernen, wie wir mit den saisonal immer wieder auftretenden Coronavirus-Infektionen umgehen wollen. In jedem Fall sollte bei so weitreichenden Entscheidungen wie einem Lockdown oder einer Kontaktsperre (wie es in Deutschland genannt wurde) mit allen menschlichen und wirtschaftlichen Folgen ein von Politik und Wirtschaft unabhängiges interdisziplinäres Expertengremium gangbare Wege auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse transparent entwickeln. Denn einer ist sicher: es wird kein Nullrisiko geben, wie in anderen Lebensbereichen auch.

Beim Anklicken an dieser Stelle finden Sie das neue Buch von Prof. Dr. Günter Kampf mit dem Titel „Nutzen und Risiken von Corona-Maßnahmen“.

FMW: Was erwartet den Leser in diesem Buch?

In dem Buch wird auf Basis der wissenschaftlicher Studien bis zum Mai 2020 erläutert, von welchen Körpersekreten das Virus übertragen werden kann, wie häufig man Virusträger ohne Symptome findet, welche Bedeutung diese für die Ausbreitung haben, welche nachweisliche Wirkung die einzelnen Maßnahmen wie Abstand halten, Handschuhe, Masken, Flächendesinfektion oder bargeldloses Zahlen haben. Wie man es von Arzneimitteln kennt, werden dann der erwartbare Nutzen mit den erkennbaren Risiken abgewogen. Denn eine Maßnahme ist nur dann sinnvoll, wenn der erwartbare Nutzen die Risiken übersteigt. Am Beispiel der Vorgaben für Friseure wird im Detail eine Bewertung der angeordneten Maßnahmen auf ihre Sinnhaftigkeit vorgenommen. Schließlich erlaube ich mir einige Gedanken zum selbstbestimmten Leben.

Prof. Dr. Günter Kampf ist Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin (hier finden Sie seinen Lebenslauf).

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    pigeon

    27. August 2020 11:56 at 11:56

    Exzellenter, ausgewogener Artikel. Vielen Dank!

  2. Avatar

    Tino Gruchmann

    27. August 2020 14:07 at 14:07

    Endlich mal ein gut ausgewogener Artikel ohne Panikmache. Dafür hat man Wodarg noch vor nem halben Jahr als Spinner bezeichnet.

  3. Avatar

    Scheer

    27. August 2020 17:01 at 17:01

    Wir sehen uns in Berlin.

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US-Wahl: Was passieren muß, damit Trump gewinnt!

Markus Fugmann

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Die US-Wahl rückt immer näher, laut Umfragen liegt Donald Trump derzeit recht deutlich hinter Joe Biden. Eines scheint klar: wenn Trump die US-Wahl gewinnen will, muß er zwingend den Bundeststaat Florida gewinnen – gewönne Biden in Florida, wäre ein Wechsel im US-Präsidentenamt praktisch sicher. Die Zwischenstände aus Florida werden also extrem wichtig – es gibt sogar einen kleinen Wahlbezirk in diesem Bundeststaat, der schon früh die Richtung anzeigen dürfte.

US-Wahl – das sind die Szenarien

Die US-Seite https://fivethirtyeight.com/ zählt zu den führenden Prognose-Quellen in den USA. Sie bietet ein interaktives Tool an, mit dem man Szenarien durchspielen kann: gewinnt etwa Biden den swing state Pennsylvania, dann hat das einen positiven Einfluß auch auf seine Sieges-Chancen auch in Nachbar-Bundestsaaten. Sehen Sie hier, was passieren muß, damit Trump gewinnen kann:

 

Und so ist die Lage in den USA unmittelbar vor der US-Wahl – es ist ein gespaltenes, zerrissenes Land, wie folgende ARTE-Dokumentation zeigt:

 

Was muß passieren, damit Trump die US-Wahl gewinnt?

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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am

Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Sahra Wagenknecht über die große Krise, und wie man sie lösen kann

Redaktion

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Von

Sahra Wagenknecht hat den Ruf wirklichen wirtschaftlichem Sachverstand zu besitzen. Bei ihr kann man erkennen: Es wird nicht stumpf das sozialistische Lied abgespielt. Bei ihren Aussagen merkt man, dass sie das Gesamtbild im Blick hat und auch versteht. Natürlich kann und darf man über ihren Lösungsansatz für das große Gesamtproblem streiten. Aber auch ihren Lösungsansatz begründet sie inhaltlich nachvollziehbar.

Sahra Wagenknecht mit Bestandsaufnahme der Krise

In ihrem aktuellsten Video (am Ende dieses Artikels) wirft Sahra Wagenknecht die Frage auf, ob eine große Finanzkrise bevorsteht. Dafür arbeitet sie sich an vielen Ungleichgewichten und wirtschaftlichen Schieflagen ab, die in dieser Form in der Tat auch bestehen. So bespricht sie die gigantische Geldschwemme der Notenbanken, in der Europa verursacht durch die EZB. Diese sorge für einen riesigen Push bei den Aktienkursen. Profitieren würden vor allem die Reichen, die in großem Umfang Aktien besitzen. Der Kleinsparer, der sein Geld nur auf dem Sparkonto parkt, würde durch Nullzinsen (neuerdings immer öfters auch Negativzinsen) und Inflation laut Sahra Wagenknecht real jedes Jahr Geld verlieren.

Die Großkonzerne würden in der Coronakrise mit billigem Geld überschwemmt, so dass sie gar keine Probleme hätten durch diese Krise zu kommen (ja, dafür gibt es zahlreiche Beispiele). Gleichzeitig haben es laut Sahra Wagenknecht kleine Unternehmen und Unternehmer derzeit sehr schwer überhaupt an Geld zu kommen, um die Krise überleben zu können. Demnach seien die großen Konzerne die Krisengewinner, die kleinen Betriebe die Verlierer. Sahra Wagenknecht nennt in diesem Zusammenhang auch die Anleihekäufe der EZB, wo auch in großem Stil Unternehmensanleihen gekauft werden. Und hier geht es eben um Anleihen großer Unternehmen, und nicht um Schulden kleiner Betriebe, die eh keine Anleihen ausgeben.

Als weiteres Ungleichgewicht benennt Sahra Wagenknecht auch die Immobilienblase. Bei den niedrigen Zinsen lohne sich die große Spekulation, welche die Preise immer weiter nach oben treibe. Und letztlich beleuchtet sie die (von uns bei FMW oft angesprochene) steigende Bedrohung für das Bankensystem in Europa. Schon vor der Krise habe es laut Sahra Wagenknecht 600 Milliarden Euro Volumen an faulen Krediten bei Banken in Europa gegeben – jetzt drohe diese Summe auf 1,4 Billionen Euro zu steigen.

Problemlösung

Was sei nun die Lösung des Problems? Laut Sahra Wagenknecht seien immer neue Schulden und immer tiefere Zinsen nicht die Lösung des Problems. Die Wirtschaft könne auch nicht so kräftig ansteigen, dass Volkswirtschaft und Staat aus dem gigantischen Schuldenberg „herauswachsen“ könnten, wie sie es formuliert. Inflation sei auch keine Lösung, da hierbei die kleinen Leute mit ihren Sparguthaben enteignet würden. Die reichen Leute würden mit ihren Immobilien und Betriebsvermögen ihren Wohlstand behalten, während die kleinen Leute bei einer spürbaren Inflation den Preis bezahlen müssten.

Für Sahra Wagenknecht gibt es nur eine Lösung des Problems. Und da kommt natürlich die linke Politik wieder zum Vorschein. Man müsse die enorme angehäufte Schuldenlast restrukturieren, und zwar zu Lasten der wirklich Vermögenden. Dazu kann man anmerken: Das ist eine politische Frage, was man will. Diese Lösung kann man befürworten, oder eben auch nicht. Ansichtssache. Aber abgesehen davon: Die anderen Alternativen sind auch nicht berauschend. Man darf vermuten: So wie die aktuelle Merkel-Regierung wird wohl auch ein Nachfolger wie Herr Laschet keinen großen Wurf machen, sondern stillschweigend zusammen mit der EZB auf die Lösung setzen, die auch die Amerikaner seit Jahrzehnten praktizieren, wenn es um Problemlösungen geht. „Kick the can down the road“ – die Dose die Straße weiter runter kicken. Das Problem also in die Zukunft verschieben. Also jetzt immer neue Rettungsprogramme auflegen (letztlich finanziert durch die EZB, das neue EU-Schuldenprogramm uvm), – und diese Probleme darf irgendwer in ferner Zukunft abzahlen.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht. Foto: Ferran Cornellà CC BY-SA 4.0

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