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Corona-Maßnahmen wirklich sinnvoll? Exklusiv-Interview mit Facharzt für Hygiene

Stefan Kasper-Behrs

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Sind die zahlreichen Corona-Maßnahmen sinnvoll?

Wie sinnvoll sind die zahlreichen Corona-Maßnahmen? Spanien zum Beispiel verbietet als erstes Land in Europa das Rauchen im Freien. Wo kein Abstand von mindestens zwei Metern gewährleistet werden kann, darf nicht geraucht werden. Begründung durch Spaniens Epidemiologen und Lungenfachärzte:

1. In dem ausatmenden Rauch sind besonders viele infektiöse Tröpfchen enthalten.
2. Wer Zigaretten raucht, hat auch ein erhöhtes Risiko, besonders schwer an Covid-19 zu erkranken.
3. Raucher stecken sich leichter an, weil sie sich ständig an ihren Mund fassen.

Bereits im Februar hatte ich Prof. Dr. Günter Kampf, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin, zum Coronavirus interviewt. Aktuell habe ich ihn erneut ausführlich befragt über die Wirksamkeit der derzeitigen zahlreichen Corona-Maßnahmen, die vielen Bürgern sinnvoll erscheinen, vielen anderen aber auch völlig sinnlos oder sogar albern.

FMW: Herr Prof. Dr. Kampf, wie bewerten Sie die Maßnahmen der spanischen Politik, die den Wunsch der spanischen Epidemiologen umgesetzt haben?

Ich höre auf diesem Weg erstmals davon und bin doch überrascht, dass eine solche Maßnahme angeordnet wurde. Auf BBC war zu lesen, dass diese nur gilt, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Die Begründung ist für mich dennoch zweifelhaft. Ich kenne keine Studie, in der nachgewiesen wurde, dass der ausgeatmete Rauch viele infektiöse Tröpfchen enthält. Beim Husten und Niesen werden viele Tröpfchen ausgestoßen, beim normalen Ausatmen sind es vergleichsweise wenig. Das Rauchen kann sogar einen Vorteil haben, denn man sieht unmittelbar, wo die ausgeatmete Luft hingeht und kann auf diese Weise den Rauch an seinen Mitmenschen vorbei ausatmen. Raucher haben ein höheres Risiko für COVID-19, vorgeschädigte Lungen können sich schlechter wehren. Ob in diesem Zusammenhang der häufigere Kontakt zum Mund eine nennenswerte Rolle spielt, ist aus meiner Sicht fraglich.

Auf den Kanaren und auf Mallorca besteht eine Handschuhpflicht beim Einkaufen in den Supermärkten.

FMW: Wie wirksam halten Sie diese Maßnahme, und sollte man die Handschuhpflicht auch in Deutschland einführen?

Davon halte ich nichts. Durch das Tragen der Handschuhe wird der Hauptübertragungsweg über Tröpfchen nicht verändert. Selbst wenn in meinem Umfeld beim Einkaufen ein Virusträger in meiner Nähe ist und seine Tröpfchen auf meine Hände oder Handschuhe hustet (trotz Mund-Nase-Bedeckung), ist es letztlich doch egal, ob die Viren auf der Hand oder der Außenseite der Handschuhe sind, solange ich den Hand-Gesicht-Kontakt vermeide und nach dem Einkauf die Hände wasche. Das Händewaschen beim Nachhausekommen wird nach wie vor empfohlen, und ich halte diese einfache Maßnahme unverändert für richtig und wichtig, insbesondere in den kommenden Herbst- und Wintermonaten.

Eine große deutsche Tageszeitung titelte am 25.08.2020 „Nächster Corona-Schock! Patienten auch in Europa doppelt infiziert.“

FMW: Wird hier nicht wieder eine Panik verbreitet, die sich offensichtlich besser verkaufen lässt? Könnte es nicht auch heißen: Körpereigenes Immunsystem produziert keine Antikörper nach drei bis vier Monaten mehr, weil unser Organismus es als nicht mehr so gefährlich ansieht? Oder würde eine solche Ansicht der Fakten die Bürger in Leichtsinn verfallen lassen?

Die Rolle zahlreicher Medien einschließlich der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist aus meiner Sicht leider in Teilen unprofessionell und trägt ohne Not bei vielen Menschen zu Angst und Panik bei. Die Schlagzeile soll Interesse wecken, und dann kommt so etwas dabei heraus. Es stimmt, dass es inzwischen in Hong Kong eine Person gibt, die vor Monaten eine COVID-19 Infektion hatten und bei der später wieder die RNA vom Coronavirus nachgewiesen wurde. Dieser Fall zeigt jedoch, dass die Schlagzeile unseriös ist. Der 33-jährige Mann hatte tatsächlich im April eine COVID-19 Infektion, von der er sich gut erholt hat. Nach einem Besuch in Spanien wurde er nun im August auf die Virus-RNA positiv getestet. Interessanterweise handelte es sich um unterschiedliche SARS-CoV-2 Stämme. Hier muss man jedoch ganz klar zwischen einer Infektion (mit Symptomen wie Husten, Fieber und Abgeschlagenheit) und einem Nachweis der viralen RNA (möglicherweise oder wahrscheinlich ohne Symptome) sowie einem positiven Testergebnis unterscheiden.

Lassen Sie mich das kurz erläutern. Je nach Testverfahren kann es sein, dass zwar das Testergebnis positiv ausfällt, die Person aber kein Virusträger ist (falsch positiver Befund). Nach dem ersten großen Ringversuch waren von 1000 Proben durchschnittlich 14 falsch positiv (kein Virus vorhanden, Testergebnis dennoch positiv). Was macht man nun, wenn in einem Landkreis 10.000 Tests durchgeführt wurden und 140 ein positives Ergebnis haben? Sind das alles Infizierte? Sicherlich nicht. Sind das alles Virusträger? Sehr wahrscheinlich nein. Sind das alles falsch positive Ergebnisse? Vermutlich nein. Alle Ergebnisse, die vom RKI und den Medien beschrieben werden, sind lediglich „positive Testergebnisse“ und keine „Infektionen“, das muss man sich immer wieder klar machen. Deshalb kann man bei der Person aus Hong Kong nicht von „doppelt infiziert“ sprechen. Das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin hat erst am 20. August 2020 sehr deutlich darauf hingewiesen, dass viele Leitmedien oft in irreführender Weise berichten und aus „positiven Testergebnissen“ schnell „Infizierte“ werden.

Man weiß auch von anderen geheilten COVID-19 Patienten, dass bereits nach 2 oder 3 Monaten die Antikörper nicht mehr nachweisbar sind. Das Verhalten der Menschen wird diese Erkenntnis jedoch kaum beeinflussen. Doch was bedeutet das für einen möglichen Impfstoff, wenn die vermeintliche Schutzwirkung bereits nach wenigen Monaten nicht mehr vorhanden ist? Das ist für mich die spannendere Frage, auf die es momentan noch keine Antwort gibt.

Am 13.4.2020 hat der Gesundheitsminister Herr Spahn den Zuschlag an über 730 Unternehmen gegeben, die sich online um die Ausschreibung zum Verkauf von FFP2 Masken, OP-Masken beworben haben. Viele dieser Unternehmen waren nicht qualifiziert, wurden nicht vorab geprüft und wurden extra dafür von Unternehmern gegründet. Bis zum 30.4.2020, also nur 14 Tage später, sollten z.B. über 1 Milliarde FFP2 Masken an die Bundesregierung nach Nesse-Apfelstädt durch Fiege Logistik, zu einem Preis von 4,50 € von den Unternehmen geliefert werden. Der Einkaufspreispreis zu diesem Zeitpunkt in China lag zwischen 0,75 € bis 1,80€. Herr Spahn kaufte mit den Steuergeldern die Masken überteuert ein!

FMW: Wie erklären Sie sich diese katastrophale Organisation? Jeder normale Geschäftsmann hätte sich vorher erkundigt, ob es logistisch in dieser Kürze überhaupt machbar ist, welche seriösen Firmen den Zuschlag der Ausschreibung letztendlich bekommen und wie der aktuelle Marktpreis in China zu diesem Zeitpunkt war. 

Letztlich kann ich es nicht erklären. Möglicherweise war der Mangel an Schutzausrüstung für Kliniken, Praxen und Heime in der Zeit der Ausschreibung und Bestellung so groß, dass jedes Mittel recht war, an die Masken zu kommen. Vielleicht wird sich der Bundesrechnungshof in seinem Jahresbericht 2020 dazu äußern.

FMW: Wie wichtig sind die Masken aus ihrer Sicht zum Schutz gegen das Virus?

Hier gilt es drei Fälle zu unterscheiden, die in dieser Form von der WHO seit Monaten unverändert empfohlen werden. Fall 1 ist eine Person, die Symptome einer Atemweginfektion hat (also möglicherweise COVID-19) und sich im öffentlichen Raum oder zuhause aufhält. Hier wird zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung geraten, und das ist auch sinnvoll und wissenschaftlich recht gut abgesichert. Fall 2 ist eine Person, die ein überdurchschnittlich hohes Risiko einer schweren COVID-19 Infektion hat und sich unabhängig von den Menschen in ihrem Umfeld besser schützen möchte. Laut WHO macht es auch in diesem Fall Sinn, eine Mund-Nase-Bedeckung anzulegen. Fall 3 sind die Menschen im öffentlichen Raum, in Geschäften, im Zug oder am Arbeitsplatz, von denen praktisch keiner Symptome einer Atemweginfektion hat. Für diese Situation gibt es seitens der WHO ausdrücklich keine grundsätzliche Empfehlung zum Tragen einer Maske. Wenn momentan jemand Halsschmerzen oder leichten Schnupfen hat, wird doch meist eine freiwillige häusliche Quarantäne bis zum Abklingen der Symptome vorgenommen. Eine ad hoc Arbeitsgruppe der Gesellschaft für Virologie schrieb am 6. August 2020 zu Schutzmaßnahmen bei Schulbeginn, dass „die Evidenz zur Schutzwirkung bei konsequentem und korrektem Einsatz von Alltagsmasken in der Zwischenzeit zugenommen hat“ und beruft sich unter anderem auf eine Stellungnahme der RKI und eine Studie aus der renommierten Fachzeitschrift Lancet.

In dieser Studie wurde jedoch auch die Schutzwirkung bei Konstellationen bewertet, die hier als Fall 1 beschrieben sind. Da weiß man um den Nutzen. Eine andere Übersichtsarbeit aus Emerging Infectious Diseases, in der ein Nutzen von Masken nur für den Fall 3 zusammenfassend bewertet wurde, ist in dem Dokument der ad hoc Arbeitsgruppe nicht einmal zitiert worden, obwohl es die Lebensrealität in Schulen wahrscheinlich besser abbildet. Dort wurden 10 methodisch gute Studien mit Influenzaviren ausgewertet und untersucht, ob Masken die Übertragung der Grippe verhindern können. In keiner dieser 10 Studien wurde eine signifikante Schutzwirkung nachgewiesen. Und was machen Politik und Medien aus diesen Erkenntnissen? Hört man darüber etwas? Wenn man diese eindeutigen Ergebnisse für eine wissenschaftliche Bewertung zugrunde legt, müsste man beim oben genannten Fall 3 das obligatorische Tragen der Masken sofort beenden und den Bürgern selber überlassen, ob sie eine Maske tragen wollen oder nicht. Manche werden eine Maske tragen wollen, andere werden darauf verzichten. Das wäre ein kleiner aber vielleicht wichtiger Schritt, um den Menschen wieder ein mehr selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, ohne andere zu gefährden.

Im Februar 2020 hatte ich Sie gefragt wie lange das Virus an der Oberfläche überlebt und wie lange man sich im schlechtesten Fall, z.B. an einem Türgriff, anstecken kann. Damals konnten Sie durch belegte Studien sagen, dass es 5 bis 9 Tage überlebt. Aber ob es auf Oberflächen tatsächlich infektiöses Virus gibt, konnten Sie nicht sagen, weil es noch keine Studien gab.

FMW: Haben Sie mittlerweile neue Erkenntnisse, ob bzw. wo man infektiöses Virus auf Oberflächen finden kann?

Ja, im Februar wusste man von anderen, für den Menschen relevanten Coronaviren, dass diese bei Raumtemperatur bis zu 9 Tage auf unbelebten Flächen als infektiöses Virus nachweisbar bleiben können. Meist waren es 2 – 5 Tage. Inzwischen wurden Daten von SARS-CoV-2 veröffentlicht. Auch beim Pandemievirus sind es 2 – 5 Tage, die Größenordnung ist also wie bei anderen Coronaviren. Interessanterweise hat man inzwischen neue Erkenntnisse zur Kontamination von Flächen im unmittelbaren Umfeld von COVID-19 Patienten, beispielsweise aus den Schwerpunktkliniken in China. Dort kann man in unterschiedlicher Häufigkeit das Erbgut des Virus (RNA) nachweisen. Das wurde in vielen Studien gezeigt. In drei Studien wurde parallel versucht, infektiöses Virus von den Flächen zu isolieren. Das ist bislang in keiner Studie mit SARS-CoV-2 gelungen. Die Flächen spielen ganz offensichtlich höchstens eine untergeordnete Rolle für die Transmission des SARS-CoV-2. Deshalb sollte die häufige Flächendesinfektion in allen möglichen öffentlichen Einrichtungen (teilweise alle 30 min) umgehend auf den Prüfstand gestellt werden und durch eine Reinigung ersetzt werden. Es ist doch nicht vermittelbar, dass auf Intensivstationen im Patientenumfeld einmal täglich desinfiziert werden, der Handlauf in einem Museum jedoch alle 30 min, bei dem mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht einmal infektiöses SARS-CoV-2 zu finden ist.

Viele Pharmaunternehmen arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff gegen Covid-19. So auch der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca, welcher zusammen mit der Universität Oxford angeblich kurz vor dem Durchbruch sind. Wie die Bild-Zeitung berichtet, hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für Deutschland bereits 54 Millionen gesichert.

FMW: Würden, wie die Politik zum Teil suggeriert, mit einem Impfstoff alle Probleme vom Tisch sein?

Politik und Medien haben leider immer wieder suggeriert, dass die Pandemie und die Maßnahmen zu ihrer Eingrenzung erst dann beendet sein werden, wenn es einen Impfstoff gibt. Nach heutiger Erkenntnis ist eine solche Aussage mit großer Wahrscheinlichkeit falsch und somit irreführend. Sie setzt zum einen voraus, dass die gesamte Bevölkerung geimpft wird. Da eine Impfung formal eine Körperverletzung ist, die der Zustimmung des Patienten bedarf, kann man auf Basis einer freiwilligen Entscheidung davon ausgehen, dass nur ein Teil der Bevölkerung ein Impfangebot annehmen wird. Als nächstes müsste ein Impfstoff zu 100% eine Infektion verhindern, so dass die geimpfte Person im Fall eines Kontakts mit einer infizierten Person keine neue Infektion entwickelt und somit auch das Virus nicht weiterverbreiten kann. Nun ist noch völlig offen, welcher der zahlreichen in der Prüfung befindlichen Impfstoffkandidaten am Ende das Rennen machen wird. Doch die Erkenntnisse zur Grippeimpfung dämpfen meine Erwartung an den Nutzen einer Coronavirus-Impfung erheblich.

Nach Angaben der WHO gibt es weltweit jedes Jahr ca. 1 Milliarde Grippeinfektionen, ca. 3 – 5 Millionen Patienten erkranken daran schwer, und bei 290.000 bis 650.000 Patienten verläuft die Infektion tödlich. Und das alles, obwohl es bereits einen Grippeimpfstoff gibt, der jedes Jahr auf Basis der häufigsten Grippeviren des Vorjahres neu zusammengesetzt wird. Das Grippevirus wandelt sich permanent und schnell, was diesen bescheidenen Impferfolg erklären mag. Ob das beim Coronavirus auch so sein wird, ist eine noch ungeklärte Frage. Und schließlich gibt es zahlreiche wissenschaftliche Übersichtsarbeiten auf Basis systematischer Literaturrecherchen, in denen die verschiedenen Impfstudien mit Influenzaviren ausgewertet wurden. Da heißt es dann beispielsweise: Die Schutzwirkung ist moderat. Selbst Geimpfte können sich infizieren, die Symptome sind evtl. weniger schwerwiegend, doch eine Verbreitung des Virus beim Husten und Niesen ist in diesem Fall anzunehmen. Ob das bei einer Coronavirus-Impfung auch so sein wird, kann man noch nicht sagen. Doch sollte es so sein, was ich für naheliegend halte, dann wird eine Impfung die Weiterverbreitung des Coronavirus doch nicht zu 100% vermeiden können. Es wäre somit viel sinnvoller, das Leben mit dem Coronavirus vernünftig zu gestalten, unabhängig von einer Impfung.

FMW: Würden Sie sich impfen lassen?

Zum jetzigen Zeitpunkt auf Basis der heutigen Erkenntnisse: Nein. Das hat zwei Gründe. Zum einen erkrankt die Mehrzahl der Betroffenen nicht schwer, sondern hat keine, leichte oder mittelschwere Symptome. Vor allem ältere Patienten mit zahlreichen und gravierenden Vorerkrankungen haben ein deutlich höheres Risiko für eine schwere Infektion und können in der Folge auch an der Infektion versterben. Zu diesem Personenkreis zähle ich (noch) nicht. Zum anderen ist noch völlig offen, welcher Impfstoff am Ende zur Verfügung stehen wird. Da gibt es Kandidaten auf Basis von Adenoviren, in die Bestandteile des Coronavirus eingebaut wurden. Diese Art vom Impfstoff ist bereits recht gut erforscht. Es gibt aber auch Bestrebungen, Impfstoffe auf Basis der sogenannten „messenger RNA“ zu etablieren. Dabei wird fremdes Erbgut in den Körper „geimpft“, so dass in der Folge die körpereigenen Zellen Antikörper gegen das Coronavirus produzieren. Diese Technologie ist noch nicht etabliert, die möglichen Risiken kaum erforscht. Sollte dieser Impfstofftyp am Ende zur Verfügung stehen, würde ich auch aus diesem Grund einer Impfung nicht zustimmen, es sei denn, dass bis dahin überzeugende wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, aus denen die Unbedenklichkeit nachvollziehbar abgeleitet werden kann und ein Nutzen klar belegt ist.

Schweden hatte kein Lockdown, die USA haben sehr spät runtergefahren, und Deutschland sehr früh.

FMW: Gibt es Länder (aus Ihrer Sicht), die es richtiger als andere gemacht haben?

Die Entscheidungen der Regierungen wurden zu einem Zeitpunkt getroffen, zu dem es leichter war, das zu tun, was die Mehrzahl anderer Länder auch bereits getan hat oder zu tun beabsichtigen. Schweden ist in dieser Hinsicht einen eigenen Weg gegangen. Ob es richtiger war, ist schwer zu sagen. Denn man sollte die kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Effekte berücksichtigen. Kurzfristig war der schwedische Weg wahrscheinlich mit mehr Infektionen und Todesfällen verknüpft, zumindest im Vergleich zu Deutschland. Doch man weiß inzwischen auch, dass in Ländern wie Spanien, Frankreich und Belgien, die einen harten und für die Bevölkerung sehr beschwerlichen Lockdown angeordnet haben, mehr Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 pro 100.000 Einwohner hatten als Schweden. Vom Gesundheitsminister in NRW wird berichtet, dass dieser vor kurzem den Lockdown im März 2020 als Fehler bezeichnet hat. Und man weiß aus den USA, dass es in den Monaten März und April ca. 87.000 zusätzliche Tote im Vergleich zu den Vorjahren gab. Ein Drittel dieser zusätzlichen Toten hatte jedoch nichts mit COVID-19 zu tun.

Sie starben vor allem an Herzerkrankungen wie Herzinfarkt oder Diabetes. Die medialen Aufforderungen wie „stay at home“ im Rahmen des Lockdowns hatten in den USA einen hohen Preis. Mittelfristig und langfristig wird der schwedische Weg wahrscheinlich der insgesamt sinnvollere und für die Gesellschaft und den Umgang der Menschen miteinander der gesündere sein. Nicht umsonst war aus Norwegen (einem Lockdown-Land) zu lesen, dass man in der kommenden Wintersaison plant, dem schwedischen Beispiel zu folgen und keinen weiteren Lockdown anordnen wird. Deshalb sollten wir als Gesellschaft möglichst bald lernen, wie wir mit den saisonal immer wieder auftretenden Coronavirus-Infektionen umgehen wollen. In jedem Fall sollte bei so weitreichenden Entscheidungen wie einem Lockdown oder einer Kontaktsperre (wie es in Deutschland genannt wurde) mit allen menschlichen und wirtschaftlichen Folgen ein von Politik und Wirtschaft unabhängiges interdisziplinäres Expertengremium gangbare Wege auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse transparent entwickeln. Denn einer ist sicher: es wird kein Nullrisiko geben, wie in anderen Lebensbereichen auch.

Beim Anklicken an dieser Stelle finden Sie das neue Buch von Prof. Dr. Günter Kampf mit dem Titel „Nutzen und Risiken von Corona-Maßnahmen“.

FMW: Was erwartet den Leser in diesem Buch?

In dem Buch wird auf Basis der wissenschaftlicher Studien bis zum Mai 2020 erläutert, von welchen Körpersekreten das Virus übertragen werden kann, wie häufig man Virusträger ohne Symptome findet, welche Bedeutung diese für die Ausbreitung haben, welche nachweisliche Wirkung die einzelnen Maßnahmen wie Abstand halten, Handschuhe, Masken, Flächendesinfektion oder bargeldloses Zahlen haben. Wie man es von Arzneimitteln kennt, werden dann der erwartbare Nutzen mit den erkennbaren Risiken abgewogen. Denn eine Maßnahme ist nur dann sinnvoll, wenn der erwartbare Nutzen die Risiken übersteigt. Am Beispiel der Vorgaben für Friseure wird im Detail eine Bewertung der angeordneten Maßnahmen auf ihre Sinnhaftigkeit vorgenommen. Schließlich erlaube ich mir einige Gedanken zum selbstbestimmten Leben.

Prof. Dr. Günter Kampf ist Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin (hier finden Sie seinen Lebenslauf).

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    pigeon

    27. August 2020 11:56 at 11:56

    Exzellenter, ausgewogener Artikel. Vielen Dank!

  2. Avatar

    Tino Gruchmann

    27. August 2020 14:07 at 14:07

    Endlich mal ein gut ausgewogener Artikel ohne Panikmache. Dafür hat man Wodarg noch vor nem halben Jahr als Spinner bezeichnet.

  3. Avatar

    Scheer

    27. August 2020 17:01 at 17:01

    Wir sehen uns in Berlin.

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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