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Coronakrise in den USA – und die Sünden der Vergangenheit

Wie US-Firmen ihre Zukunft verprasst haben

Die USA sind zum Zentrum der Coronakrise geworden mit der mit Abstand höchsten Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten weltweit. Was wird das für die Wirtschaft und die Aktienmärkte der USA bedeuten?

Wie oft wurde darüber berichtet, was die große Triebkraft für die Aktienhausse in den USA gewesen ist! Buybacks, oder der Rückkauf eigener Aktien, zunächst aus den Gewinnen der Unternehmen, aber auch immer mehr aus Krediten, zu immer niedrigeren Zinsen. Eine Strategie zur Freude der Anteilseigner und des Managements, die in der epochalen Krise um Covid-19 aber ihre substanzzerstörerische Kraft zeigt.

Coronakrise: Kampf um das Rettungspaket

Bevor der große Rettungsschirm für Unternehmen, die von der Coronakrise betroffen sind, verabschiedet wurde, muss in Washington ein gigantischer Kampf der Lobbyisten um die berühmten Fleischtöpfe stattgefunden haben.

Mit 2,2 Billionen Dollar ist das US-Rettungspaket deutlich größer als jenes während der Finanzkrise 2008, welches ein Volumen von 700 Milliarden Dollar hatte.

Die US-Regierung steht für 454 Milliarden Dollar an Krediten gerade, die die Federal Reserve an die US-Unternehmen verteilen kann. Damit hat der Schutzschirm eine Göße von etwa vier Billionen Dollar an billigen Krediten. Zusätzlich kalkulierte man für die besonders von der Krise gebeutelte Branchen der Fluggesellschaften ein eigenes Kreditvolumen von 46 Milliarden Dollar.

Aktienrückkäufer als Bittsteller

Diese Fluggesellschaften sind aktuell ein Beispiel für eine Firmenpolitik mit wenig Vorsorge für schwierigere Zeiten. Zwar ist man schuldlos in diese Coronakrise gerauscht, jedoch ist die finanzielle Not auch hausgemacht.

Man hat massiv eigene Aktien zurückgekauft, hat Kurspflege betrieben und nicht in neue Maschinen oder in die Bezahlung der Mitarbeiter investiert oder hat Reserven für schlechte Zeiten vorgehalten.

Delta Airlines kaufte in den vergangenen zwei Jahren für 3,7 Milliarden Dollar eigene Aktien zurück, United Airlines für 3,8 Milliarden Dollar und American Airlines für zwei Milliarden Dollar. Macht zusammen 9,5 Milliarden Dollar in nur zwei Jahren, die den Fluggesellschaften jetzt in der Coronakrise an Eigenkapital fehlen.

Insgesamt haben die Unternehmen im S&P 500 zwischen 2009 und 2018 – 4,3 Billionen Dollar für Aktienrückkäufe ausgegeben. Kapital, das jetzt dringen gebraucht würde und das der Summe entspricht, die die Federal Reserve jetzt an Hilfskrediten für die Coronakrise bereitstellen muss. Nicht zu vergessen die 3,3 Billionen Dollar an Ausgaben für Dividendenzahlungen in dieser Periode (noch ohne 2019).

Während eine Firma wie Apple diese Anlagepolitik aus den riesigen Gewinnen bestritt, nahmen die anderen US-Unternehmen einer Studie von JP Morgan zufolge bis zu 30 Prozent neue Anleihen auf – sprich sie verschuldeten sich, um die Aktienkurse zu pushen.

Besonders krass ist dieses Verhältnis bei General Electric ausgefallen, die 227 Prozent ihrer Gewinne in Buybacks und Dividendenausschüttungen investiert haben – oder  106 Prozent bei IBM und 121 Prozent bei Boeing. Ausgerechnet der Flugzeugbauer, der jetzt in seiner aktuellen Firmenkrise von zwei Seiten unter Wasser gerät. Das Aktienrückkaufprogramm, das insbesondere für das Management äußerst vorteilhaft gewesen ist, weil das eigene Vergütungssystem oft mit der Höhe der Aktienkurse verknüpft war, fand auch in einer Branche statt, die gerade jetzt von extremer Bedeutung ist – die Pharmaindustrie. Die Welt wartet sehnsüchtig auf die ersten „Good News“ zum Stand der Entwicklung um einen Impfstoff gegen Covid-19.

Fazit

Was dürfte gerade weltweit für ein Kampf um die begehrten Fördermilliarden in vielen Staaten stattfinden? Vom existenzbedrohten Kleinunternehmer bis hin zum milliardenschweren Weltkonzern. Letzterer dürften gerade in den USA große Schwierigkeiten bekommen, wenn er in den letzten Jahren nicht nur den freien Cashflow für den Aufkauf eigener Aktien verwendet hat, sondern sich sogar dabei mit Krediten hoch verschuldet hat. Im Taumel des weit verbreiteten Financial Engineering zur Maximierung der Profite für die Shareholder auf kurze Sicht.

In den USA hatte man schon einmal Aktienrückkäufe verboten – ab 1932, da es zwischen 1929 und 1932 in der Weltwirtschaftskrise manipulative Kapitalbewegungen gegeben hatte. Dieses Verbot wurde erst 1982 durch Ronald Reagan wieder aufgehoben.

Welche Schlüsse wird man aus dieser Coronakrise ziehen? Donald Trump hat zwar geäußert, Buybacks nicht zu mögen, aber ein Verbot? Anders bei den Demokraten, da ist diese Maßnahme sogar Teil des Wahlkampfprogramms. Irgendwelche Lehren sollte man doch aus dem „investitionsfeindlichen“ Verhalten der Firmen ziehen. Nur die Verpflichtung von Firmen, die in der Coronkrise das Hilfspaket nutzen, bis zu einem Jahr nach Auslaufen der Unterstützung auf Aktienrückkäufe zu verzichten, kann es wohl alleine nicht gewesen sein.

Die Coronakrise deckt die Schwächen und Fehler der USA auf



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