Folgen Sie uns

Aktien

Coronakrise in den USA – und die Sünden der Vergangenheit

Wie US-Firmen ihre Zukunft verprasst haben

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Die USA sind zum Zentrum der Coronakrise geworden mit der mit Abstand höchsten Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten weltweit. Was wird das für die Wirtschaft und die Aktienmärkte der USA bedeuten?

Wie oft wurde darüber berichtet, was die große Triebkraft für die Aktienhausse in den USA gewesen ist! Buybacks, oder der Rückkauf eigener Aktien, zunächst aus den Gewinnen der Unternehmen, aber auch immer mehr aus Krediten, zu immer niedrigeren Zinsen. Eine Strategie zur Freude der Anteilseigner und des Managements, die in der epochalen Krise um Covid-19 aber ihre substanzzerstörerische Kraft zeigt.

Coronakrise: Kampf um das Rettungspaket

Bevor der große Rettungsschirm für Unternehmen, die von der Coronakrise betroffen sind, verabschiedet wurde, muss in Washington ein gigantischer Kampf der Lobbyisten um die berühmten Fleischtöpfe stattgefunden haben.

Mit 2,2 Billionen Dollar ist das US-Rettungspaket deutlich größer als jenes während der Finanzkrise 2008, welches ein Volumen von 700 Milliarden Dollar hatte.

Die US-Regierung steht für 454 Milliarden Dollar an Krediten gerade, die die Federal Reserve an die US-Unternehmen verteilen kann. Damit hat der Schutzschirm eine Göße von etwa vier Billionen Dollar an billigen Krediten. Zusätzlich kalkulierte man für die besonders von der Krise gebeutelte Branchen der Fluggesellschaften ein eigenes Kreditvolumen von 46 Milliarden Dollar.

Aktienrückkäufer als Bittsteller

Diese Fluggesellschaften sind aktuell ein Beispiel für eine Firmenpolitik mit wenig Vorsorge für schwierigere Zeiten. Zwar ist man schuldlos in diese Coronakrise gerauscht, jedoch ist die finanzielle Not auch hausgemacht.

Man hat massiv eigene Aktien zurückgekauft, hat Kurspflege betrieben und nicht in neue Maschinen oder in die Bezahlung der Mitarbeiter investiert oder hat Reserven für schlechte Zeiten vorgehalten.

Delta Airlines kaufte in den vergangenen zwei Jahren für 3,7 Milliarden Dollar eigene Aktien zurück, United Airlines für 3,8 Milliarden Dollar und American Airlines für zwei Milliarden Dollar. Macht zusammen 9,5 Milliarden Dollar in nur zwei Jahren, die den Fluggesellschaften jetzt in der Coronakrise an Eigenkapital fehlen.

Insgesamt haben die Unternehmen im S&P 500 zwischen 2009 und 2018 – 4,3 Billionen Dollar für Aktienrückkäufe ausgegeben. Kapital, das jetzt dringen gebraucht würde und das der Summe entspricht, die die Federal Reserve jetzt an Hilfskrediten für die Coronakrise bereitstellen muss. Nicht zu vergessen die 3,3 Billionen Dollar an Ausgaben für Dividendenzahlungen in dieser Periode (noch ohne 2019).

Während eine Firma wie Apple diese Anlagepolitik aus den riesigen Gewinnen bestritt, nahmen die anderen US-Unternehmen einer Studie von JP Morgan zufolge bis zu 30 Prozent neue Anleihen auf – sprich sie verschuldeten sich, um die Aktienkurse zu pushen.

Besonders krass ist dieses Verhältnis bei General Electric ausgefallen, die 227 Prozent ihrer Gewinne in Buybacks und Dividendenausschüttungen investiert haben – oder  106 Prozent bei IBM und 121 Prozent bei Boeing. Ausgerechnet der Flugzeugbauer, der jetzt in seiner aktuellen Firmenkrise von zwei Seiten unter Wasser gerät. Das Aktienrückkaufprogramm, das insbesondere für das Management äußerst vorteilhaft gewesen ist, weil das eigene Vergütungssystem oft mit der Höhe der Aktienkurse verknüpft war, fand auch in einer Branche statt, die gerade jetzt von extremer Bedeutung ist – die Pharmaindustrie. Die Welt wartet sehnsüchtig auf die ersten „Good News“ zum Stand der Entwicklung um einen Impfstoff gegen Covid-19.

Fazit

Was dürfte gerade weltweit für ein Kampf um die begehrten Fördermilliarden in vielen Staaten stattfinden? Vom existenzbedrohten Kleinunternehmer bis hin zum milliardenschweren Weltkonzern. Letzterer dürften gerade in den USA große Schwierigkeiten bekommen, wenn er in den letzten Jahren nicht nur den freien Cashflow für den Aufkauf eigener Aktien verwendet hat, sondern sich sogar dabei mit Krediten hoch verschuldet hat. Im Taumel des weit verbreiteten Financial Engineering zur Maximierung der Profite für die Shareholder auf kurze Sicht.

In den USA hatte man schon einmal Aktienrückkäufe verboten – ab 1932, da es zwischen 1929 und 1932 in der Weltwirtschaftskrise manipulative Kapitalbewegungen gegeben hatte. Dieses Verbot wurde erst 1982 durch Ronald Reagan wieder aufgehoben.

Welche Schlüsse wird man aus dieser Coronakrise ziehen? Donald Trump hat zwar geäußert, Buybacks nicht zu mögen, aber ein Verbot? Anders bei den Demokraten, da ist diese Maßnahme sogar Teil des Wahlkampfprogramms. Irgendwelche Lehren sollte man doch aus dem „investitionsfeindlichen“ Verhalten der Firmen ziehen. Nur die Verpflichtung von Firmen, die in der Coronkrise das Hilfspaket nutzen, bis zu einem Jahr nach Auslaufen der Unterstützung auf Aktienrückkäufe zu verzichten, kann es wohl alleine nicht gewesen sein.

Die Coronakrise deckt die Schwächen und Fehler der USA auf

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Warum ich keine Lieblingsaktien habe! – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

was ist Ihre Lieblingsaktie? Welchem Titel halten Sie unbedingt die Treue und gehen quasi mit ihm durch dick und dünn? Hier verzeihen Sie auch einmal schlechte Nachrichten, weil Sie von dem Unternehmen wirklich überzeugt sind. Das Phänomen der Lieblingsaktie kann auch gleich für eine ganze Branche gelten. So schworen viele Privatanleger vor einigen Jahren auf Unternehmen aus der Edelmetall-Branche. In fester Erwartung eines Euro-Untergangs wurde diese Branche für viele Privatanleger zum bevorzugten Ort der Investition.

Typisch für eine solche Situation ist, dass wir die Nachrichtenlage dann nur noch sehr eingeschränkt wahrnehmen. Schlechte Nachrichten zu unserer Lieblingsaktie blenden wir aus. Gute Nachrichten hingegen bewerten wir in ihrer Bedeutung für die Kursentwicklung über. Mehr noch: Oftmals bilden wir in unseren Lieblingsaktien deutliche Übergewichtungen in unseren Depots, weil wir hier gerne mehrfach kaufen. Plötzlich steht Ihre Lieblingsaktie dann für 10 oder 20 % Ihres Gesamtdepots. Wenn Ihre Lieblingsaktie dann einmal schwächelt, ist Ihr Depot aufgrund der Übergewichtung chancenlos.

Aber wie entsteht eigentlich so eine Lieblingsaktie in unserem Depot? In aller Regel steht am Anfang zunächst eine starke Performance. Folglich mögen wir diese Aktie, weil sie uns eben zunächst viel Rendite beschert hat. Am besten können wir die Produkte unseres Lieblingsunternehmens im Alltag auch noch erfahren und quasi anfassen. Tatsächlich schätzten in der Vergangenheit viele deutsche Privatanleger die Aktien von BMW oder Daimler, weil sie privat ein…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Aktien

Aktienmärkte: Corona-Krise und ein heimlicher Star im deutschen Leitindex

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Normalerweise waren die letzten Jahre die Zeit für Wachstumstitel, also für Growth, wie man es in der Sprache der Aktienmärkte bezeichnet. Eher jedoch nicht für den deutschen Leitindex Dax – aber dort steht ein Wert ganz oben in der Performance, von dem man es noch weniger erwartet hätte: die Deutsche Post. Man profitiert derzeit vom „Stay at Home“ und vielleicht nochmals durch ein logistisches Thema der Superlative.

Die bevorstehende Massenimpfungen

Was werden nicht alles für Zahlen herumgereicht? Die Gesamtbevölkerung der Erde müsse gegen Covid-19 geimpft werden, 7,7 Milliarden Menschen und dies gleich zweimal. Aber gemach, es werden sich nicht alle impfen lassen wollen, und es einige durch Immunität nicht mehr brauchen (oder durch heimische Pharmafirmen versorgt werden) und viele sich in einem Alter befinden, in dem die Gefährlichkeit des Virus unterhalb des Promillebereichs für die Betagten und Gefährdeten liegt. Dennoch: Es gilt Abermillionen von Impfdosen zu transportieren, mit den verschiedensten Transportmitteln, mit speziellen Behältern und mit der Aufrechterhaltung von Kühlketten und überall ist der deutsche Marktführer gut aufgestellt.

Die unauffällige Hausse bei einem Underdog der Aktienmärkte

Die Deutsche Post (DHL Group) feierte gerade den 20. Börsengeburtstag. Der Logistik-Riese, der aus einem Paket- und Postzusteller hervorging, wurde am 20. November 2000 zu 21 Euro an die Börse gebracht. Zu dieser Zeit stand der Dax bei 6609 Punkten. Betrachtet man nun die Kursentwicklung von Index und den Dax-Wert Deutsche Post (gestern 40,39 Euro), so könnte man den Eindruck gewinnen, als wäre der Dax mit seiner Kursverdoppelung besser gelaufen, als der deutsche Logistiker, der es nur auf gut 80 Prozent Kurszuwachs brachte. Rechnet man die Dividendenzahlungen hinzu, käme man bei der Post aber auf circa 268 Prozent Gewinn. Beim Dax als Performance-Index werden die Dividenden einfach hinzugerechnet. Macht eine Rendite der Deutschen Post von 6,7 Prozent p.a. gegenüber dem Index mit seinen 3,5 Prozent. Der Traditionswert ein heimlicher Star der Aktienmärkte – gewiss, denn ein Großteil der Dax-Werte ist noch weit von seinen ehemaligen Höchstständen entfernt. Bis auf fünf Werte, einer davon ist die Marke mit dem auffälligen Gelb.

Dies ist natürlich den Analysten nicht verborgen geblieben: so erwarten Ökonomen von Goldman Sachs einen Umsatzanstieg der Deutschen Post von aktuell 65 Milliarden bis auf 80 Milliarden Euro im Jahr 2024, der Gewinn soll im gleichen Zeitraum von 4,4 Milliarden auf 6,5 Milliarden Euro steigen. Wäre ein einstelliges KGV, hinzu kommt die niedrige Börsenbewertung im Vergleich zu UPS oder Fedex.

Fazit

Obwohl die Aktienmärkte derzeit die Umschichtung von Growth zu Value spielen, kann dies dem deutschen Logistiker relativ egal sein. Man profitiert weiter von den Auswirkungen der partiellen Lockdowns, vermutlich noch durch die Wintermonate, als auch von der neuen Situation um die Mammutaufgabe Impfung der Bevölkerung mit all den personellen und logistischen Herausforderungen.

Jetzt steht in dieser Woche erst einmal der große vorweihnachtliche Hype um den „Black Friday“ und den „Cyber Monday“ auf dem Programm. Angesichts der Pandemie sicherlich mit bisher noch nie gesehenen Umsätzen. Ein DHL-Manager sprach schon davon, dass Covid-19 die Umsätze der Post in das Jahr 2030 hieven werde. Und jetzt kommt noch das Transportthema Impfstoff hinzu. Ein Goldilocks-Szenario? Nicht ganz, denn da gibt es noch einen übermächtigen Konkurrenten aus Übersee, der bis 2021 mit eigenen Paketzentren in Deutschland zulegen will. Der „All-Star“ der amerikanischen Aktienmärkte Amazon, der bereits schon für ein Viertel der Paketsendungen in Deutschland verantwortlich ist.

Die Aktienmärkte in Deutschland und ihr heimlicher Star

weiterlesen

Aktien

Aktienmärkte: Die 8-Billionen-Dollar Bombe – 20%-Korrektur voraus

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die Aktienmärkte der USA haben ein Klumpenrisiko – sie sind eine Bombe, die entschärft werde auf Kosten einer heftigen Korrektur. Das sagt nicht ein sogenannter „Crash-Prophet“, sondern der eher als „Dauer-Bulle“ bekannte Hans. A. Bernecker. Alle Indizes der amerikanischen Aktienmärkte seien extrem überkauft, getrieben vor allem in den letzten Monaten durch die Tech-Werte. Bevor dann ab dem 09.November mit der Pfizer/BioNTech-Meldung über den Impfstoff eine gewaltige Rotation erfolgte – raus aus Tech, rein in die sogenannten Value-Werte (die jedoch in vielen Fällen eigentlich alles andere als „value“ sind). Man wechselt also von einer Überbewertung in die andere, und dabei entfernen sich die Aktienmärkte immer mehr von der ökonomischen Realität.

Aktienmärkte: Nach dem Entschärfen der Bombe kommt die Erholung

Der Hype der Aktienmärkte, so Hans Bernecker, sei vor allem von Kleininvestoren getragen gewesen (die sogenannten „Robinhooder“). Das alles erinnert an die Euphorie des Jahres 1987, der dann im Oktober diesen Jahres ein gewaltiger, wenn auch nur kurzfristiger Absturz folgte. Nun aber gebe es eine Schwachstelle: das seien extrem überbewertete Aktien wie eine Tesla mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 500 Milliarden Dollar, die nun ein großer Hedgefonds-Manager geshortet habe. Es werde nun, so Bernecker, bald eine heftige Marktbereinigung geben bei den großen und marktschweren Titel der amerikanischen Aktienmärkte, die alleine acht Billionen Dollar auf die Waage bringen.

Wann kommmt der Einbruch? Eher zeitnah, meint Bernecker. Es handele sich dabei um eine Markt-Bereinigung, der dann jedoch wieder eine Aufwärtsbewegung folgen werde. Sehen Sie hier die Aussagen des „Altmeisters“ Bernecker:

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Die überbewrteten Aktienmärkte der USA als Bombe, die bald entschärft wird

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage