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Coronakrise: Wenn Deutschland nicht zahlt, ist der Euro weg!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

In der Coronakrise explodieren vor allem die Schulden der Südländer der Eurozone noch mehr – kann der Euro das überleben? Derzeit diskutiert man die Möglichkeiten, wie diese Schuldenexplosion zu handhaben ist – es ist auch von einem Schuldenschnitt die Rede. Aber ist das realisierbar?

Die Widerstände in Deutschland gegen die durch die EZB ermöglichte Ausuferung von Anleihekäufen werden größer – sichtbar zuletzt durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das das Vorgehen der europäischen Notenbank als „teilweise verfassungswidrig“ beurteilt hat. Wichtig ist nun, inwiefern die deutsche Kanzlerin Merkel das Bundesverfassungsgericht stützt – oder eben nicht. Heute hat die Kanzlerin immerhin das Urteil als „von großer Bedeutung“ bezeichnet.

Dennoch dürften angesichts der Coronakrise die Käufe der EZB weiter gehen – so sieht es der Vermögensverwalter Jens Erhardt. Denn wenn nicht, sei der Euro bald Geschichte. Deutschland müsse so oder so zahlen, wenn man den Euro retten wolle. Was jetzt passieren muß in der Coronakrise, schildert Erhardt in folgenedm Interview:

 

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Ist in der Coronakrise der Euro noch zu retten?

18 Kommentare

18 Comments

  1. Avatar

    Prognosti

    11. Mai 2020 19:17 at 19:17

    Nur noch lächerlich.Er befürwortet immer mehr Verschuldung ( USA als Vorbild) wohlwissend dass Deutschland Zahlmeister ist. Da muss er auch in Kauf nehmen,dass das deutsche Volk irgendwann nicht mehr mitmacht u.dann ist das viel gerühmte Friedensprojekt EU im Eimer.
    ALSO DIE MEDIZIN TÖTET DEN PATIENTEN. ALTER SCHÜTZT VOR TORHEIT NICHT.
    Was sind die Motive ,dass man so denken kann u.die Realität nicht sehen will?

  2. Avatar

    Marko

    11. Mai 2020 20:08 at 20:08

    Wenn Deutschland nicht zahlt, dann ist Südeuropa weg !

    Das würde es eher treffen… Weil , Deutschland der EUR ist….

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      Columbo

      11. Mai 2020 22:18 at 22:18

      Wenn Südeuropa weg ist(für manche „endlich“), würde es dann Nordeuropa „endlich“ gutgehen?
      Hat jemand überhaupt die leiseste Vorstellung, was dann geschehen würde?

      „Nobody in America has ever seen anything else like this. This thing is different. Everybody talks as if they know what’s going to happen, and nobody knows what’s going to happen.” (Charlie Munger)

      In Europa dasselbe, keiner hat auch nur die geringste Ahnung.

    • Avatar

      Sascha Kresser

      12. Mai 2020 19:03 at 19:03

      Warum zum Teufel muss IMMER Deutschland zählen, soweit ich weiß sind wir nicht allein die EU! So ne scheiß, immer müssen wir zahlen für andere es kotzt einen nur noch an. 🤮

  3. Avatar

    sabine

    11. Mai 2020 20:22 at 20:22

    Hier mal eine Studie aus dem Inneminsterium – BMI. Der Beamte wurde mittlerweile beurlaubt und dazu in den Ruhestand versetzt – er konnte es sich eine freie Meinungsäußerung also leisten, nicht wie wir, die wir noch Jahre arbeiten müssen.

    https://www.youtube.com/watch?v=n3WctUimtgw

    Irgendwann ist er dann Verschwörungstheoretiker, seine Zahlen sind alle falsch, er verharmlost in unverantwortlicher Weise die Coronagefahr und (Medien-)Rächts ist er dann obendrein. Die Qualitätsmedien werden ihn dann immer gleich (reflexartig und etwas verdeckt!) bei Zitaten als „umstrittenen“ Beamten hinstellen, damit auch alle gleich wissen, was politisch korrekt ist. Dabei ist in diesem Sinne jeder Wissenschaftler umstritten, bei 3 Imkern gibt es 4 Meinungen…. Umstritten war früher eigentlich nur, wenn er so richtig schräg und ausgefallene Thesen vertrat. Das ist beim Medien-Mobbing bei Gegenmeinungen mittlerweile ein Allerweltswort, so wie bei Sozialisten Conterrevolutionär. Am Schluß waren es fast alle!
    https://www.youtube.com/watch?v=LsExPrHCHbw

    • Avatar

      Sabine

      11. Mai 2020 20:46 at 20:46

      Und hier die ominöse Liste der anderen Abweichler, also alle umstritten.

      Dr. Bodo Schiffmann, Prof. Dr. Carsten Scheller, Prof. Dr. Yoram Lass,
      Dr. Joel Kettner, Prof. Dr. Sucharit Bhakdi, Prof, Dr. Pietro Vernazza,
      Dr. Wolfgang Wodarg, Prof, Hendrik Streek, Prof. Frank Ulrich Montgomery,
      Dr. Mark Fidigge, Prof. Dr. Dr. Martin Haditsch, Prof. Erich Bendavid,
      Dr. Karl J. Probst, Prof. Dr. Jochen A. Werner, Prof. Jay Bhattacharya,
      Prof. Dr. Knut Wittkowski Dr. Jaroslav Belsky, Dr. Yanis Roussel,
      Dr. Jenö Ebert, Prof. Dr. Stefan Hockertz, Dr. David Katz,
      Dr. Géhard Krause, Dr. Klaus Köhnlein, Dr. Heiko Schönning,
      Prof. Maria Rita Gismondo, Prof. Karin Mölling, Dr. Michael T Osterholm,
      Prof. Dr.John lonannidis, Prof. Dr. Carsten Scheller, Dr. Peter Goetzsche.

      • Avatar

        leftutti

        11. Mai 2020 21:45 at 21:45

        @Sabine, lauter international anerkannte Wissenschaftler, da haut’s mich von den Socken!

        • Avatar

          Marvin Lester

          12. Mai 2020 11:58 at 11:58

          Sehr geehrter @Leftutti alle von @Sabine aufgelisteten Personen verbreiten,so interpretiere ich ihre Antwort vielleicht liege ich falsch,alle Verschwörungstheorien und eventuell sind sie auch noch Rechtsradikale Vollidioten.Dem kann ich mich leider nicht anschließen.Meiner Meinung nach sollten sich alle von allen Richtungen mal an einen runden Tisch setzen und gemeinsam nach einer vernünftigen Lösung des Problems suchen Ich glaube Bzw. hoffe das dabei etwas heraus kommt was der Lösung sehr nahe kommt.

          • Avatar

            leftutti

            12. Mai 2020 22:15 at 22:15

            @Marvin Lester, bitte verzeihen Sie mir, wenn ich das Meinungsmagazin Tichys Einblick als wissenschaftlich denkender und tätiger Mensch etwas hinterfragend betrachte, unter der Prämisse seiner eigenen Einschätzung: Es beschreibt sich selbst explizit als Monatsmagazin für die liberal-konservative Elite; eine Zielgruppe, die die Nase voll hat vom bevormundenden Mainstream-Journalismus, die selber denkt, die die Wahrheit verträgt, die mehr über Hintergründe und Zusammenhänge erfahren möchte. Die die Dinge anschaut, wie sie sind und nicht so, wie man sie sich wünscht.

            Ich neige hingegen eher dazu, die Ansichten der restlichen Millionen nicht aufgelisteter Wissenschaftler mit gegenteiliger Meinung ebenfalls zu berücksichtigen und abzuwägen. Eine Einschätzung, ob die gelistete Minderheit Verschwörungstheorien verbreitet oder rechtsradikale Vollidioten sind, überlasse ich Ihnen. Persönlich würde ich nicht so weit gehen.

            Der runde Tisch, an dem alle von allen Richtungen sitzen, müsste gewaltig sein. 50 km im Durchmesser oder mehr…

      • Avatar

        F. Beyer

        12. Mai 2020 07:24 at 07:24

        @Sabine – Danke für Ihre Informationen! Unglaublich, was gerade in unserem Land passiert.

    • Avatar

      Korrektor

      12. Mai 2020 10:28 at 10:28

      @Sabine
      Danke für die Links👍
      Äußerst Interessant und Informativ!

  4. Avatar

    Markus

    11. Mai 2020 20:32 at 20:32

    Ok, der Herr Erhard muss ja von Haus aus optimistisch sein, sonst kann er ja seine Produke nicht an den Mann bringen.
    Japan druckt seit 30 Jahren, USA seit Lehmann so richtig, EU seit der Eurokrise, jetzt dann noch die Saudis, die Aussies auch. Die Briten… Putin auch irgendwann — die ganze Welt druckt!
    Ja Sacklzement, wie kann das gut gehen?
    Helikoptergeld für alle, sprich bedingungsloses Grundeinkommen für all die Arbeitslosen, die wir bald
    Sehen werden? Wo bleibt da der Anreiz etwas zu leisten?
    Wenn in DE der Wähler mal nach rechts umschwenkt, dann war’s das mit dem Euro und Europa.
    Europa ist zwar gut gemeint, aber schlecht konstruiert, und der Euro durch Abschaffung sämtlicher
    Maastricht Kriterien sabotiert worden. Die Volkswirtschaften sind zu unterschiedlich, und das killt
    den Euro.

  5. Avatar

    Jungbär

    11. Mai 2020 21:37 at 21:37

    Ich weiß nicht, ob das hier jemand realisiert hat. Jens Erhardt hat so ziemlich das Gegenteil von dem behauptet, was Markus Fugmann in seinen pfiffigen Videos feststellt.
    Gewichtung FAANG Aktien kein Problem, Kurs-Gewinn-Verhältnisse nicht zu teuer, Verschuldung nicht zu hoch, Aufschwung durch das viele Notenbankgeld möglich und mehr
    Wer hat nun recht? Der Fondsmanager mit 50 Jahren Berufserfahrung oder der Chefredakteur?

    • Avatar

      Koch

      12. Mai 2020 08:50 at 08:50

      Diese Frage ist sehr leicht zu beantworten.The One and Only Markus Fugmann natürlich!Herr Jens Erhardt ist vergleichbar mit Dr.Marlboro.Der hat auch felsenfest behauptet:Rauchen ist gesund!

  6. Avatar

    berti

    12. Mai 2020 07:26 at 07:26

    Chefredakteur!

  7. Avatar

    Altbär

    12. Mai 2020 07:31 at 07:31

    Aha die Bären bekommen Zuwachs, ( Ich wusste gar nicht ,dass ich Vater wurde)
    1. Wer hat Recht: Zurückblickend kann man sagen, dass Mister FMW in letzter Zeit oft Recht hatte u.mindesten die Korrekturen gut überstanden hätte, während einige ALTE HASEN mit 40 bis 60Jahren Erfahrung eine sehr blutige Nase holten.
    2. Grosser Widerspruch:Während die wichtigste Börsenregel ( Diversivizierung) von Allen propagiert wird,
    soll es gut sein, dass ca. 5Titel des FAANG- Index ein Grossteil der Börsenkapitalisierung ausmachen u.somit die Basis für die weltweite Altersversorgung bilden.Zudem sind gewisse Titel stark gepusht u.machen keine Gewinne.
    Ich begreife Baby-boomer die in der Gelddruck-Ära geboren sind, dass man an leistungslose Einkommen glauben kann, ich kann aber Leute die Kriege u.ca.5Börsencrashes u.Nullenstreichung von Währungen erlebt haben , nicht begreifen.
    Es geht hier nur noch um das Hinauszögern des Unvermeidbaren.

    • Avatar

      Shong09

      13. Mai 2020 16:15 at 16:15

      „( Ich wusste gar nicht ,dass ich Vater wurde)“ :D :D

      Zu 2.
      „Es geht hier nur noch um das Hinauszögern des Unvermeidbaren.“
      Ich verstehe nie wieso es nicht so weitergehen sollte. Die ZB drucken eben immer weiter, so wie im Prinzip schon immer seitdem es Papiergeldwährungen gibt, gewöhnen wir uns daran, dass jedes Jahr xx% des BIPs oder der Geldmenge neu gedruckt wird und die daraus resultierende Inflation. Nominal werden die Zahlen natürlich immer größer, und ob alle paar Jahre für den psychologischen Effekt ein paar Stellen gestrichen werden oder nicht, das tut doch nichts zur Sache. Gerecht wäre es eben nur, wenn dieses neu gedruckte Geld dem Staat oder gleichmäßig auf die Bürger verteilt werden würde, und nicht zuerst an eine „Geldelite“ fließen würde, die damit gutes Geld verdient, und erst langsam durch die Verteilungspyramide nach unten durchsickert.
      Aber ansonsten, wieso sollte es krachen? Wegen der Ungleichheit? Hier in Deutschland kann die Regierung nun scheinbar wirklich alles machen, ohne dass sich die Bevölkerung in ausreichendem Maße wehrt. Wenn sich zu viele beschweren, wird denen ein paar Brotkrumen hingeworfen, während die oben vom Kuchen schon fett geworden sind, aber damit lassen sich dann hier fast alle abspeisen. In Frankreich sieht das vlt anders aus, allerdings schickt man schießende Sicherheitskräfte auf die Bevölkerung los. Entgegen aller Hoffnung glaube ich nicht daran, dass sich ausreichend etwas an diesem System ändert.

  8. Avatar

    Prognosti

    13. Mai 2020 16:33 at 16:33

    Druckenmiller, einer der Allerbesten spricht eher gegen Erhardt u.kritisiert die Zombi- Rettung sowie dieFED.

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Devisen

Goldpreis fällt weiter – Experte bringt das Problem auf den Punkt

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Gold Barren mit Adler und US-Dollar

Der Goldpreis fällt weiter. Dank immer neuer hoffnungsfroher Meldungen wegen den Corona-Impfstoffen nimmt die Euphorie der Anleger immer mehr zu, und sie schalten um in den Risk On-Modus (hier die Begriffserklärung). Man schaltet um, weg von sicheren Häfen wie Gold, und kauft wieder risikoreichere Anlageklassen wie Aktien. Vor genau einer Woche notierte der Goldpreis noch bei 1.868 Dollar. Letzten Freitag Abend waren es dann nur noch 1.786 Dollar, und jetzt aktuell 1.774 Dollar.

US-Dollar kann Goldpreis nicht helfen

Seit Wochen und Monaten war es wie eine Automatismus. Bewegte sich der US-Dollar etwas, zack, bewegte sich der Goldpreis sofort entgegengesetzt. Denn alles was in US-Dollar gehandelt wird (wie auch Gold), tendiert im Preis oft in der Tendenz gegensätzlich. Diese negative Korrelation war bei Gold die letzten Monate extrem stark vorhanden. Seit einigen Tagen aber ist davon gar nichts mehr zu spüren. Wir wiesen bereits letzte Woche darauf hin. Und nicht nur letze Woche fiel der US-Dollar deutlich. Auch diese Woche fällt er weiter. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Währungen) fällt weiter, seit genau einer Woche von 92,60 auf jetzt 91,62 Indexpunkte. Aber der Goldpreis will einfach überhaupt nicht reagieren und ansteigen.

Experte bringt es auf den Punkt

Der Experte Carsten Fritsch von der Commerzbank bringt es mit seiner erst vor wenigen Minuten veröffentlichten Gold-Analyse auf den Punkt. „Nicht mal ein schwacher Dollar kann Gold helfen“, so lautet der Titel seiner Analyse. Der angesprungene Risk On-Modus (Sog hin zu Aktien) scheint derart stark zu sein, dass wie gesagt selbst der immer weiter fallende US-Dollar dem Goldpreis derzeit keine Kehrtwende beschert. Durch den Bruch der wichtigen Unterstützung bei 1.800 Dollar am Freitag habe sich das charttechnische Bild für Gold nochmals eingetrübt, was weitere kurzfristig orientierte Anleger zum Ausstieg veranlasst haben dürfte, so seine Worte. Die letzte Woche verlor Gold 4,5 Prozent an Wert, womit es nur knapp am stärksten Wochenverlust seit März vorbeischrammte. Den heute zu Ende gehenden Monat November dürfte der Goldpreis mit dem stärksten Verlust seit vier Jahren abschließen. Die aktuelle Schwäche von Gold sei umso bemerkenswerter, weil der US-Dollar ebenfalls zur Schwäche neigt, so Carsten Fritsch.

Der EUR-USD-Wechselkurs nähere sich laut seinen Aussagen der Marke von 1,20, die zuletzt Anfang September erreicht wurde. Die Mischung aus Goldpreis-Schwäche und Dollarschwäche lasse den Goldpreis in Euro abstürzen. Dieser verzeichnete am Morgen mit 1.475 Euro je Feinunze den niedrigsten Stand seit Anfang April. Angesichts der seither durch die Anleihekäufe verursachten Ausweitung der EZB-Bilanzsumme um 1,7 Billionen Euro sei dies geradezu grotesk. Auch dass derzeit Anleihen mit einem Rekordvolumen von knapp 17,5 Billionen US-Dollar mit einer negativen Rendite handeln, verhindere den Preisverfall nicht. Somit falle es schwer, diesen Ausverkauf noch mit fundamentalen Argumenten zu erklären.

ETF-Abflüsse

Das Vertrauen in Gold habe laut Carsten Fritsch dadurch stark gelitten, was sich in anhaltenden Abflüssen aus den Gold-ETFs widerspiegelt. Mit dem für Freitag gemeldeten Abfluss hätten sich diese in der letzten Woche auf rund 40 Tonnen und in den letzten drei Wochen auf gut 90 Tonnen summiert. Also, bleibt es erstmal bei der Schwäche im Goldpreis? Unerwartet für viele Beobachter! Geht es weiter bergab, wenn die ersten Bilder von Corona-Impfungen im Dezember über die Schirme flimmern?

Beim Klick an dieser Stelle finden Sie die gestrige sehr interessante Gold-Analyse des Experten Mario Steinrücken.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in US-Dollar seit Mai
Im Chart sehen wir den Goldpreis-Verlauf in US-Dollar seit Mai.

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Devisen

Türkische Lira: Abwertung nach Zinsanhebung – warum ist das passiert?

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Lira-Geldscheine

Die türkische Lira verliert diese Woche wieder deutlich an Boden. Es ist ein Desaster für alle die hofften, dass eine drastische Zinsanhebung durch die türkische Zentralbank auch eine Wende für die türkische Lira einleiten würde. Denn die wertet seit Jahren dramatisch ab. Aber wie gesagt, letzte Woche Donnerstag erhöhte die Zentralbank den Leitzins drastisch, um 4,75 Prozentpunkte auf volle 15 Prozent, um die Inflation in der Türkei einzudämmen.

Türkische Lira reagierte auf drastische Zinsanhebung

Genau dieser Schritt auf 15 Prozent war am Devisenmarkt erwartet worden. Entsprechend war die türkische Lira in den Tagen vorher schon gestiegen, und auch kurz nach der Zinsanhebung stieg die Lira weiter an gegen US-Dollar und Euro. USDTRY fiel von 7,67 auf 7,51. Also, alles lief nach Plan? Nein, die Lira begann wieder abzuwerten, und zwar deutlich – jetzt notiert USDTRY bei 7,91. Diese Woche Montag berichteten wir bereits darüber, dass vermutlich Inländer in der Türkei zwischenzeitlich die gestiegene türkische Lira dafür genutzt hatten, um zu besseren Kursen weiter US-Dollar und Euro zu kaufen. Dass die türkische Lira die letzten Tage ein echtes Eigenleben führte, erkannte man an einer fallenden Lira bei gleichzeitig fallendem Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen). Wenn der US-Dollar fällt, hat eigentlich alles was gegen ihn gehandelt wird, eine gute Chance zu steigen – aber nicht so die Lira in den letzten Tagen!

Warum die Zinsanhebung dennoch verpuffte

Denn die große Unsicherheit gegenüber der türkischen Politik und der Beeinflussung der Zentralbankpolitik ist wohl weiterhin vorhanden, und drückt gegen die türkische Lira. Ein Aspekt kommt aber hinzu, der nicht so direkt ins Auge fällt. Zwar hatte die Zentralbank den Leitzins letzte Woche wie gesagt drastisch angehoben von 10,25 Prozent auf 15 Prozent. Aber wie es zum Beispiel ein türkischer Kolumnist gestern erwähnte, so war es doch keine richtige, eindeutige Zinsanhebung. Denn andere Zinssätze der Zentralbank seien bereits vorher deutlich höher gewesen, bei beinahe 15 Prozent. Mit dieser Zinsanhebung hat die Zentralbank also sozusagen nur für eine Glättung und Vereinheitlichung ihrer Zinsen gesorgt. Vorher versuchte die Zentralbank zum Beispiel bereits die Abwertung der Lira zu stoppen, in dem man bei Derivaten mit höheren Zinskosten versuchte Spekulanten aus dem Ausland die Liquidität zu beschneiden.

Was kann man tun?

Müsste die türkische Zentralbank nun also den Leitzins erneut kräftig anheben, um ihrem Willen zur Inflationseindämmung Nachdruck zu verleihen? Könnte dies die türkische Lira zum Aufwerten bringen? Wichtig wäre wohl ein längeres Festhalten an hohen Zinsniveaus. Und eine klare Sprachregelung von Zentralbank und Präsident Erdogan wären wichtig, in der nicht mehr von Zinsen die Rede ist, die möglichst stark sinken sollen. Hat man am Devisenmarkt den Verdacht, dass die Zinsen nur für einen relativ kurzen Zeitraum oben bleiben? Dann könnte dies die Annahme bestärken, dass die Inflation in der Türkei nicht gebremst wird, was wiederum die türkische Lira schwächt. Es geht um Verlässlichkeit. Der Devisenmarkt will eine konstante und klare Linie sehen – so darf man es annehmen.

Die jetzige Vereinheitlichung des Zinsniveaus durch die Anhebung des Leitzinses sorgt für mehr Transparenz – aber es fehlt womöglich noch eine zweite kräftige Zinsanhebung. Auch hat die türkische Bankenaufsicht angekündigt Mindestausleihungen an türkische Banken nicht mehr vorzugeben. Diese galten unter anderem als ein Grund für die umfangreiche Kreditvergabe in der Türkei. Es wirkt derzeit so, als tue sich einiges in Sachen Transparenz und Normalisierung. Es ist ein Anfang. Es braucht viel Verlässlichkeit, Konstanz, Vertrauen, und wohl auch ein Unterlassen von Äußerungen von Präsident Erdogan über niedrigere Zinsen. Dazu vielleicht noch ein erneuter kräftiger Zinsschritt nach oben, und dann ein Durchhalten auf diesem Niveau. Dann könnte die türkische Lira auch anfangen nachhaltig wieder aufzuwerten? Im Chart sehen wir den Verlauf von US-Dollar vs Türkische Lira seit dem 13. November.

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira in den letzten Tagen

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Allgemein

Janet Yellen – wird sie den Dollar weiter abstürzen lassen?

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Sind die USA auf den Spuren Japans?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden kehrt wieder etwas Berechenbarkeit in die amerikanische Politik zurück. Auch erkennbar an den ersten Postenbesetzungen im neuen Kabinett. Der Vorschlag für die Nachfolge Steven Mnuchins schlug in den letzten Tagen wie eine kleine Bombe in der Finanzszene ein, schließlich möchte der neue Präsident eine „altbewährte“ Ökonomin mit dieser Schlüsselposition besetzen: die ehemalige Präsidentin der Federal Reserve, Janet Yellen. Was heißt das für die künftige Geld- und Fiskalpolitik  – und amit für den Dollar?

Die Karriere der Janet Yellen

Mit der ehemaligen Wirtschaftsprofessorin wird eine Person vom Fach den Posten des obersten Geldverwalters oder korrekter der Geldverwalterin in den USA antreten, was in anderen Ländern nicht generell der Fall ist. Janet Yellen kam neben ihrer Lehrtätigkeit schon früh in Kontakt mit der US-Notenbank, wo sie bereits ab 1975 Mitarbeiterin beim Board of Governors im System der Federal Reserve gewesen ist. Von 1994 bis 1997 war sie Mitglied im Vorstand der Federal Reserve, anschließend wurde sie Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsberater von US-Präsident Bill Clinton. Also eine Funktion, wie sie jüngst Larry Kudlow in besonderer Art und Weise ausgefüllt hat.

Von 2004 bis 2010 war sie Präsidentin der Fed von San Francisco, ab dem Jahr 2009 stimmberechtigtes Mitglied im Federal Open Market Committee. Im Jahr 2010 wurde sie zur Stellvertreterin von Fed-Chef Ben Bernanke ernannt und ab 2013 gelangte sie als erste Frau an die Spitze der bedeutendsten Zentralbank der Welt. Diese Position verlor sie als Demokratin nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten, der mit diesem Schritt einmal mehr von der bisherigen Tradition abwich. Ihr Nachfolger Jerome Powell ist bereits seit 2012 im Direktorium der Federal Reserve, somit dürften sich die neue Finanzministerin und der Fedchef sehr gut kennen. Janet Yellen ist mit dem Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften George A. Akerlof verheiratet – sie ist also privat und beruflich immer im Umfeld der Ökonomie.

Die „dovishe“ Janet Yellen

Für die Benennung der Wirtschaftsprofessorin als neue Finanzministerin hat der neue US-Präsident sicherlich mehrere Gründe: Zum einen gilt die Demokratin als sehr ausgleichend zwischen den Parteien, was nach Donald Trump sicherlich äußerst bedeutsam wird, und zum anderen wird sie eine Konnexion zwischen Politik und Notenbank gewährleisten, was in der jetzigen Verschuldungssituation sehr vonnöten ist. Die Regierung braucht den kurzen Draht zur Geldpolitik, eine Sonderstellung der Notenbank wäre in der kommenden Zeit sehr hinderlich. Die Märkte gehen von einer guten Weichenstellung aus, deshalb auch die erste positive Börsenreaktion. Die Tauben sind demnächst in den USA am Drücker – daher tendiert auch der Dollar wieder schwächer.

Des einen Freud, des anderen Leid

Was wird diese neue Konstellation Janet Yellen – Powell für geldpolitische Konsequenzen haben? Zunächst freut man sich an den Märkten, dass „der Kelch“ in Gestalt der linken Demokratin Elisabeth Warren an ihnen vorübergegangen ist. Deren während ihrer Kandidatur vorgetragenes Programm hätte die Wirtschaft und die Finanzmärkte eine Zeit in Wallung gebracht, denn ob Warren ihre Vorstellungen in die Tat hätte umsetzen können, steht auf einem anderen Blatt. Nach einer Corona-Schonfrist würden bald schon die Midterm Elections anstehen, die rasche Veränderungen im Kongress bringen können.

Wer sind die Profititeure, wer die Leittragenden?

Zunächst dürften die Finanzmärkte sich über eine weiterhin lockere Geldpolitik freuen, denn es sind zwei Tauben an den Schaltstellen, die über alles sinnieren werden, jedoch nicht über künftige Zinserhöhungen.

Bevor eine Massenimpfung eine echte Erleichterung am Arbeitsmarkt bringt – Stichwort: Maximum Employment – wird man vonseiten der Federal Reserve das Anleihekaufprogramm fortsetzen und retten, wo es zu retten gilt. Hinzu kommen wird der unbedingte Wille der Durchsetzung von Konjunkturprogrammen, speziell im Umweltbereich, einem zentralen Thema von Joe Biden, in dem er ganz besonders den neuen Wind nach Trump symbolisieren könnte. Was nichts anderes bedeutet, als weiter die Verschuldung nach oben zu treiben, auch unter Inkaufnahme einer ansteigenden Inflation. Sowohl Fed-Chef Powell als auch die mögliche neue Finanzministerin haben eine gewisse Flexibilität mit einer höheren Inflationsrate bekundet. Niedrige Zinsen, bei steigender Teuerungsrate – damit wird deutlich, wer dabei besonders leiden könnte: der Dollar!

Aber in der jetzigen Situation kommen einige frühere Bemerkungen von Janet Yellen ins Gedächtnis, wenn es um die Bewältigung einer Rezession geht. Bereits auf einer Konferenz im September 2016 brachte die damalige Notenbankchefin den Gedanke von neuen Instrumenten ins Spiel, die die Fed zur Bewältigung einer Wirtschaftsschrumpfung benötigen könnte: Ankauf von Firmenbonds und Aktien. Letzteres wiederholte sie in diesem Jahr bei einem Interview im April. Die USA auf den Spuren Japans, was für ein Gedanke! Diesen Gedanken hatte unser Autor bei FMW, Hannes Zipfel, in seinem bemerkenswerten Artikel vom 30.6.2020 schon ins Spiel gebracht („Aktienmarkt: Verlassen Sie sich auf die Fed“!)

Fazit

Noch ist es zu früh irgendwelche Schlussfolgerungen über ungelegte Eier anzustellen. Aber eines dürfte klar sein: Bei zwei Verfechtern einer lockeren Geldpolitik wird es von innen heraus keine große Änderung in der Fiskal- und Geldpolitik geben. Das Zusammenspiel zweier Vertreter einer taubenhaften Geldpolitik wird in der jetzigen Lage den monetären Impuls nicht ohne Not verringern.

Und von woher könnte eine solche Notsituation kommen? Eher nicht von einer opulent anspringenden Wirtschaft, die ohne Stütze auskommt, sondern eher von der Inflation, die nun schon ein Jahrzehnt wie tot erscheint. Aber in diesem Zeitraum haben die Notenbanken weltweit auch nicht sieben Billionen Dollar binnen eines Dreivierteljahres ins System geschleust.

Wird die dovishe Janet Yellen den Dollar weiter schwächen?

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