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Indizes

Coronavirus: Crashen Aktienmärkte in den Bärenmarkt?

Wolfgang Müller

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am

Die Tumulte durch das Coronavirus erreichen zu Wochenbeginn einen neuen Höhepunkt! Nach einer turbulenten Vorwoche an den Aktien- wie auch den Anleiheemärkten haben inzwischen Erstere erkannt, dass die sich ausbreitende globale Virusinfektion keine kurzfristige und rasch vorübergehende virale Bedrohung sein wird. Die großen Indizes sind durch ihre Kursverluste fast unisono in den Korrekturmodus (> 10 Prozent) gerutscht. 10 Billionen Dollar wurde weltweit an Börsengewinnen ausradiert.

Coronavirus: Die Signale der Börsen

Mit Tagesschwankungen von 3 Prozent in den letzten Tagen an der Weltleitbörse in New York ist die Verunsicherung der Investoren mit den Händen greifbar. Kommt es zum ganz großen Einbruch der Weltwirtschaft? Dazu gesellt sich ein Fear&Greed-Index von nur noch sechs Punkten, der bereits extreme Panik signalisiert. Man schwankt zwischen dem Glauben, dass es die Notenbanken und die Staaten mit ihren Hilfsprogrammen wohl richten könnten und der großen Furcht vor einem Absturz der Weltwirtschaft durch das Coronavirus, dessen Folgen in den Aktienindizes noch nicht ansatzweise reflektiert werden. Am deutlichsten erwischt es einmal mehr den deutschen Leitindex, der in seiner exportorientierten Zusammensetzung wie immer bei Schwächen der Weltwirtschaft ganz besonders sensibel reagiert. Mit seinen 16 Prozent Kursverlust ist es nicht mehr weit hin bis zu einem Bärenmarkt.

Ganz anders die Entwicklung der Aktienindizes in China: Seit Ende Januar haben der Shanghai Composite (plus 10 Prozent) oder der Shenzhen Index A (plus 18 Prozent) – bis zum Wochenende – deutlich zugelegt, analog zu den rückläufigen Infektionszahlen (offizielle Angaben), die mit nur noch knapp 19.000 aktuellen Erkrankungen nach Abzug von Verstorbenen und Gesundeten immer deutlicher nach unten gehen. Hat da jemand nachgeholfen?

Coronavirus und die Folgen: Wird es ein U oder ein L?

Gemeint ist die Phase der Erholung nach Auslaufen der unmittelbaren Effekte der Virusinfektion. Bei einer U-förmigen Erholung könnten die Börsen noch mit einem 20-prozentigen Kursverlust weg kommen. Würde es ein L, so ist mit einer Rezession in den großen Volkswirtschaften zu rechnen und die Kurabschläge müssten mindestens in die Dimensionen früherer Wirtschaftseinbrüche gelangen – also zu Kurshalbierungen. Noch ist nicht absehbar, ob es tatsächlich zu dem Worst Case-Szenario für die bullishen Anleger kommen wird. Betrachtet man die Entwicklung der chinesischen Börsen, so könnte man zu dem Eindruck gelangen, dass das Schlimmste bereits vorbei sei.

Der bisherige Wirtschaftseinbruch

Dieser ist am besten erkennbar am Tourismus und in der Luftfahrtindustrie. Der Tourismus steht für weltweit 6,6 Billionen Dollar (8 Prozent des Weltsozialprodukts), die Bremsspuren durch das Coronavirus sind deutlich erkennbar. Auch plant Europas große Fluggesellschaft Lufthansa einen Kapazitätsabbau von 50 Prozent in den nächsten Wochen.

Deutlich sind auch die Folgen für die Automobilindustrie mit Rückgängen von 80 Prozent in der chinesischen Wirtschaft und den zunehmenden Engpässen von Zulieferungen an Zwischenprodukten, weltweit in den Warnungen der Unternehmen zu vernehmen. Extrem auch die Signale aus dem Hightech-Bereich. Immer stärker haben die Aktienkurse der großen Unternehmen nachgegeben, auch der Semiconductor-Index SOXX ist schon um 15 Prozent gefallen. Dies ist nur ein Bruchteil der aktuellen wirtschaftlichen Implikationen. Man braucht kein Prophet zur sein, um zu prognostizieren, dass wegen des Coronavirus Q1 für 2020 zu den größten Revisionen seit der Finanzkrise 2008/09 führen wird.

Bei einer derartig lawinenartigen Zunahme von Absagen an Großveranstaltungen jedweder Art, der Teilstilllegung von Produktionsstätten, der Zunahme von Quarantänemaßnahmen kann man nur von einen Angebotsschock sprechen, wie wir ihn seit der Ölkrise vor fast 50 Jahren nicht mehr gesehen haben. Eine V-förmige Erholung von Wirtschaft und Börsen dürfte als Szenario bereits vom Tisch sein.

Was könnte helfen?

Das Allheilmittel einer deutlichen Zinssenkung hat sich mit der Reaktion auf die 50 Basispunkte-Zinssenkung der amerikanischen Notenbank erst einmal als unwirksam erwiesen. Dennoch ist bereits am 18. März, bei der nächsten Fed-Sitzung, mit einem nächsten großen Schritt zu rechnen. Ungeeignet, um die unmittelbaren Folgen einer Pandemie zu bekämpfen, für Kapitalsammelstellen wird ein Engagement an den Anleihemärkten aber immer mehr zu einem Verlustgeschäft. Nicht bei einem weiteren Absturz der Wirtschaft durch Kursgewinne, aber bei dauerhaftem Engagement in die Papiere bis zur Fälligkeit.

Der US-Kongress hat in der letzten Woche ein Gesetz beschlossen, damit 8,3 Milliarden Dollar im Kampf gegen das Virus eingesetzt werden können. Solche Maßnahmen werden allgemein als wirksamer betrachtet, wenn man etwas tun will, dann klappt es am ehesten mit Fiskalpolitik.

Spannend wird es am Donnerstag werden, wenn die EZB auf ihrer Sitzung zu Maßnahmen schreitet. Kommt es tatsächlich zu einer weiteren Reduzierung des Einlagezinssatzes von minus 0,5 auf minus 0,6 Prozent? Oder zu einer Verdoppelung des Anleiheaufkaufprogramms von 20 auf 40 Milliarden Euro monatlich, wie manche Volkswirte unken?

Auch hat der deutsche Staat in Gestalt von Minister Altmaier für kleinere und mittlere Unternehmen Hilfen in Aussicht gestellt.

Der Leiter des DIW, Professor Hüther, hat einen großen Cocktail an Maßnahmen vorgeschlagen, von denen einige sicherlich zur Stützung der deutschen Konjunktur umgesetzt werden könnten:

  • Stabilisierung der Unternehmensliquidität (Kredite an Unternehmen durch die KfW)
  • Stabilisierung der Finanzmarktliquidität (das Thema TLTRO durch die EZB, wichtig vor allem für den Bankensektor)
  • Steuerstundungen für Unternehmen
  • Stabilisierung der Beschäftigung durch Ausweitung der Kurzarbeit

Zwei entscheidende Barometer für die Entwicklung der Krise durchd as Coronavirus

Bei einer weltweiten Ausbreitung einer Infektion mit grippeähnlichen Symptomen zu einer Pandemie ist die wohl entscheidende Frage vor der wärmeren Jahreszeit: Wann wird Peak Corona erreicht in den maßgeblichen Staaten? Da die meisten Erkrankungen in wenigen Tagen/Wochen ausheilen, konkret: Wann wird die Anzahl an gesundeten Menschen die der Neuinfizierten übertreffen? Eine Frage, die derzeit völlig offen ist, mit Stimmen, die von der Chance einer rechtzeitigen Eindämmung sprechen und anderen, die von pandemischen Verhältnissen ausgehen. Man wird auf die täglichen Fallzahlen starren, die in westlichen Ländern doch einigermaßen zuverlässlich sein dürften.

Der zweite Aspekt ist ein börsentechnischer. Wie weit werden Panikreaktionen an den Märkten die Kurse nach unten treiben? Wenn der Bärenmarktstaus erreicht würde und es zu weiteren Abschlägen kommt (Stopploss-Orders, Margin Calls, Notverkäufe) könnte das Ganze in der fragilen Situation der Weltwirtschaft heißen: Erst die Kurseinbrüche an den Börsen lösen eine Rezession richtig aus, denn vor einer Rezession kam bisher immer der Börsencrash.

Fazit

Es scheint nicht mehr weit zu sein bis zum Eintritt in einen Bärenmarkt für die großen Indizes. Absolut betrachtet aber schon, zehn Billionen von den einst 89 Billionen Dollar an Weltmarktkapitalisierung haben sich bereits in Luft aufgelöst. Bis zu einem 20-Prozentabschlag wären es noch einmal sieben Billionen Dollar, immerhin fast das Doppelte der Wirtschaftsleistung Deutschlands.

Auf der anderen Seite ist das auch wiederum nicht allzu viel, sollte sich die Panik in den USA fortsetzen. Ein Bärenmarktterritorium ist aus meiner Sicht auch eine entscheidende Zone für die Wall Street. Sowohl die US-Administration (allen voran Finanzminister und Wall Street-Profi Mnuchin) als auch die US-Notenbank werden mit allerlei Rettungsaktionen versuchen, einen Absturz in diese Regionen und darunter zu verhindern. Kommt schon am 18. März der nächste (wirkungsschwache) Zinshammer um weitere 50 Basispunkte? Derartig große Verluste in den Indizes, wie bei Eintritt in einen Bärenmarkt, würden den bereits in großer Corona-Angst erstarrenden US-Verbraucher allein wegen des Vermögenseffekts in seinem Konsumverhalten jenseits der Alltagsgüter erheblich zurückhaltender werden lassen.

Das wäre das Letzte was die taumelnde Weltwirtschaft noch gebrauchen könnte – ein Einbruch des US-Konsums, der immerhin eine Größe von 16 Billionen Dollar repräsentiert.

Aktuelle Entwicklung:

Die dramatische Kursentwicklung an den asiatischen Börsen am heutigen Montag, insbesondere in Japan, machen das Bärenmarkt-Szenario bereits um eine ganze Stufe wahrscheinlicher.

Das Coronavirus lässt die Aktienmärkte abstürzen

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Markus Fugmann

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