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Dax: Die Echo-Blase der Wall Street – die Sehnsucht nach der guten alten Zeit als der Bullenmarkt noch intakt war

Über den Versuch vor allem der Wall Street, „auf heile Welt zu machen“..

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Eine der besonders tiefsinnigen Wahrheiten an den Märkten lautet: wenn Kurse nicht steigen, haben sie früher oder später die Tendenz zu fallen! Das gilt auch für den Dax, der gestern einen Ausbruch nach oben versuchte, aber dabei doch ziemlich herb scheiterte (schwache deutsche BIP-Zahlen), ohne dass die Enttäuschung gleich in einen massiven sell-off mündete.

Nun haben wir seit einer Woche eine Seitwärtstendenz zwischen den Marken 10780 und 10980/90 – und wenn es nach dem Seitwärts-Geschiebe einen Ausbruch aus der Handelsrange gibt, kann und dürfte das sogar durchaus mit starker Dynamik verbunden sein – nach oben oder eben nach unten!


(Chart durch anklicken vergrößern)

Aber eines ist doch auffällig: der Dax ist zuletzt deutlich schwächer gewesen als die US-Indizes, wie der Vergleich zwischen Dax und S&P 500 zeigt:


(Dax schwarz; S&P orange)

Die Amerikaner haben jetzt alles Gute wieder eingepreist: die Fed wird nie wieder die Zinsen anheben, im Handelskrieg wird es einen schönen Deal geben, und wenn die Zahlen aus der US-Berichtssaison eben mau sind, so wie bisher der Fall, dann stört uns das auch nicht – Hauptsache die Fed hebt die Zinsen nicht an, scheint das Motto zu sein. Also ignoriert man schlechte Nachrichten, so wie gestern die Botschaft des republikanischen US-Senators Grassey, wonach es in der Substanz, also dort wo es wirklich schwierig wird, keine wirklichen Fortschritte in den Verhandlungen zwischen USA und China gebe.

Nun kann man sagen: ein Markt, der schlechte Nachrichten ignoriert, ist eben bullisch. Das ist grundsätzlich ja auch nicht falsch. Nur ist es eben so, dass die übergeordnet die Charts nach wie vor „kaputt“ sind, alle Trendlinien seit der Finanzkrise wurden unterschritten, der technische Schaden ist so immens groß, dass der Versuch auf „heile Welt“ zu machen doch etwas absurd anmutet. Es ist die Sehnsucht nach der guten alten Zeit, damals, als der Bullenmarkt noch intakt war und scheinbar nichts den Siegeslauf der Wall Street stoppen konnte.

Aber diese Zeiten sind vorbei – der Bullenmarkt wurde gestoppt! Und die Frage ist jetzt nur: wann setzt sich diese Erkenntnis durch? Es kann kurzfristig noch weiter nach oben gehen, weil viele Player möglicherweise unterinvestiert sind nach dem Blutbad im Oktober und Dezember, und erst wenn dann alle wieder auf den fahrenden Zug aufgesprungen sind, entgleist die Sache wieder. Das ist als Möglichkeit nicht auszuschließen – ändert aber nichts daran, dass wir derzeit eine Art Echo-Blase erleben, in der alles Positive eingepreist ist, aber inzwischen fast alles Negative ausgepreist ist. Irgendwann aber fällt einem die Realität dann auf die Füße..


Von Frank Liebig – Archiv Frank Liebig, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=61315444

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Handelsstreit – was Trumps Pressestatement verrät

Worum geht es eigentlich in der jetzigen Phase im Handelsstreit? Es geht natürlich um seine ureigenen Interessen und um seine Wiederwahl

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Worum geht es eigentlich in der jetzigen Phase im Handelsstreit?

Das erste Statement des US-Präsidenten vor den Kameras zum Ergebnis der Handelsgespräche, am Freitag gegen 23:00 Uhr MEZ, brachte es ein wenig zutage. Es geht natürlich um seine ureigenen Interessen und um seine Wiederwahl, anders sind die Worte des US-Präsidenten nicht zu interpretieren.

Hier eine Kurzbewertung der Ergebnisse vom vergangenen Freitag.

Handelsstreit – die Glorifizierung eines Landwirtschaftsabkommens und die Wählerbasis

Wie oft hat Trump seinen Stolz auf den Plastik-Deal oder partiellen Deal im Handelsstreit zum Ausdruck gebracht – dass die US-Landwirte 40 bis 50 Billionen Doller an landwirtschaftlichen Gütern an die Chinesen liefern können? Mehrmals, auch wenn es gar nicht zur Frage von Journalisten passte. Das sei das zwei- bis dreifache des normalen Handels und sogar noch mehr, bezogen auf den jetzigen Stand von 8 Milliarden Dollar. „Ob das die US-Landwirte überhaupt schaffen können? Sie müssen Überstunden machen und vielleicht sogar doch Land dazukaufen, was gut wäre und John Deere würde auch ein Geschäft machen“.

Immer und immer wieder diese Phrase wiederholend, bezog sich Donald Trump auf seine Stammwähler im Mittleren Westen und Bundesstaaten wie Michigan, Oklahoma oder Iowa, als ob diese Handelsvereinbarung das große Ding wäre. Ein Deal in der Landwirtschaft, die gerade mal 0,9 bis 1,0 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten beiträgt.

Wie hat denn der ganze Handelsstreit begonnen? Mit Zöllen auf Stahl und Aluminium vor eineinhalb Jahren, mit der Absicht die alte Industrie und deren Arbeitsplätze in die USA zurückzuholen. Dann die ständigen Drohungen an die EU und speziell an Deutschland mit Zöllen für die Automobilindustrie. Es ist Trumps zweites großes Anliegen, nämlich die Fabriken in Detroit und Umgebung zu reanimieren. Donald Trump ist ein Verfechter der Industrie aus den 1980-ern und der Bann von Huawei dient insbesondere als Druckmittel, um seine Handelsforderungen durchzusetzen. Waren es zuerst Spionagevorwürfe, so spielen diese derzeit keine Rolle mehr.

Phase I des Deals

In diesem lange diskutierten Vorabkommen gibt es natürlich noch weitere Optionen und Absichtserklärungen. China ist anscheinend bereit sein Land künftig für Banken und Dienstleister zu öffnen. Auch in Frage der Währungsmanipulation hat man sich anscheinend auf einen Kompromiss geeinigt. Der US-Präsident hofft, dass er das erste Teilabkommen Mitte November am Rande des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgipfels in Chile Mitte November zusammen mit Chinas Präsident Xi Jiping unterzeichnen kann.

Dazu müsste es aber erst noch zu Papier gebracht werden.

„Wir sollten das in den nächsten vier Wochen schaffen“, so die Worte Trumps.

 

Der taktische Schachzug im Handelsstreit

Trump hat mit diesem partiellen Deal folgendes erreicht: Zunächst hat er eine Eskalation abgewendet, indem er die Anhebung der Zölle ab 15. Oktober ausgesetzt hat – das Basisszenario für die Märkte. Dann gab er den Märkten die Hoffnung, dass es mit Phase zwei in vier Wochen zu weiteren Ergebnissen im Handelsstreit kommen könne, ob dies realistisch ist oder nicht. Drittens schiebt er kräftig weiter an mit Forderungen an die Federal Reserve mit einer Zinssenkung Ende Oktober. Dies und das von der Fed angekündigte Anleihekaufprogramm in Höhe von 60 Milliarden Dollar (kurzlaufende T-Bills, offiziell kein Q4) monatlich tun das Übrige im Hinblick auf die monetäre Versorgung der Märkte. Alles in allem eine Strategie, die dazu dient, die so wichtigen Aktienmärkte weiter oben zu halten. Da kann man tiefsinnig philosophisch sehr viel darüber nachdenken und diskutieren, ob das Ganze Sinn macht, aber das Entscheidende ist doch, ob die Märkte kurzfristig daran glauben.

Eine große Rolle dürfte bei diesem Konstrukt auch der ehemalige Goldman Sachs-Direktor und Hedgefonds-Manager Steven Mnuchin gehabt haben, der sich damit bestens auskennt.

Der Vorteil an Trump ist oftmals, dass er sofort ausspricht, was er denkt, ohne sich vorher über etwaige Folgen Gedanken zu machen. Er sprach in dem Presseauftritt davon, dass die Aktienmärkte derzeit fallen, wenn es schlechte Nachrichten gäbe und sie würden bei guten steigen – beides hänge immer mehr mit dem Handelsstreit zusammen. Das würde ihm gefallen. Ein Wink mit dem Zaunpfahl, eigentlich nichts Neues, denn der Präsident hat bisher jedes Mal per Twitter interveniert, wenn es mit den Kursen nach unten ging. Darüber habe ich schon vor Wochen einen Artikel geschrieben, mit dem Titel „Shortprodukte, derzeit gefährlich wie selten“.

Sehr interessant war die Reaktion des Dow Jones in den letzten 30 Handelsminuten am Freitag. Nachdem durchgesickert war, das es nur eine Aussetzung der Zollanhebungen Mitte Oktober geben werde und keine Zurücknahme der bestehenden, kam es zu 200 Punkten an Gewinnmitnahmen. Die Märkte wollen mehr.

 

Fazit

Wenn man sich das ganze Schauspiel im Handelsstreit seit gut 18 Monaten betrachtet, so fällt auf: Dem US-Präsidenten geht es primär eigentlich um das Thema, welches er schon 1987 in einem Interview mit Larry King zum Besten gab. Die USA würden von anderen Ländern über den Tisch gezogen, das müsse sich endlich ändern, das schreckliche Handelsbilanzdefizit abgebaut werden. Es verschwünden Arbeitsplätze aus Amerika und dies habe zu einer Deindustrialisierung geführt. Um das zu ändern, sei er angetreten: „Make America great again, oder America First“, lautet sein Motto. Das hat er seinen Wählern im Mittleren Westen versprochen, das Thema Vorherrschaft in der Welt ist dabei zunächst ein sekundäres, es kann sich auch aus bereits beschriebenen Gründen erst nach der zweiten Amtszeit Trumps materialisieren. Aber es müsste eigentlich lauten:

„Trump First, dann die Familie und deren Geschäfte und dann das Land“ – und das bedeutet in erster Linie, dass Donald Trump wiedergewählt werden will. Wer eine andere Reihenfolge annimmt, ignoriert die Fakten.

Für sein Vorhaben braucht er eine stabile Wirtschaft, hohe Aktienkurse und seine Wählerbasis. Ob das gesamtwirtschaftlich großen Sinn ergibt, steht erst einmal auf einem anderen Blatt. So hangelt er sich von Monat zu Monat, immer in dem Spagat der „Demonstration der Stärke“ und der Abhängigkeit von der Wirtschaft. In jüngster Zeit wurden die Folgen der Zollpolitik immer signifikanter, deshalb auch die vorweihnachtliche Phase der Deeskalation.

Deshalb dürfte das Gezerre um ein Abkommen zwischen den Kontrahenten weitergehen, aber immer unter Berücksichtigung des ganz großen Zwischenziels. Eine Lösung im Handelsstreit is es beileibe nicht.

Allerdings muss man dieser Logik folgend, nichts Gutes für die Verhandlungen über die Autozölle mit der EU erwarten. Wie schimpft Donald Trump schon seit Jahren: „Ich hasse es, diese Mercedes Benz auf der Fifth Avenue zu sehen!“

In seiner Familie gab und gibt es allerdings eine Reihe von Automobilen mit dem Stern, typisch Trump halt.

 

Waffenstillstand im Handelsstreit - aber wie lange hält er?

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Trump und die Wall Street! Videoausblick

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Was ist der Unterschied zwischen der Wall Street und Trump? Die Wall Street hängt die Erwartungen so weit nach unten (bei den Quartalszahlen dre US-Konzerne), dass ein Überbieten dieser so stark abgesenkten Erwartungen leicht ist – und die Märkte dann über eben diese Überbietung jubeln können. Bei Trump passiert oft – so auch am Freitag – das Gegenteil: er hängt die Erwartungen extrem hoch, um sie dann krachend zu unterbieten. Denn der vermeintliche Deal mit China ist nicht mehr als eine hastig gestrickte Absichtserklärung, deren Halbwertszeit so oder so begrenzt sein dürfte. Die Zölle bleiben bestehen, eine weitere Eskalation derzeit nicht im Interesse Trumps – aber die Konflikte der beiden Großmächte (Hongkong, Uiguren, Iran, Huawei etc.) werden sich nicht in Luft auflösen, sondern vielmehr zeitnah wieder aufbrechen..

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US-Notenbank Fed startet Anleihekaufprogramm

Seit Beginn der akuten Notfallmaßnahmen am 17. September zur Abwendung des Kollapses des US-Dollar Repo-Marktes hat die Fed ihre Bilanz bis zum 9. Oktober bereits um über 190 Mrd. US-Dollar ausgeweitet

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Im Volumen von ca. 60 Mrd. US-Dollar pro Monat will die US-Notenbank Fed bis mindestens zum zweiten Quartal 2020 US-Staatsanleihen mit kürzerer Laufzeit erwerben. Darüber hinaus werden die Interventionen am Repo-Markt fortgesetzt.

 

US-Notenbank Fed druckt bereits dreistellige Milliardenbeträge

Am Freitagabend veröffentlichte die US-Notenbank im Schatten der Berichterstattung um die Zollverhandlungen zwischen China und den USA in Washington eine Presseerklärung, in der sie den Beginn eines neuen Kaufprogramms für US-Staatsanleihen bekannt gibt. Ab dem 15. Oktober sollen US-Schatzwechsel (T-Bills) in einem Anfangsvolumen von 60 Milliarden US-Dollar pro Monat gekauft werden.

Die Kaufsumme wir den Marktbedürfnissen angepasst und an jedem neunten Bankarbeitstag des Monats erneut veröffentlicht. Die Anleihekäufe sollen bis mindestens zum zweiten Quartal 2020 fortgeführt werden. Über ihre Website und via Twitter teilte die Fed mit, dass darüber hinaus auch die seit Mitte September laufende Liquiditätsunterstützung des Repo-Marktes fortgesetzt wird. Im Detail stellt die Fed für über Nacht Repo-Geschäfte an jedem Bankarbeitstag 75 Mrd. US-Dollar zur Verfügung. Darüber hinaus werden zweimal pro Woche länger laufende Wertpapierpensionsgeschäfte im Volumen von jeweils 35 Mrd. US-Dollar durchgeführt.

Seit Beginn der akuten Notfallmaßnahmen am 17. September zur Abwendung des Kollapses des US-Dollar Repo-Marktes hat die Fed ihre Bilanz bis zum 9. Oktober bereits um über 190 Mrd. US-Dollar ausgeweitet.

 

Im Zuge des jetzt verlautbarten Maßnahmenkatalogs wird die US-Notenbank dem Geld- und Staatsanleihenmarkt pro Monat in Summe ca. 205 Mrd. US-Dollar zur Verfügung stellen. Zum Vergleich umfasst das QE-Programm der EZB, das am 1. November startet, zunächst nur 20 Milliarden Euro bzw. 22 Milliarden US-Dollar pro Monat.

Ziel der Maßnahmen sei es, so die US-Notenbank, die Liquiditätsreserven der Banken mittels des frisch geschöpften Geldes wieder auf den Stand vor den Verspannungen am Geldmarkt zu hieven. Faktisch ist der private Geld- und Kapitalmarkt mit der Emissionsflut an US-Staatsanleihen überfordert und wäre ohne das neuerliche digitale Gelddruckprogramm der Fed bereits Mitte September kollabiert.

 

QE, or not QE?

Umso erstaunlicher ist es, dass die US-Notenbank sich weigert anzuerkennen, dass sie bereits mitten drin steckt in einem neuen QE-Programm. „QE“ steht für Quantitative Easing, was übersetzt mengenmäßige Lockerung bedeutet. Damit ist die Erhöhung der Geldmenge durch die US-Notenbank Fed gemeint, die über das US-Dollar Geldschöpfungsprivileg verfügt.

Durch das Erzeugen neuer Dollars und den Ankauf von Staatsanleihen wird faktisch die US-Dollar Geldmenge erhöht und die Fed-Bilanz ausgeweitet, ergo handelt es sich um ein QE-Programm. Die Fed versucht, den Stress am Repo-Markt als technische Verspannung darzustellen, was aber nicht der Realität entspricht. Eine Repo-Transaktion (Sale and Repurchase Agreement), auch Repo genannt, ist ein Vertrag, bei dem der Verkäufer Staatsanleihen an den Käufer verkauft und sich gleichzeitig verpflichtet, dieselben Staatsanleihen zu einem späteren Zeitpunkt zurückzukaufen. Dabei zahlt er den gleichen Preis wie beim ursprünglichen Verkauf, jedoch zuzüglich Zinsen für den während der Laufzeit erhaltenen Barbetrag. Der Repo-Markt hat für die zur Verfügungstellung von Liquidität für den Staatsanleihenmarkt eine große Bedeutung. Weil im Zuge der Liquiditätsaustrocknung ab Mitte September nicht mehr ausreichend Anleihe-Käufer am Markt vorhanden waren, schoss der Repo-Zins kurzfristig intraday auf über 10 Prozent nach oben und drohte die Nachfrage nach US-Staatsanleihen auszutrocknen und Banken in Geldnot zu bringen. Nur durch die anhaltende und massive Liquiditätsflutung des Marktes mit frisch „gedruckten“ Dollars gelang es, den Repo-Zins aktuell wieder auf 1,91 Prozent abzusenken.

Nur so konnte ein Übergreifen der Liquiditätskrise auf den internationalen Geldmarkt und andere Wertpapiermärkte verhindert werden, wobei die Welt durch einen technischen Fehler beim Handelsdesk der mit den Offenmarktgeschäften betrauten New Yorker Fed nur knapp einer Katastrophe entgangen ist.

 

Der Staat braucht Geld, die Fed erzeugt es

Egal, wie die Fed ihre jüngsten Maßnahmen benennt, so handelt es sich faktisch doch um eine Erweiterung ihrer Bilanz. Dafür werden neue Dollars aus dünner Luft geschaffen und nachfragewirksam in den Repo- und Staatsanleihenmarkt gepumpt. Damit ist die Definition von Quantitative Easing eindeutig erfüllt. In Anbetracht des weiter steigenden Refinanzierungsbedarfs des Staates, der Unternehmen sowie der Verbraucher war es nur eine Frage der Zeit, bis die Fed als Gläubiger der letzten Instanz erneut in den Markt eintreten muss, so wie alle Zentralbanken der westlichen Hemisphäre.

Der Refinanzierungsbedarf allein der US-Bundesregierung wird vom Congressional Budget Office (CBO) der USA für das laufende Fiskaljahr auf 1.200 Mrd. US-Dollar geschätzt. Das sind 240 Mrd. US-Dollar oder 25 Prozent mehr als im Fiskaljahr 2018/2019. Dies entspricht einem Staatsdefizit gemessen am Bruttoinlandsprodukt von ca. 4,8 Prozent (Maastricht-Kriterium sind 3 Prozent). Die Schuldenquote liegt gemessen am BIP aktuell bei 106 Prozent. Ab einem Verschuldungsgrad von 80 Prozent gemessen am BIP sprechen Ökonomen von Überschuldungstendenzen. In der Konsequenz belaufen sich die Zinszahlungen aus den US-Bundesschulden auf mittlerweile 372 Mrd. US-Dollar pro Jahr.

Die Staatsverschuldung der USA liegt aktuell bei 22,8 Billionen US-Dollar, die Gesamtverschuldung bei 73,98 Billionen US-Dollar. Die daraus resultierende gesamte Zinsbelastung beläuft sich auf 3,54

Billionen US-Dollar pro Jahr. Die jährlichen Kreditkosten entsprechen damit 17 Prozent des US-BIP in Höhe von 20,5 Billionen US-Dollar. Ohne ein permanent laufendes QE-Programm und weiter fallende Zinskosten ist diese Schuldenlast im Verhältnis zum BIP dauerhaft nicht mehr finanzierbar.

Fazit und Bedeutung für die Märkte

An Hand der Dimensionen des Refinanzierungsbedarfs und der Dynamik der Schuldenexpansion, allein auf staatlicher Ebene, wird deutlich, dass es sich nicht um ein temporäres oder technisches Problem am Geldmarkt handelt, sondern um ein handfestes Überschuldungsproblem, dessen die Fed mittels Bilanzausweitung versucht, Herr zu werden. Bereits seit Ende Juli bedient sich die US-Notenbank dazu erneut des Instruments der qualitativen Geldpolitik, also Zinssenkungen. So kontrolliert sie den Zins für kurzfristige Darlehen.

Mittlerweile ist es für die US-Volkswirtschaft gleichwohl von essenzieller Bedeutung, den Zins auch für länger laufende Verbindlichkeiten signifikant zu senken. Dieser Kapitalmarktzins, der sich an den Zinsen für Staatsanleihen orientiert, ist die Grundlage für Darlehen an Unternehmen, Häuslebauer, Konsumenten und Studierende. Um den Kapitalmarktzins ebenfalls zu senken, wird die Fed in Zukunft mit sukzessive steigendem Volumen Schuldverschreibungen längerer Laufzeiten und weniger bonitätsstarker Schuldner aufkaufen. Andere Zentralbanken, wie die Bank of Japan, bedienen sich bereits permanent des Instruments der quantitativen Geldpolitik.

Für reale Vermögenswerte, wie Aktien, Immobilien und Rohstoffe/Edelmetalle bedeutet der Start des massiven QE-Programms der US-Notenbank eine nachhaltig preistreibende Wirkung und die Fortsetzung der liquiditätsgetriebenen Hausse, respektive Blase. Die Verwässerung der US-Dollar Geldmenge bei gleichzeitig sinkenden Zinsen verringert im Gegenzug die Attraktivität der Weltleitwährung US-Dollar. Zu den generellen Risiken und Nebenwirkungen dieser extrem laxen Geldpolitik hält Sie Finanzmarktwelt.de permanent auf dem Laufenden.

Die US-Notenbank Fed erweitert wieder ihre Bilanzsumme

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