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Dax: Extrem negative Stimmungslage, aber keine Panik

Dax: Extrem negative Stimmungslage, aber keine Panik

Trotz der vielen negativen Entwicklungen der abgelaufenen Woche schrieb der DAX KEIN neues Korrekturtief. Ein solches Verhalten wird häufig dahingehend gedeutet, dass alle negativen Entwicklungen von Anlegern bereits befürchtet wurden und im derzeitigen Aktienmarktniveau enthalten sind. Es besteht damit die Möglichkeit, dass wir derzeit eine Bodenbildung sehen. Der DAX notiert im Wochenvergleich fast unverändert, obwohl wir im Verlauf der Woche heftige Schwankungen gesehen haben.

DAX – Anleger schlecht gelaunt, aber keine Panik mehr

Das Anlegersentiment ist von -6,5% in der Vorwoche auf -4,2% in dieser Woche angestiegen. Damit sind Anleger weiterhin extrem schlecht gelaunt, doch immerhin herrscht keine Angst und Panik mehr.

Mit einem Wert von -3,8% ist auch die Verunsicherung unter unseren Umfrageteilnehmern weiterhin extrem groß. Doch auch hier hat sich im vergleich zur Vorwoche eine leichte Verbesserung eingestellt (Vorwoche -5,8%).

Vor dem Hintergrund dieser Stimmungsentwicklung überrascht die Erwartungshaltung. Nach +1,0% in der Vorwoche sackte der Zukunftsoptimismus diese Woche auf -0,6% ab. Pessimisten sind in der Überzahl. Mehrheitlich werden weiter fallende Kurse beim DAX für die kommenden drei Monate befürchtet.

Die Investitionsbereitschaft ist auf +1,7% angestiegen (Vorwoche +1,4%). Bei der negativen mittelfristigen Erwartungshaltung gibt es zwei Interpretationsmöglichkeiten: Entweder Anleger möchten nur sehr kurzfristige Spekulationen eingehen, sozusagen auf eine Erholungsbewegung im Bärenmarkt setzen. Oder aber Anleger richten sich auf einen länger anhaltenden Bärenmarkt ein und investieren in Finanzprodukte, die auf fallende Kurse setzen (Puts oder entsprechende Derivate).

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger pendelt um die Nulllinie. Auf dem aktuellen Kursniveau fühlen sich Privatanleger offensichtlich ausreichend abgesichert, denn in den vergangenen Wochen wurden viele Absicherungsgeschäfte eingegangen. Gleichzeitig besteht offensichtlich auch wenig Hoffnung auf steigende Kurse, denn es werden wenig Spekulationen auf steigende Kurse eingegangen.

Institutionelle Anleger, die sich über die Eurex absichern, sind da schon bullischer gestimmt: Das Put/Call-Verhältnis notiert mit einem Wert von 0,4% auf dem niedrigsten Niveau der vergangenen Monate. Es werden also verstärkt Call-Optionen gekauft (stehen im Nenner der Gleichung). Institutionelle Anleger setzen also auf steigende Kurse in den kommenden Wochen.

Das Put/Call-Verhältnis der CBOE ist ebenfalls rückläufig, zeigt also zunehmendes Interesse an Spekulationen auf steigende Kurse, wenngleich das Niveau in den USA noch nicht mit dem in Deutschland vergleichbar ist. Der Wert von 0,65 (andere Berechnungsmethode als bei der Eurex) liegt eher im Mittel der vergangenen Monate.

US-Fondsmanager bleiben bei der rekordverdächtig niedrigen Investitionsquote von nur 27%.

US-Privatanleger sind extrem pessimistisch gestimmt. Das Bulle/Bär-Verhältnis zeigt einen Wert von -35% an: Pessimisten, bzw. Bären, sind deutlich in der Überzahl. Während 53% der US-Privatanleger pessimistisch gestimmt sind, verbleiben nur 18% optimistisch. Zumindest unter den Privatanlegern in den USA lassen sich somit schon wieder Extremwerte ablesen.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit 45% moderate Angst an.

Interpretation der Stimmung gegenüber dem DAX

Wir sind zwar weit entfernt von Angst und Panik, dennoch bleibt die Stimmung unter den Anlegern weiterhin deutlich negativ. Eine negative Stimmung trotz negativer Ereignisse und trotz steigender Kurse spricht dafür, dass sämtliche Hiobsbotschaften bekannt sind. Es fällt schwer, auf Basis dieser Stimmungslage weiter fallende Kurse beim DAX zu prognostizieren.

„Unternehmen sind nicht insolvent, sie hören nur auf zu verkaufen“, so Habeck. Wer im Winter kein Gas hat, muss nicht unbedingt frieren. Er hört nur auf zu heizen. Und wenn die Aktienmärkte steigen, dann gewinnen sie nicht unbedingt. Sie hören nur auf zu fallen. Also irgendwie leben wir in einer verdrehten Welt.

Um es also konkret zu machen: Die Erholung, auf die viele institutionelle Anleger offensichtlich spekuliert haben, ist unterwegs. Aus der Sentiment-Theorie lässt sich derzeit kein extrem großes Ungleichgewicht mehr ableiten. Es ist also durchaus möglich, dass die Erholung sehr schnell ausläuft. Damit ist weiterhin alles möglich: Eine fortgesetzte Bodenbildung im DAX um 12.400 bis 12.600 Punkte, ein Abtauchen auf neue Tiefs, als auch ein Überspringen wichtiger Widerstände bei 13.000 bis 13.100 Punkte. Die Richtungsentscheidung steht aus.

Ölmarkt

Am Ölmarkt sehen wir hingegen Extremwerte: Der 5-Wochen-Durchschnitt unseres Sentiments zeigt eine extrem pessimistische Verfassung. Sowohl die kurzfristige Stimmung als auch die Zukunftserwartung notieren auf extrem negativem Niveau und sprechen für Angst und Panik am Ölmarkt. Die durch die OPEX+ diese Woche beschlossene Förderkürzung um 100.000 Fässer am Tag wird da sicherlich beigetragen haben. Der Ausverkauf am Ölmarkt dürfte damit vorläufig seinen Zenit überschritten haben, eine Gegenbewegung im Ölpreis ist nun aus Sicht der Sentimenttheorie gut möglich.

Hinweis: Bei aktiver Beteiligung (https://www.animusx.de/) an den wöchentlichen Umfragen erhalten Sie die Ergebnisse (Grafiken nebst schriftlicher Auswertung) kostenlos.

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1 Kommentar

  1. m E. handelt es sich um eine *Reverse-Panik*. Panik ist zwar da, trotzdem wollen die Aktienleute noch mitnehmen was geht. setzt der Abschwung ein, geht’s dann Ratz fatz

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