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Die große Wochenanalyse Dax massiv überkauft am Widerstand – Jetzt short? (Video)

Dax massiv überkauft am Widerstand - Jetzt short?

Der Dax hat die abgelaufene Woche erneut mit einem Zugewinn beendet und seine Serie auf acht positive Wochen in Folge ausgebaut. Angesichts der heftigen Rally von rund 2.700 Punkten ist der deutsche Leitindex massiv überkauft, und manch ein Indikator wie beispielsweise der RSI am Anschlag.

Neben den nachlassender Zins- und Rezessionssorgen befeuert ebenfalls ein großer Short-Squeeze die beeindruckende Erholung. Sowohl die letzte Fed-Sitzung als auch das jüngst veröffentlichte FOMC-Protokoll haben die Annahme verstärkt, dass die US-Notenbank künftig das Zinserhöhungstempo drosselt. Hinzu kommt, dass die Inflation in den USA zurückgeht und ihren Höhepunkt in diesem Zyklus überwunden haben dürfte. Hierzulande schürt zudem der wichtigste deutsche Frühindikator, der Ifo-Geschäftsklimaindex, die Hoffnung auf eine milde Rezession.

Trotz der Rally-Fortsetzung in der zurückliegenden Woche gibt es erste technische Warnsignale. Nach den äußerst positiven Vorwochen ging dem Dax offenkundig die Puste aus. Der Unterschied zu den Vorwochen ist, dass der deutsche Leitindex seinen Anstieg zwar fortsetzte, dies aber unter dünnstem Volumen tat. Das Handelsvolumen hat sich schon vor dem Feiertag in den USA fast halbiert, was nicht gerade für anhaltendes Momentum spricht.

Ausbruch aus der Seitwärts-Range

Die Bullen haben dennoch ihre Chance genutzt und den Dax endlich über den hartnäckigen Widerstand bei rund 14.450 Punkten gehievt. Damit ist der Ausbruch aus der seit zwei Wochen andauernden Seitwärts-Range gelungen und das ohne die Hilfe der US-Börsen, die aufgrund des Thanksgiving-Feiertages am Donnerstag geschlossen blieben und am Freitag nur verkürzt gehandelt haben. Charttechnisch ist der Sprung über die Hürde bei 14.450 Punkten ein Befreiungsschlag, der zusätzliches Aufwärtspotenzial bis mindestens 14.600 und 14.709 Punkten freisetzt. Auch eine Übertreibung bis an die Abrisskante bei 14.819 Punkten bzw. der runden 15.000-er Marke wäre denkbar. In Anbetracht des sehr dünnen Handelsvolumens und der Tatsache, dass die großen Investoren an den US-Börsen im Urlaub waren, hat der Ausbruch jedoch einen faden Beigeschmack.

Die Wahnsinns-Rally, die viele überrumpelt hat

Insgesamt hat der Dax seit seinem Tief Ende September rund 23 Prozent zugelegt und das nahezu ohne Pause. Viele Händler, vor allem die, die short positioniert waren, mussten sich gewiss das eine oder andere Mal die Augen reiben. Denn Ende November notiert der deutsche Leitindex deutlich näher an seinem Allzeithoch als am Jahrestief. Dies in einem Jahr voller Probleme und einer bevorstehenden Rezession. Eine große Anzahl internationaler Investoren haben sich nach dem Beginn des Ukraine-Krieges und der aufkommenden Energiekrise aus dem Dax verabschiedet. Das Risiko einer tiefen Rezession war groß und machte deutsche und europäische Aktien unattraktiv. Infolgedessen fiel der Deutsche Aktienindex auf ein Jahrestief von 11.862 Punkten.

Doch als die Erholung begann, waren die Anleger nicht für steigende Kurse positioniert, im Gegenteil, das Gros der Marktteilnehmer wettete auf weiter fallende Kurse. Viele Profianleger wurden demnach auf dem falschen Fuß erwischt. Sie liefen Gefahr, den Kursen hinterher zu laufen und kamen allmählich an die Aktienmärkte zurück. Eine Mischung aus einem gewaltigen Short-Squeeze der eher seltenen Art sowie der Angst, die Rally zu verpassen (FOMO) haben die Erholungsrally immer weiter angetrieben.

Knapp acht Wochen später steht der deutsche Leitindex rund 2.700 Punkte höher. Am Freitag erreichte er ein Tageshoch bei 14.571 Punkten und beendete die Handelswoche schließlich bei 14.541 Zählern. Damit bleibt der Aufwärtstrend im Dax auch nach acht Wochen mit Kursgewinnen weiter intakt. Allerdings ist das deutsche Börsenbarometer nach der massiven Rally stark überkauft. Indikatoren wie der Relative-Stärke-Index deuten nicht nur auf eine massive Überkauftheit hin, sondern zeigen auch eine bärische Divergenz auf. Eine bärische Divergenz tritt ein, wenn die Kurse höhere Hochs erreichen, während der Verlauf des RSI-Indikators sinkt und auf einem niedrigeren Niveau verbleibt. Im Normalfall bildet sich die bärische RSI-Divergenz an Hochpunkten einer Aufwärtsbewegung und gilt daher als Umkehrmuster.

Wochenanalyse: Deutscher Leitindex nach 2.700-Punkte-Rally überkauft

Dax-Chart von TradingView

Dax: Noch keine Umkehrsignale, aber die Luft wird dünner

Das Wochenhoch markierte der Dax am Donnerstag und Freitag bei 14.570 bzw. 14.571 Punkten, damit hat er kurzfristig ein Doppeltop gemacht. An dieser Marke liegt auch das statistische Ziel einer Descending-Broadening-Wedge-Formation, das punktgenau angelaufen wurde. Die charttechnische Formation wurde bereits in einem Video von Projekt 30, das wir Ihnen vor zwei Wochen auf finanzmarktwelt.de vorgestellt haben, besprochen und die Ziele genannt. Wer damals reingeschaut und das auch so gehandelt hat, dürfte nun auf netten Kursgewinnen sitzen.

Wie Marius von Projekt 30 in seinem neuen Video zeigt, gibt es noch reichlich Ziele auf der Oberseite, die im besten Fall bis 15.100 Punkte reichen. Allerdings weist er auch darauf hin, dass jede der im Video genannten Zielmarken auf der Oberseite, wie beispielsweise das jüngst erreichte Ziel der DBW-Formation bei 14.570 Punkten, sich als Widerstand entpuppen kann, an dem eine Umkehr einsetzt. Vor allem der Bereich zwischen 14.570 und dem Verlaufshoch bei 14.709 Punkten (Juni-Hoch) ist ein Minenfeld, an dem eine deftige Konsolidierung starten kann. Aber schauen Sie selbst. Die große Dax-Analyse von Projekt 30 zeigt interessante Handelsszenarien auf und sollte Ihnen helfen, durch die herausfordernde Marktlage zu navigieren.

Nachdem sich die Rally zuletzt volumenmäßig ausgedünnt hat, könnte ein Volumensprung in der kommenden Woche für neue Impulse sorgen, in welche Richtung auch immer. Solange der Dax keine Umkehrsignale sendet, was er bislang nicht getan hat, ist mit weiteren Kursanstiegen zu rechnen. Insbesondere dann, wenn die Privatanleger weiterhin hohe Short-Quoten aufweisen. Ungeachtet dessen sollten Händler nach acht positiven Wochen in Folge langsam aber sicher Gewinnmitnahmen einkalkulieren.

Disclaimer

Die hier angewandte fundamentale und technische Analyse stellt keine Anlageberatung dar. Es handelt sich auch nicht um Kauf- oder Verkaufsempfehlungen von Wertpapieren und sonstige Finanzinstrumenten. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können eine individuelle Anlageberatung nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.



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