Devisen

Der Absturz der russischen Dollar-Reserven und Gold – gibt es einen Zussamenhang?

Der massive Rückgang der von Russland gehaltenen US-Staatsanleihen ist mittlerweile in allen Medien präsent - was aber steckt wirklich dahinter?

Ein Gastbeitrag von Thomas Müller

Der massive Rückgang der von Russland gehaltenen US-Staatsanleihen ist mittlerweile in allen Medien – von „Spiegel“ über die „Finanzmarktwelt“ bis hin zu sehr alternativen Medien. Auf dem Höchststand 2010 betrug der Bestand rund 176 Mrd. USD, im März 2018 waren es ohnehin nur noch 96,1 Mrd. USD, doch dann ging es in einem Rutsch nach unten, auf 48,7 Mrd. USD im April und auf 14,9 Mrd. im Mai.

Selbst im „Spiegel“ wird dabei unterstellt, dass Russland die Anleihen ganz bewusst als Warnsignal an die USA veräußert hat, um so die USA in Bezug auf die Sanktionen unter Druck zu setzen. Und je „alternativer“ ein Medium ist, desto klarer ist ohnehin, dass der Stratege Putin überlegt und überlegen agiert und keineswegs nur reagiert. Mitunter wird dabei die These aufgestellt, Russland wende sich vom USD ab und kaufe stattdessen Gold. Die Aussage ist zwar nicht komplett falsch; die Goldbestände der russischen Zentralbank sind gestiegen. Allerdings steigen die Goldbestände seit 2007 recht stetig und es wurde in den letzten Monaten nicht verstärkt Gold gekauft. Tatsächlich hat der gesamte Goldbestand der russischen Zentralbank lediglich einen Wert von rund 77,4 Mrd. USD und ist durch den sinkenden Goldpreis zuletzt sogar gefallen. Das widerspricht damit klar der These, dass US-Staatsanleihen im Volumen von 82 Mrd. USD verkauft wurden, um davon Gold zu kaufen.

Während der Zusammenhang zwischen den Beständen an US-Staatsanleihen und Gold bei der russischen Zentralbank also de facto nicht vorhanden ist, gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen den gehaltenen US-Staatsanleihen und dem Rubel-Wechselkurs. Seit Jahresanfang hat der Rubel gegenüber dem USD um 16% abgewertet, eine besonders heftige Bewegung gab es dabei vom 4. bis zum 10. April, also genau in dem Monat, in dem 47,1 Mrd. USD US-Staatsanleihen verkauft wurden. Die starke Wechselkursbewegung spricht deutlich für Kapitalflucht. Offenbar wurden große Volumina an russischen Rubeln in USD gewechselt und die russische Zentralbank hat versucht, die rasante Abwärtsbewegung durch den Verkauf von USD zu stoppen – was im April und Mai auch zunächst gelungen ist. Durch die Verkäufe konnte der Wechselkurs zunächst noch halbwegs stabil gehalten werden. Ende Juni lagen die Bestände unverändert bei 14,9 Mrd. USD, interessant werden dann die Juli- und August-Daten. Die jüngste Abwertung seit Ende Juli könnte ein Zeichen dafür sein, dass die russische Zentralbank dem erneuten Abwertungsdruck nichts mehr entgegensetzen kann.


Foto: http://kremlin.ru/events/president/news/50351/photos; https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.en



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