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Aktien

Der Crash am Aktienmarkt ist Gift für die US-Wirtschaft

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Die Skyline von New York - ein Crash am Aktienmarkt ist im Gange

Seit dreieinhalb Wochen befindet sich der Aktienmarkt im Abschwung. Heute Morgen tauchten wichtige Indizes sogar kurzfristig ins Bärenmarkt-Terrain ein und erlebten einen regelrechten Crash. Speziell in den USA wird die Vernichtung von Vermögenswerten in dieser Dimension zu einem Risiko für die Realwirtschaft. Die Geld- und Fiskalpolitik muss schnell reagieren, um eine Abwärtsspirale zu verhindern.

Der Crash am Aktienmarkt droht eine Rezession auszulösen

Wie heißt es so schön: Da hat man schon kein Glück und dann kommt noch Pech dazu. Als hätte die Welt nicht schon genug Probleme mit der Coronavirus-Epidemie, der globalen Überschuldung, den Handelskriegen sowie diversen Vermögenspreisblasen, kommt nun auch noch der Ölkrieg als Belastungsfaktor oben drauf. Für die Aktienmärkte ist dieser giftige Cocktail schlicht zu viel und die Märkte verlieren so stark und so schnell an Wert, wie zuletzt während der Finanzkrise. Beim deutschen Leitindex DAX ist der heutige Tagesverlust sogar der größte seit dem Crash im Jahr 2001.

Der amerikanische Aktienindex Dow Jones Industrial Average tauchte heute Morgen sogar ins Bärenmarkt-Terrain ab, verlor also mehr als 20 Prozent gegenüber den erst jüngst erreichten Höchstständen vom 12. Februar 2020. Wie es nun weitergeht, hängt primär von den Maßnahmen der Geld- und Fiskalpolitiker ab. Von unbürokratischen Überbrückungskrediten für Unternehmen bis bin zu massiven Zinssenkungen und der Liquiditätsflutung der Märkte ist alles denkbar und hilfreich, um die Spirale aus schlechten Nachrichten und abstürzenden Kursen, die wiederum schlechte Nachrichten erzeugen, zu durchbrechen.

Wehe, der US-Konsument verliert das Vertrauen in die „Greatest Economy in History“

Wie gefährlich das Ausbluten der Aktienmarktwerte für die US-Wirtschaft ist, erläuterte kürzlich der Analyst und Gründer der Investment-Firma FFTT, LLC anhand der Auswirkungen auf die Verbraucherausgaben in den USA. Fast zwei Drittel der gesamten US-Wirtschaft bestehen aus Konsum. Und dieser Konsum ist abhängig vom Wohlstandsgefühl und der Fähigkeit der Verbraucher, ihre aufgeblasenen Vermögenswerte zu beleihen und ihrer Bereitschaft, die eigene Verschuldung noch weiter nach oben zu treiben.
Gromen rechnet vor, dass die Nettokapitalgewinne zuzüglich steuerpflichtiger Ausschüttungen aus den in den USA sehr stark verbreiteten, steuerlich privilegierten Aktiensparplänen, bekannt als 401(k), ca. 200 Prozent des jährlichen Wachstums der persönlichen Konsumausgaben in den USA ausmachen.

Das bedeutet zwar nicht automatisch, dass die Amerikaner von ihren Aktiensparkonten regelmäßig Geld für den Konsum extrahieren, aber der Vermögenszuwachs spielt eine große psychologische Rolle bei dem Vertrauen in die Konjunktur und die eigene finanzielle Zukunft. Gromen argumentiert, dass die US-Wirtschaft „mathematisch nicht steigen kann, wenn die Vermögenspreise fallen“. Genau das tun die sie aber momentan, und zwar sehr massiv. Die in Kürze wieder zur Veröffentlichung anstehenden Verbrauchervertrauensindizes und Einzelhandelsumsätze werden erste Spuren der fallenden Aktienpreise aufweisen. Doch mit jedem Tag, den Dow Jones & Co. fallen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer konsuminduzierten Rezession in den USA.

Weitere negative Auswirkungen durch den Crash

Neben dem Verbraucher leiden aber auch andere Wirtschaftssubjekte unter dem Crash. Im Zuge der Panik steigt die Risikoaversion deutlich an. Die Bereitschaft, Unternehmen mit geringer Bonität Geld zu leihen, nimmt im Gegenzug deutlich ab. Die Aktivitäten im Bereich Mergers & Acquisitions (M&A) sind stark rückläufig, ebenso wie die Bereitschaft der Manager, Aktien der eigenen Unternehmen zurückzukaufen. Obwohl Letzteres zu den momentan günstigeren Preisen mehr Sinn machen würde als noch vor drei Wochen. Aber die Verunsicherung ist eben allgegenwärtig – auch in den Teppichetagen der Aktiengesellschaften. Besonders gefährlich ist der Stress im US-Bankensystem. Erst heute Morgen sah sich die US-Notenbank Fed gezwungen, ihre Liquiditätsspritzen für den Repo-Markt wieder drastisch auszuweiten. Die über Nacht zur Verfügung gestellte Geldmarktliquidität wurde von 100 auf 150 Mrd. US-Dollar erhöht. Die länger laufenden Repo-Geschäfte unterstützt die Fed nun mit 45 statt zuvor nur 20 Mrd. US-Dollar.

Außerdem drohen durch den Einbruch beim Ölpreis nun reihenweise Firmenpleiten im US-Fracking-Sektor und damit einhergehend massive Kreditausfälle. Dies würde den Zugang zu den Kapitalmärkten für alle Unternehmen erschweren. Die Spreads zwischen US-Staatsanleihen und US-Unternehmensanleihen geringerer Bonität (BBB) haben sich bereits massiv ausgeweitet, was die Fremdkapitalkosten signifikant erhöht. Für Firmen, die schon bisher kaum in der Lage waren, ihre Fremdkapitalkosten zu verdienen, ist der jetzige Crash und seine Folgen existenzbedrohend.

Die bisher von der Fed ergriffenen Maßnahmen werden daher nicht ausreichen, um die Märkte zu beruhigen und das Überschwappen der Panik an den Finanzmärkten auf die Realwirtschaft zu verhindern. Die Marktteilnehmer gehen mittlerweile laut dem Wirtschaftssender CNBC zu 76 Prozent von einem Absenken des US-Leitzinses auf 0-0,25 Prozent noch im März aus. Gut ein Sechstel der Marktteilnehmer erwartet bis Juli dieses Jahres sogar Negativzinsen.

Fazit und Ausblick

Bislang schien der US-Aktienmarkt immun zu sein gegen die realen Belastungsfaktoren von Coronavirus bis Handelskrieg. Doch seitdem die Seuche amerikanischen Boden erreicht hat und die ökonomischen Auswirkungen langsam spürbar werden, macht sich Unsicherheit bezüglich der erhofften Unternehmensgewinne breit und dem aufgeblasenen Markt für Unternehmensanteile entweicht zügig heiße Luft. Durch den radikalen Verfall der Ölpreise und den Crash am Aktienmarkt droht über negative Vermögenseffekte für Konsumenten und den deutlich schwierigeren Zugang für Unternehmen zum Kapitalmarkt die Realwirtschaft signifikant in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Nun sind die Geld- und Fiskalpolitiker gefragt, mit geeigneten Maßnahmen gegenzusteuern. Dabei muss die Devise lauten: „Klotzen, nicht kleckern!“

22 Kommentare

22 Comments

  1. Avatar

    Macwoiferl

    9. März 2020 21:18 at 21:18

    Merke: Auf FMW gibt es zwei Fraktionen.
    Fraktion 1: Lasst den Märkten freies Spiel. Mit Korrekturen werden Fehlentwicklungen bereinigt.
    Fraktion 2: Greift ein, wenn es nach unten geht durch Notenbanken/Konjunkturprogramme/Staatshilfe/Schecks/Helikoptergeld.

    Fragen an Fraktion 2:
    Warum muss eine Wirtschaft IMMER wachsen?
    Warum muss ein Index IMMER nach oben gehen?
    Warum müssen Konsumenten auch ohne Arbeitsentgelt IMMER konsumieren müssen?
    Warum muss es IMMER so weitergehen wie bisher?

    Erklären Sie mir die Gesetze der Gestützten und Gelenkten Wirtschaft?
    Ich verstehe diese nicht!
    Erklären Sie mir, ob ich, wenn meine Wertanlagen einbrechen, Staatshilfe bekomme – und wo es diese gibt.
    Erklären Sie mir, wo ich Staatshilfe für Umsatzeinbußen beantragen kann?

    Wenn Sie mir all dies nicht erklären können, dann bitte:
    NERVEN Sie mich und andere Leser nicht mit Ihrem ewigen Mantra, dass die Geldpolitik es richten soll.
    Wir haben WIRTSCHAFT, nicht PLANWIRTSCHAFT!
    Danke!

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      NURZURERINNERUNG

      10. März 2020 02:28 at 02:28

      Ganz einfache Erklärung: Ohne Intervention „Sudden Death“ der überschuldeten Weltwirtschaft. Planwirtschaft ist längst Realität. Wenn Sie das nervt, bitte einfach weitersurfen.

      • Avatar

        Hesterbär

        10. März 2020 09:05 at 09:05

        @NURZURERINNERUNG
        Wenn jemand wie Sie nicht den Schneid hat, sich zu erkennen zu geben und – wie viele es hier machen – immer wieder unter neuen Kommentatornamen auftreten, ist das ja schon mal peinlich genug, oder?

        Ihre Erklärung ist zwar richtig, zeigt aber eben auch, dass Sie sich der verantwortungslosen Politik der Notenbanken nicht nur unterordnen und sie als gegeben hinnehmen, sondern die, die berechtigte Kritik daran üben, dann auch noch unterbuttern. Ich denke, Sie sind es, die weitersurfen sollten und zwar ohne solche dummen Kommentare zu hinterlassen.

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      Freiwirtschaftler

      10. März 2020 03:20 at 03:20

      @Macwoiferl, es gibt sogar drei bis vier Fraktionen. Die dritte ist die, die Fraktion 1 solange unterstützt, bis sie erkennt, dass zu viel freies Spiel an freien Märkten zu irreversiblen Fehlentwicklungen führen kann und muss. Die vierte ist die, die nach diesem Versagen jammert und heult und alle Schuld von sich weist, indem sie Schuldzuweisungen in längst vergangenen Konstrukten wie Kommunismus und Planwirtschaft sucht.
      Bitte!

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    frank

    9. März 2020 22:31 at 22:31

    Die FED schweigt, Trump schweigt, die EZB schweigt. Schon sehr erstaunlich und beängstigend. Wieso schweigen alle?

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    Hesterbär

    10. März 2020 01:51 at 01:51

    Berechtigte Fragen von @MACWOIFERL und @FRANK
    Die Notenbanker, Trump und unzählige andere Politiker und die ganze Bullen-Fraktion merken gerade, dass sich ihre Scheinwelt auflöst, sich ihre Reden als dummes Geschwätz entlarven und sie von der Realität eingeholt werden. Und wenn man darüber hinaus von marktwirtschaftlichen Zusammenhängen keine Ahnung hat, ist es für diesen Personenkreis in der Tat wirklich besser, einfach die Klappe zu halten, wenn man insbesondere bedenkt, welchen Schaden sie angerichtet haben.

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      sabine

      10. März 2020 13:05 at 13:05

      Ich glaub, die meisten wissen sehr wohl, daß die Party irgendwann zuende ist. Aber warum soll man nicht mitspielen, solang es funktioniert? Keiner weiß, wann es zuende ist.
      a) Die Geldscheine haben nur Papierwert, sind ungedeckt. Das nicht existierende Fort Knox Gold kann man beruhigt vergessen, da niemand es wegen Terrorgefahr sehen darf und es auch für das ganze (Giral!)geld gar nicht reicht. Und wir Deutsche, wie fast alle Länder, müssen unsere Währung mit US-Dollars absichern, die wiederum mit diesem Nicht-Gold abgesichert sind.
      Das weiß doch jeder in den höheren Etagen. Darum kauft Rußland/China auch Gold; für die Zeit danach!
      b) Man lebt real gut in dieser Finanzscheinwelt, kauft dicke Autos, macht fett Urlaub usw.
      c) Das Schweigen der Wölfe ist nur ein abwarten und sich ausrichten auf eine eventuell neue Situation. Wars das jetzt schon oder gehts noch weiter?

      Ich glaub, halb halb. Die Ausbreitung ist viel schneller als gedacht, die Panik plötzlicher, dafür aber auch relativ schnell wieder vorbei, mit großen Scherbenhaufen. Wie bei Tsunamis. Das ist auch nicht das Ende der Welt, aber einiges wird verwüstet. Und es sind (leider) nicht unbedingt nur die Zombiefirmen, die pulverisiert werden.

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        Hesterbär

        10. März 2020 16:00 at 16:00

        @Sabine
        Unter den Notenbankern und Politikern gibt es zwei Fraktionen. Die eine Fraktion weiß genau, dass die Party irgendwann zu Ende ist und feiert sie zum eigenen Vorteil und zu Lasten der Allgemeinheit so lange, bis sie eben zu Ende ist. Das sind die Verantwortungslosen, Korrupten, Rückgratlosen und Lügner. Die andere Fraktion glaubt tatsächlich daran, man könnte dauerhaft mit Gelddrucken jedes Problem lösen. Das sind die Dummen. Es gibt zwar noch eine kleine dritte Fraktion, nämlich die der Verantwortungsvollen und Rechtschaffenden mit hohem Sachverstand und Intelligenz ausgestattet, die aber wird von den beiden anderen Fraktionen regelmäßig niedergeknüppelt.

        Es wird leider nicht so sein, dass wir einen Tsunami erlebten und es jetzt vorbei ist. Wir erleben derzeit nur den Anfang vom Ende unseres Geldsystems, vorzeitig ausgelöst von einem Virus namens Corona. Was wir bisher an den Börsen sehen, ist nur ein laues Lüftchen. Der Sturm kommt noch.

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          Columbo

          10. März 2020 21:03 at 21:03

          @Hesterberg

          „…Was wir bisher an den Börsen sehen, ist nur ein laues Lüftchen. Der Sturm kommt noch…“

          Man sollte vielleicht dazuschreiben, was dieser Sturm bedeutet. Nicht für die Aktionäre oder Investoren, sondern für alle. Wenn der kleine Angestellte morgen kein sauer erarbeitetes Geld mehr abheben kann, weil die kleine Sparkasse oder Volksbank pleite ist. Wenn die Wohnung kalt wird, weil kein Gas mehr kommt. Wenn der Nachbar Ihnen den Schädel einschlägt, weil er weiß, daß Sie Goldmünzen in der Wohnung versteckt haben. Übertrieben? Unrealistisch? Phantastereien? Das ist das von Ihnen so gerne zitierte Ende unseres Geldsystems.
          Wäre nett, wenn Sie mal was dazu schreiben würden.

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            Marktbeobachter

            11. März 2020 07:19 at 07:19

            @Columbo. Guter Vorschlag.
            „Der große Bruder der Corona-Panik ist der Crash-Prophet. Beide sind einander in masochistischer Innigkeit zugetan. Während der eine vor dem Virus zittert, spürt der andere wie die Erregung in ihm aufsteigt. Der eine fürchtet den Absturz, auf den der andere spekuliert.“
            So schrieb gestern Gabor Steingart in seinem Morning Briefing. Passt genau, wie die Faust aufs Auge zweimal für @Hesterberg, der eigentlich immer nur mit Negativmeldungen auffällt. Er möchte anscheinend den totalen Einbruch des Geldsystems, nicht erkennend, was das auch für ihn bedeuten würde.

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      Roberto

      10. März 2020 15:30 at 15:30

      @Hesterbär, wooow ist das cool hier. Wir hier in diesem Forum haben aber die Weisheit der Finanzen und Wirtschaft bestimmt mit den Löffeln gefressen. Wir hier wissen alles bestimmt besser als all die Chefs der Notenbanken. Diese „dummen“ Notenbanker haben alle doch überhaupt keine Ahnung. Gut das WIR uns haben….dann……hmmmm ??????????

      Unfassbar was Leute so von sich geben, wenn sie so anonym, alleine und unbeobachtet an ihrem Rechner sitzen….:-(

      • Markus Fugmann

        Markus Fugmann

        10. März 2020 15:39 at 15:39

        @Roberto, gleichwohl muß man natürlich sagen, dass sich vor allem die Fed nicht mit Ruhm bekleckert hat – Ende 2018 noch Autopilot und Zinsanhebungen, dann im Januar 2019 die Wende mit dann drei Zinssenkungen obwohl die US-Wirtschaft doch so stark sei, dann letze Woche die 0,5%-Senkung weil die Wirtschaft doch richtig stark sei weswegen man als Vorsichtsmaßnahme die Zinsen senken müsse.
        Also die Prognose-Kraft der US-Notenbank ist nicht sehr gut ausgeprägt, vorsichtig formuliert. Die von @Hesterbär halte ich da für besser!

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    Knallfrosch

    10. März 2020 07:01 at 07:01

    @ Macwoiferl, richtig, es gibt Leute die meinen, das Rezept das in die Scheisse geführt hat, müsse in immer stärkeren Dosen angewendet werden, nur um den noch grösseren Knall hinauszuschieben.
    Welch ein Verständnis von Wirtschaft!
    Z.B. Negativzinsen in USA, Das Rentensystem in den USA ist kalkuliert mit ca.7% Rendite. Aktien,Immos ,Anleihen, ALLES IST AUSGEPRESST. Das geht in Richtung Argentinien, die nächste Generation muss Alles bezahlen mit sehr hohen Zinsen.

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      sabine

      10. März 2020 13:08 at 13:08

      Wie weiter oben gesagt, die „Leute“ glauben nicht das, was sie sagen, sondern predigen es. Schuldenkrise mit noch mehr Schulden retten.
      Solang die Märkte es glauben und wollen, paßt alles. Und es paßt dann auch wirklich alles. Die Leute vertrauen, legen weiterhin ihr Geld in die Märkte usw.

  5. Pingback: Aktuelle Meldungen vom 10. März 2020 | das-bewegt-die-welt.de

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    Macwoiferl

    10. März 2020 15:56 at 15:56

    @Roberto, weil du mich auch ansprichst:
    Vielleicht hilft sachliche Realitätssicht statt eines infantilen, geistig-mentalen Kotaus vor den vermeintlichen „Experten“.
    Wie ich noch Kind war hatte ich auch solchen Respekt vor dem Mann im weißen Kittel namens „Dr. Best“, der mir mit sachlich-ernster Miene seine Zahnbürste „empfohlen“ hat als der Weisheit letzter Schluss.
    Spätestens nach der Uni war mit jedoch klar, dass überall nur mit Wasser gekocht und mit Meinungen experimentiert wird und die meisten Vorgänge auf das Trial-And-Error-Prinzip aufgebaut sind.
    Markus Fugmann führt ja zu Recht die plötzlichen Volten und Kehrtwenden der so „weisen“ und „allwissenden“ Notenbänker vor Augen – die eben davon zeugen, dass jene „Experten“ auch nur herumprobieren.
    Ein Phänomen unserer Zeit ist die Gutgläubigkeit der meisten, die auf den „Tagesschau“-Onkel vertrauen und ihre Zahnbürste bei Dr. Best kaufen weil sie denken, hier ein hochwertiges medizinisches Produkt zu erwerben.
    Ich glaube, ein gesundes Misstrauen, kritisches Hinterfragen & Analysieren, abwägen, Meinungen äußern und diskutieren bringt die Menschheit weiter als ein bloßes Urvertrauen auf „weise Menschen im weißen Kittel“.
    Viele hier haben selbst erfolgreiche Depots laufen.
    Sie wissen schon was sie hier posten und zur Diskussion stellen.

  7. Pingback: Der Crash am Aktienmarkt ist Gift für die US-Wirtschaft – Unser Geld- und Zinssystem

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    Robert

    10. März 2020 17:04 at 17:04

    Wenn hier doch sooooo viele Experten in Sachen Notenbankpolitik sich rumtummeln, habe ich keine Ahnung warum die sich nicht einfach mal um solche Posten bewerben. Sich hier hinzustellen und diese Menschen, die bestimmt nicht Notenbankchefs geworden sind, weil sie so tolle Forumsbeiträge geschrieben haben, aufs aäßertse zu beleidigen und ihnen klugheit absprechen, ist doch so schön einfach. Ja klar, diese Menschen haben bestimmt vorher irgendwelche Supermarktregale eingeräumt bevor sie diese Posten eingenommen haben. Nein , auf keinen Fall studiert und schon gar nicht Wirtschaft. Wirtschaft ändert sich täglich und schneller als man denkt. Und wie man sehen kann gibt es immer unvorhergesehen Situationen die dann eine andere Politik bedürfen, als es vielleicht gestern noch war. Wo ist das Problem ???? Diese Menschen zu kritisieren während man sich zu Hause im warmen gemütlich macht ist doch so billig, das es kaum billiger noch geht. Für mich sind all diese Kritiker hier in diesem Forum nur halbwissende Möchtegern Fachleute, die in Wahrheit nur das schreiben was irgendwann mal irgendwo in den Tiefen des Internets aufgegriffen haben. Ja, ich verallgemeinere das sogar, weil ich von einem klugen und objektiv denkenden Menschen erwarten kann sich nicht in die Reihe der Steine werfenden zu stellen. @Fugmann: Sie zweifeln also die Kenntnisse der Notenbanker an und verweisen darauf das die mit ihren Prognosen alle falsch gelegen haben. Sehr schön, aber wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen….oder wie lange haben Sie gebraucht bis endlich ein Virus Ihnen recht gegeben hat. Schade…nicht mal die Wirtschaft selbst ( die ich auch nicht gerade für stark halte ) hat es ausgelöst, sondern ein kleiner Virus. Und darauf können Sie jetzt ja sehr stolz sein. Und nun haut alle in die Tasten …ich freue mich schon auf die Kommentare. und vor allem auf die bleidigenden…was anderes kann ich hier sowieso nicht erwarten. Aber amüsant ist es…das muß ich zugeben …:-)

    • Avatar

      Macwoiferl

      10. März 2020 18:22 at 18:22

      Ich muss eher zweifeln als beleidigen.
      Ich schicke dir jetzt gleich eine Gitteransicht.
      Nenne mir alle Buchstabenfelder auf denen du eine Ampel siehst.
      Wenn alle richtig genannt sind schicke ich dir einen grünen Haken:
      ja, du bist kein Robot und auch kein Troll, sondern echt.
      Und ja, ich sitze hier bei einem heißen Tee und mir ist wohl.
      Besser als vor einem Mikro zu stammeln (morgen ist FED-Tag, übermorgen EZB) und nicht wissen was tun.
      Aber etwas sagen zu müssen.
      Ansonsten Robert, chill mal.
      Das Leben ist schön! :-)
      Trotz alledem!

    • Avatar

      leftutti

      11. März 2020 20:18 at 20:18

      @Roberto
      ….oder wie lange haben Sie gebraucht bis endlich ein Virus Ihnen recht gegeben hat. Schade…nicht mal die Wirtschaft selbst ( die ich auch nicht gerade für stark halte ) hat es ausgelöst, sondern ein kleiner Virus. Und darauf können Sie jetzt ja sehr stolz sein.

      Man könnte es auch anders formulieren: Da hat es nun tatsächlich ein Virus gebraucht, bis die Märkte endlich begriffen haben, dass die Wirtschaft nicht gerade stark ist und dass die (US-)Aktien 35 bis 40% überbewertet sind. Hat das Coronavirus evtl. positive Auswirkungen auf den Verstand studierter Volkswirte oder Investment-Profis? Meiner Meinung nach ist Kritik an den Notenbanken durchaus angebracht, weil denen im Prinzip nichts anderes einfällt, als Zinssenkungen und Geldfluten. Vor dem Virus, während des Virus und sicher auch nach dem Virus. Man hat sich seiner Handlungsmöglichkeiten in Zeiten des Aufschwunges weitgehend beraubt und trotz aller Daten und Fakten nicht erkannt, dass man eher Ursache und Symptombekämpfer zugleich war.

      Sie klingen nervös, aufgeregt, schnappatmend, schwer nach Frust und Margin Call. Was aber eigentlich nicht sein kann, da Sie Daytrader sind und den Charts folgen. Als Bull-Bär haben Sie sicher erfolgreich an den Kursbewegungen der letzten drei Wochen partizipiert. Gratuliere! Ich wünsche Ihnen und allen Tradern weiterhin gute Geschäfte, viel Gesundheit und eine virenfreie Zeit.

  9. Avatar

    Altbär

    10. März 2020 17:06 at 17:06

    @Roberto, längere Zeit wegbleiben, dann zurückkommen u.sofort die gut liegenden Realisten kritisieren ist nicht sehr diplomatisch.Ein anderer bekannter Hochflieger hat das auch gekonnt.
    Ist nicht sehr geschickt , vor allem der Zeitpunkt. Die Nichtnotenbankgläubigen wurden doch oft von dir verhöhnt.

  10. Avatar

    Pessi-Mist

    11. März 2020 12:34 at 12:34

    @ Marktbeobachter, UND DER DUMME BRUDER, ist derjenige der meint, die Notenbanken( Staat) müsse um jeden Preis Alles retten um in 2Jahren bei DOW Jones 50 000 u.doppeltem Schuldenberg einen noch grösseren Absturz zu provozieren. MMT = Harikiri der ganz Schlauen.
    Im Gegensatz zu vielen Kritikern gratuliere ich wieder einmal dem Hesterbär, hat er ziemlich sicher mit seiner
    Einstellung ein schönes Sümmchen gewonnen.
    Da gibt es viele Profis mit langen Erfahrungen, die gemäss Kommentaren wieder einmal voll auf dem falschen Fuss erwischt wurden. Ein bekannter Bänker, der mir als immer sehr bullisch auf die Nerven ging,
    rät jetzt den Privatanlegern den Computer abzustellen u.mehrere Wochen wegzuschauen? ?
    Während sie selber rund um die Uhr daran sind den Schaden zu begrenzen, lassen sie die Kunden voll in die Scheisse laufen.

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Aktien

Aktien: Die Rally und die Cocktail-Theorie von Peter Lynch

Ibrahim Sonay

Veröffentlicht

am

Klar, Corona ist das Gesprächsthema Nummer-Eins, doch dicht auf den Fersen folgt derzeit schon das Thema Aktien!

Aktien: Woher stammt die Cocktail-Theorie?

Der berühmte Magellan-Fonds Manager Peter Lynch, ein Maestro der Investment-Welt aus den 80er-Jahren, stellte damals die Interessante Cocktail-Theorie auf, um die unterschiedlichen Marktprognosen darzulegen, die er über Jahre entwickelt hatte, während er auf Partys herumstand.

Phase Eins

Gar nicht über Aktien sprechen die Leute in der ersten Phase, eines leichten Marktanstiegs, nachdem sie längere Zeit am Boden lagen, ohne Bewegung und Beachtung. Fragte man Lynch auf der Party, was er denn so beruflich treibe, antwortete er, dass er einen Aktienfonds manage. Daraufhin nickten die Leute freundlich und gingen weiter, um sich mit dem Nächsten auf der Party über Belangloses zu unterhalten. War dies der Fall, so wusste Lynch, dass der Markt vor einer Erholung stand.

Phase Zwei

Nachdem Lynch seinen Beruf nannte, blieben die Partygäste meist etwas länger – aber auch nur so lange, um ihn klar zu machen, wie gefährlich doch Aktien seien. Danach sprachen die Partygäste wieder übere andere Themen. Auch dies beobachtete er und stellte somit fest, dass die Börse in der zweiten Phase steckt, denn die Aktien stiegen bereits, doch es interessierte (noch) niemanden.

Phase Drei

Der Markt war bereits um 30 % gestiegen und Lynch wusste, dass ihn auf der Party eine neugierige Schar von Menschen umringen würde. Viele euphorische Zeitgenossen nahmen ihn beiseite, um herauszufinden, in was sie denn nun investieren sollten und fast jeder sprach von Aktien. Damit war klar, Phase Drei ist erreicht.

Phase Vier

In der vierten Phase umzingelten ihn die Leute erneut, aber diesmal nicht um zu erfragen, worin sie investieren sollten, sondern um ihn Tipps und Ratschläge zu geben, welche Aktien er kaufen solle. Erfuhr er Tage später, dass die Empfehlungen der Partygäste aufgingen, so erkannte Lynch, dass der Markt in Phase Vier steckt: Das Hoch war erreicht – ein Rückschlag der Märkte stand kurz bevor.

Das aktive Zuhören kann sehr wertvoll sein. Halten Sie also ihre Augen und Ohren auf. Auf lange Sicht sollte jeder für sich selber entscheiden, worin er sein Geld investieren möchte – ob er dabei Prinzipien, Ethik oder Trends berücksichtigt. Eines zeigt uns die Vergangenheit der Aktienmärkte jedoch: wenn man Aktien von Qualitäts-Unternehmen findet und das zu einem guten Preis, erzielt man über Jahre Rendite.

Aktien und die Cocktail-Theorie

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Aktien

Aktien: Die 2020-er, wieder das Jahrzehnt der Aktie?

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Derzeit wird viel spekuliert über die Zukunft nach Corona. Ein Jahrzehnt hat begonnen, in dem die Schulden weltweit auf noch nie gesehene Höhen gestiegen sind. Für einen Dollar Wachstum mussten in den USA bisher bereits sieben Dollar neue Schulden aufgenommen werden, um dieses zu generieren – die Demographiefalle schlägt in vielen Industriestaaten unbarmherzig zu. Deshalb sollte es schwierig werden, das Potenzialwachstum der letzten Jahrzehnte überhaupt zu halten. Man kann sich vieles vorstellen und darüber diskutieren, es gibt aber ein paar fundamentale Gesetzmäßigkeiten in neuzeitlichen Gesellschaften. Auch wenn das durch Geldhäuser ausgerufene Jahrzehnt der Aktien recht interpretationsbedürftig ist.

Aktien: Die Wirtschaft ist der Ast, auf dem wir alle sitzen

Bei allen Dikussionen über das FIAT-Geld, über Schulden und einem Auseinanderdriften der Gesellschaften in der Einkommensverteilung, darf man eines nicht übersehen: Ohne eine funktionierende Wirtschaft, ohne Steuereinnahmen funktioniert kein Gemeinwesen. Die Aufwendungen für einen Staat mit seiner Regierung, seiner Verwaltung, seiner Justiz, seiner Polizei, seinem Militär, seinem Gesundheits- und Bildungssystem, können nicht durch die Druckerpresse der Notenbanken produziert werden, zumindest nicht für lange. Die Kosten müssen durch Steuereinnahmen der Unternehmen und bei den Bürgern erwirtschaftet werden.

Was passiert denn in einem Staat, in dem durch Krieg oder Aufstände Polizei und Militär ausgeschaltet werden? Eine erste Reaktion in einem solchen Land (beispielsweise nach den Umstürzen im Irak oder Lybien) sind stets sofort Plünderungen, aber auch Vergewaltigungen und andere Abscheulichkeiten.

Anleihen können auf null gesetzt und entwertet werden, Schulden durch Währungsreformen vernichtet, aber ein Teil der Wirtschaft bleibt immer erhalten und damit auch der Aktienmarkt und die Aktien.

Denn was stellt der Aktienmarkt dar? Die Beteiligung an Unternehmen, an der Volkswirtschaft, bei allen stets immer wieder zu korrigierenden Entgleisungen. Damit wird auch im Jahrzehnt nach Corona höchstwahrscheinlich der Spruch von Warren Buffett, aus den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts weiter gelten:

“Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte. Eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11.497.”

Sondersituation Deutschland

Deutschland wird im Anleihebereich als ein sicherer Hafen angesehen – mit fatalen Folgen für Sparer und Vorsorgesysteme. Denn wie sollen selbst bei leicht steigenden Zinsen Vorsorgeleistungen, Versicherungs- und Pensionsleistungen erwirtschaftet werden? Deutschland sitzt inmitten von Ländern, die sich keine höheren Zinsen leisten können. Der Zinseszinseffekt schafft erst ab einem Zinssatz von drei Prozent in überschau- und erlebbaren Zeiträumen einen Vermögensaufbaueffekt. Aber wie würden die Belastungen für die Staatshaushalte ausfallen, wenn die Renditen für Staatsanleihen in diese Regionen zurückkehren sollten. Die europäische Staatengemeinschaft mit ihrer Zentralbank wird also versuchen über die Zeit aus diesem Dilemma herauszukommen. Die Anleihelaufzeiten auf 30/50 Jahre plus verlängern, wie in Griechenland im Ansatz geschehen.

Die erzielbaren Renditen reichen nicht für das bisherige Vorsorgesystem. Wird man etwa den norwegischen Weg gehen und die Quote an Aktien erhöhen? Das Börsen-Urgestein Gottfried Heller (Partner von André Kostolany) hat auf einem Börsentag schon vor zwei Jahren die Prognose gewagt, dass Versicherer ihre Statuten ändern werden (müssen), um eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften und ihren ständigen Auszahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die langlaufenden Anleihen im Bereich von 10 Jahren und mit ertragreichen Kupons, sind am Auslaufen. Allzu viele 30-jährige hat man sicher nicht in den Portfolios. Also wohin mit den Kundengeldern in Zukunft? In grüne Projekte, Private Equity u.ä.?

Was macht eine Allianz, eine der großen Dividendenzahler (4,8 Prozent aktuell), wenn es nicht einmal mehr am (nicht nutzbaren) Markt für Junk Bonds solche Renditen gibt? Der Zyklus der sinkenden Zinsen seit dem Jahr 1980 ist mit den großen Zinsschritten in den USA im März am Ende angelangt. Bis zuletzt konnte man wegen der Durationseffekte stets Gewinne mit den Anleihen erwirtschaften, so auch noch einmal im Jahr 2020. Aber wenn die Zinsen nicht unter null fallen, gibt es künftig kaum noch etwas – keine Kupons und keine Kursgewinne bei fallenden Zinsen.

Was machen Großfirmen mit ihren Betriebsrenten, Stiftungen mit ihren Anlagegeldern in den nächsten Jahren? Es spricht sehr viel für die Dividendentitel in diesem Jahrzehnt. Mit all ihren Schwankungen und vermutlich sind die jahrelangen Renditen von acht Prozent plus per annum auch bei Weitem nicht mehr realistisch. Aber wo sind die Alternativen?

Fazit

Obwohl ich absolut nichts davon halte, größere Zukunftsprognosen zu stellen – daran verbrennen sich schon ständig ganze Organisationen und Thinktanks die Finger, mit einer Heerschar von Professoren – so bin ich schon davon überzeugt, dass das jetzige Jahrzehnt wieder das Jahrzehnt der Aktien sein wird. Mit großen Schwankungen, Crashs, die Exzesse bereinigen werden, aber auch begründet in der Tatsache, dass man zwar Geldsysteme verändern und vernichten kann, aber nicht die Produktionsanlagen oder die Betriebe in einer Volkswirtschaft, ohne die es kein Überleben gibt, apokalyptische Szenarien einmal ausgenommen.

Es ist aber auch wahrscheinlich, dass es ein wesentlich langsameres Wachstum an den Börsen geben wird, nach Preisexzessen und deren Bereinigung, wie man es in Japan seit 31 Jahren nun schon beobachten kann. Aber selbst wenn Euro oder Kryptowährungen scheitern, wofür hat man nach 250 Staatsbankrotten seit 1800 (sowie 68 internen Pleiten) noch keinen Ersatz gefunden? Für Aktien..

Werden die 2020er-Jahre ein Jahrzehnt für Aktien?

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JP Morgan-Quartalszahlen: Deutlich besser als erwartet – Milliarden-Rücklagen für faule Kredite aufgelöst

Claudio Kummerfeld

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Soeben wurden JP Morgan-Quartalszahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen. Der Umsatz liegt bei 30,16 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 29,2/Erwartungen 28,7). Der Gewinn liegt bei 3,79 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,57/Erwartungen 2,62).

In der Grafik unten sieht man es in der dritten Spalte. JP Morgan hat im letzten Quartal die Risikofürsorge für faule Kredite um 1,9 Milliarden Dollar reduziert, wodurch natürlich der Gewinn erhöht wird. JPM ist der Meinung, dass sich das wirtschaftliche Umfeld (im Sinne der Zahlungsmoral der Kunden) bessert, und vor allem dass Firmenkunden nach wie vor frisches Geld am Kapitalmarkt aufnehmen können. Insgesamt spricht die Bank davon, dass sogar 2,9 Milliarden Dollar an Kreditreserven umgewandelt und in den Gewinn von 12,1 Milliarden Dollar verschoben wurden. Ohne diese Buchung wären es nicht 3,79, sondern nur 3,09 Dollar Gewinn pro Aktie, so die Headline-Aussage der Bank.

Zitat aus dem aktuellen Bericht von JPM:

The provision for credit losses was a net benefit of $1.9 billion, compared to an expense of $1.4 billion in the prior year driven by reserve releases in the current quarter. The Wholesale reserve release was $2.0 billion, reflecting an improvement in the macro-economic scenarios and the continued ability of clients to access liquidity and capital markets. The Consumer reserve release was $0.9 billion, in Home Lending, primarily due to improvements in HPI expectations and portfolio run-off. The prior year included a net reserve release in the Consumer portfolio and a net reserve build in the Wholesale portfolio. Net charge-offs of $1.1 billion were down $444 million from the prior year, driven by Card.

Die Aktie notiert vorbörslich mit +0,7 Prozent.

Hier das Headline-Statement von JPM-CEO Jamie Dimon:

Jamie Dimon, Chairman and CEO, commented on the financial results: “JPMorgan Chase reported strong results in the fourth quarter of 2020, concluding a challenging year where we generated record revenue, benefiting from our diversified business model and dedicated employees. While we reported record profits of $12.1 billion, we do not consider the reserve takedown of $2.9 billion to represent core or recurring profits – essentially reserve calculations, while done extremely diligently and carefully, now involve multiple, multi-year hypothetical probability-adjusted scenarios, which may or may not occur and which can be expected to introduce quarterly volatility in our reserves. While positive vaccine and stimulus developments contributed to these reserve releases this quarter, our credit reserves of over $30 billion continue to reflect significant near-term economic uncertainty and will allow us to withstand an economic environment far worse than the current base forecasts by most economists.”

Dimon added: “In Consumer & Community Banking, deposits grew 30% or over $200 billion driven primarily by growth in the Federal Reserve’s balance sheet and the continuation of modest market share gains. Within our consumer lending franchise, auto and retail mortgage originations were both up more than 20%. Consumer spending continued to recover, as reflected in combined debit and credit card spend being up for the full quarter. The Corporate & Investment Bank delivered another impressive quarter with growth in Global Investment Banking fees of 34% and Markets revenue of 20%. With a record quarter, Commercial Banking earned $3.3 billion of investment banking revenue in 2020, surpassing its previous $3 billion long-term target. In Asset & Wealth Management, AUM grew 17% due to higher asset values and net inflows of over $190 billion into long-term and liquidity products over the last twelve months.”

Dimon concluded: “We ended the year with a CET1 ratio of 13.1% (vs. 12.4% at the beginning of the year) and capital above $200 billion, providing us with meaningful capacity to further invest in our business and communities, while returning capital to
our shareholders. This increase in capital was after raising over $2 trillion of credit and capital for our consumer and institutional clients around the world, which includes nonprofits and U.S. government entities, including states, municipalities, hospitals and universities and adding net $12 billion to credit reserves. We also hold $1.4 trillion of cash and marketable securities, which is currently over $450 billion in excess of what is required. We opened branches in new markets, improved our digital capabilities, and made acquisitions that will enhance our product offerings and deepen our engagement with our customers. We also continued to invest in our communities – for example, through our initial commitments to support those most impacted by the pandemic and our longer-term commitment to advance racial equality and promote economic growth. Our earnings power and healthy capital position also provide us the flexibility to pay dividends and return excess capital to shareholders through share repurchases. I want to end by thanking our frontline colleagues and those working from home who quickly adapted to the pandemic and safely helped our clients, customers, communities and governments.”

Grafik zeigt aktuelle JP Morgan-Quartalszahlen

JP Morgan-Quartalszahlen - Jamie Dimon
Jamie Dimon. Foto: Steve Jurvetson Creative Commons Attribution 2.0

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