Devisen

Der Euro steigt noch in diesem Jahr auf 1,20 zum Dollar – sagt die britische Großbank HSBC

Der Devisen-Chefstratege der größten britischen Bank, HSBC, erwartet den Euro noch in 2017 bei 1,20 zum US-Dollar. Und hat dafür ziemlich überzeugende Gründe!

FMW-Redaktion

What a difference a day makes – was für einen Unterschied ein einziger Tag macht! So könnte man formulieren nach der Wahl in Frankreich, schien doch bei einem Sieg Le Pens die gesamte Eurozone in Frage gestellt zu sein. Nun aber hat vorerst Macron die Nase vorne, auch wenn „die Messe noch nicht vollständig gelesen ist“ bei der anstehenden Stichwahl angesichts der Tatsache, dass mit Le Pen, Mélenchon und einigen anderen aussichtslosen Kandidaten im ersten Wahlgang die entschiedenen Euro-Gegner 49% der Stimmen erhalten haben. Und selbst bei einem Sieg Macrons wird die politische Lage in Frankreich wohl kaum einfach werden angesichts der Tatsache, dass die Bewegung Macrons „En Marche“ kaum aus dem Stand bei den anstehenden Parlamentswahlen im Juni eine Mehrheit bekommen wird.

Aber der Sieg Macrons scheint von den Märkten doch die drängensten Sorgen über die Zukunft der Gemeinschaftswährung genommen zu haben – und kaum ist die Wahl vorbei, kommen schon neue Kursziele für den Euro. So z.B. von der größten Bank UKs, der HSBC. David Bloom, Chefstratege der HSBC für Devisen, sieht den Euro noch in diesem Jahr auf 1,20 zum US-Dollar steigen – das wäre das höchste Niveau seit Anfang 2015. Bekanntlich kam der Euro damals stark unter Druck, nachdem die EZB beschlossen hatte, die Anleihekäufe (QE) zu starten. Noch im Mai 2014, man kann es fast kaum glauben, handelte der Euro bei 1,40 zum Dollar – das wirkt heute wie eine ferne Erinnerung aus einer anderen Welt!

Nun muss man dem HSBC-Strategen David Bloom zugute halten: er hatte nach dem großen Abverkauf des Euro im März 2015 die These vertreten, dass der Euro nahe seiner Tiefs sei, während alle Welt mindestens die Parität erwartete. Zwar blieb die ganz große Erholung aus, doch tiefer ging es eben auch nicht mehr für die Gemeinschaftswährung. Und sieht man sich den obigen Chart des Euro auf Tagesbasis an, kann man durchaus auf den Gedanken kommen, dass die nächste Bewegung nach oben und nicht nach unten gerichtet ist!

Bloom erwartet, dass die Rally des Euro nach den Stichwahlen in Frankreich am 07.Mai so richtig ins Laufen kommt – erst dann würden die „Extra-Risikoprämien“, die derzeit in den Euro eingepreist seien, wieder ausgepreist werden. Die Wahlen in Deutschland seien sicher interessant, aber wohl kein Risikofaktor für den Euro, so Bloom.

Nun aber sehe alles danach aus, als ob die nationalistischen Bewegungen in Westeuropa ihren Zenit bereits überschritten hätten – und damit werde Europa automatisch eine sehr gute Alternative zu den USA, wo die neue Trump-Administration erhebliche Risiken berge. Zudem habe der neue US-Präsident bisher nicht ansatzweise seine Versprechen umsetzen können, die Importsteuer, die den Dollar stark beflügelt hätte, scheint vom Tisch zu sein. Und damit auch die Aussicht auf einen starken Dollar, zumal Trump selbst klar gemacht habe, dass er keinen starken Dollar wolle, um die USA konkurrenzfähig zu halten.

An den Devisenmärkten sei der Euro derzeit von vielen großen Playern untergewichtet, nun aber würden die Märkte bald das Tapering der EZB einpreisen, auch die Frage, wann die Notenbank die Zinsen anhebe, werde allmählich marktbewegend – die HSBC rechnet damit erst Anfang 2019. Das sei beim Dollar ähnlich gewesen, der bereits 2014 eine Rally startete, auch wenn die Zinsanhebugnen der Fed erst deutlich später kamen. Hinzu komme, dass die Eurozone sich konjunkturell derzeit – blicke man etwa auf die Einkaufsmanagerindizes – deutlich besser entwickle als die USA.

Der Dollar aber stehe vor einer unlösbaren Situation: entweder Trump werde sein fiskalisches Programm voll durchziehen, womit dann, mangels Gegenfinanzierung, die Schulden der USA weiter ausufern würden. Oder Trump bekommt sein Fiskalprogramm nicht oder kaum durch – dann hänge der Reflations-Trade in der Luft, der für die Dollar-Stärke essentiell sei. Der Dollar, mit anderen Worten, stehe also vor einer lose-lose-Situation, während der Euro eigentlich nur zulegen könne.

Was für ein Unterschied doch ein Tag macht..



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4 Kommentare

  1. Der Euro wird mittel- bis langfristig wieder teurer werden, unabhängig von politischen Faktoren. Die Fed wird keine massive Dollar Aufwertung hinnehmen, und Trump braucht einen schwachen Dollar für seine angekündigten Wahlkampfpläne = Deficit-Spending !

    Des weiteren kann und wird die Fed nicht akzeptieren das sie sich als einzigste westliche Zentralbank von den anderen Zentralbanken abkoppelt, sprich zu restriktiv wird in Sachen Geldpolitik. Darum auch die Trippelschritte was die Zinserhöhungen betrifft. Der Leitzins der Fed wird auch nicht Richtung zwei oder drei Prozent steigen wie das einige Mainstream Analystenhäuser erwarten, eher folgt eine neue Runde QE !

  2. Und irgendwann einmal müssen auch die stursten USD-Bullen und Europa-Untergangs-Szenarien-Prediger akzeptieren, dass die wirtschaftlichen Fundamentaldaten im Euroraum im Vergleich zur USA einfach sensationell sind.

  3. An den Devisenmärkten hat sich derzeit eine interessante und nicht alltägliche Situation eingestellt. Während die Kurse vieler Hauptwährungen die meiste Zeit bestimmt sind von USD-Schwäche oder -stärke und mit dem USD-Index reziprok proportional gingen (USD-Stärke: EUR, Cable, NZD, AUD, JPY, CAD, XAU fallen und umgekehrt), ist derzeit weiterhin ein extrem starker USD zu konstatieren.
    Zumindest, wenn man NZD, AUD, JPY, CAD, XAU betrachtet. Somit scheint der EUR derzeit als die stärkste Währung der Welt.
    Warum allerdings Cable eine derartige Stärke an den Tag legt, ist nicht im Ansatz zu verstehen. Der Sprung um 250 bis 300 Pips nach oben aufgrund angesetzter Neuwahlen, ok, man kennt ja die Märkte und deren Reaktionen auf irgendwelche, wenn auch irrelevante Meldungen. Warum hier allerdings noch immer keine saftige Korrektur erfolgt ist, mag sich mir nicht weiter erschließen.
    Lösen die Neuwahlen die Probleme, vor denen Kleinbritannien nun steht? Wissen die Märkte tatsächlich bereits, wie diese Wahlen überhaupt ausgehen werden? Und welche Handelsabkommen in den nächsten zwei Jahren vereinbart werden? Und wie die Situation mit Schottland, Wales und Gibraltar sich entwickeln wird?
    Es hat tatsächlich den Anschein :)

    1. Der EUR ist auch verdientermaßen die stärkste Währung der Welt. Was hat diese Währung schon allem getrotzt? Einer sinnlosen Überbewertung des USD, zahlreichen Untergangsszenarien, Superkrisen ohne Ende, Beihnahe-Grexit (obwohl es ohne „Beihnahe-“ wesentlich besser gewesen wäre), Brexit und vor allem vollkommen überzogenen draghischen Maßnahmen und Aussagen, zuletzt sogar manipulativen Insider-Leaks.
      Sollte Mafio Droghi die wirtschaftliche Entwicklung Gesamteuropas und der Inflation nicht weiterhin komplett zugunsten seiner einseitigen Betrachtungsweise auf Bella Italia ignorieren und seine überzogenen Maßnahmen in irgendeiner Form zu reduzieren erwägen, sind 1.20 ein absolut realistisches Ziel.

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