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Der neue Währungskrieg um Export von Deflation!

Von Markus Fugmann

Im Jahre 2010 prägte der brasilianische Finanzminister Guido Mantega den Begriff „Währungskrieg“. Der Begriff machte Schlagzeilen, wurde bald darauf zum geflügelten Wort. Mantega aber meinte damals eine Art Abwertungswettbewerb der jeweiligen Währungsräume, um die eigene Konkurrenzfähigkeit zu verbessern. Sein Begriff „Währungskrieg“ zielte also vor allem auf einen Export-Wettbewerb, der mittels Abwertung der eigenen Währung geführt würde – eben um die eigenen Export-Chancen zu verbessern. Möglich, dass Mantegas Vision eine zeitlang Realität war – jetzt ist sie es auf jeden Fall nicht mehr!

Worum es jetzt geht, spielt auf einer ganz anderen Ebene. Die jeweiligen Währungsräume schielen nicht mehr so sehr auf die (Export-)Konkurrenz, sondern betrachten vor allem den eigenen Bauchnabel. Es geht also um die inneren Probleme, nicht mehr um Wettbewerbsfähigkeit im eigentlichen Sinne. Und dieses Problem haben viele – sein Name ist Deflation bzw. die Angst vor ihr. Denn für die Währungshüter der Notenbanken ist nichts schlimmer als fallende Preise in der Realwirtschaft, während sie gleichzeitig immer mehr vom sogenannten Fiat-Geld drucken. Man druckt und druckt – und so gut wie nichts davon kommt in der Realwirtschaft an. Warum nur? Das sorgt für schweres Unbehagen bei den Notenbankern, weil es einfach nicht zu ihrer ökonomischen Theorie passen will. Warum um Himmels willen vergeben die Banken nicht mehr Kredite, trotz des Geldsegens durch die Notenbanken?

Nun muss man wissen, dass der Kampf der Notenbanken gegen Deflation vergleichbar ist mit dem Kampf Don Quichotes gegen Windmühlen. Denn die Notenbanken vertreten unisono eine ökonomische Fiktion, die sie dann an der ökonomischen Realität scheitern lässt: sie fokussieren sich lediglich auf die Verbraucherpreise, die aufgrund der globalen Internet-Ökonomie tendenziell rückläufig sind. Wo sind Hertie, Quelle, bald wohl auch Karstadt geblieben? Alle haben das Problem hoher Kosten für Mitarbeiter, Strom etc., während irgendeine Internet-Klitsche fast ohne Hartkosten die selben Produkte anbieten kann wie die einstigen Giganten der deutschen Nachkriegswirtschaft. Ohne Angstellte, ohne teure Immobilienstandorte, die man nachts auch noch beleuchten muss. Aber diese Zeiten sind vorbei, der Druck auf die Kosten zwingt zu geänderten, billig zu habenden Geschäftsmodellen. Und das drückt die Preise.

Nun ist es ja nicht so, dass wir keine Inflation hätten. Wer etwa nicht in Posemuckel, sondern in München, Hamburg oder Frankfurt wohnt, bekommt das durch steigende Mieten und Immobilienpreise zu spüren. Auch der Aktienmarkt zeigt klare Zeichen von Inflation. Das ist gewissermaßen die direkte Folge der Deflations-Paranoia der Notenbanken: sie drucken Geld (auf den Festplatten der Banken kamen ein paar Nullen hinzu), was die Vermögenspreise zwangsläufig nach oben drückte. Steigende Vermögenspreise aber kommen in der ökonomischen Theorie, die die Notenbanken vertreten, nicht vor. Also misst man sie auch nicht – bzw. rechnet sie nicht adäquat in die Verbraucherpreise mit ein.

Nachdem die USA begonnen haben, folgte Japan mit seiner Deflationsbekämpfung – und jetzt ist Europa dran. Die Frankfurter Währungshüter wollen über die Ausweitung der EZB-Bilanzsumme sowie über die Abwertung des Euro Inflation erzeugen, und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ihnen das gelingen wird. Denn die EZB ist mächtig, inzwischen wahrscheinlich sogar mächtiger als die Fed. Die Welt leiht sich jetzt in Frankfurt das billige, unverzinste Geld. Und das bedeutet: wenn die Eurozone seine Deflationsängste durch Inflation bekämpfen will, wird sie eben diese Deflation in andere Währungsräume exportieren. Andere Währungen werden gegenüber dem Euro steigen, wodurch die Importe in diesen Währungsräumen günstiger werden, die umlaufende Geldmenge sich verringert. Länder wie die Schweiz bekommen das schon zu spüren: sie müssen ihre Währung vor einer zu heftigen Aufwertung schützen, setzen Mindestskurse zum Euro fest, importieren aber dennoch die Deflation aus der Eurozone. Dieser Trend ist aber nicht nur in der Schweiz sichtbar, sondern wird zu einem globalen Phänomen – noch dadurch verstärkt, dass die Amerikaner sich nicht mehr bei der Fed verschulden wie früher, sondern immer mehr bei der EZB. Dass derzeit die in Dollar fakturierten Rohstoffpreise wie Öl fallen, ist dafür das untrügliche Anzeichen.

Für uns in der Eurozone bedeutet dass, dass die Vermögenspreise weiter steigen werden, während sie ausserhalb der Eurozone tendenziell weiter fallen. Der vielleicht letzte Triumpf des überschuldeten, alternden Europa wird darin bestehen, seine Probleme in die Welt zu exportieren. Ein ziemlich schaler Triumpf!



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