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Deutsche Bank: Massive interne Unzufriedenheit + erstaunliche Erkenntnisse

Die Deutsche Bank kommt nicht aus den Schlagzeilen. Nun hat die Bank eine Interne Mitarbeiterbefragung veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass nur die Hälfte der Belegschaft gerne für die...

FMW-Redaktion

Die Deutsche Bank kommt nicht aus den Schlagzeilen. Nun hat die Bank eine Interne Mitarbeiterbefragung veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass nur die Hälfte der Belegschaft gerne für die Bank arbeitet. Offiziell redet man von „stolz für die Bank zu arbeiten“. Hier im Originalzitat:

„Im Vergleich zum Vorjahr fühlen sich noch einmal weniger von Ihnen mit der Deutschen Bank verbunden und nur noch knapp die Hälfte von Ihnen ist stolz darauf, für diese Bank zu arbeiten. Das ist ein Befund, der uns nicht zufrieden stellen kann. Er kommt allerdings auch nicht unerwartet. Es ist uns bewusst, dass der Umbau und der damit verbundene Stellenabbau viel Unruhe und Unsicherheit verursachen.“

Natürlich werden nicht 50% der Mitarbeiter entlassen. Also gibt es auch jede Menge sonstige Mitarbeiter, die nicht glücklich sind. Woran mag das wohl liegen… vielleicht an den merkwürdigen Aussagen des neuen Chefs, die wenig vertrauensbildend sind und erstaunliche Erkenntnisse zu Tage fördern? So sagte John Cryan jüngst in einem Spiegel-Interview der angedachte Verkauf der Postbank sei nötig, weil man angesichts der verschärften Regulierung Kapital freisetze. Aber eigentlich käme es im Privatkundengeschäft auf kritische Größe an, so Cryan. Wenn man also die Postbank verkaufe, weil einem das regulatorische Umfeld keine andere Wahl lasse, bliebe der Deutschen Bank nur die Möglichkeit durch hervorragende Beratung und ein sehr gutes digitales Angebot zu wachsen.

Das muss man gleich nochmal lesen. Also weiß Cryan, dass im Privatkundengeschäft eine große Masse an Kunden und Volumen wichtig ist. Dennoch will er die Postbank loswerden, weil es regulatorisch erforderlich ist? Haben Sie schon mal so eine Begründung gehört? Erst jede Menge Volumen abstoßen, und dann versuchen als Deutsche Bank selbst zu wachsen? Wie das gehen soll? Ja, jetzt merken wir es: Nachdem die Deutsche Bank wie jüngst angekündigt 188 Filialen geschlossen hat, kann man mit dem verbliebenen Rest an Filialen noch besser aus eigener Kraft wachsen und Millionen neuer Kunden anlocken? Haben Sie schon mal so eine Logik gehört? Kann es sein, dass auch so man Deutsche Bank-Mitarbeiter diese Logik nicht verstehen will?

Kann es sein, dass so mancher Mitarbeiter auch sonstige öffentlich geäußerte Argumente seines Chefs für merkwürdig erachtet? So sagte Cryan gegenüber dem Spiegel, er sehe angesichts des günstigen Aktienkurses der Bank derzeit keine Gefahr, dass die Deutsche Bank ein Übernahmekandidat sei. Der Grund laut Cryan: Man lebe aktuell nicht in einer Zeit, in der Regulatoren große Übernahmen sehen wollten. Und man sei ja weiterhin eine große Bank. Auf deutsch übersetzt heißt das: Keine Angst, wir sind die Nummer 1 in Deutchland. Aus Gründen der Staatsraison würden Angela Merkel & Wolfgang Schäuble es nicht zulassen, dass z.B. eine chinesische Staatsbank die Deutsche aufkauft. Und ja, in der Tat wäre so ein Übernahmeverbot relativ einfach durchzusetzen. Also verlässt sich Cryan hier alleine auf den Staat, der die Bank nach außen abschirmt. Wie beruhigend.

Eine Kapitalerhöhung werde es derzeit nicht geben, so Cryan. Man werde Kapital erst mal organisch aufbauen, was die Bank bedauerlicherweise über viele Jahre nicht getan habe. Auch sehe er derzeit nicht, mit welchen Argumenten die Bank bei Investoren um frisches Geld bitten könne. Wie wahr, da hat er recht. Aber wäre es als Bankchef nicht angebracht in der Außendarstellung etwas offensiver und optimistischer rüberzukommen? Ein guter Verkäufer scheint Cryan nicht zu sein. Bei den ständig neu anfallenden Strafen gegen die Deutsche Bank ist es aber in der Tat ratsamer mit offenen Karten zu spielen. So sagte Cryan auch die noch für drohende Strafen zurückgelegten 5,4 Milliarden Euro könnten nicht ausreichen. Solche Umstände würden Investoren abschrecken.

Bezogen auf den Aktienkurs sagt er ganz klar, dass es derzeit nun mal kaum Investoren gäbe, die unbedingt europäische Bankaktien kaufen wollten, und erst recht nicht nach dem Brexit-Votum. Und dass die Deutsche Bank auf dem Kaufzettel von Kaufwilligen nicht vorne steht, versteht sich wohl von selbst. Ach ja, noch etwas. Wenn man in den letzten Tagen die Kurse beobachtete, bewegte sich die Deutsche Bank-Aktie wie ein Tandem ziemlich parallel zum Pfund-Kurs. Es ging abwärts nach dem Brexit-Vote. Das wird damit zusammenhängen, dass die Deutsche Bank mit ihrem Investmentbanking sich immer noch so sehr an London als Standort klammert. Cryan meint zum Brexit die Deutsche Bank könne von diesem Ereignis profitieren. Der Brexit werde Frankfurt stärken. Und weil man dort ja schon gut vertreten sei, werde man für europäische Unternehmen um so wichtiger werden.

Das Fazit: Tja, natürlich kann sich jeder seine eigene Meinung bilden. Aber die Äußerungen von John Cryan wirken doch teilweise recht merkwürdig. Derzeit besteht jedenfalls wenig Zuversicht für die Aktie.



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2 Kommentare

  1. Das ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Deutsche Bank ist nur noch ein Selbstbedienungsladen für die Manager.

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