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Deutsche Bank: Fusion ein „Blutbad“, und die Geschichte vom Scheitern der „Gier nach Größe“

Claudio Kummerfeld

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Als hätten wir hellseherische Fähigkeiten (schlecht verstecktes Eigenlob). Gestern stieg die Aktie der Deutschen Bank um 5%. Heute fällt sie wieder und gibt mehr als die Hälfte ihrer gestrigen Gewinne ab. Übers Wochenende waren konkrete Gespräche zwischen den Bankchefs von Deutsche und Commerzbank bekannt geworden. Dass die Politik die Fusion sehr gerne sehen würde, ist eh schon klar. Wir schrieben gestern „Aber bis dahin… wenn das Thema morgen wieder kurzfristig abkühlt, geht´s für die Aktie dann wieder gen Süden?“

Tja, und so schnell kann es manchmal gehen. Gestern noch gute Laune in beiden Aktien, heute ist davon nichts mehr zu spüren. Die „Financial Times“ will Aussagen aus dem Umfeld von BaFin, Bundesbank und EZB vorliegen haben. Eine Fusion der beiden Banken wäre ein Blutbad mit 20.000 entlassenen Mitarbeitern. Die Aufseher hätten Bedenken zu einer erfolgreichen Umsetzung so einer Fusion. Und man zweifle auch daran, ob die Deutsche Bank die nötige „Brutalität“ mitbringe um so eine Transaktion durchzuziehen (hart durchgreifen, kräftig entlassen, restrukturieren, Filialen schließen uvm). Tja, da ist sie hin, die Euphorie, schon am Tag nach der guten Laune!

Gier nach Größe ist bei deutschen Banken seit Jahrzehnten ein Debakel

An dieser Stelle wollen wir eine kleine Reise durch die Geschichte der beiden verbliebenen Großbanken in Deutschland unternehmen. Ihr Historie seit den 90er-Jahren offenbart das totale Debakel, wenn es darum geht durch Größe zu glänzen. Die Gier nach Größe endete in dem, das wir heute besichtigen können in einem Börsenwert, der von Deutscher Bank und Commerzbank addiert nur noch bei 25,6 Milliarden Euro liegt. Die größte Bank der USA JP Morgan könnte beide Banken problemlos nur mit ihrem Jahresgewinn aus 2018 (28,9 Milliarden Euro) einfach so kaufen.

Aber schauen wir zurück. Die Dresdner Bank kaufte sich in den 90er-Jahrn eine sehr angesehene namhafte Adresse in London, die Investmentbank Kleinwort Benson. Danach firmierte sie als „Dresdner Kleinwort Benson“. Das ganze Investment-Abenteuer brachte die Dresdner Jahre später immer mehr in Schwierigkeiten. Jahrelang bildete sie mit HypoVereinsbank (inzwischen Unterabteilung und der italienischen UniCredit), Deutsche Bank und Commerzbank sozusagen das Quartett der großen vier Banken in Deutschland.

Im Jahr 2001 wurde die Dresdner von der Allianz-Versicherung für stolze 30 Milliarden Euro übernommen, und damit war sie eigentlich bei einem großen starken Bruder untergekommen. Zur Kleinwort Benson gesellte sich dann auch noch der Zukauf der Investmentbank Wasserstein Pirella hinzu, so dass die Investment-Tocher der Dresdner „Dresdner Kleinwort Wasserstein“ hieß. Dann 2008, sicher rein zufällig auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, „entließ“ die Allianz ihre Tochter, damit sie von der Commerzbank für nur noch 9,8 Milliarden Euro geschluckt werden konnte.

Auch Deutsche Bank wollte kräftig glänzen

In Finanzkreisen war auch damals klar, dass die Berliner Politik diese „Fusion“ von CoBa und Dresdner als Königsweg ansah, um aus zwei Problemkindern eine Hochglanzbank zu machen. Merken Sie hier gewisse Parallelen zu heute? Naja… und die Deutsche Bank? Auch die ließ sich nicht lumpen. In London kaufte die Deutsche Bank sich in den 90ern in die hoch angesehene Morgan Grenfell ein. Von da an firmierte man in London „Deutsche Morgan Grenfell“. Aber auch in New York wollte die Deutsche Bank ganz groß glänzen und kaufte dort die Investmentbank „Bankers Trust“. Von da an firmierte man als „Trust Deutsche Bank“, und später nur noch als Deutsche Bank USA.

2009 kaufte die Deutsche Bank hierzulande die kleinere Spezialbank Sal. Oppenheim hinzu, und dann 2010 für die Stärkung des Privatkundengeschäfts die Postbank. Sie wurde aus bürokratischer Sicht erst letztes Jahr so richtig in die Abläufe der DB integriert. Tja, und nun wird es womöglich eine Fusion von DB und CoBa geben. Alles wird zusammen-fusioniert, bis nur noch eine große Bank übrig bleibt. Bei all den Zukäufen seit den 90ern, da hätten doch eigentlich längst Giganten a la JP Morgan oder HSBC entstehen müssen?

Da Problem liegt wohl darin, dass beide in London und New York von den dort umher wandernden Bankern als Gäste betrachtet wurden, weil sie als ausländische Banken ja auch nur Gäste sind. Horden von Investmentbankern a la Anshu Jain (Top Image, aber maximal erfolglos) zogen durch die Handelsflure, kassierten kräftig ab, brachten aber nur Probleme. Komischerweise standen und stehen die englischen und amerikanischen Banken nie so schlecht da wie die beiden Deutschen. Die beiden sind in den großen ausländischen Finanzzentren Fremdkörper geblieben – auch wenn sie versucht hatten über Zukäufe anerkannte Mitglieder der Familie vor Ort zu sein. Gut, die DB dreht in London auch jetzt noch ein großes Rad. Aber mal ehrlich… was hat´s der Zentrale in Frankfurt eingebracht?

Wenn man diese 30 Jahre lange Gier nach Größe betrachtet und das Endresultat sieht, dann kann die Antwort auf die aktuellen Probleme eigentlich nicht eine erneute „letzte große“ Fusion sein. Denn die beiden haben es bestens bewiesen. Ständig zukaufen und fusionieren löst keine Probleme! Aber der liebe Olaf Scholz (äußerst erfolgreich als G20-Bürgermeister in Hamburg) will nun als Finanzminister unbedingt diese große Bank bauen.

Deutsche Bank Commerzbank Banken
Banktürme in Frankfurt. Foto: Thomas Wolf (Der Wolf im Wald) CC BY-SA 3.0

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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