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Europa

Deutsche Konjunktur: Game over! „Beschleunigter Rückgang bei Exportneugeschäft“ – stehen wir vor einer Stagflation?

Die deutsche Wirstchaft wechselt seit Jahresbeginn vom permanenten Hochsommer zu einem konjunkturellen Winter..

Markus Fugmann

Veröffentlicht

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Was ist los im Konjunkturwunderland Deutschland? Mit einem Wort könnte man sagen: das Wunder ist vorbei, es geht bergab mit der deutschen Konjunktur. Das zeigen einmal mehr die heute von Markit veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes aus Deutschland!

So fiel der Index für das verabreitende Gewerbe im November von 52,2 im Oktober auf nun 51,6 (Prognose war 52,3) – das ist der schlechteste Wert seit 32 Monaten. Der Index für den Dienstleistungssektor fiel von 54,7 im Oktober auf nun 53,3 (schwächster Wert seit sechs Monaten; Prognose war 54,6) – es ist der Service-Sektor, der sich zuletzt deutlich besser hielt als das produzierende Gewerbe.

Gewerbe:

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Dienstleistung:

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Besonders die Industrieproduktion in Deutschland zeigt schon klare Krisensymptome: sie fiel von 51,0 im Oktober auf nun nur noch 50,2 und steht damit nicht nur auf dem tiefsten Stand seit 67 Monaten, sondern kurz vor der Kontraktion (Werte unter 50 signalisieren Schrumpfung).
Dazu schreibt Markit, das die Daten erhebt:

„Wegen des schwächelnden Neugeschäfts bei gleichzeitig starkem Beschäftigungsanstieg sanken die Auftragsbestände erstmals seit Mai 2016 wieder. In der Industrie nahmen sie zum dritten Mal hintereinander und so zügig ab wie seit Dezember 2012 nicht mehr“. Bekanntlich wütete im Jahr 2012 die Eurokrise..

Aber es ist nicht nur der starke Rückgang der Indizes, der besorgniserregend ist: vor allem die Preise steigen stark, sowohl die Verkaufspreise als auch die Einkaufspreise für die Unternehmen. Dazu wieder Markit:

„Trotz des Sechs-Monatstiefs wurden die Verkaufs-bzw. Angebotspreise für Güter und Dienstleistungen ein weiteres Mal überdurchschnittlich stark angehoben. Begründet wurde dies mit dem anhaltend kräftigen Anstieg der Einkaufspreise, der sich gegenüber dem Vormonat nur leicht abschwächte. Kostentreibend wirkten sich neben der Verteuerung von Energie und Kraftstoffen auch die höheren Ausgaben für Löhne und Gehälter aus, so die Befragten.“

Im Klartext heißt das: die Preise steigen, die Konjunktur aber stagniert. Das nennt man Stagflation! Und Stagflation ist das, was Notenbanken besonders fürchten, weil sie im Grunde gegen die steigende Inflation mit einer rigideren Geldpolitik agieren müssen, dabei die Konjunktur aber noch weiter abwürgen würden!

Die von Markit befragten Unternehmen beurteilen die Zukunft nicht gerade optimistisch:

„Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist fielen im November so wenig optimistisch aus wie zuletzt vor knapp vier Jahren. Ausschlaggebend hierfür waren laut Umfrageteilnehmern die geopolitischen Spannungen, der schwächelnde Automobilsektor und die nachlassende Marktnachfrage.“

Mit dem Export ist der Kern des deutschen Geschäftsmodells schlechthin unter Druck:

„Belastet wurde das Wachstum laut Umfrage in erster Linie von der Schwäche der Exportmärkte. Wegen rückläufiger Ausfuhren nach China, Italien und in die Türkei schlug beim Exportneugeschäft in der Industrie das höchste Minus seit fast sechs Jahren zu Buche“, wie Phil Smith, der Leiter der Umfrage bei Markit formuliert.

Recht robust ist noch der deutsche Arbeitsmarkt, aber „auch hier verlor der Stellenaufbau wegen der sinkenden Einstellungsbereitschaft der Unternehmen vor dem Hintergrund des eingetrübten Geschäftsausblicks und des nachlassenden Kapazitätsdrucks an Fahrt“,wie Phil Smith konstatiert.

 

Die deutsche Wirstchaft wechselt seit Jahresbeginn vom permanenten Hochsommer zu einem konjunkturellen Winter..

 

 

Von Kauk0r – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5685434

 

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    asyoulike

    23. November 2018 11:55 at 11:55

    Moin, moin,

    nördlich von HH ist es schon merklich abgekühlt mit der Konjunktur. Überall Rückzug, sorry, „Begradigung“. Nur irgendwie scheint es doch fraglich ob die Konjunktur weiter zurück geht. Wieso sonst holt Berlin weitere potentielle Arbeitskräfte aus Afrika, Naher Osten etc.? Das tut Berlin doch sicher nur, weil mit einer sehr guten Konjunktur zu rechnen ist. Wir sehen also, es ist ein Wiederspruch in sich. Vielleicht ist auch nicht so viel dran am offiziellen Fachkräftemangel? Aber ich denke, dass die Merkel- bzw. Merzjünger die drohende Konjunkturabflachung spätestens im Oderbruch zum stehen bekommen, sonst in den Straßen von Berlin.
    Fazit: Die Welt (das Weltpapiergeldschuldensystem) kommt langsam auf die Zielgerade oder einfach gesagt, Game over! That’s it!

    • Avatar

      asisi1

      23. November 2018 20:12 at 20:12

      Das Öffnen der Grenzen ist ein Konjunkturprogramm. Durch die vielen neuen Facharbeiter haben die Ärzte, Krankenhäuser, Krankenkassen, Polizei, Justiz, Lehrerschaft, Pharma etc. wesentlich mehr zu tun. Sie brauchen alle mehr Personal, also eine win-win Situation. Alles klar?

  2. Avatar

    Sabine

    23. November 2018 12:53 at 12:53

    Uns gehts doch gut.
    Das einzige, was mich stört, sind die Entlassungen/Abfindungen. Diese Woche eine Kollegin. Zwei andere vorletzte. Von ca.100.(Autosektor – wegen WLTP)

    So eine Entlassung ist schon eine einschneidende Geschichte. Sollte man doch die Löhne lieber kürzen. Dann ginge es uns immer noch gut. Zumindest allen über 1.500€/Monat netto!

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Europa

ZEW Index etwas besser als erwartet – Exporterwartungen verbessert

Redaktion

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Von

Jeden Monat wird der ZEW Index vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung erhoben. Der Index gilt daher als ein wichtiger Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Die gerade veröffentlichten Daten sind wie folgt ausgefallen:

Der ZEW-Index (Konjunkturerwartungen Januar) ist mit +61,8 Punkten etwas besser ausgefallen als erwartet (Prognose war +60,0; Vormonat war +55,0).

Die Einschätzung der aktuellen Lage aber liegt bei -66,4 (Prognose war -68,5; Vormonat war -66,5) – damit sehen wir weiterhin eine starke Divergenz zwischen Erwartung und der Einschätzung der aktuellen Lage.

Laut ZEW sind es vor allem die verbesserten Exporterwartungen, die den Index nach oben gezogen haben!

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Europa

Autozulassungen in EU: Dezember-Zahlen glänzen, vor allem in Deutschland – warum wohl…

Claudio Kummerfeld

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Autos auf Parkplatz

Was für ein Schritt nach vorne. Wie der europäische Automobilverband ACEA heute früh meldet, haben die Autozulassungen im Dezember einen kräftigen Satz nach oben gemacht mit 1.031.070 PkW. Im November waren es noch 897.692 gewesen. Im Jahresvergleich zu Dezember 2019 ist es nur noch ein Minus von 3,3 Prozent! Und dieser Vergleich zum Vorjahr ist wohl der Entscheidende bei den Autozulassungen. Damit scheint die Krise optisch überwunden zu sein, nachdem der Autoabsatz in den letzten Monaten dank Corona brutal zusammengebrochen war.

Gesenkte Mehrwertsteuer half Deutschland im Dezember bei den Autozulassungen

Vor allem die Autozulassungen in Deutschland stechen positiv hervor. Von Dezember 2019 zu Dezember 2020 sehen wir sogar einen Zuwachs von 9,9 Prozent, von 283.380 auf 311.394 PkW. Gerade für Deutschland ist die Lösung dieses Rätsels sehr einfach. Im Dezember galt noch letztmalig die reduzierte Mehrwertsteuer. Gerade Käufer von hochpreisigen Produkten konnten somit nochmal auf den letzten Drücker nette Summen bei der Mehrwertsteuer sparen. Und so haben wohl zahlreiche Kunden ihre für 2021 geplanten Autokäufe noch schnell in den Dezember 2020 vorgezogen, und haben die Absatzzahlen nach oben gedrückt. Vermutlich dürften in Deutschland dann die Zahlen in den ersten Monaten 2021 mau ausfallen, weil diese Käufer dann fehlen?

Italien und Frankreich haben mangels Sondereffekten im Dezember nicht so geglänzt wie Deutschland. Hier waren die Autozulassungen im Jahresvergleich rückläufig mit -14,9 Prozent und -11,8 Prozent. Schauen wir mal auf den Gesamtjahresvergleich von 2019 auf 2020. Da lag die Gesamt-EU mit 23,7 Prozent im Minus. Deutschland lag bei -19,1 Prozent, Italien bei -27,9 Prozent, und Frankreich bei -25,5 Prozent.

Grafik zeigt Autozulassungen in der EU im Dezember 2020 und Gesamtjahr

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Europa

Gastgewerbe: So stark fiel der Umsatz im letzten Jahr

Claudio Kummerfeld

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Leere Stühle bei der Außengastronomie eines Restraurants

Das Gastgewerbe (Hotels, Restaurants, Catering) ist neben Reisebüros, Fluggesellschaften und anderen wohl mit am Schlimmsten betroffen von der Coronakrise. Heute hat das Statistische Bundesamt eine erste Schätzung veröffentlicht, wie stark die Umsätze im Gastgewerbe im Gesamtjahr 2020 eingebrochen sind. Es ist ein Rückgang von 38 Prozent gegenüber 2019.

Für den Monat November liegen gesicherte Zahlen vor. Dazu drei Vergleiche: Im November 2020 fiel der Umsatz im Gastgewerbe gegenüber Oktober 2020 um 52,3 Prozent. Der Umsatz lag 67,4 Prozent unter dem Niveau vom Februar 2020, dem Monat vor Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland. Im Vergleich zum Vorjahresmonat November 2019 war der Gastgewerbeumsatz 67,9 Prozent geringer.

Die Grafik ist aufschlussreich. Man sieht den ersten Absturz aus dem Frühjahr, von einem Normalwert bei 105,4 runter auf 26,2 Indexpunkte. dann im Jahresverlauf nach dem ersten Lockdown die Erholung auf 82,8 Punkte im August. Und dann folgt der zweite Absturz bei den Umsätzen im Gastgewerbe ab Oktober, runter auf 34,4 Punkte im November.

Grafik zeigt Verlauf der Umsätze im Gastgewerbe seit dem Jahr 2013

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