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Deutsche Telekom: Warum die „Fusion“ mit Sprint eine totale Einverleibung ist!

Die amerikanischen Mobilfunk-Giganten AT&T und Verizon bekommen einen ebenbürtigen dritten Konkurrenten für den US-Markt, nämlich die Deutsche Telekom. Sie fusioniert ihre US-Tocher „T Mobile US“ mit dem Konkurrenten Verzizon. Damit gibt es zukünftig drei große US-Anbieter. Die Art und Weise, wie die Telekom diesen Deal durchführt, ist ein totaler Gewinn für den Konzern aus Bonn.

Claudio Kummerfeld

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am

Die amerikanischen Mobilfunk-Giganten AT&T und Verizon bekommen einen ebenbürtigen dritten Konkurrenten für den US-Markt, nämlich die Deutsche Telekom. Sie fusioniert ihre US-Tocher „T Mobile US“ mit dem Konkurrenten Verzizon. Damit gibt es zukünftig drei große US-Anbieter. Die Art und Weise, wie die Telekom diesen Deal durchführt, ist ein totaler Gewinn für den Konzern aus Bonn.

Offiziell ist es das Zusammenlegen von zwei US-Unternehmen, wodurch ein neues entsteht. Der Name Verzizon verschwindet, und im neuen Unternehmen bleiben die Telekom-Manager am Steuer. Bislang war die Deutsche Telekom mit 62% an der US-Tochter beteiligt. Sprint hatte bisher das japanische Unternehmen „Softbank“ mit 83% als Hauptaktionär. Am neuen Unternehmen wird durch einen reinen Aktientausch die Deutsche Telekom einen Anteil von 42% halten, und die Softbank einen Anteil von 27%. Der Rest von 31% verbleibt bei den freien Aktionären.

Absolute Kontrolle für die Deutsche Telekom

Aber noch wichtiger ist: Man hat mit der Softbank vereinbart, dass die Deutsche Telekom in Sachen Stimmrechte die eindeutige Mehrheit am neuen Unternehmen hält. Somit werden die unternehmerischen Entscheidungen trotz nur 42% Anteil letztlich von Bonn aus gesteuert. Zitat aus der offiziellen Mitteilung der Telekom:

Darüber hinaus schließen Softbank und Deutsche Telekom eine Stimmrechtsvereinbarung ab. Diese sichert der Telekom weitreichende Mehrheitsrechte bei der Festlegung des Abstimmungsverhaltens der T-Mobile US-Anteile im Bestand von Softbank. Somit hat die Deutsche Telekom mittelbar und unmittelbar Zugriff auf Stimmrechte für insgesamt 69 Prozent der T-Mobile US-Aktien.

Die Synergien sollen einen Wert von 43 Milliarden Dollar haben. Laut offizieller Veröffentlichung will man trotz Synergien die Mitarbeiterzahl aufstocken und massiv in das neue 5G-Netz in den USA investieren. Mit günstigen Preisen will man die Wettbewerber angreifen. Hier Stichpunkte zu dieser Fusion, die ja tatsächlich ein Kauf ist, im Wortlaut von der Telekom:

Unternehmenswert (EV) der neuen Gesellschaft beträgt rund 150 Mrd. Dollar

Synergien im Barwert von rund 43 Milliarden Dollar

Transaktion als reiner Aktientausch / keine Barkomponente

Solide Finanzkennzahlen und Eigenfinanzierung

Günstiges Austauschverhältnis: Eine Aktie der neuen T-Mobile US für 9,75 Sprint-Anteilen

Vollkonsolidierung des neuen Unternehmens durch Deutsche Telekom

Erfahrenes Managementteam für neue Gesellschaft

Timotheus Höttges soll Chairman werden, John Legere CEO

Prognosen der Deutschen Telekom für 2018 unverändert

Hohe Investitionen in Deutschland bleiben unberührt

Warum offiziell nur ein Minderheitsanteil?

Die Deutsche Telekom hätte den Sprint-Eigentümern zusätzlich zum Aktientausch auch eine Barzahlung anbieten können, um so von den Anteilen her über 50% zu kommen. Aber nein, man bleibt bei 42%, und sichert sich die faktische Mehrheit über eine gesonderte Stimmrechtsvereinbarung mit der Softbank, die ihren Anteil an der neuen Firma quasi entwertet. Warum?

Eine Spur könnte zu den Wettbewerbshütern in den USA führen. Der Deal zwischen T Mobile US und Sprint scheiterte im Jahr 2014 schon einmal. Und dazu ist jetzt noch ein aufbrausender Donald Trump Präsident. Man erklärt jetzt aber, dass man sich mit der zuständigen US-Behörde „FCC“ abgesprochen habe. Naja… letztlich hängt es wohl vom Wohlwollen von Donald Trump ab. Ist es da ein geschickter Schachzug, dass man bei den Anteilen am neuen Unternehmen nur für die Optik unter 50% Anteil bleibt? So könnte ein „Donald“ denken: Halb so schlimm, das  Unternehmen ist nicht mehrheitlich in ausländischer Hand…

Hier der Telekom-Chef Höttges im Video zu dem Deal:

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Die Deutsche Telekom-Zentrale in Bonn
Deutsche Telekom-Zentrale in Bonn. Foto: Qualle / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

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Volkswagen meldet 10 Milliarden Euro Gewinn – dazu noch ein interessanter Vergleich

Claudio Kummerfeld

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Volkswagen Logo

Volkswagen hat vor wenigen Minuten per Ad Hoc-Meldung vorab Daten für das Gesamtjahr 2020 veröffentlicht. Trotz der beispiellosen andauernden Covid 19-Herausforderungen habe Volkswagen im 2. Halbjahr 2020 seine Robustheit bewiesen. Die Auslieferungen an Kunden des Volkswagen-Konzerns erholten sich im 4. Quartal weiter stark, überstiegen sogar die Auslieferungen des 3. Quartals 2020. Die Umsatzerlöse stiegen entsprechend ebenfalls erheblich. Auch der ausgewiesene Netto-Cash-flow im Automobilgeschäft entwickelte sich sehr positiv, so das Unternehmen in seiner Mitteilung.

Basierend auf vorläufigen Zahlen erwartet man für das Geschäftsjahr 2020 ein operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen (Dieselthematik) von rund 10 Milliarden Euro, dazu einen ausgewiesenen Netto-Cash-flow im Automobilgeschäft von rund 6 Milliarden Euro. Die gesamten finanziellen Kennzahlen für das Geschäftsjahr 2020 sowie der Ausblick wird Februar veröffentlicht. Die Volkswagen-Aktie reagiert positiv mit einem Kurssprung von 158,60 Euro heute Vormittag auf aktuell 169,28 Euro.

Interessant zum Thema Autohersteller ist folgende Grafik. Sie zeigt den gigantischen Börsenwert von Tesla (links) in Relation zu den anderen großen Autobauern, die natürlich weitaus größere Mengen produzieren. Tesla hat derzeit mehr Börsenwert als die folgenden acht größten Autobauer zusammen. Sind das noch gesunde Dimensionen bei Tesla? Da muss Elon Musk noch ganz schön viele Autos verkaufen, um mit realen Umsätzen zur Börsenbewertung aufzuschließen.

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Immer mehr zusätzliche Luft für die Aktienblase, Branchenrotation dank Biden

Claudio Kummerfeld

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Derzeit gibt es immer mehr zusätzliche Luft zum weiteren Aufblähen der globalen Aktienblase, so ein Experte im folgenden Gespräch mit Manuel Koch. Notenbanken und Stimulus-Maßnahmen würden die Blase weiter befeuern. Dabei würden sich die Börsenbewertungen immer mehr von der realwirtschaftlichen Wirklichkeit entfernen. Deswegen sollten die Anleger Bestände gegen Verluste absichern. Auch interessant sind die Aussagen über eine Branchenrotation bei US-Aktien. Dank des neuen US-Präsidenten Joe Biden würden Branchen wie Pharma und alternative Energien profitieren, dafür könnte zum Beispiel die Ölindustrie verlieren.

Im Video auch besprochen werden zwei Handelsideen der trading house-Börsenakademie. Bei Netflix könne man market kaufen, und bei Microsoft könne man über das Vehikel einer Stop-Buy-Order auf steigende Kurse setzen.

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Aber CFDs sind Termingeschäfte? Verbände für steuerliche Bevorzugung von Optionsscheinen

Claudio Kummerfeld

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Aktives Trading mit CFDs und Optionsscheinen könnte problematisch werden

Was sind CFDs? Die „Contracts for Difference“ erlauben gehebelte Wetten auf steigende und fallende Kurse. Die CFDs können Anleger zeitlich unbefristet lange halten. Und Optionsscheine? Die haben einen fest definierten Ablaufzeitpunkt. Und wie definiert man Termingeschäfte? In Kurzform: Dies sind Börsengeschäfte, bei denen die Erfüllung des Vertrags (Abnahme und Lieferung der Ware) zu einem späteren Termin erfolgt. Also sind Optionsscheine doch Termingeschäfte, und CFDs irgendwie nicht so richtig?

Egal. Wenn der Gesetzgeber eine Feststellung trifft, dann ist das eben so – weil es nun mal der Gesetzgeber ist? So wurde vor Kurzem die seit Anfang Januar gültige Novellierung des Einkommensteuergesetzes beschlossen, wonach Verluste aus „Termingeschäften“ nur noch bis zu 20.000 Euro pro Jahr mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnet werden dürfen. Dadurch wird die bizarre Realität entstehen, dass Anleger Steuern auf Gewinne zahlen müssen, obwohl sie effektiv in einem Börsenjahr im Handel keinen Gewinn erzielt haben (wir berichteten schon mehrmals). Danke Olaf Scholz, darf man da schon mal im Voraus sagen.

Klar zu sein scheint, dass die CFDs in die Kategorie der Termingeschäfte fallen im Sinne dieser Novelle des Einkommenssteuergesetzes – wohl ganz einfach, weil der Gesetzgeber es so will. Aber auch Optionsscheine, die per Definition doch viel eher Termingeschäfte sind? Wie man derzeit munkelt, wird das Bundesfinanzministerium noch eine Klarstellung für die ausführenden Steuerbehörden veröffentlichen, aus welcher hervorgehen könnte, dass auch Optionsscheine als Termingeschäfte zu betrachten wären. Das würde den Kreis der betroffenen Anleger deutlich erweitern.

Lobbyarbeit für Optionsscheine – von CFDs ist keine Rede

Aber halt. CFDs werden fast komplett von angelsächsischen und Offshore-Anbietern angeboten. Optionsscheine sind die Kinder der deutschen Bankenbranche. Und drei Mal darf man raten, wer den besseren Draht zu BaFin, Bundesfinanzministerium, Staatssekretären etc haben könnte? Diese Woche sieht man vom Deutschen Derivate-Verband, der Börse Stuttgart und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) einen offiziellen Appell an das Bundesfinanzministerium (siehe hier), worin man eindringlich dazu auffordert Optionsscheine bezüglich dieser Neuregelung nicht als Termingeschäfte einzustufen. Man möchte also erreichen, dass Anleger auch weiterhin unbegrenzt Verluste aus Optionsscheinen mit Gewinnen aus Optionsscheinen verrechnen dürfen.

Gibt der Gesetzgeber dem nach, wäre dies ein glasklarer Vorteil für die Anbieter von Optionsscheinen, und ein riesiger Nachteil für die ausländischen CFD-Anbieter. Und wer ist denn Mitglied im Deutschen Derivate-Verband? Eben nicht die CFD-Anbieter, sondern so ziemlich alle deutschen Anbieter von Zertifikaten und Optionsscheinen, wie Deutsche Bank, Deka, Hypo, LBBW, DZ, Baader usw. Für CFDs bitten sie nicht um eine Ausnahme, sondern nur für Optionsscheine. Und die DSW? Hat sie die CFDs schon aufgegeben, und hofft nun noch darauf, wenigstens noch die Optionsscheine vor diesem Steuerirrsinn retten zu können? Aus dem Appell zitieren wir hier auszugsweise im Wortlaut:

Der Deutsche Derivate Verband (DDV), die Börse Stuttgart und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) appellieren an das Bundesfinanzministerium, die Linie aus dem Juni 2020 beizubehalten und Optionsscheine nicht als Termingeschäfte einzuordnen. Im Entwurf des Anwendungsschreibens des BMF vom Juni 2020 wurden Optionsscheine nicht als Termingeschäfte klassifiziert und damit eine klare, angemessene Abgrenzung erreicht. Damit wird vermieden, dass Anleger in der Depotgestaltung beeinträchtigt werden und zudem aufwendige individuelle Veranlagungen vornehmen müssen. Anderenfalls drohen schwere steuerliche Nachteile, nachträgliche Steuerzahlungen und Unsicherheiten für hunderttausende von Anlegern. Für Termingeschäfte sieht das Jahressteuergesetz, das seit Jahresbeginn gilt, eine begrenzte Verlustverrechnungsmöglichkeit nur mit anderen Termingeschäften und Erträgen aus Stillhaltegeschäften vor.

Marc Tüngler, DSW-Hauptgeschäftsführer: „Die steuerliche Neuregelung der Verlustverrechnung ist ein weiterer herber Schlag für Privatanleger und führt zu massiven Verunsicherungen. Vom Grundsatz her halten wir die Regelung insgesamt für verfassungswidrig. Der Entwurf des BMF-Schreibens war immerhin ein fairer Vorschlag, wie die Anwendung zumindest in Bezug auf Optionsscheine zu regeln ist, und würde betroffenen Anlegern eine Perspektive geben. Wenn das BMF jetzt von diesem ursprünglichen Entwurf abweicht, weckt das Unverständnis und offenbart einmal mehr die feindliche Gesinnung gegenüber Privatanlegern.“

Würden Optionsscheine jetzt durch das Anwendungsschreiben des BMF den Termingeschäften zugerechnet, wird die neugeschaffene Unwucht im Steuerrecht weiter dramatisch verschärft.

Es gibt gute sachliche Argumente dafür, warum Optionsscheine steuerlich als sonstige Finanzinstrumente und nicht als Termingeschäfte zu klassifizieren sind. Die Klassifizierung sollte anhand der Erfüllungsweise von Optionsgeschäften vorgenommen werden. Diese ist bei Optionsscheinen „Zug-um-Zug“, sie sind daher bei der steuerlichen Behandlung den Kassageschäften zuzurechnen, und nicht den Termingeschäften. Diese Einschätzung wird auch von Wissenschaftlern geteilt.

Eine Studie der WHU aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass hunderttausende von Privatanlegern von einer solchen Klassifizierung betroffen wären. Zudem stellt die Studie der WHU fest, dass 68,8 Prozent der Nutzer von Hebelprodukten wie Optionsscheinen diese zur Absicherung einsetzen. Die Beschränkung der Verlustverrechnung erschwert es Anlegern von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen.

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