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Einkaufsmanagerindex zeigt deprimierendes Bild Deutschland bleibt in Rezession: Immer mehr Firmen mit Geschäftsrückgang, Preise steigen

Deutschland Rezession Einkaufsmanagerindex

Soeben wurde der Einkaufsmanagerindex für die Wirtschaft in Deutschland (Markit PMI/S&P Global; erste Veröffentlichung für Dezember) veröffentlicht: die deutsche Industrie bleibt weiter tief in der Rezession!

Verarbeitendes Gewerbe: 43,1 (Prognose war 43,2; Vormonat war 42,6). Damit bleibt die deutsche Industrie weiter tief in der Rezession – alle Werte unter 50 bedeuten Schrumpfung zum Vormonat.

Dienstleistung: 48,4 (Prognose war 49,8; Vormonat war 49,6)

Gesamtindex: 46,7 (Prognose war 48,2; Vormonat war 47,8)

Die Wirtschaft in Deutschland schrumpft also weiter, aber das Tempo des Niedergangs.Die Turbulenzen nach dem Urteil des Buhndesverfassungsgerichts sind in den Zahlen nun sichtbar- Vor allem aber steigt der Preisdruck wieder: die Unternehmen haben höhere Kosten (Löhne!) und geben das an die Konsumenten weiter.

Dazu schreibt S&P Global, das die Daten erhebt:

„Die deutsche Wirtschaft verharrte im Dezember im rezessiven Bereich, wie die aktuelle, von S&P Global durchgeführte HCOB- ‚Flash‘-PMI®-Umfrage ergab. Industrieproduktion und Geschäftstätigkeit im Servicesektor sanken mit leicht beschleunigten Raten. Hartnäckige Rückgänge bei Auftragseingang und Auftragsbeständen kennzeichneten die schwache zugrundeliegende Nachfrage, wenngleich sich beide Schrumpfungsraten im Vormonatsvergleich abschwächten.

Gleichzeitig nahm der Inflationsdruck zum Ende des vierten Quartals 2023 wieder zu. So wurden die Verkaufspreise wegen des leicht beschleunigten Kostenauftriebs mit der höchsten Rate seit sieben Monaten angehoben. Überkapazitäten und Bemühungen, die Betriebskosten zu senken, sorgten dafür, dass die Beschäftigtenzahlen zum vierten Mal hintereinander und auch stärker sanken als zuletzt – und dies, obwohl sich die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist von ihrem jüngsten September-Tief weiter erholten.“

Und Cyrus de la Rubia, Chefökonom der Hamburg Commercial Bank, kommentiert:

„Wenn man gerade auf der Suche nach Geschenken ist, wird man bei den neuesten PMI-Umfrageergebnissen für Deutschland sicherlich nicht fündig. Was man stattdessen findet, ist eine steigende Zahl von Unternehmen sowohl im Dienstleistungssektor als auch im verarbeitenden Gewerbe, die eine rückläufige Geschäftstätigkeit melden. Damit bestätigt sich unsere Einschätzung, dass das verarbeitende Gewerbe zum Jahresende das zweite Quartal in Folge einen Rückgang verzeichnen wird. Die wenig ermutigende Entwicklung könnte mit dem Urteil des Verfassungsgerichts und dem darauf folgenden Streit über den Haushalt 2024 zusammenhängen. Dies hat zu einer erheblichen Verunsicherung über mögliche neue Belastungen für die Wirtschaft geführt.

Nachdem der PMI-Index Lagerbestand für die Industrie in den letzten beiden Monaten gestiegen ist, gab es im Dezember einen Rückschlag. Das bedeutet nicht unbedingt das Aus für die mögliche Trendwende im Lagerzyklus im nächsten Jahr, aber es deutet darauf hin, dass der Weg zur Erholung holpriger sein könnte als bisher angenommen.

Im verarbeitenden Gewerbe schrumpfen die Auftragseingänge weiterhin rapide und sind damit den 21. Monat in Folge rückläufig. Der dazugehörige Index befindet sich jedoch im Aufwärtstrend, der zum Teil auf die geringere Belastung durch Exportaufträge zurückzuführen ist. Bemerkenswert ist, dass die Unternehmen nach sieben Monaten Pessimismus wieder optimistisch sind, was die zukünftige Produktion angeht. Dies deckt sich mit unserer Einschätzung, dass die Industrie im nächsten Jahr wieder wachsen wird.

Im Servicesektor sind weiterhin Zeichen einer Stagflation erkennbar. Die Geschäftstätigkeit ist den dritten Monat in Folge geschrumpft, während die Einkaufspreise ähnlich schnell wie im November gestiegen sind. Interessanterweise ist es den Unternehmen gelungen, ihre Verkaufspreise noch schneller zu erhöhen als in den vorangegangenen Monaten. Dieses Ergebnis macht deutlich, dass der Inflationsausblick trotz des deutlichen Rückgangs der offiziellen Verbraucherpreisinflation in den letzten Monaten nach wie vor mit Aufwärtsrisiken behaftet ist.“



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2 Kommentare

  1. Hierzu die Beispiele Deutsche Bahn und Lufthansa: O.k., die aktuellen Streiks von seiten meines Lieblingsgewerkschaftssekretärs GDL-Chef Claus Weselsky werden bei der Bahn zu höheren Kosten führen. Jedoch verweist Weselsky im Rahmen von Kundgebungen auf die aktuelle Ausgangslage der Bahn und das damit im Missverhältnis stehende Einkommen von Deutsche Bahn-Ceo Richard Lutz. Die Lufthansa wird wohl in Kürze mit Streiks von seiten der Gewerkschaft Verdi konfrontiert. Jedoch haben die schon bestehenden Wettbewerbsverzerrungen am Luftverkehrsstandort Deutschland gegenüber der Arabische Liga-Luftfahrtallianz Arab Air Carriers Organization bereits dazu geführt, daß der Kranich-Konzern Doha nicht mehr anfliegt. Die Lufthansa wird im Rahmen des Bundeshaushaltes 2024 wohl zusätzlich mit einer Kerosinsteuer für Zubringerflüge zu den Luftverkehrsdrehkreuzen Fraport und MUC Franz Josef Strauß konfrontiert. Da man den genannten Haushalt als vorläufige Haushaltsführung ansehen muß, könnte es wohlmöglich auch zu einer weiteren Erhöhung der wettbewerbsverzerrenden, rein entfernungsbezogenen Luftverkehrssteuer am Lufthansa-Heimatmarkt kommen.

  2. Bitte keinen automatischen Übersetzer benutzen . Das Buhndesverfassungsgericht heißt Bundesverfassungsgericht ohne „H“ im Wort „Bund‘“ Der ganze Paragraph ist grammatikalisch etwas falsch. In Zeiten der schleichenden Verschlechterung der schulischen Bildung sollten es wenigsten die Journalisten besser versuchen. Danke

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