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Die deutsche Wirtschaft schwächelt Deutschland: Warum auch 2024 eine Wirtschaftsflaute droht

Deutschland: Das verlorene Jahr 2023 ist vorbei. Ob 2024 besser wird, ist fraglich
Reichstag Deutschland. Foto: romeo22 - Freepik.com

Deutschland kämpft gleich an mehreren Fronten mit Problemen: Die Industrie befindet sich in einer Rezession, die Wirtschaft schrumpft, die Energiewende stockt und darüber hinaus präsentiert sich die Ampelkoalition alles andere als souverän. Selbst wenn die deutsche Wirtschaft im Jahr 2024 endlich wieder zu wachsen beginnt – es wird schwer werden, sich von einem der dunkelsten Jahre für die Konjunktur seit einer Generation zu erholen. Deutschland, immerhin die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, bleibt in Sachen Wachstum wohl über das Jahr 2023 hinaus ein Nachzügler.

Geplagt von Energiekrise und maroder Infrastruktur, gebeutelt vom weltweiten Nachfragerückgang und abgeschlagen im Rennen um die Vorherrschaft bei Elektroautos, befand sich Deutschland wahrscheinlich schon in der Rezession, als das Jahr 2023 mit einem schockierenden Urteil des Verfassungsgerichts endete, das Berlins gesamte Haushaltsstrategie über den Haufen warf.

Deutschland: Industrie in der Rezession

Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (EMI) in Deutschland, der als einflussreichster Wirtschaftsindikator gilt, rutschte erstmals im August 2022 in die Kontraktion (Werte unter 50 Punkte). Der bewährte Frühindikator für die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland notiert seitdem beständig unter der Wachstumsschwelle. Obwohl sich der Index im Dezember auf 43,3 erholen konnte, besteht weiterhin Grund zur Besorgnis. Denn auch die Daten zur Industrieproduktion und den Auftragseingängen in der Industrie lassen noch keinen Hoffnungsschimmer auf eine Trendwende erkennen.

Die Industrie befindet sich in einer Rezession und gefährdet das Wachstum

Daten zur Industriekonjunktur werden nächste Woche wohl kaum eine spürbare Verbesserung zeigen. Die Regierung steckt in der Budget-Zwangsjacke und die drohenden Bahnstreiks sowie die Demonstrationen der Bauern tun ihr Übriges. Die für kommende Woche geplanten Streiks und Massendemonstrationen könnten gar die Wirtschaft in Deutschland für ein paar Tage lahmlegen.

Wachstum: Kaum Besserung in Sicht

Nur wenige Ökonomen erwarten in diesem Jahr einen großen Aufschwung in Deutschland. Das Land, das lange als Motor der Eurozone galt, tastet nach der Zündung.

“Wir sind eher pessimistisch für Deutschlands Wachstum”, sagt Stefan Schneider, Chefvolkswirt Deutschland bei der Deutschen Bank. “Eine Mischung aus Konjunktur und strukturellen Belastungsfaktoren zerstört derzeit die Hoffnung, dass das Land den Knoten lösen kann und in näherer Zukunft wieder zu alten Wachstumsraten von anderthalb, zwei Prozent aufschließen wird.”

Zwar deuten Umfragen unter Managern auf eine mögliche Bodenbildung im verarbeitenden Gewerbe hin. Doch frische Konjunkturdaten könnten in den kommenden Tagen auch zeigen, wie tief das Produktionsniveau schon gesunken ist.

Die Auftragseingänge in der Industrie erreichten im Oktober fast den niedrigsten Stand seit Mitte 2020. Ökonomen erwarten indessen, dass sie im November um 1% gestiegen sind — bei weitem nicht genug, um den Rückgang aufzuholen. Auch Exportdaten sind am Montag fällig. Am Dienstag folgen Daten zur Industrieproduktion, die ebenfalls auf einem niedrigen Niveau dümpelt und fünf aufeinanderfolgende Monaten rückläufig war.

Insgesamt könnte sich ein zweites Quartal der Schrumpfung andeuten und damit eine Rezession. Ein genaueres Bild wird sich am 15. Januar ergeben, an dem das Statistische Bundesamt die erste Schätzung für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Jahres 2023 bekannt gibt.

Die Bundesbank rechnet mit einem leichten jährlichen Rückgang von 0,1%, während die Europäische Kommission einen Rückgang von 0,3% prognostiziert.

Deutschland: Die Wirtschaft dürfte im Jahr 2023 geschrumpft sein

Ungelöste Probleme in Deutschland

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat Deutschland nur 2009 — während der globalen Finanzkrise — und während des Pandemieschocks von 2020 schlechter abgeschnitten. Entscheidend war zuletzt die Krise um die Gasversorgung nach Russlands Einmarsch in der Ukraine, die immer noch nicht nachhaltig gelöst ist.

Die Antwort der Ampelkoalition von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bestand darin, den Übergang zu klimafreundlicher Energieerzeugung noch zu beschleunigen, doch die Finanzierung dieser Strategie — Sondervermögen und Nebenhaushalte — wurde durch das Schockurteil aus Karlsruhe gekippt.

Scholz und seine Koalitionspartner Robert Habeck (Grüne) und Christian Lindner (FDP) haben zwar einen neuen Haushalt für die Jahre 2023 und 2024 zusammengeschustert. Doch die eigentliche Frage, wie die Wirtschaft umgerüstet und die jahrelangen Unterinvestitionen ausgeglichen werden sollen, bleibt wegen der verfassungsmäßig verankerten Schuldenbremse ungelöst.

“Auch der Wandel Richtung klimaneutrales Land und die Erfordernis, dass erstmal viel investiert werden muss, bevor dann irgendwann auch Erträge kommen, trägt zur Unsicherheit bei”, sagt Gabriele Widmann, Volkswirtin bei der Dekabank. “Auch das ist natürlich was, was jetzt dieses Jahr und die nächsten Jahre belasten wird.”

Die politische Herausforderung wird durch die Möglichkeit weiterer und längerer Bahnstreiks, durch die Bauernproteste gegen die Streichung von Subventionen und durch den Aufstieg der am rechten Rand angesiedelten AfD verschärft, die bei den Landtagswahlen im Laufe des Jahres in ihren Hochburgen im Osten des Landes wahrscheinlich zulegen wird.

Deutschlands Kernindustrie schwächelt

Die wirtschaftlichen Probleme haben dabei nicht nur mit der Energiekrise zu tun. Auch der Mangel an qualifiziertem Personal für die industriebasierte deutsche Wirtschaft ist ein Problem. Und während der chinesische Autobauer BYD und Tesla den Kampf um die Krone des weltweit größten Herstellers von Elektrofahrzeugen unter sich ausmachen, lag die deutsche Pkw-Produktion im vergangenen Jahr immer noch 12% unter dem Niveau von 2019.

Vor diesem Hintergrund rechnet die Bundesbank für das laufende Jahr mit einem Wachstum von nur 0,4%. Das wäre zwar eine Verbesserung gegenüber 2023, aber immer noch eines der schlechtesten Ergebnisse in diesem Jahrhundert. Und das bei einer Inflation, die nach Einschätzung der Ökonomen länger anhalten wird als in anderen großen Volkswirtschaften der Eurozone. Die Inflationsdaten am vergangenen Donnerstag haben gezeigt, dass die Inflation in Deutschland im Dezember auf 3,7 % gestiegen ist, nachdem sie im November noch bei 3,2 % gelegen hatte.

Hoffnung für die zweite Jahreshälfte

Schneider von der Deutschen Bank hält eine weitere jährliche Schrumpfung von 0,2% für möglich, obwohl selbst er die Aussicht auf einen baldigen Aufschwung sieht.

“Die Hoffnung ist, dass es dann ab Frühjahr, wenn speziell die Realeinkommen bei den Haushalten steigen, die Inflation weiter runter kommt und auch der Optimismus der Haushalte vielleicht etwas steigt, dass wir dann aus dieser Spur herauskommen”, so der Deutsche-Bank-Ökonom. “Der private Konsum sollte uns in diesem Jahr dann wahrscheinlich vor einem deutlichen Rückgang der Konjunktur retten.”

Optimistischer ist Stefan Mütze von der Helaba, der davon ausgeht, dass die Kombination aus einer Belebung der Konsumausgaben, der Industrienachfrage und der Investitionen in die grüne Transformation ein Wachstum von über 1% ermöglichen könnte.

“Unsere These ist, dass es in 2024 besser wird, auch in der Industrie”, so Mütze. “Wir gehen davon aus, dass die Exporte sich im Laufe des Jahres etwas erholen.”

FMW/Bloomberg



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10 Kommentare

  1. Ich denke, das Beste für Deutschland wird es sein, wenn „die Ampel“ bis Ende 2025 weiterregiert und alle von ihr gewünschten finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt bekommt.
    Es muss richtig vor die Wand gehen und dafür benötigt die grüne Sekte noch 2 Jahre und noch viel Geld.
    Jetzt, durch eine neue Regierung die Karre aus dem Dreck zu ziehen, würde eine „Dolchstoßlegende“ möglich machen. So nach dem Motto: 2 Jahre mehr Zeit, und mehr Geld, und die grüne Transformation wäre gelungen.
    Natürlich wird es dann nach 2025 sehr hart werden, und noch mehr Menschen werden verarmt sein.
    Aber, da muss Deutschland nun durch.
    Es muss so wie bestellt auch geliefert werden.
    Und Deutschland, bzw. seine Menschen, haben die Kraft zu einem „Neuanfang“ auf gleich mehreren Ebenen.
    Aber, es wird sehr teuer werden und es wird ein tiefes Tal durchschritten werden müssen.
    Vor allen Dingen wird es hart für die Menschen, die den Versprechungen der grünen Sekte geglaubt haben und sich nicht vorbereitet haben.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. Quelle Horreur, Der Sanktioneur

      Es beruht alles auf unberechtigten Hoffnungen, De ist selbstverschuldet als erstes Land in die Rezession gegangen, die andern Länder werden etwas später nachkommen und als Widersacher den ehemaligen Exportweltmeister sicher nicht aus dem Dreck ziehen.
      Denn gerade die Autoindustrie als Zugpferd haben sie mit der naiven Energiepolitik selber stark geschwächt.Wie Helmut sagt, der Schmerz muss noch grösser werden bis die Patienten zum Arzt gehen und die Ampel demontieren. Man merkt es an den Kommentaren auf FMW, es gibt noch zuviel Grünspäne die meinen die deutsche Energiepolitik sei DER NEUE EXPORTSCHLAGER,
      FAZIT: Energie wird durch die Wende teurer und die Exporte werden verteuert.
      P.S. und da starrt man jeweils auf Kommastellen bei den Wirtschaftszahlen und vergisst dabei,dass ein Streik- oder Ausfalltag bei gut 200 Arbeitstagen 0,5% ausmacht, Wirtschftswachstum in 2024 in De kann man vergessen, ich glaube nicht dass Rheinmetall mit der Waffenproduktion den Rückgang wettmachen kann und wenn ja wäre das ein sehr unproduktives BIP und noch schuldenfinanziert

  2. Wer zuversichtlich ist, dem wachsen Flügel, heißt es ja auch ab und an einmal gerne. Dies erinnert mich allerdings auch daran, daß der Kranich kein Nesthocker ist, sondern fliegen will. Die von der Bundeskanzler Olaf Scholz-Bundesregierung/Koalition beabsichtigte weitere Erhöhung der wettbewerbsverzerrenden, rein entfernungsbezogenen Luftverkehrssteuer am Kranich-Konzern Lufthansa-Heimatmarkt ist unfair, weil an den Heimatmärkten der Arabische Liga-Luftfahrtallianz Arab Air Carriers Organization keine Luftverkehrssteuer berechnet wird. Somit Ja zu einer Luftverkehrssteuer auf IATA-Ebene, die auch Flottenerneuerung im Rahmen der Staffelung der Luftverkehrssteuer berücksichtigt. Inwiefern der politische Wille der Ministerrat-Staatsministerin für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau und FDP-Präside auf Bundesebene Daniela Schmitt, die zur Zeit auch am turnusgemäßen Dreikönigstreffen ihrer genannten Partei teilnimmt, zugunsten eines konkurrenzfähigen Steuersystems hierbei konstruktiv/zielführend sein kann, bleibt zumindest erst einmal abzuwarten.

  3. Irgendwie ist es schade, dass Deutschland Probleme immerzu lösen will. Es könnte doch auch mal versuchen, sich von Problemen zu lösen. Dazu müssen allerdings die Ursachen angegangen werden, nicht die Symptome.
    Wenn es beispielsweis problematisch wird, Autos in gewohnter Zahl zu verkaufen, weil man nicht konkurrenzfähig ist, liegt die Ursache möglicherweise an dem viel zu großen Rucksack an Abschöpfern, die die Autoindustrie mit sich herumschleppt. Es gibt zwar den Ansatz, dass die eigenen Mitarbeiter auch die wichtigsten Kunden sind. Spätestens bei gesättigten Märkten dürfte diese Rechnung jedoch nicht mehr aufgehen.
    Man muss deshalb nicht die Autoindustrie im Ganzen über den Klippe stürzen. Aber zumindest mal genauer hinzusehen, wer eigentlichen wie zu ihrer Rentabilität oder zu ihren Defiziten beiträgt, ist durchaus angebracht, bevor es nichts mehr zu retten gibt. Es ist nämlich ein Irrglaube, dieses den Unternehmern überlassen zu können. Denn auch die haben Anspruch auf Work-Life-Balance und wenn diese nur zu erreichen ist, indem sie ihren Laden mangels Entlastung bzw. Nachfolge verhökern oder restentleert vor die Wand fahren, tun sie auch nichts Verächtlicheres als die Beamten und Pensionäre, die sich aus Versorgungsansprüchen aus besseren Zeiten bedienen.
    Der private Konsum wird sicherlich immer eine Grundlast bilden und damit eine Wirtschaft erzwingen, schon aus existenzieller Not. Das kann aber ein sehr niedrigen Niveau erreichen, wenn dabei die Arbeit nicht breit genug verteilt wurde, weil man beim Demokratisieren Geben und Nehmen an absurdum geführt hat.

    1. Brilliant. Ich füge hinzu: Das Problem ist, daß das Problem das Problem ist!

      1. …und die Lösung ist: Die Lösung ist die Lösung!

        1. …manchmal ist aber die Lösung das Problem !

  4. Ach eigentlich sind unsere Probleme in unseren land gar nicht so kompliziert wie immer getan wird. die 60 Milliarden sind gar nicht das Problem. Wir haben eigentlich die gleichen Probleme wie ein Staat den man vor vielen Jahren zusammengeführt hat. die DDR hatte genau die gleiche Probleme. Infrastruktur marode, Leistung hat sich nicht gelohnt, Überwachung und Meinungsmache so bald es nicht den Vorgaben entspricht usw.. eigentlich fehlt nur noch die Mauer. Aber daran arbeitet man ja indirekt durch wegzugsteuer usw nun auch schon dran.
    Dieses Land muss endlich verstehen wir sind in einem versteckten Sozialismus und genau das hemt uns.
    Wir müssen nun endlich wieder zur starken Mittelschicht finden. Leistung muss sich wieder lohnen und eher zum Ansporn bringen. Bildungswesen muss grundlegend reformiert werden auf Mint Wesen.

    Aber das ist halt das Problem an Deutschland. Es macht alles nur unnötig kompliziert und will die ganze Welt retten. Statt erstmal selbst zu alter Stärke zu kommen um dann das zu haben um vorzuleben wie es gehen kann. Und gerne dann auch massiv in der Welt zu helfen. Aber eben erst wenn hier alles läuft und nicht wie ein 3rd Welt land läuft.

  5. In der USA schaut man auf den Dienstleistungssektor, in DE auf die Industrie. Dabei ist Deutschland ebenfalls ein Dienstleistungsland. Schon merkwürdig diese Verzerrung hierzulande.

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