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Europa

Deutschland: Dienstleistungssektor bricht weiter ein! Was ist da los?

Wenn im Sommer die Konjunkturzahlen schlecht sind, heißt es meist: naja, ist halt Sommerpause, alle im Urlaub, kann man nicht so ernst nehmen. Aber irgendwas ist faul im Land der Teutonen..

Redaktion

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FMW-Redaktion

Wenn im Sommer die Konjunkturzahlen schlecht sind, heißt es meist: naja, ist halt Sommerpause, alle im Urlaub, kann man nicht so ernst nehmen. Und so konnte man die extrem schwachen Zahlen zum deutschen Einkaufsmanagerindex Dienstleitung aus dem August, die mit 51,7 so schwach waren wie seit drei Jahren nicht mehr, noch irgendwie weglächeln.

Markit, das die Daten erhebt, war nach Veröffentlichung des schwachen August weniger Sommer-drall mit der damaligen Warnung wegen der Zahlen:

„Das Wachstum im Dienstleistungssektor trübte sich im August ein, nachdem Geschäftstätigkeit und Neuaufträge auf die tiefsten Stände seit über drei Jahren beziehungsweise einem Jahr fielen. Darüber hinaus verschlechterte sich der Jahresausblick auf den niedrigsten Wert seit letztem Oktober.“

Dass all das kein Ausrutscher war, zeigen die heute für den September veröffentlichten Daten zum Einkaufsmanagerindex Dienstleistung (Vorabschätzung), die mit 50,6 (Prognose war 52,0) deutlich unter der Erwartung bleiben und so schlecht ausfielen wie seit 39 Monaten nicht mehr! Erstaunlich jedoch, dass die Zahlen aus dem Gewerbe mit 54,3 sogar besser ausgefallen sind als erwartet (Prognose war 53,1). Also alles schick? Nicht wirklich, wenn man Oliver Kolodseike von Markit glaubt:

„Mit der niedrigsten Wachstumsrate seit nahezu eineinhalb Jahren hat der deutsche Aufschwung im September weiter an Dynamik verloren. Der Zuwachs an Neu- und Folgeaufträgen blieb alles in allem ausgesprochen dürftig und fiel niedriger aus als zum Jahreswechsel 2015/2016. Kritisch ist vor allem die Kluft zwischen den beiden Sektoren. So ist der Servicesektor im Berichtsmonat kaum noch gewachsen, was der niedrigste Wert des Service-Index Geschäftstätigkeit seit Sommer 2013 zeigt. Überdies hat die schwache Nachfrage den Auftragseigang bei den Dienstleistern weiter geschmälert und dafür gesorgt, dass die unerledigten Aufträge nahezu stagnierten, was nichts Gutes für die nächsten Monate verheißt.“

Was ist da bei den Dienstleistern bloß los? Markit selbst hat keine Erklärung für den weiteren Einbruch der Dienstleister, stellt aber fest, dass die Kosten für die Unternehmen steigen – und damit absehbar auch die Verbraucherpreise:

„Dass die Kosten zum fünften Mal hintereinander und mit einer der höchsten Raten seit über einem Jahr stiegen, begründeten die Unternehmen mit höheren Ausgaben für Löhne und Gehälter und der Verteuerung von Rohstoffen. Da die gestiegenen Kosten von etlichen Firmen beider Sektoren in Form höherer Verkaufs-bzw. Angebotspreise an die Kunden weitergegeben wurden, legten die Verkaufspreisinsgesamt so stark zu wie zuletzt im Januar 2014.“

Ein echtes „Zuckerl“ für Mario Draghi und seine drag(h)ischen Ritter der traurigen Deflations-Gestalt bei der EZB.

Insgesamt aber zeigt der September die schwächste Entwicklung seit eineinhalb Jahren, wenn man Dienstleistung und Gewerbe zusammen nimmt (gemessen im Markit Flash Composite, der um weitere 0,6 Punkte zum Vormonat August verliert auf nun 52,7).

Es tut sich also Rätselhaftes in Deutschland: der Diensteistungssektor, vor nicht allzu langer Zeit das Zugpferd der deutschen Wirtschaft, ist zum Problemkind geworden! Und das heißt übrigens auch nichts Gutes für den Binnenkonsum in Deutschland.

Aber all das liegt sicher nur im Sommer, der neuerdings ja fast bis Weihnachten reicht. Daher schließen wir uns dem wunderbaren Gedicht von Rilke an und fordern den sofortigen Start des Herbstes:

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    KarlM

    23. September 2016 10:42 at 10:42

    Rilke … sehr schön. Kultur und Bildung – ihr werdet mir immer symphatischer!

    Naja – Herr Riße zwar nicht so sehr mit seinen Durchhalte-Videos und der ewig gleichen Leier. Vielleicht kann er ja mal was von Rilke in einem Video lesen anstatt immer nur vollkommen argumentfrei ewig auf dem dem Zentralbank-Put rumzureiten.

    Aber wahrscheinlich sorgen die Zentralbanken demnächst auch noch für geringere Säuglingssterblichkeit und sauberere Luft ;)

    VG KARL

  2. Avatar

    Seppl

    23. September 2016 11:07 at 11:07

    Warum wollen wir das jährliche 2%-Entwerten nur den Ersparnissen zukommen lassen? Wir haben doch auch Kulturgüter, die wir erodieren könnten. Rilkes Gedichtsanfang hat 94 Buchstaben. Schon in kommenden Jahr könnte es nach Streichung zweier Buchstaben so aussehen:

    Herr: es ist Zet. Der Sommer war sehr groß.
    Leg deinen Chatten auf die Sonnenuhren,
    und auf den Fluren laß die Winde los.

    Klingt doch schon mal viel modernder. Und im Jahre 2023 hätten wir vielleicht schon:

    Herr: es ist Zet. Der Omer war sehr go.
    Leg dein Chatten auf die Soneuren,
    und auf den Luren laß die Wie los.

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      23. September 2016 11:09 at 11:09

      @Seppl, genialer Vorschlag! You made my day!!!

  3. Avatar

    DiegoBenito

    23. September 2016 11:57 at 11:57

    Ich werd das dem Rilke an seinem Grabe erzählen….Ich wohne nur 10 min von ihm entfernt

  4. Avatar

    KarlM

    23. September 2016 12:13 at 12:13

    Aber, aber, aber – der Herr Draghi will doch Inflation und nicht Deflation lieber @Seppl! Sie haben den Ist-Zustand in der Euro-Zone schön beschrieben.

    Wo wir aber hinmüssen bzw. was der Draghobert will, ist doch aber, dass er die Zahl der Rilke vortragenden Kulturschaffenden strak reduziert aber die wenigen Verbleibenden dann prozentual viel mehr Rilke aufsagen müssen.

    Da ein und dieselbe Person nun nicht zwei Gedichte gleichzeitig aufsagen kann läuft das dann auf einen Buchstabenzuwachs hinaus! Daher empfehle ich einen starken Buchstaben-Inflationierungs-Algorithmus wie z. B. „Grüfnisch“ aus der schönen Schweiz:

    Heneferr: enefes inifist Zenefeit. Denefer Sonofommenefer wanafar senefehr gronofoß. Lenefeg denefeinenefen Schanafattenefen anafauf dinifie Sonofonnenefenunufuhrenefen, unufund anafauf denefen Flunufurenefen lanafaß dinifie Winifindenefe lonofos.

    VG Karl

  5. Avatar

    m.d

    23. September 2016 12:22 at 12:22

    :) :) :)
    ich glaube es wird Zeit für mich die Koffer zu packen.
    :) :)

    • Avatar

      KarlM

      23. September 2016 12:26 at 12:26

      So einfach ist das nicht mehr mit dem Bargeld in die Schweiz verschaffen! ;)

      VG KARL

  6. Avatar

    m.d

    23. September 2016 12:23 at 12:23

  7. Avatar

    Peter

    23. September 2016 12:35 at 12:35

    Das Land der Dichter und Bänker

    • Avatar

      KarlM

      23. September 2016 12:47 at 12:47

      Tja … wenn man gern in der Finanzbranche arbeiten möchte aber nicht unbedingt als Strucki in der Maschmeyer-Kloppertruppe enden will muss man schon ein wenig Rilke aufsagen können ;)

      Homer im Original lesen können ist aber nicht erforderlich und schadet eher (da wirkt man schnell zu verkopft).

      Ist man Amerikaner brauch man gar nichts können – der Buy-Button ist grün, eine andere Taste gibt es nicht :D

      VG KARL

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Europa

Verbraucherpreise in Deutschland zweiten Monat in Folge in der Deflation

Claudio Kummerfeld

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Verbraucherpreise schwanken

Soeben hat das Statistische Bundesamt als Vorabschätzung die Verbraucherpreise für den Monat Oktober veröffentlicht. Im Jahresvergleich zu Oktober 2019 ist es ein Minus von 0,2 Prozent, nach ebenfalls -0,2 Prozent im September. Die Erwartung lag für heute bei -0,3 Prozent. Es ist offensichtlich, dass die seit 1. Juli geltende Mehrwertsteuersenkung die Verbraucherpreise insgesamt in den Negativbereich drückt – was die Statistiker auch ausdrücklich erwähnen. Die Grafik zeigt die Details der aktuellen Vorabschätzung (endgültige Zahlen am 12. November).

Grafik zeigt aktuelle Details der Verbraucherpreise für Oktober

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Devisen

Aktuell: EZB-Entscheidung veröffentlicht

Claudio Kummerfeld

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EZB-Tower in Frankfurt

Die EZB hat soeben ihre Entscheidung veröffentlicht.

Der EZB-Leitzins (Refinanzierungssatz) bleibt unverändert bei 0,00 Prozent. Der extrem wichtige Banken-Einlagenzins, auf den sich Banken bzgl. der Negativzinsen berufen, bleibt ebenfalls unverändert bei -0,50 Prozent. Die Marginal Lending Facility bleibt ebenfalls unverändert bei 0,25 Prozent.

Die Aufkauf- und Liquiditätsprogramme (PEPP, APP und TLTRO III) laufen wie bisher weiter.

Um 14:30 Uhr folgt die PK von Christine Lagarde. Wir berichten dann umgehend über alle interessanten Aussagen. Hier das offizielle Statement der EZB zur jetzigen Entscheidung:

(2) The Governing Council will continue its purchases under the pandemic emergency purchase programme (PEPP) with a total envelope of €1,350 billion. These purchases contribute to easing the overall monetary policy stance, thereby helping to offset the downward impact of the pandemic on the projected path of inflation. The purchases will continue to be conducted in a flexible manner over time, across asset classes and among jurisdictions. This allows the Governing Council to effectively stave off risks to the smooth transmission of monetary policy. The Governing Council will conduct net asset purchases under the PEPP until at least the end of June 2021 and, in any case, until it judges that the coronavirus crisis phase is over. The Governing Council will reinvest the principal payments from maturing securities purchased under the PEPP until at least the end of 2022. In any case, the future roll-off of the PEPP portfolio will be managed to avoid interference with the appropriate monetary policy stance.

(3) Net purchases under the asset purchase programme (APP) will continue at a monthly pace of €20 billion, together with the purchases under the additional €120 billion temporary envelope until the end of the year. The Governing Council continues to expect monthly net asset purchases under the APP to run for as long as necessary to reinforce the accommodative impact of its policy rates, and to end shortly before it starts raising the key ECB interest rates. The Governing Council intends to continue reinvesting, in full, the principal payments from maturing securities purchased under the APP for an extended period of time past the date when it starts raising the key ECB interest rates, and in any case for as long as necessary to maintain favourable liquidity conditions and an ample degree of monetary accommodation.

(4) The Governing Council will also continue to provide ample liquidity through its refinancing operations. In particular, the third series of targeted longer-term refinancing operations (TLTRO III) remains an attractive source of funding for banks, supporting bank lending to firms and households.

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Europa

Arbeitsmarkt im Oktober: Leicht erholt, weiterhin Millionen in Kurzarbeit

Claudio Kummerfeld

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am

Eingang zu einer Bundesagentur für Arbeit

Die Bundesagentur für Arbeit hat vor wenigen Minuten die aktuellsten Zahlen für den deutschen Arbeitsmarkt für den Monat Oktober veröffentlicht. Die offizielle Arbeitslosigkeit (tief gehalten dank dem Instrument der Kurzarbeit) liegt bei 2,76 Millionen (-87.000 im Monatsvergleich) oder 6,0 Prozent, nach 6,2 Prozent im September. Es sieht also nach ein wenig mehr Optimismus am Arbeitsmarkt aus. Aber wie gesagt, die Kurzarbeit hält Millionen Menschen aus der Arbeitslosenstatistik raus.

Leichte Erholung am Arbeitsmarkt

Hier die aktuelle Headline-Aussage der Bundesagentur für Arbeit zur aktuellen Lage am Arbeitsmarkt:

Die deutsche Wirtschaft hat sich im dritten Quartal 2020 deutlich erholt. Die Dynamik des Aufholprozesses lässt allerdings am aktuellen Rand nach. Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen nimmt die Unsicherheit wieder zu. Der Arbeitsmarkt steht weiter unter Druck, zeigt aber eine spürbare Besserung. Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nehmen wieder etwas zu, unterschreiten jedoch deutlich die Vorjahreswerte. Auch die gemeldete Nachfrage nach neuen Mitarbeitern stabilisiert sich, bleibt aber auf einem niedrigeren Niveau. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) sind im Oktober im Zuge der Herbstbelebung erneut kräftig gesunken. Saisonbereinigt waren spürbare Rückgänge zu verzeichnen. Der Einfluss der Corona-Krise zeigt sich allerdings weiterhin in einem erheblich höheren Niveau von Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung als im Vorjahr. Nach wie vor wird der Arbeitsmarkt durch den massiven Einsatz von Kurzarbeit gestützt. Im Vergleich zum Höhepunkt im April und Mai hat sich die Inanspruchnahme aber um mehr als die Hälfte verringert, ohne dass sich dadurch die Arbeitslosigkeit erhöht hätte.

Kurzarbeit

Zum Thema Kurzarbeit hat die Bundesagentur für Arbeit aktuell folgende Aussage veröffentlicht. Zitat:

Aktuelle Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme stehen bis August zur Verfügung. Nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Statistik der Bundesagentur für Arbeit wurde in diesem Monat für 2,58 Mio Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt, nach 3,32 Mio im Juli und knapp 6,00 Mio im April, dem Monat mit der höchsten Kurzarbeiterzahl in der Corona-Krise. Im August des Vorjahres waren 51.000 konjunkturelle Kurzarbeiter registriert. Der durchschnittliche Arbeitsausfall belief sich im August 2020 auf 36 Prozent. Damit hat der Einsatz von Kurzarbeit in diesem Monat rechnerisch Arbeitsplätze für 918.000 Beschäftigte gesichert und deren vorübergehende Arbeitslosigkeit verhindert. Im Juli betrug der Arbeitsausfall ebenfalls 36 Prozent, im April aber noch 48 Prozent. Im August 2019 gab es einen Arbeitsausfall von 23 Prozent. Im August 2020 waren nach vorläufigen Angaben 7,7 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in konjunktureller Kurzarbeit, nach 10,0 Prozent im Juli und 17,9 Prozent im April, dem Monat mit der höchsten Kurzarbeiterquote.

Erst gestern veröffentlichte das ifo-Institut seine aktuellsten Schätzungen zur Kurzarbeit in Deutschland. Laut ifo sinkt die Kurzarbeit im Oktober um 450.000 auf 3,3 Millionen betroffene Beschäftigte. Zuvor betrug der Rückgang rund eine Million Beschäftigte pro Monat. Damit seien nun noch 10 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Kurzarbeit, nach 11 Prozent im September. ifo sieht also noch spürbar höhere Zahlen bei der Kurzarbeit als die Behörde.

Grafik zeigt aktuelle Detaildaten zum deutschen Arbeitsmarkt

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