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Die Fed warnt vor zu großem Optimismus der Wall Street!

Die Hoffnung auf Steuersenkungen ist das zentrale Element der Trump-Rally seit November. Nun sagt der Gouverneur der San Francisco Fed, John Williams: die Wall Street überschätzt die Auswirkungen der Steuersenkungen - und stellt damit die Kursanstiege in Frage!

FMW-Redaktion

Ist das, was wir seit der Wahl Donald Trumps gesehen haben, eine Trump-Rally? Manche sagen: nein, das wäre auch so unter einer Präsidentin Clinton passiert, und überhaupt seien es doch vor allem die großen US-Tech-Werte wie Amazon gewesen, die Träger der Rally gewesen waren seit Jahresbeginn, und das habe doch wenig mit Trump zu tun.

Aber eines ist doch eben auch klar: was die Wall Street seit der Wahl Trumps elektrisiert, ist das Thema Steuersenkungen. Denn diese Steuersenkungen, die die Wall Street schon längst eingepreist hat, auch wenn noch unklar ist, ob und wann sie kommen, käme eben so ziemlich allen an den Börsen gelisteten Unternehmen zugute, würden deren Margen verbessern, so meint die Wall Street.

Nun aber sagt die Fed in Gestalt des Gouverneurs der San Francisco-Fed, John Williams: der Optimismus ist zu groß an den Aktienmärkten:

„I think a lot of people, maybe stock market investors and others, have counted up all the positives and kind of ignored how do you pay for that and the negatives. I think there may be some excessive optimism in the U.S. around how this will affect the economy.“

Man fokussiere sich also nur auf das Positive, und vergesse dabei das Negative, so Williams – schließlich sei doch die Frage, wie das überhaupt finanziert werden könne. Die Antwort der Trump-Administration auf diese Frage ist beeindruckend schlicht: die Wirtschaft wachse doch dann, dadurch finanzierten sich die Steuersenkungen schon von selbst. Die Vergangenheit zeigt, dass das leider nicht der Fall ist!

Die Wall Street, so Williams, überschätze die Effekte einer Steuersenkung, sie könne vielleicht ein Zehntel Prozentpunkt des US-BIPs ausmachen, aber eben auch nicht mehr:

„Right now, looking at what are the more likely scenarios, I don’t see any of them having a big effect on growth in the next few years. Maybe there are some scenarios that are slightly positive, and what I mean by slightly, pushing up U.S. GDP growth by a tenth of a percent or a couple of tenths of a percent.“

Für ein mickriges Zehntel Prozentpunkt aber sind die Märkte doch recht weit gelaufen in den USA – das ist der Subtext der Aussagen des Notenbankers. Dagegen sei jedoch zu rechnen, dass dieses Steuersenkungen auch mit deutlichen Ausgabenkürzungen einher gehen dürften, um die fehlenden Einnahmen der USA zumindest im Ansatz gegen zu finanzieren. Und genau das scheint man an den Finanzmärkten komplett auszublenden, jenseits der Frage, ob diese Steuersenkungen dann auch wirklich kommen oder Donald Trump sich im Amt halten kann!

Williams stellt dabei die Notwendigkeit von Steuersenkungen oder anderer Stimulusmaßnahmen angesichts der aktuellen ökonomischen Lage generell in Frage:

„It’s not like we need fiscal policy in the short run to help the economy get back on track. We’re actually in a good place in terms of where the economy is even without thinking about fiscal stimulus“.

Die US-Wirtschaft drohe vielmehr bei weitern Stimuli zu überhitzen, so Williams: man würde dann vor dem Problem stehen, dass die Inflation zu stark anziehe.

Deutlich positioniert sich Williams auch gegen protektionistische Tendenzen, auch der Trump-Administration: das werde auch den USA selbst schaden:

„Globalization and trade have been hugely beneficial to people around the planet. I agree that we need to figure out ways to create more modern approaches to that, but what worries me is if countries around the world pull back from integration and trade, I think that would be pretty negative, not only for the global economy, but for the U.S. economy.“

Im übrigen unterstütze er drei Zinsanhebungen in 2017, mithin also nach der Anhebung im März noch zwei weitere Zinsschritte. Gegen Ende des Jahres werde man dann mit der Reduzierung der Bilanzsumme der Fed beginnen, dies jedoch sehr vorsichtig tun und dabei die Märkte nicht negativ überraschen.

Williams ist zwar derzeit nicht stimmberechtigt innerhalb des FOMC, er gilt jedoch gewissermaßen als Vertreter der „Durchschnitts-Meinung“ der Fed.


John Williams
Foto: Federal Reserve Bank of San Francisco



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