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Die Folgen der Nullzinspolitik der EZB in Europa

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EZB-Zentrale in Frankfurt - hier wird die Nullzinspolitik gesteuert

Es wird derzeit viel geschrieben und geschimpft über die Nullzinspolitik der EZB, insbesondere seit 2016. Staatsfinanzierung der südlichen EU-Staaten, lautet der allgemeine Tenor. Ganz so simpel ist die Rechnung aber nicht zu machen, wie eine aktuelle Studie der Allianz ergeben hat.

Das Ergebnis der Nullzinspolitik in Zahlen

Bei der Erhebung über die finanziellen Folgen der jahrelangen Nullzinspolitik unterschieden die Ökonomen des Instituts nach den Kategorien – Folgen für Staatseinnahmen, für Haushalte, für Unternehmen allgemein und für Unternehmen aus der Finanzbranche. Dabei kam man auf ein Gesamtergebnis, nicht nur für Deutschland, sondern für alle Länder der Eurozone. Zinseinnahmen wurden mit Zinsausgaben verrechnet und dies für den Zeitraum von 2008 bis 2018.

Für Deutschland bedeutete dies im Ergebnis, dass der große Nutznießer dieser Nullzinspolitik der Staat gewesen ist (wie geplant – finanzielle Repression) durch die Einsparung der Zinskosten in Höhe von 184 Milliarden Euro oder 6,0 Prozent vom BIP (hier ein Beispiel von lezter Woche), gefolgt von den nicht finanziellen Unternehmen, die fast immer Nettoschuldner sind und von den Niedrigzinsen mit 166 Milliarden Euro profitierten. Verlierer waren die Haushalte bei Verrechnung von Zinseinsparungen und -verlusten, umgerechnet in Höhe von 123 Milliarden Euro und den finanziellen Unternehmen (insbesondere den Banken) mit 114 Milliarden Euro. Insgesamt profitierte Deutschland nach dieser Studie auch mit 114 Milliarden Euro.

Der große Gewinner war also der deutsche Fiskus, gefolgt von Italien (99 Mrd.), Verlierer waren die Haushalte und dabei war Italien mit 241 Milliarden Euro sogar noch stärker betroffen als Deutschland. Spaniens Staatsfinanzen (- 138 Mrd. €) haben sich insgesamt verschlechtert, durch die Zunahme der Verschuldung des Staates, ebenso wie Portugal, erstaunlicherweise aber auch Finnland. Interessant auch die Auswertung für die Bankenbranche. Während es Deutschlands Institute ganz besonders stark trifft, konnten die Banken in Belgien und Holland sogar Überschüsse erzielen, weil es ihnen gelungen ist, das Kreditgeschäft auszuweiten. In der Gesamtbetrachtung der vier genannten Sektoren sieht die Studie als Gewinner Spanien, die Niederlande vor Portugal, Italien und Deutschland.

Deutschland wegen der großen Ersparnisse für den Staat und für verschuldete Unternehmen. Verlierer sind in unserem Lande natürlich die privaten Haushalte und die erwähnten Banken. Erstaunlich bei dieser Betrachtungsweise die Reihenfolge der Verlierer: Österreich vor Finnland, Belgien und Frankreich. Alles in allem sehr nüchterne Zahlen, die von den betroffenen Bürgern ganz anders wahrgenommen werden und da wiederum wäre auch wieder zu differenzieren zwischen Geldsparern und Immobilienkreditnehmern.

Das deutsche Geldvermögen

In puncto Entwicklung des deutschen Geldvermögens kam die Studie zu einem für viele überraschenden Ergebnis: Trotz Nullzinspolitik ist das deutsche Geldvermögen von 2011 bis 2019 um 40 Prozent gewachsen, auf zuletzt 6,236 Billionen Euro (Q2 – 2019). Nicht wegen der großen Zinseinnahmen, sondern deshalb, weil der sparsame Deutsche während des Booms am Arbeitsmarkt einfach mehr Geld zurückgelegt hat – ganz unamerikanisch. Der Aktienboom mit gerade mal 15 Prozent an Aktienbesitzern in Deutschland spielte da nicht die große Rolle, deshalb wird es im nächsten Crash diesbezüglich auch weniger deutsche Betroffene geben.

Fazit

Was lässt sich aus dieser Untersuchung der Allianz schlussfolgern? Ein Staat ist erst pleite, wenn er von seinen Bürgern nichts mehr holen kann und das ist bei einem Vermögen von über 6 Billionen Euro beileibe nicht der Fall. Was für die Inhaber von Geldvermögen auf Girokonten und Sparguthaben und dem mittelständischen Steuerzahler erst mal keine gute Nachricht ist. Auch bin mir nicht mehr so sicher, ob das Szenario des Zusammenbruchs der Eurozone in der Projektion von Dr. Markus Krall, Marc Friedrich und Co in so naher Zukunft schon Realität wird.

In díesem Zusammenhang muss ich noch ein paar Sätze zu den Crashbüchern schreiben, die derzeit groß in Mode sind und zum Kommentar des „Bullennörglers“ vom Dienstag zu diesem Thema. Ich denke, dass wir in unserer Wohlstandsgesellschaft etwas die Relationen verloren haben. Ich bin in München groß geworden und habe erst vor Kurzem Bilder gesehen, wie es in dieser Stadt nach Ende des Zweiten Weltkriegs ausgesehen hat – Aufnahmen wie aus Aleppo, eine Metropole in Schutt und Asche. Alte Mitglieder (Handwerker) aus meinem Sportverein berichteten mir von den mühsamen Arbeiten überhaupt erst einmal das Dach über dem Kopf zu sanieren, damit es nicht in die Gebäude regnet.

In meinem Haus lebte eine Frau, deren Mann zu dieser Zeit Professor war, die davon erzählte, dass sie lange Zeit das Essen in Blechdosen kochen musste, weil man keine Töpfe hatte. Man trug Kleidung jahrelang auf, für einen Mantel müsste man monatelang sparen, heute gibt es beim Textildiscounter dieses Kleidungsstück schon für ein paar Stunden Arbeit. Was ich damit sagen will – die Buchtitel vom „größten Crash aller Zeiten“ sind schon ein starkes Stück verkaufspolitischer Panikmache, selbst bei einer Halbierung unserer Lebensweise wären wir nicht einmal in der Nähe der Lebensverhältnis unserer Großeltern zu diesen Zeiten. Und da gab es im letzten Jahrhundert auch noch zwei Mal einen kompletten Crash des Geldsystems.

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    Michael

    20. November 2019 14:20 at 14:20

    @Wolfgang, guter und sehr interessanter Artikel! Ergänzend möchte ich hinzufügen, dass es für die große Menge nicht sehr hilfreich ist, wenn der Staat und einige wenige Aktiengesellschaften und Konzerne zwar massiver Nutznieser sind, mit den Mehreinnahmen bzw. reduzierten Ausgaben aber viel Unfug machen und Verschwendung betreiben.

    Ein Staat ist erst pleite, wenn er von seinen Bürgern nichts mehr holen kann, passend dazu habe ich erst kürzlich folgendes gelesen: Die Steuerbelastung von Rentnern ist innerhalb von zehn Jahren teilweise um rund das Fünffache gewachsen. Das geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor. So werden bei Neurentnern auf eine monatliche Bruttorente von 1500 Euro im 2. Halbjahr 2019 430 Euro Einkommensteuer fällig. 2010 waren es nur 79 Euro pro Jahr.

    Man sollte einfach nicht die schiere, absolute Anzahl von vielen zig Millionen an Bürgern außer Acht lassen, die zu den Verlierern dieser Zinspolitik zählen. Dabei spreche ich explizit nicht nur von den aktuellen Rentnern, sondern auch von jüngeren Generationen, die ja auch irgendwann in Rente gehen werden. Dennoch schön für eine Handvoll Politiker, Aktienkonzernen und deren notleidende Vorstände und Top-Manager ;)

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      Michael

      20. November 2019 14:54 at 14:54

      Ich korrigiere: eine Handvoll Politiker, Aktienkonzerne und deren notleidende Vorstände und Top-Manager muss korrekt lauten die Leistungsträger unserer Gesellschaft. ;)

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      leftutti

      20. November 2019 17:23 at 17:23

      @Michael, da ist was dran. Der Hauptprofiteur hat es dennoch nicht geschafft, seinen bestehenden Schuldenberg signifikant abzubauen, Schulen, Verkehrsinfrastruktur, Breitband zu sanieren bzw. auszubauen, die unteren und mittleren Einkommensschichten steuerlich zu entlasten und das Problem der Altersarmut zu bekämpfen. Eher ist genau das Gegenteil der Fall.

      Im Segment des zweitgrößten Nutznießers fallen Phänomene wie Zombifizierung, Aktienrückkäufe, Rekordboni, fast eine Milliarde zumeist unbezahlter Überstunden im ersten Halbjahr 2019 und massiver Stellenabbau bei den ersten kleinen Anzeichen einer möglichen Rezession ins Auge.

      Der gesamtgesellschaftliche Nutzen dieser Zinspolitik, an dem ein überwiegender Anteil der volkswirtschaftlichen Teilnehmer partizipieren sollte, darf, nicht zuletzt aufgrund der langjährigen, generationenübergreifenden Zukunftsauswirkungen, doch mehr als bezweifelt werden.

      Es scheint, als hätten genau die falschen Spieler das beste Blatt erhalten.

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    Andre

    20. November 2019 17:04 at 17:04

    Auch heute muss man für einen Mantel monatelang sparen. Natürlich können Sie sich mit einer Plastiktüte(PolyXY) für wenig Geld bekleiden. Wenn Sie jedoch so einen Mantel aus Wolle wie Ihre Grosseltern haben wollen dann ist sparen angesagt.

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    Columbo

    20. November 2019 17:47 at 17:47

    Im Sommer 1939 ging es den Leuten gut, man genoß sichtlich den Wohlstand. Abgesehen, daß einheimische Crashpropheten damals unliebsame Begegnungen mit Männern in Ledermänteln und Hut gemacht hätten, gab es sie auch damals. Sie schrieben keine Bücher, aber sie warnten und es waren nicht die Dümmsten.
    Wie damals gehören sie auch heute zur eher intelligenten Minderheit der Spezies Mensch. Den Kralls, Ottes, Stelters oder Dalios bei jeder Gelegenheit verkaufspolitische Panikmache zu unterstellen, ist in meinen Augen unfair und unklug. Gegen einen Krall intellektuell, wissensmäßig und rhetorisch zu bestehen, ist nicht leicht, ihn aber als verkaufsgeilen Crashpropheten abzutun, zeugt von Schwäche, Neid oder Ähnlichem.

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      Wolfgang M.

      20. November 2019 18:49 at 18:49

      @Columbo. Hallo. Habe ich nicht schon oft von der Kompetenz der von Ihnen genannten Herren geschrieben? Diese verkörpern doch geradezu das austarierte Fachwissen auf ihrem Gebiet und beweisen in ihren Arbeiten, das sie mit vielem richtig liegen. Das sind keine typischen Vertreter der Crashindustrie, sondern Warnhinweisgeber für Fehlentwicklungen. Bei dem von mir sehr geachteten Dr. Krall habe ich beim Studium seiner Vorträge erkennen müssen, dass er seit seinem Einstieg im September 2019 als Vorstandsmitglied und Sprecher der Geschäftsführung der Degussa Goldhandel GmbH etwas aggressiver mit seinen Vorhersagen des großen Knalls geworden ist. Aber wer hat diesen Mann als verkaufsgeilen Crashpropheten abgetan? Das wäre eine Frechheit. Ich habe einmal Professor Otte etwas kritisiert, als er Anfang 2017 als Deutschamerikaner in einer Talkshow Präsident Trump mit seiner Politik verteidigt hat, was er mittlerweile geändert hat.
      Viele Grüße

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      Lossless

      20. November 2019 22:39 at 22:39

      „Dear fellow German economists, if you are wondering what you can do for Europe: Please help to dispel the harmful & wrong narratives about the @ecb’s monetary policy, floating around in political and media circles. These threaten the euro more than many other things.„

      Isabel Schnabel
      Deutsches EZB-Direktoriumsmitglied

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        Michael

        21. November 2019 00:31 at 00:31

        @Lossless, es freut mich, dass Sie endlich wieder unter uns weilen. Willkommen zurück! Dasselbe gilt auch für @PK, der erst vorgestern aus der Versenkung wieder aufgetaucht ist. Ich hoffe, Sie bereichern diese Community nun wieder mit gewohnt konstruktiven und fundierten Inhalten. Ein gutes Zitat ist allemal ein guter Neubeginn.

        Helfen Sie uns, Skepsis, Sorgen und falsche, gefährliche Narrative zu zerstreuen, wie sie auf den Konten und in den Rentenbescheiden diverser Kreise derzeit kursieren.

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          Lossless

          21. November 2019 21:50 at 21:50

          Nun, was könnte ich sagen, was nicht alle aufmerksamen Beobachter der Märkte nicht schon längst wissen. Es muss klar sein, die Geldpolitik der EZB ist völlig zu hinterfragen und auch dementsprechend zu kritisieren. Die EZB streut Monat für Monat Gift in die Märkte und fragt sich dann, warum die Märkte so überreagieren… ja regelrecht Vergiftungserscheinungen aufweisen.

          Logischer Weise, beschäftigt die EZB mittlerweile eine ganze Armee von Analysten, die Tag für Tag die Märkte beobachten und wenn es nötig ist „Whatever it takes“ auch einzugreifen. Glaubt hier irgendwer ernsthaft, an die Bücher die ihnen voraussagen was im Jahr 2020 geschehen soll? Mittlerweile hat man die Jahreszahl auf 2023 korrigiert. Im Jahr 2023 kommen dann neue Bücher, die dann schamlos den geneigten Leser in die Tasche greifen um am Ende die 2025 zu bevorzugen – wann es denn nun endlich passieren soll. Ich finde es stellenweise sehr amüsant. Nicht das wir uns falsch verstehen, ich halte Herrn Krall für einen exzellenten Analytiker und er ist einer der wenigen, der auch ansatzweise versteht was da draußen vor sich geht. Aber auch er unterschätzt die Entschlossenheit der EZB. Ray Dalio ist hier ebenfalls positiv zu erwähnen. Brillanter Kopf.

          Es ist anzunehmen, die EZB wird bis zum bitteren Ende versuchen, die Begrifflichkeit „Währungshüter“ zu dehnen, zu strecken und umzuformulieren. Danach kommt dann ein Schuldenschnitt oder eine Währungsreform.

          Natürlich werden wir Rücksetzer sehen und natürlich auch sehr tiefe Rücksetzer. Aber ist das langfristig betrachtet nicht egal? Hätten sie kurz vor der Lehman-Pleite ein Portfolio angelegt und gekauft, würden sie heute immer noch zu den Gewinnern gehören.

          Aber vielleicht werden Rücksetzer auch durch völlig andere Umstände ausgelöst, woran wir noch gar nicht denken wollen im Moment? Krieg, Umweltbelastungen, Klimaveränderungen, vielleicht sogar durch eine völlig neue politische Ausrichtung? Eine weltweite Rezession sollte hier auch in Betracht gezogen werden. Aber wie man den Medien entnehmen kann ist Deutschland, gerade so, einer Rezession entkommen. Hier muss man selbstverständlich auch die Frage stellen: Ist das wirklich so? War es nur eine technische Rezession oder sprechen die Zahlen eine andere Sprache?

          Schon der Römer Tacitus hat vor über 2000 Jahren gesagt: „Die Germanen sind sehr mutige Leute, haben aber eine ungewöhnliche Zukunftsangst.“

          • Avatar

            Revisor

            22. November 2019 08:55 at 08:55

            Guten Morgen @Lossless, ich hoffe, Sie sind kein Buchautor geworden.
            Traden Sie immer noch?

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    Altbär

    20. November 2019 18:30 at 18:30

    @ Columbo, gut gesprochen.Ohne die Zauberkünstler der Notenbanken hätten eben diese sogenannten Crash-Propheten schon lange Recht bekommen.Ich habe schon früher geschrieben dass die Vorsichtigen
    ( viele nennen sie Crash Propheten) für die Gesellschaft nützlich sind u.die Unerfahrenen vor Verlusten schützen. Nach der längsten, grössten u.künstlichen Hausse u.den Notenbanken-Puts sind jetzt die Kritiker der Warner drauf u.dran ewig steigende Börsen zu predigen. Einige werden sich eine goldene Nase verdienen u.die letzten beissen auch diesmal wieder die Hunde.Einige Dicke müssen auch diesmal wieder von den kleinen Dünnen mit Steuergeldern gerettet werden.

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    Quintus

    20. November 2019 20:04 at 20:04

    Man kann es förmlich riechen
    Man kann es förmlich schmecken
    Bald wird man es auch sehen können….doch die Marktteilnehmer werden immer noch an die Allmacht der Zentralbanken glauben……

    The Repo Crisis has NOTHING to do with the Fed hiding some problem in the USA and the Fed is not monetizing the debt using Repo. We have a major crisis unfolding and neither the central banks nor the primary dealer banks will talk about what is taking place behind the curtain. This is a very MAJOR CRISIS, and it will get far worse. I am rushing to get this report out ASAP because this can be the MOTHER OF ALL FINANCIAL CRISIS that is over the heads of domestic analysis and mainstream press will NEVER report it unless it would impeach Trump.
    https://www.armstrongeconomics.com/world-news/banking-crisis/mother-of-all-financial-crises/

  6. Avatar

    Lossless

    25. November 2019 19:36 at 19:36

    Lieber @Revisor, entschuldigen Sie meine viel zu späte Antwort. Wo denken Sie hin – ein Buch? Einige Dinge sollte man doch lieber für sich behalten! Aber ein Kommentar ist manchmal angebracht.

    Wünsche Ihnen viel Erfolg und beste Grüße,
    Lossless

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Arbeitsmarkt nach Corona: Mehr Staatswirtschaft, weniger Industrie

Redaktion

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Büro-Arbeitsplatz

Verschwörungstheorie? Oder nur eine Vermutung? Das „übliche“ neo-liberale Gelaber, welches den Staat verteufelt, und vor noch mehr Staat warnt? Nein, offizielle staatliche Aussagen vom heutigen Tage zeigen, dass am deutschen Arbeitsmarkt in die Staatswirtschaft deutliche Stellenzuwächse erleben wird, während produzierende Betriebe nicht nur jetzt, sondern auch in 2021 weiter Stellen abbauen wird.

Staatswirtschaft im Aufwind, Industrie im Rückzug?

De facto heißt das: Die Angestellten in der Privatwirtschaft müssen (insgesamt gesehen) durch Steuern und Abgaben immer mehr, mehr und noch mehr erwirtschaften und abführen, damit die immer größere Zahl der Arbeitsstellen im Rahmen der Staatswirtschaft auch bezahlt werden kann! Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute ihre Prognose für den deutschen Arbeitsmarkt für die Jahre 2020 und 2021 veröffentlicht. Und genau aus diesen Aussagen geht folgendes hervor, auszugsweise im Wortlaut:

Die Zahl der Arbeitslosen steigt laut der IAB-Prognose im Jahresdurchschnitt 2020 um 440.000, im Jahr 2021 könnte sie wieder um 100.000 zurückgehen.

Im Produzierenden Gewerbe gab es insbesondere im zweiten Quartal 2020 einen deutlichen Stellenabbau, der auch 2021 anhalten wird. Im Jahresdurchschnitt 2020 fallen hier 160.000 und 2021 nochmal 60.000 Stellen weg.

Beschäftigungszuwächse erwarten die IAB-Forscher dagegen vor allem im Bereich „Öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit“ (jeweils +190.000 in beiden Jahren).

Wird man im Detail die Neueinstellungen bei Staat und öffentlichen Betrieben (zusammen nennen wir das mal die „Staatswirtschaft“) durchgehen, dann wird man im Einzelfall sicher sagen: Ja, diese neue Stelle ist sinnvoll, und die auch, und die auch, und die da… ja dieser neue Job bei dieser Behörde ist auch notwendig. Zum Beispiel mehr Polizisten, mehr Lehrer, mehr Personal für die Gesundheitsämter, mehr Personal für den Zoll für die Kontrollen bei Schwarzarbeit und Einhaltung der Vorschriften bei Fleischbetrieben, mehr Sozialarbeiter etc. Und so könnte man die Liste sicher endlos fortsetzen.

Nur irgendwer muss all das ja auch bezahlen, zusätzlich zu der immens steigenden Staatsverschuldung, die irgendwann ja auch irgendwer mal bezahlen soll. Unterm Strich, da darf man sich sicher sein, wird es heißen: Wir müssen leider, leider die Steuern erhöhen. Geht eben nicht anders? Oder wird man anstatt die Steuern raufzuschrauben, eher auf indirekte Steuern und Sozialabgaben setzen? Was der Bürger nicht so offensichtlich sieht, tut auch nicht so sehr weh?

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Baugewerbe mit Einbruch bei den Auftragseingängen – kein Grund zur Sorge!

Claudio Kummerfeld

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Baugewerbe mit Rückgang bei den Aufträgen

Das deutsche Baugewerbe verzeichnet einen Rückgang der Auftragseingänge. Krise? Weit gefehlt, so möchten wir meinen. Wie heute offiziell vermeldet wurde, sind die Auftragseingänge im Juli im Vergleich zu Juni um 5,6 Prozent gesunken, und im Vergleich zu Juli 2019 um 4,9 Prozent. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2020 sank der reale Auftragseingang im Baugewerbe gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent. Warum diese Rückgänge noch kein Problem sind? Nun, die Aussagen der Statistiker deuten dies an.

Denn der Auftragseingang im Juni 2020 war aufgrund von Großaufträgen ungewöhnlich hoch ausgefallen. Und der Auftragseingang im Juli 2019 war der höchste jemals in einem Juli gemessene Wert. Von daher war es für den Juli 2020 auch schwer, im Vergleich zu diesem Rekord-Ausgangswert noch mal eine Steigerung hinzulegen. Und aktuell darf man ja auch noch ergänzen, dass im Zuge der Coronakrise verständlicherweise einige wirtschaftliche Abläufe wie Bauaufträge oder Bauanträge bei Ämtern verschoben werden oder sich verzögern. Wenn man das bedenkt, dann sind diese Auftragsrückgänge im Baugewerbe noch eher mild ausgefallen. So schreiben die Statistiker vom Statistischen Bundesamt auch Zitat „Gründe für diese negative Entwicklung sind neben möglichen Einflüssen der Corona-Pandemie auch das sehr hohe Niveau des Vorjahres“.

Die am Anfang des Artikels genannten Prozentveränderungen waren real, saison- und kalenderbereinigt gerechnet. Die nominalen Veränderungen fielen noch viel kleiner aus. Der Auftragseingang im Baugewerbe betrug im Juli 2020 rund 7,5 Milliarden Euro. Das waren nominal (nicht preisbereinigt) 2,5 % weniger gegenüber dem Höchststand im Juli 2019. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sanken die Auftragseingänge in den ersten sieben Monaten 2020 nominal um 0,5 %.

Grafik zeigt Verlauf der Auftragseingänge im Baugewerbe

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Coronakrise und Insolvenzen: Ab 01.Oktober kommt die Pleite-Welle

Markus Fugmann

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Aufgrund der Coronakrise hat die Bundesregierung bekanntlich beschlossen, das Insolvenzrecht zeitlich begrenzt auszusetzen und damit die Pflicht zur Anmeldung einer Insolvenz ausser Kraft zu setzen – gleichwohl droht nun bereits in der nächsten Woche eine massive Pleite-Welle. Denn ab 01.Oktober müssen jene Unternehmen wieder Insolvenz anmelden, die zahlungsunfähig sind – während überschuldete Firmen erst ab 01.Januar 2021 die Pflicht zur Insolvenz-Anmeldung haben.

Wie viele der von der Coronakrise betroffenen Unternehmen in Deutschland müssen dann als ab nächster Woche Insolvenz anmelden? Volker Römermann, unter anderem Fachanwalt für Insolveznrecht, sagt: über 90% der betroffenen Firmen werden dann ab 01.Oktober Insolvenz anmelden müssen, denn so hoch sei die Zahlungsunfähigkeits-Quote bei allen Insolvenzen – Überschuldung und damit die Pflicht zur Insolvenzanmeldung erst ab 01.Januar 2021 sei dagegen bei weniger als 10% der Fall.

Coronakrise: Jetzt kommt der Schmerz!

Das bedeutet: hunderttausende Firmen in Deutschland werden wohl zeitnah Insolvenz anmelden! Das wird viele Arbeitsplätze kosten. Der durch die Coronakrise ausgelöste Schmerz wurde also lediglich in die Zukunft verschoben – und diese Zukunft und damit der große Schmerz kommt nun also im Oktober, „buchstäblich am 01.Oktober“, sagt Römermann im Interview mit Florian Homm. Zwischen Januar und August diesen Jahres war die Zahl der Insolvenzen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr sogar rückläufig – da hat sich nun viel aufgestaut, was sich nun in einer Pleite-Welle entladen dürfte!

Und der Schmerz geht dann ab 01.Januar 2021 weiter, denn viele Firmen haben in der Coronakrise noch einmal Kredite aufgenommen, seien aber nicht zuletzt dadurch aussichtslos überschuldet, sagt Volker Römermann:

Ab 01.Oktober schlägt die Coronakrise voll durch - es droht eine Welle von Insolvenzen

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