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Die unrealistische US-Arbeitslosenquote – oder warum Donald Trump die Wahl gewonnen hat!

Das Motto der Trump-Regierung, „alternative Fakten“ zu präsentieren, könnte nun das erste Mal sich als wirklich sinnvoll erweisen: bei der Korrektur der hoffnungslos antiquierten Berechnung der US-Arbeitslosenquote!

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Der wohl entscheidende Grund, warum Donald Trump die Wahl gewonnen hat, dürfte in der Diskrepanz zwischen offiziellen Daten und der ökonomischen Realität in den USA liegen. Während die offiziellen Statistiken glauben machen wollen, es herrsche Vollbeschäftigung, sieht die Realität am US-Arbeitsmarkt anders aus: zwar gibt es viele Stellen, aber die Bezahlung bei diesen Stellen hat sich in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten mit dem Niedergang weiter Teile der US-Industrie verschlechtert: liegt der Durchschnittslohn bei einem Industriejob bei ca. 60.000 Dollar pro Jahr, sind es bei einem durchschnittlichen Job im Dienstleistungssektor nur 32.000 Dollar pro Jahr.

Millionen von Menschen haben in den letzten Jahren, so könnte man es herunter brechen, die 60.000 Dollar gegen die 32.000 Dollar eingetauscht – obwohl sie damals wie heute einen Vollzeitjob haben. Und der Trend geht weiter zum Dienstleistungsjob, das hat einmal mehr der ADP-Arbeitsmarktbericht am Mittwoch gezeigt: dort wurden 201.000 neue Stellen im Dienstleistungssektor geschaffen, aber nur 46.000 im produzierenden Gewerbe.

Genau auf diesen Widerspruch zwischen offiziellen Daten und der gelebten Realität von Millionen Amerikaner hat Donald Trump im Wahlkampf immer wieder hingewiesen – und hatte damit Erfolg. Was Trump daher will und versprochen hat, ist nicht weniger als die Wiederauferstehung der Industrie-Jobs in den USA: daher sein Fokus auf die amerikanischen Autobauer, die eben nicht in Mexiko, sondern in den USA neue Werke bauen sollen – der Tech-Sektor dagegen scheint im Denken Trumps kaum eine Rolle zu spielen.

Das Problem ist nur: der Industrie-Bereich ist auf dem Rückzug nicht nur wegen der Globalisierung, sondern vor allem wegen der Robotisierung, die im Industrie-Bereich viel zwingender ist als im Dienstleistungssektor – noch gibt es keine Roboter, die etwa als Kindermädchen fungieren könnten, um es einmal plastisch zu formulieren. Aber Roboter können eben weite Teile einer Autoproduktion abwickeln, das ist der Unterschied.

Nun will die Trump-Regierung offenkundig auch die Definition dessen ändern, was als „Vollbeschäftigung“ gelten kann, darauf deuten Aussagen von Steven Mnuchin, dem designierten US-Finanzminister, wie auch von Regierungssprecher Spicer hin: man werde viel mehr Faktoren einbeziehen als bisher, um einen realistischeren Blick auf den US-Arbeitsmarkt zu bekommen, so betonten beide zuletzt immer wieder. So stammt etwa die Methodik zur Erfassung der Arbeitslosenquote aus dem Jahr 1940, ist also hoffnungslos antiquiert.

https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=54035539

Steven Mnuchin hat daher die sogenannte U5-Rate ins Spiel gebracht, die auch jene umfasst, die eigentlich durchaus arbeitswillig sind, sich aber kaum um Jobs aktiv bemühen, weil sie das für aussichtslos halten – die U5-Rate würde daher eine Arbeitslosigkeit von 5,7% ausweisen derzeit. Daneben gibt es auch noch die U6-Rate, sie umfasst den selben Personenkreis wie die U5-Rate, dazu aber noch jene Amerikaner, die nur einen Teilzeitjob haben, aber lieber einen Vollzeitjob hätten – die U6-Arbeitslosenquote liegt da schon bei derzeit 9,7%. Besonders auf diese Gruppe hatte zuletzt auch Janet Yellen hingewiesen (neben der geringen participation rate), als sie von doch noch vorhandenem „slack“ am US-Arbeitsmarkt sprach.

Die Fed ist sich also der doch sehr begrenzten Aussagekraft der offiziellen Arbeitslosenquote durchaus bewusst (die Zahl basiert auf Befragungen von 60.000 US-Haushalten durch das Census Bureau) – nur geändert hat sie ihre Methodik-Berechnung eben nicht seit dem Jahr 1940. Und genau das könnte sich durch die Trump-Regierung ändern – und das wäre ein überfälliger Schritt, etwa durch Einbeziehung der in den 1970er-Jahren entwickelten U5- und U6-Parameter zur Berechnung der realen Arbeitslosenquote.

Und das wäre dann das erste Mal, dass der von der Trump-Beraterin Conway geprägte Begriff „alternative Fakten“ wirklich Sinn machen würde!

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Christoph

    3. Februar 2017 12:47 at 12:47

    same story as here! man sucht alle möglichen Argumente die Zinsen nicht anheben zu müssen. In der USA, wo die Arbeitslosenrate auch innerhalb des Mandats der FED berücksichtigt werden darf, nimmt man ne andere, höhere Rate. Die EZB schaut auf einmal auf die Kerninflation…
    Lustig, wenn es nicht so traurig wäre.

  2. Avatar

    ET

    3. Februar 2017 18:24 at 18:24

    es hätte sich auch „gelohnt“, die unemployment rate nach shadow stats alternate = 22,9 % (!!!!) zu erwähnen.

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