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Die USA haben seit Jahrzehnten das selbe strukturelle Problem – und es wird immer größer

Aus Budget-Sicht betrachtet wird die Präsidentschaft von Bill Clinton als eine "goldene Ära" betrachtet. Den für eine kurze Periode (Grafik) hatten die USA tatsächlich mehr Geld eingenommen als

FMW-Redaktion

Aus Budget-Sicht betrachtet wird die Präsidentschaft von Bill Clinton als eine „goldene Ära“ betrachtet. Denn für eine kurze Periode (Grafik) hatten die USA tatsächlich mehr Geld eingenommen als ausgegeben. Besonders viel dafür getan hatte Bill Clinton selbst wohl nicht – er war wohl eher zufällig zur richtigen Zeit Präsident. Diese zweite Grafik zeigt sehr anschaulich von 1966 bis ins Jahr 2026 die Lage der USA, betrachtet aus der Sicht des Haushaltsbudgets der Bundesregierung in Washington. Wie man sieht, gibt es außer der kurzen Clinton-Phase ein konstantes Defizit – der Staat gibt also mehr Geld aus als er einnimmt. Und das ist kein Phänomen einer der beiden Parteien, oder von bestimmten Präsidenten – es zieht sich über Jahrzehnte hin, und wird in den nächsten Jahren zunehmen.

Das durchschnittliche Haushaltsdefizit der USA (bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt) von 1966 bis 2015 beträgt 2,8%. Das Budgetbüro des US-Kongresses, welches diese Daten errechnet hat, projeziert bis 2026 ein Ansteigen auf -4,6% (nach unten größer werdende Balken rechts in der Grafik). In Prozentpunkten hört sich das alles noch harmlos an. In US-Dollar ausgedrückt kann einem da schon schlecht werden. Selbst für diese gigantisch große Volkswirtschaft sind 438 Milliarden Dollar eine gute Stange Geld. So groß war nämlich das US-Haushaltsdefizit in 2015 (-2,5%). Für dieses Jahr geht man von -590 Milliarden Dollar aus (-3,2%). Das Budgetbüro des Kongresses rechnet für 2026 mit einem Minus von 4,6% oder statten 1,24 Billionen US-Dollar Defizit im Haushalt! Ja, kein Witz! Wo andere große Industriegesellschaften ein Bruttoinlansprodukt in Höhe von 1,2 Billionen Dollar aufweisen, werden die USA bis 2026 ein Haushaltsdefizit von 1,2 Billionen Dollar erreichen! Da muss man schon mal sagen „Hut ab“. Letzte Woche haben die US-Staatsschulden die Summe von 19,5 Billionen Dollar überschritten.

Die Sektflaschen sind schon kalt gestellt. Man darf davon ausgehen, dass US-Präsident Obama die 20 Billionen-Grenze während seiner Amtszeit noch schaffen wird. Ist dieses Land überhaupt in der Lage strukturell mit seinen Einnahmen zu leben? Klar, man könnte sagen wie in Skandinavien (oder auch in Deutschland) erhöht man hier und da kräftig die Steuern, und dann kommt es irgendwie zu einer Ausbalancierung von Einnahmen und Ausgaben. In der Theorie klingt das gut. Dazu muss man aber bedenken, dass anders als in Deutschland (Export) in den USA der Konsum der Verbraucher die Hauptstütze der Volkswirtschaft ist. Der Verbraucher konsumiert konsequent brutal auf Pump. Höhere Steuern würden diesen Konsum abwürgen, da sind sich nun wirklich alle Beobachter einig! In der Praxis bedeutet dieses Haushaltsloch, das sich immer stärker ausweitet: Die USA müssen noch mehr als ohnehin schon Geld aus dem Ausland ansaugen, Banken und Unternehmen genau so wie der Staat.

Die erste Grafik zeigt die Entwicklung des US-Haushaltslochs von 2015 bis 2026. Im oberen Teil ist die Entwicklung in Milliarden US-Dollar dargestellt, darunter in Prozentpunkten. (Wichtiges rot umrandet). In der zweiten Grafik sieht man das jährliche Defizit, und in der lezten Grafik die Ausgaben des Staates (blau) gegen die Einnahmen (grün).

USA 1
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CBO deficits
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USA 2
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Grafik und Daten: US-Kongress Budgetbüro



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1 Kommentar

  1. Wo genau liegt das Problem? Wenn die Schulden langsamer wachsen als das nominale BIP, sinkt die Schuldenquote. 1945 lag die Staatsschuldenquote bei über 120%, 1981 bei 30% und das bei einer absolut durchaus höheren Verschuldung.

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