Devisen

Dollar-Shorts auf höchstem Niveau seit 11 Jahren! Schwarzer Schwan Dollar-Aufwertung

Von Markus Fugmann

Lange Zeit gab es einen durchgängigen Konsens: der Dollar wird abwerten, der Euro wird aufwerten. Der Hauptgrund für die Erwartung einer Dollar-Abwertung ist die zweifellos zutreffende Perspektive, dass die US-Verschuldung weiter steigt, dazu die Annahme, dass die EZB ihre ultralaxe Geldpolitik zurück fahren wird. Aber: die EZB ist zuletzt signifikant dovisher geworden (sichtbar im  aussergewöhnlich herben „Zurück-Pfeiffen“ von EZB-Mitglied Nowotny, der eine geldpolitische Wende gefordert hatte), während die Fed zuletzt immer hawkisher geworden ist.

Dazu kommt: die Fed reduziert ihre Bilanz mit zunehmender Geschwindigkeit und hält an weiteren Zinsanhebungen fest, was Dollar-positiv ist. Dazu kommen die Rückflüsse von Dollars aus dem Ausland in Richtung USA durch die US-Steuerreform bzw. Steueramnestie – mithin werden also Dollars aus der „Restwelt“ abgesaugt. Und das ist für diese Restwelt schon deshalb ein Problem, weil ihre Verschuldung in Dollar notiert ist. Faktisch würde das bedeuten: es setzt ein run auf Dollars ein!

Nun ist der Euro-Dollar schon sehr lange in einer Schiebezone nach den vorherigen Anstiegen – aber der übergeordnete Abwärtstrend ist nach wie vor intakt:


(Wochen-Chart; Chart durch anklicken vergrößern)

Nun zeichnet sich mit dem Scheitern des Euro in der Zone 1,25 eine Wendeformation ab, die mit Bruch der 1,2150er-Unterstützung an Dynamik gewinnen dürfte!


(4-Stundenchart; Chart durch anklicken vergrößern)

Hinzu kommen nun mentale Muster: wer in Dollar verschuldet ist, ist gewissermaßen short im Dollar, weil eine Aufwertung des Dollars die Schuldenlast vergrößert, eine Abwertung hingegen verringert.

Und faktisch sind auch spekulative Positionen immens short im Dollar positioniert, wie die neuesten CFTC-Daten zeigen:

An den Future-Märkten, die jedoch nur einen Teil des Ganzen abbilden, ist die Dollar-Short-Positionierung auf dem höchsten Stand seit elf Jahren! Und der Euro wird immer weiter gekauft und gekauft. Aber was passiert, wenn der Euro zum Dollar entgegen der Erwartung der Käufer fällt? Sie müssen dann irgendwann ihre gekauften Euros (oder andere Währungen, die sie gegen den Dollar gekauft haben) wieder verkaufen und gleichzeitig Dollar kaufen, was die Bewegung dynamisieren könnte!

Was aber könnte der Trigger sein für eine größere Bewegung bei Euro-Dollar? Vielleicht der Anleihemarkt: heute stieg die 10-jährige US-Anleihe auf 2,996% und ist damit nur noch einen Wimpernschlag von der symbolisch sehr wichtigen 3%-Marke entfernt. Mithin kann es also zu Erruptionen am Anleihemarkt kommen, die starken Einfluß auf den Devisenmarkt haben werden!

Eine rapide Dollar-Aufwertung erscheint nur oberflächlich unwahrscherinlich, schließlich bewegte sich Euro-Dollar eben lange in einer Schiebezone. Aber wenn diese Schiebezone verlassen wird, wird sich die lange aufgestaute Dynamik-Armut in eine Dynamik-Intensität wandeln. Und das ist der große Schwarze Schwan an den Märkten, den nur wenige „auf dem Zeiger“ haben!

Muß es so kommen? Nein. Aber es gibt eine gute Wahrscheinlichkeit, dass es so kommt. Und wenn es so kommt, ist es umso wahrscheinlicher, dass es richtig impulsiv und heftig wird!


Galt lange als Ding der Unmöglichkeit: ein schwarzer Schwan. Das änderte sich mit der Entdeckung Australiens schlagartig..



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1 Kommentar

  1. Der Schwan ist ja nur für einen Teil der Welt schwarz.Wenn der Dollar stärker wird hat die USA u.die Schwellenländer ein Problem ,was schlussendlich auch den Profiteuren des schwachen Euros schadet.
    Der notenbankgläubige R.Halver meinte kürzlich, die Notenbanken hätten schon die weisse Farbe bereit um etwelche schwarzen Schwäne umzuspritzen!!!Der arrogant wirkende Chef der Baader Bank wird noch lernen ,dass die Notenbanken nicht sämtliche Probleme mit Gelddrucken lösen können.

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