Allgemein

Eine Verhaftung – und irgendwie eine späte Genugtuung

FMW-Redaktion

Stellen Sie sich einmal vor, Sie haben etwa 30.000 Euro auf dem Konto. Sie spekulieren ab und an an den Märkten, in beide Richtungen, also auf steigende und fallende Kurse. Sie studieren dazu Charts und sind auf der Suche nach interessanten Tradingmöglichkeiten. Auf dieser Suche entdecken Sie ein Biotech-Unternehmen, das ankündigt, seine Geschäftstätigkeit bald einzustellen, weil es sein Cash verbrannt hat. Die Aktie ist aber keine Pennystock, also denken Sie: da ist was drin, diesen Wert kann man shorten, die sind bald pleite, und man streicht mit der Short-Position Gewinne ein. So weit so logisch. Aber auch verhängnisvoll.

Diesen Fall hat es vor einigen Tagen tatsächlich gegeben: ein amerikanischer Privattrader mit 30.000 Dollar auf dem Konto hat den amerikanischen Biotech-Wert KaloBios geshortet – und hielt die gar nicht so große Position über Nacht. Nach Börsenschluß wurde bekannt, dass ein gewisser Martin Shkreli die Mehrheits-Anteile von KaloBios übernommen habe – die Aktie schoß massiv nach oben. Denn Martin Shkreli ist in den USA bekannt wie ein bunter Hund. Selbst Hillary Clinton hatte ihn im Fokus, doch dazu später mehr. Als unser Privattrader von einem Freund, der von der Short-Position wußte, diese Mitteilung über die Aktion von Martin Shkreli per mail bekam, schwante ihm Böses. Als der nächste Handelstag begann, war aus dem Guthaben ein Minus von 100.000 Dollar geworden. Dem Armen blieb nichts anderes übrig, als im Internet um Spenden zu bitten – er wolle auf jeden Fall anhand seines Beispiel warnen, was passieren könne – und dass man seine Risiken besser kontrollieren müsse.

Heute ist dieser Martin Shkreli verhaftet worden. Der Gründer zahlreicher Biotech-Firmen hatte mit einer seiner Firmen, Turing Pharmaceuticals AG, den Preis für ein Anti-Parasiten-Medikament um mehr als das 50-fache erhöht. Und das, obwohl für dieses Medikament keinerlei Forschungsaufwand betrieben werden mußte – Turing Pharmaceuticals AG hatte das Medikament eingekauft – eine durchhaus gängige Praxis in den USA, die meist Vorbote massiver Preissteigerungen für die jeweiligen Medikamente ist. Diese massive Preisexplosion wurde von zahlreichen Politikern in den USA kritisiert, unter anderem von Hillary Clinton. Shkreli hatte in seiner Karriere immer wieder betont, dass er Patienten mit seltenen Kranheiten helfen wolle – und die Preissteigerung schien dem doch irgendwie zu widersprechen.

Die Verhaftung Shkrelis aber steht nicht im Zusammenhang mit dieser Preissteigerung, sondern hängt mit seiner früheren Tätigkeit als Hedgefond-Manager bei MSMB zusamen. Er habe, so die Staatsanwaltschaft in Brooklyn, offenkundig die Ergebnisse des Hedgefonds gefälscht, um neue Kundengelder einwerben zu können.

Für unseren Trader aber, der im Internet zu Spenden aufgerufen hatte, weil er sich mit seiner KaloBios-Shortposition verzockt hatte durch den Einstieg von Skhreli, könnte das eine Art späte Genugtuung sein. Denn wer weiß: vielleicht ist es auch bei dem Einstieg des Bio-Tech-Gurus bei KalBios ebenfalls nicht mit rechten Dingen zugegangen. Und dann könnte unser Trader möglicherweise Skrehli verklagen – und eine Entschädigung aus dem durchaus üppigen Vermögen Skhrelis verlangen..



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

2 Kommentare

  1. Danke für diesen Bericht.

    Ich persönlich überlege mir schon die ganze Zeit den Ausstieg aus den gehebelten Produkten. Wie ich früher in den 90ern Aktien direkt gehandelt hatte, war beim traden mein handling wesentlich besser als heute. Mir kommt vor, der ungehelbelte – direkte Handel, ist viel persönlicher und man hat ein besseres Gefühl dafür was man tut.

  2. Er hat auf Kredit gezockt und verloren. Offensichtlich hat sein Einsatz sein Kapital um ein Vielfaches überstiegen. Da nützt es auch nichts mit dem Finger auf andere zu zeigen wie schlimm die doch sind. Der Einzige der hier Schuld ist ist der Händler selbst. Wer will dem das Märchen abkaufen, er wusste nicht mit welchem Hebel er da operiert?
    Die Ursache für die Preisstegerungen bei den Medikamenten ist der Mangel an Konkurrenz, der durch die hohen Auflagen bei der Zulassung von Medikamenten und die Monopolrechte, oder auch Patente genannt, zustande kommt. Alles Probleme, die wir ohne Regierungseingriffe nicht hätten.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage