Folgen Sie uns

Europa

Einkaufsmanagerindizes: Es boooomt!

Blickt man auf die soeben veröffentlichten EInkaufsmanagerindizes aus der Eurozone, scheint die Konjunktur geradezu zu boomen! Allerdings gilt das nur für Deutschland und Frankreich, die den Wert der gesamten Eurozone mit nach oben ziehen..

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Blickt man auf die soeben veröffentlichten EInkaufsmanagerindizes aus der Eurozone, scheint die Konjunktur geradezu zu boomen! Etwa in Deutschland, wo der zusammengesetzte Einkaufsmanagerindex auf 57,0 steigt und damit den höchsten Wert seit 70 Monate erreicht (Prognose war 56,0). Besonders rund laufen die Geschäfte im verarbeitenden Gewerbe mit 58,3 – deutlich über der Prognose von 56,5 und höchster Wert seit 71 Monaten. Besser als erwartet auch der Dienstleistungssektor mit 55,6 (Prognose war 54,6), der beste Wert seit 15 Monaten. Dazu die Industrieproduktion so stark wie seit 38 Monaten nicht mehr mit 59,6 (Februar war 59,3). Markit, das die Daten ermittelt, spricht daher vom „stärksten Wirtschaftswachstum in Deutschland seit knapp sechs Jahren“.

„Rekordverdächtig“ sei auch der Stellenaufbau (zweithöchster Wert seit Berechnung des Index, also seit 1998!), aber eben auch die gestiegenen Preise, die nun so stark gestiegen seien wie seit knapp sechs Jahren nicht mehr. Preistreibend hier vor allem der Industriesektor mit stark gestiegenen Preisen für Stahl, Mineralöl-Produkte sowie der starke Dollar. Aber Herr Draghi wird uns sicher erklären, dass man das alles nicht überbewerten dürfe mit der Inflation..

Die Auftragsbestände stiegen nicht nur nun den zehnten Monat in Folge, sondern auch so schnell wie seit Mai 2011 nicht mehr, bei den neuen Stellen wurden Rekorde erreicht: bei den Dienstleistern so stark wie zuletzt im Jahr 2006 (dem bisherigen Allzeithoch), im produzierenden Gewerbe wie seit Juli 2011 nicht mehr.

Ganz ähnlich auch die Entwicklung in Frankreich: dort allerdings ist es der Dienstleistungssektor, der den höchsten Wert seit 70 Monaten erreicht (57,6; Februar war 56,4), während das produzierende Gewerbe mit 53,4 deutlich hinter her hinkt. Insgesamt aber sieht Markit in den Zahlen die ersten konkreten Früchte der Reformen der französischen Regierung. Auffallend ist auch, dass in Frankreich, anders als in Deutschland, kaum Inflations-Druck herrscht: die durchschnittlichen Verkaufspreise stiegen zwar erstmals seit April 2012, aber nur minimal.

All das gilt auh für die Eurozone: das stärkste Wachstum seit knapp sechs Jahren (Sammelindex bei 56,7; Prognose war 55,8). Auch hier der Aufbau neuer Stellen so stark wie seit fast zehn Jahren nicht mehr. Auch in der Eurozone insgesamt zeigt sich ein verstärkter Preisdruck, daher sieht Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson nun die Zeit gekommen, in der die EZB ihre Geldpolitik „restriktiver“ gestalten sollte.

Auffallend ist aber auch: der Boom scheint sich vor allem auf Deutschland und Frankreich zu konzentrieren, in den anderen Ländern schwächte sich das Wachstum dagegen sogar minimal ab. Da diese beiden Länder aber aufgrund ihrer Größe dominant sind, ziehen sie die Einkaufsmanagerindizes der ganzen Eurozone in den Headline-Zahlen nach oben..

Ein Kommentar

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Europa

Gastgewerbe: So stark fiel der Umsatz im letzten Jahr

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Leere Stühle bei der Außengastronomie eines Restraurants

Das Gastgewerbe (Hotels, Restaurants, Catering) ist neben Reisebüros, Fluggesellschaften und anderen wohl mit am Schlimmsten betroffen von der Coronakrise. Heute hat das Statistische Bundesamt eine erste Schätzung veröffentlicht, wie stark die Umsätze im Gastgewerbe im Gesamtjahr 2020 eingebrochen sind. Es ist ein Rückgang von 38 Prozent gegenüber 2019.

Für den Monat November liegen gesicherte Zahlen vor. Dazu drei Vergleiche: Im November 2020 fiel der Umsatz im Gastgewerbe gegenüber Oktober 2020 um 52,3 Prozent. Der Umsatz lag 67,4 Prozent unter dem Niveau vom Februar 2020, dem Monat vor Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland. Im Vergleich zum Vorjahresmonat November 2019 war der Gastgewerbeumsatz 67,9 Prozent geringer.

Die Grafik ist aufschlussreich. Man sieht den ersten Absturz aus dem Frühjahr, von einem Normalwert bei 105,4 runter auf 26,2 Indexpunkte. dann im Jahresverlauf nach dem ersten Lockdown die Erholung auf 82,8 Punkte im August. Und dann folgt der zweite Absturz bei den Umsätzen im Gastgewerbe ab Oktober, runter auf 34,4 Punkte im November.

Grafik zeigt Verlauf der Umsätze im Gastgewerbe seit dem Jahr 2013

weiterlesen

Europa

Bruttoinlandsprodukt für 2020: Statistisches Bundesamt präsentiert erste Daten

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Deutschland Flagge

Laut vor wenigen Minuten vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten ist das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland (anhand vorläufiger Berechnungen) im Gesamtjahr 2020 um 5,0 Prozent gesunken. Die deutsche Wirtschaft sei somit nach einer zehnjährigen Wachstumsphase im Corona-Krisenjahr 2020 in eine tiefe Rezession geraten, ähnlich wie zuletzt während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Der konjunkturelle Einbruch fiel aber im Jahr 2020 den vorläufigen Berechnungen zufolge insgesamt weniger stark aus als 2009 mit -5,7 Prozent.

Grafik zeigt Bruttoinlandsprodukt im Verlauf seit dem Jahr 2005

BIP-Zahlrenreihen

Hier einige aktuelle Aussagen der Statistiker im Wortlaut:

Corona-Krise traf Industrie und Dienstleistungsbereiche hart – nur das Baugewerbe legte zu

Die Corona-Pandemie hinterließ im Jahr 2020 deutliche Spuren in nahezu allen Wirtschaftsbereichen. Die Produktion wurde sowohl in den Dienstleistungsbereichen als auch im Produzierenden Gewerbe teilweise massiv eingeschränkt.

Im Produzierenden Gewerbe ohne Bau, das gut ein Viertel der Gesamtwirtschaft ausmacht, ging die preisbereinigte Wirtschaftsleistung gegenüber 2019 um 9,7 % zurück, im Verarbeitenden Gewerbe sogar um 10,4 %. Die Industrie war vor allem in der ersten Jahreshälfte von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen, unter anderem durch die zeitweise gestörten globalen Lieferketten.

Besonders deutlich zeigte sich der konjunkturelle Einbruch in den Dienstleistungsbereichen, die zum Teil so starke Rückgänge wie noch nie verzeichneten. Exemplarisch hierfür steht der zusammengefasste Wirtschaftsbereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe, dessen Wirtschaftsleistung preisbereinigt um 6,3 % niedriger war als 2019. Dabei gab es durchaus gegenläufige Entwicklungen: Der Onlinehandel nahm deutlich zu, während der stationäre Handel zum Teil tief im Minus war. Die starken Einschränkungen in der Beherbergung und Gastronomie führten zu einem historischen Rückgang im Gastgewerbe.

Ein Bereich, der sich in der Krise behaupten konnte, war das Baugewerbe: Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung nahm hier im Vorjahresvergleich sogar um 1,4 % zu.

Massiver Rückgang der in- und ausländischen Nachfrage

Auch auf der Nachfrageseite waren die Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich sichtbar. Anders als während der Finanz- und Wirtschaftskrise, als der gesamte Konsum die Wirtschaft stützte, gingen die privaten Konsumausgaben im Jahr 2020 im Vorjahresvergleich preisbereinigt um 6,0 % zurück und damit so stark wie noch nie. Die Konsumausgaben des Staates wirkten dagegen mit einem preisbereinigten Anstieg von 3,4 % auch in der Corona-Krise stabilisierend, wozu unter anderem die Beschaffung von Schutzausrüstungen und Krankenhausleistungen beitrug.

Die Bruttoanlageinvestitionen verzeichneten preisbereinigt mit -3,5 % den deutlichsten Rückgang seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Dabei legten die Bauinvestitionen entgegen diesem Trend um 1,5 % zu. In Ausrüstungen – das sind vor allem Investitionen in Maschinen und Geräte sowie Fahrzeuge – wurden im Jahr 2020 dagegen preisbereinigt 12,5 % weniger investiert als im Vorjahr. Die Investitionen in sonstige Anlagen – darunter fallen vor allem Investitionen in Forschung und Entwicklung – fielen ersten Schätzungen zufolge preisbereinigt um 1,1 %.

Die Corona-Pandemie wirkte sich auch auf den Außenhandel massiv aus: Die Exporte und Importe von Waren und Dienstleistungen gingen im Jahr 2020 erstmals seit 2009 zurück, die Exporte preisbereinigt um 9,9 %, die Importe um 8,6 %. Besonders groß war der Rückgang der Dienstleistungsimporte, was vor allem am hohen Anteil des stark rückläufigen Reiseverkehrs lag.

weiterlesen

Europa

Industrieproduktion hat Corona-Lücke fast aufgeholt

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Zahnräder

Die Industrieproduktion in Deutschland (Produktion im Produzierenden Gewerbe) hat die Corona-Lücke fast aufgeholt. Sie ist im November im Vergleich zu Oktober um 0,9 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt heute veröffentlicht hat. Im Jahresvergleich ist es ein Minus von 2,6 Prozent. Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie, war die Produktion im November 2020 saison- und kalenderbereinigt noch 3,8 Prozent niedriger. Der Chart, der bis 2012 zurückreicht, zeigt die Industrieproduktion als blaue Linie. Hier sieht man für Februar 2020 einen Indexwert von 102,9 Punkten, und im November von 99.

Chart zeigt Verlauf der Industrieproduktion seit 2012

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage