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Erinnern Sie sich noch an Alpari? Den Broker gibt es (irgendwie) immer noch

Erinnern Sie sich noch an den Namen Alpari? Einst einer der größten Forex-Broker für Privatkunden überhaupt, ging die Firma durch den Schweizer Franken-Schock aus Januar 2015 den Bach runter...

FMW-Redaktion

Erinnern Sie sich noch an den Namen Alpari? Einst einer der größten Forex-Broker für Privatkunden überhaupt, ging die Firma durch den Schweizer Franken-Schock aus Januar 2015 den Bach runter. Insolvenz. Erst letzte Woche hörte man offiziell Alpari habe beim Forex-Umsatz im August gegenüber Juli um 3% zugelegt auf 84 Milliarden US-Dollar. Wie kann das sein? Was war passiert? Alpari firmiert immer noch so, als wäre nichts gewesen. Deswegen hier mal ein kurzer Blick in den aktuellen Sachstand. Pleitegegangen ist letztes Jahr Alpari UK, also die rechtliche eigenständige Broker Alpari mit Sitz in Großbritannien.

Obwohl die Kundeneinlagen von 98 Millionen Dollar bei Alpari UK in sogenannten segregierten Konten vorhanden sind und ausgezahlt werden könnten, tut sich der damit beauftragt Abwickler schwer. Der ist in diesem Fall der Wirtschaftsprüfer KPMG. Man konnte laut „Leaprate“ bisher erst 55% der Ansprüche an die Kunden ausschütten. Und warum? Was ist passiert? Nun, die Alpari-Kunden, die bis zu 50.000 Pfund auf ihren Konten hatten, und sich direkt an den britischen Einlagensicherungsfonds FSCS gewendet hatten (Financial Services Compensation Scheme), wurden bereits komplett ausbezahlt. Der FSCS muss sich die von ihm garantierten Gelder, die man den Kunden ausgezahlt hat, nun von KPMG aus dem Alpari-Geldpool erstatten lassen.

Problematisch ergeht es den Kunden, die sich eben nicht an den Fonds, sondern direkt an KPMG als Abwickler und Auszahler der Restguthaben gewendet hatten. KPMG hat ein technisches Problem. Laut Leaprate kann der Wirtschaftsprüfer derzeit nicht mehr als 55% auszahlen, weil das britische Insolvenzrecht es nicht erlaube, dass abschließende Auszahlungen gemacht werden, wenn nicht sämtliche Anlegeransprüche geklärt sind. So haben anscheinend immer noch nicht alle Alpari-Kunden gegenüber KPMG bestätigt, wie nach ihrer Meinung zum Zeitpunkt der Insolvenz ihre wirklichen Kontostände waren.

Wenn man sich überlegt, man hat offene Positionen im Markt, und auf einmal gibt es einen Cut durch die Pleite des Brokers – da kann es schon zu Meinungsverschiedenheiten kommen?! Auch sollen einige Kunden einfach nicht erreichbar sein. Daher hat KPMG beim britischen Insolvenzgericht für diesen Donnerstag einen Anhörung beantragt, damit man möglichst viel der Restansprüche jetzt schon mal ausschütten kann. Auch kann erst dann die Erstattung an die FSCS erfolgen. Wie man sieht, mehr als ein Jahr nach der Pleite ist die Angelegenheit immer noch nicht abgewickelt. Und was lernt man daraus: Man wende sich als Kunde immer zuerst an eine staatliche Entschädigungseinrichtung, wenn der Broker pleite geht, bei dem man sein Konto hat.

Und das heute vorhandene Alpari? Da wird ja anscheinend fleißig gehandelt, wenn man den Veröffentlichungen glauben schenken darf. Die derzeit auftretende Alpari ist die „Alpari Limited“. Sie hat mit der Alpari UK nichts zu tun. Auch klafft auf der angezeigten Weltkarte der Alpari-Standorte ein Loch bei Großbritannien. Na so was – trotzdem hat man Standorte in Argentinien, Kasachstan oder auf Mauritius. Und wo ist nun die Firmenzentrale von Alpari Limited? In zwei der weltweit für Seriosität bekannten Finanz-Hotspots (Satire), als da wären Saint Vincent and the Grenadines und Belize. Für alle die in Erdkunde nicht aufgepasst haben: Diese beiden „Finanzzentren“ liegen in der Karibik und in Mittelamerika. Was gibt es dort? Sonne und Briefkästen. Aber wir wollen Alpari Limited natürlich nichts unterstellen. Mit den Zertifikaten (bitte die beiden Ländernamen anklicken) zeigt man ja, dass man dort auch wirklich ordnungsgemäß registriert ist. Das ist doch mal was!

Und die Alpari als Finanzdienstleister ist selbstverständlich nicht in UK aktiv. Da gibt es aber eine „Alpari Research & Analysis Limited“ mit Sitz in Londoner Finanzviertel Canary Wharf. Aber wie man schon sieht, diese Tochter der Alpari-Gruppe hat sicherlich nichts mit Finanzdienstleistungen, Kundenbetreuung oder Kontoführung zu tun – dort kümmert man sich wohl nur um Analyse, so kann man es ja aus dem Firmennamen schon raushören. Und im Fall einer Insolvenz von Alpari Limited in der Karibik? Springt dann eine dortige Einlagensicherung ein? Gibt es die überhaupt? Wie steht es um den Einlagenschutz? Wir haben geforscht, die Webseite von Alpari umgepflügt, aber nichts gefunden. Das hat uns gewundert, denn gerade nach der Finanzkrise und erst recht nach dem Schweizer Franken-Schock ist jeder seriöse Broker darauf bedacht mit leicht zu findenden Infos auf der Broker-Webseite darzulegen, wie gut die Kundeneinlagen bei einer Brokerpleite abgesichert sind.

Was macht man also, wenn man diese Info nicht findet, was schon mehr als ungewöhnlich ist? Man fragt nach. Das haben wir getan. Die Info: Einlagensicherungsfonds nicht vorhanden. Und sonst? „Die Konten sind segregiert“, so die Auskunft. Das ist ein übliches Verfahren, bei dem die Kundeneinlagen auf separaten Bankkonten liegen, die auf den Namen des Brokers laufen. Die Gelder des Brokers selbst sollen bei diesem Verfahren auf anderen Konten liegen, segregiert (getrennt) vom Kundengeld. Eine tausendprozentige Sicherheit bietet dieses Verfahren nicht! Erstaunlich: Diese Info, dass die Konten segregiert sind vom Broker-Vermögen, findet man nirgendwo auf der Broker-Webseite. Alpari´s Erklärung hierzu: Diese Info sei so selbstverständlich, dass man sie gar nicht erst veröffentliche. Eine mehr als erstaunliche Erklärung, so möchten wir es mal freundlich ausdrücken!



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