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Fed vor erneuter starker Zinsanhebung Euro: Neuer Anlauf unter die Parität – nächste Woche wird es interessant!

Euro läuft Richtung Parität. Weitere Schwäche ist denkbar.

Euro-Geldscheine

Der Euro hat in den letzten zwölf Monaten gegenüber dem US-Dollar 13,8 Prozent verloren von 1,1684 auf aktuell 1,0047. Derzeit droht das erneute Abrutschen unter die Parität, also einen Wechselkurs von 1:1. Bereits am 14. Juli fiel EURUSD unter die Parität auf ein Tief von 0,9956. Der Euro-Kurs lief aber schnell wieder nach oben, um dann wochenlang Kursniveaus über 1,02 zu halten. Derzeit droht das erneute und nachhaltigere Abrutschen unter die Parität.

Euro rutscht ab – Fed war aggressiver als die EZB

Im TradingView Chart sehen wir für die letzten zwölf Monate den Verlauf von Euro vs US-Dollar (blaue Linie), dazu die Zinsanhebungen von Fed (orange) und EZB (türkis). Die starke Zinsanhebungspolitik der Federal Reserve (Fed) hat dem US-Dollar immer weiter nach oben geholfen. Der Chart mag auf den ersten Blick etwas täuschen, weil beide Zinslinien gleich stark nach oben gehen. Aber die Fed hat ihr Zinsniveau seit Februar von 0,25 auf aktuell 2,50 Prozent angehoben. Die EZB wurde erst im Juni aktiv mit einer Anhebung von 0,00 auf  lediglich 0,50 Prozent. Dies dient dem Kampf gegen die Inflation, die in den USA und Europa sehr hoch ist. Aber durch die viel aggressiveren Schritte der Fed wurde der US-Dollar attraktiver gemacht, was automatisch den Euro weiter schwächt.

Aussagen von Fed-Direktor James Bullard

Gestern hat der viel beachtete Chef der St. Louis Fed James Bullard dem „Wall Street Journal“ gegenüber gesagt, dass er für die nächste Zinsentscheidung der Fed im September eine Zinsanhebung um weitere 75 Basispunkte (0,75 Prozentpunkte) favorisiert. Die Fed soll sich seiner Meinung nach weiterhin zügig auf ein Zinsniveau bewegen, das die Inflation deutlich nach unten bringt. Er verstehe nicht, warum man Zinsanhebungen ins nächste Jahr hinauszögern sollte – denn es werde gut 18 Monate dauern, bis die Inflation wieder auf das Niveau des Fed-Ziels von zwei Prozent zurück komme (US-Inflation derzeit bei 8,5 Prozent). Man könne auch noch nicht sagen, dass die US-Wirtschaft den schlimmsten Inflationsanstieg hinter sich hat.

Nächste Wochen Jackson Hole

In den letzten Tagen gab es mal gute, mal schlechte US-Konjunkturdaten. Von daher war die verstärkte Annahme aufgekommen die Fed könne die Zinsen im September „nur“ um weitere 50 Basispunkte anheben. Die gestrigen Bullard-Aussagen zeigen die Tendenz Richtung 75 Basispunkte. Wohl auch deswegen sieht man seit gestern, wie der Euro gegenüber dem US-Dollar weiter an Boden verloren hat von 1,0176 auf aktuell 1,0047. Nächste Woche von Donnerstag bis Samstag (25.-27. August) wird es wirklich interessant. Dann steht das Notenbanker-Treffen in Jackson Hole an. Von diesem Treffen können konkretere Signale der Fed ausgehen, ob sie eher zu 50 oder 75 Basispunkten tendiert. Denn die zahlreichen Konjunkturdaten der letzten Tage könnte man so oder so interpretieren. Der Devisenmarkt (fallender Euro) glaubt seit gestern Mittag aber daran, dass die Tendenz eher Richtung 75 Basispunkte geht.

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EZB weiter zögerlicher als die Fed?

Nun hatte die EZB im Juni für ihre Verhältnisse regelrecht „impulsiv“ gehandelt und den Leitzins – der seit Jahren bei 0,00 Prozent klebte – gleich um 50 Basispunkte auf 0,50 Prozent angehoben. Was für ein Wahnsinnsschritt (Sarkasmus) zur Bekämpfung einer Inflation, die in der Eurozone derzeit bei 8,9 Prozent steht. Man darf vermuten: Während der Devisenmarkt auf der einen Seite weitere Aggressivität bei der Fed erwartet in Sachen Zinsanhebungen, geht man für die EZB von einem zögerlichen Folgeschritt aus. Andernfalls würde der Euro derzeit wohl kaum erneut die Parität ins Visier nehmen. Man könnte vermuten: Der in den letzten Wochen spürbar gefallene Ölpreis gibt der EZB ein Argument an die Hand, um von der „Peak Inflation“ zu sprechen, also einem möglichen Höhepunkt der Inflation in der Eurozone. Damit könnte man begründen, dass man die Zinsen beim nächsten Mal nicht so kräftig anhebt. Dass die Verbraucher vor explodierenden Strom- und Gaspreisen stehen, könnte man fürs Erste ausblenden. Bestätigt sich diese Annahme und die EZB handelt weniger aggressiv als die Fed, ist eine weitere Euro-Schwäche mit einer kräftigen Unterschreitung der Parität gut denkbar.

Euro-Absturz im Vergleich zu den Zinsanhebungen von Fed und EZB



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3 Kommentare

  1. Emergency Rate Hike.
    Gerüchte zufolge könnte eine Notzinsanhebung kommen.
    Der Häusermarkt seit 6 Monaten rückläufig.
    Gerüchte, Gerüchteküche.
    1 Dollar zu 95 Eurocent, ist drin.

  2. Die EZB darf nicht nur auf Italien schauen und sehr fragliche Entscheidungen davon abhängig machen.Ein Wirtschaftliches starkes Europa muss einen starken Euro haben.Sonst schädigt es das Vertrauen in Europa nachhaltig.

  3. @andre, ich weiß nicht ,in Italien gibt es eine neue Regierung und in Griechenland kam der total unter Druck stehende Mitsotakis(Spionageverdacht) raus und sagt ganz plötzlich die Troika ist Geschichte.

    Die EU schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Die Griechen dürfen den Euro wieder inflationieren und die
    die EU-unfreundliche Linke wird auf Distanz gehalten. Weil Mitsotakis auch alles abnickt.

    https://www.jungewelt.de/artikel/433020.zw%C3%B6lf-jahre-notstand.html

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