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Exklusiv-Interview mit Florian Homm: „Unser Finanzsystem – Tod auf Raten oder Implosion“

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Florian Homm war eine Größe in der Hochfinanz: extrem erfolgreich vor allem durch Short-Spekulationen, spielte er in der Champions League der Finanzmärkte. Dann der Absturz – die Vorwürfe gegen ihn dürften bekannt sein und müssen hier nicht noch einmal thematisiert werden. Nach dem Motto „Ist der Ruf erst runiert, lebt es sich gänzlich ungeniert“ hat Homm ein Buch geschrieben mit dem Titel „“Endspiel. Wie Sie die Kernschmelze des Finanzsystems sicher überstehen“. Es zählt zum Besten, was ich bisher gelesen habe. Kurz, knackig, Meinungs-freudig, allgemein-verständlich ohne zu banalisieren. Für Homm ist eines klar: unser Finanzsystem wird implodieren – oder einen langsamen Tod sterben.

Florian Homm 1
(Für das Foto danken wir Michael Uhlemann)
Im Gegensatz zu anderen „Crash-Autoren“ bietet Homm auch Lösungen an – originelle Lösungen. Was die Aussagen Homms so wertvoll macht, ist, dass ein absoluter Insider, der im Zentrum des „Geldadels“ war, nun als Außenseiter schreibt, der nichts mehr zu verlieren hat. Wenn Wahrheit entstehen kann, dann aus einer solchen Konstellation!

 

1. Finanzmarktwelt.de: Herr Homm, in Ihrem Buch „Endspiel. Wie Sie die Kernschmelze des Finanzsystems sicher überstehen“ antizipieren Sie den baldigen Crash eben dieses Finanzsystems. Nun haben die Finanzmärkte seit Jahresbeginn eine crashartige Bruchlandung erlebt. Ist das bereits der Beginn des“Endspiels“? Warum wird es zwangsläufig zu diesem Endspiel kommen müssen?

Florian Homm: Es gibt nur zwei mögliche Szenarien. Ein relativ abrupter Crash oder die Japanische Konstellation. Das Letztere bedeutet null Wachstum, null Zinsen verbunden mit einem konstanten Anstieg der Staatsverschuldung und einer schwachen Währung: also ein langsamer Tod auf Raten. Ich tendiere momentan eher zum Implosions Szenario, da die Gefahrenherde an Frequenz, Dimension und Vehemenz deutlich erkennbar zunehmen. Damit meine ich, unter anderem, Problem-Banken, Emerging Market Debt, Insolvenz- und Bankrottrisiken und so weiter. Es gibt keine Alternative zu diesen beiden Szenarien. In der gesamten Weltwirtschaftsgeschichte – bei derartig hohen Schulden verbunden mit wertlosem „Papiergeld“ –  gab es noch nie eine andere Lösung als massive Repression, Geldentwertung und sehr oft radikale Währungsreform. 

2. Finanzmarktwelt.de: Sie sprechen in Ihrem Buch vom Irrtum der Notenbanker, die durch Gelddrucken die Deflation nicht aufhalten können, weil sie das zurückhaltende Konsumverhalten der alternden Babyboomer nicht einkalkulieren. Noch wesentlicher aber scheint uns der deflationäre Druck der globalisierten Internetökonomie, durch die zahlreiche Branchen dem Untergang geweiht sind und globaler Abwärtsdruck auf Löhne entsteht. Sind die Notenbanker schlicht ideologisch zu verbohrt, um sich einzugestehen, dass Negativzinsen oder QE die Probleme gar nicht beheben können?

Florian Homm: Ich möchte jetzt nicht die diversen Kausalitäten der Deflation gewichten, aber Ihr Argument, dass das Internet ein Inflationskiller ist, hat selbstverständlich Hand und Fuss. Die „Notenbankster“ leiden unter diversen Störungen:

Einerseits sehen sie sich als allmächtige Weltretter. Nur durch ihr Einschreiten konnte das System 2008 / 2009 vor dem Kollaps gerettet werden. Das ist grober Unfug. Gelegentlich muss ein faules und infiziertes System bereinigt werden. Diese systemischen Fehler nicht zu beheben oder zu behandeln, vergrößert nur das zukünftige Debakel. Störung Nummer 1: Größenwahnsinn und Selbstüberschätzung.

Andererseits sind die meisten Notenbanker ehemalige Banker und dienen primär Ihren ehemaligen Kollegen und Arbeitgebern. „Man weiss ja nie“, denken die sich. Es kommt sehr häufig vor, dass ehemalige Notenbanker wieder im Investment Banking Fuss fassen wollen. Die FED, die amerikanische Notenbank, ist im Privatbesitz diverser Banken. Die EZB und FED werden von ex Goldman Leuten geführt. Diese Damen und Herren orientieren sich doch nicht an den Bedürfnissen der breiten Masse. Störung Nummer 2: Nepotismus und erhebliche Interessenkonflikte.

Die Zukunft der Menschheit wird aktuell auf Basis von theoretischen ökonomischem Modellen a la John Maynard Keynes durch analytisch, emotional und wissenschaftlich  überforderte Theoretiker determiniert. Zudem werden Massnahmen ergriffen, die seit über 2 Jahrzehnten in Japan nichts gebracht haben und zur eklatanten, destruktiven Überschuldung geführt haben. 2 Jahre NIRP (negative interest rate policy) in Europa, und 8 Jahre ZIRP (zero interest rate policy) in den USA zeigen deutlich, dass diese Massnahmen gescheitert sind. Wer das nicht glaubt, sollte sich mal etwas genauer die lockere Geldpolitik der Bank of Japan seit dem grossen Nikkei Crash vor mehr als 20 Jahren anschauen. Störung Nummer 3:

Stupides, blindes, rechthaberisches Festhalten an rein theoretischen, eindeutig gescheiterten Konzepten. Das kann man auch Verbohrtheit nennen.

3. Finanzmarktwelt.de: Sie schreiben, dass der „Geldadel“ der faktische Machthaber sei, Politiker nur die Marionetten. Sie waren einst sehr reich und Teil dieses Geldadels – können Sie diese These illustrieren, etwa durch persönliche Erfahrungen, die Sie gemacht haben?

Florian Homm: Diese Netzwerke laufen auf nationaler, regionaler und globaler Basis. Bekannte globale Gremien für die Politik und den Geldadel sind die Bilderberg Stiftung und zum Teil auch das World Economic Forum. Man muss auch unterscheiden zwischen dem hochsituierten Management und den sehr großen Aktionärsgruppierungen und globalen Unternehmern. Die Letzteren haben viel mehr Macht. Einige Financiers, Hedge Fund Manager gehören auch zum Geldadel. 

Schauen Sie sich einfach die Namen der 2000 reichsten Weltbürger an oder die wesentlichen Eigentümer der 2000 größten börsennotierten Unternehmen. Diese „Player“ kommunizieren exzellent untereinander, um das Spielfeld so vorteilhaft zu gestalten wie möglich. Dazu gehören massive Lobby-Ausgaben. Es gibt eine bemerkenswerte Analyse, die zeigt, dass die 30 amerikanischen Unternehmen, die am meisten in den Lobbyismus investieren, in der Summe überhaupt keine Steuern zahlen. In den USA sind die Republikaner und Demokraten von verschieden Unternehmensgruppierungen mehr oder weniger legal gekauft. Die Wahlen sind somit reine Illusionen der Demokratie. Der Wähler kann nur entscheiden welche Lobby- Gruppe er wählt. Bei uns ist das leider auch zunehmend so. 

In diesem Umfeld bewegte ich mich als relativ kleiner, aufstrebender Hai, eher projektspezifisch als Investment Banker, Wagniskapital Financier oder Hedge Fonds Manager. Zugang zu sehr wichtigen Playern hatte ich schon, auch privat. Einige der Spielwiesen um diese Kontakte zu hegen und pflegen sind Porto Cervo, St. Tropez, Sankt Moritz, den Hamptons, London, New York, Moskau, St. Bartholomew und so weiter. Über die Namen meiner aktuellen und ehemaligen Kunden rede ich seit drei Jahrzehnten nicht. Politisch habe ich die Präsidentschaftswahl der Staatspräsidentin von Liberia und Nobelpreisträgerin Ellen Sirleaf Johnson unterstützt. In Deutschland habe ich einen Beitrag zur Sanierung der sehr maroden Finanzlage der FDP geleistet. 

4. Finanzmarktwelt.de: Wir erleben derzeit einen regelrechten Kontrollverlust der Notenbanken und anderer zentraler Akteure des Finanzsystems: so führte etwa die Bank of Japan Negativzinsen ein, und dennoch erlebt der Yen eine Art „Aufwärts-Crash“. Big Player wie Goldman Sachs machen riesige Trading Verluste, weil ihre Trades auf dem Glauben an die Allwirksamkeit der Notenbanken aufgebaut waren. Sie haben immer noch Kontakt zu Mitgliedern des Geldadels – herrscht in diesen Kreisen bereits Panik?

Florian Homm: Nicht alle Mitglieder des Geldadels sind bornierte, seelenlose, raffgierige Vollidioten. Mittlerweile verstehen recht viele Player, dass dieser endlose Raubzug des Kapitals wenig Glück und Erfüllung bringt. Viele lateral denkende und smarte Mega-Reiche sehen das Debakel und die Geldschmelze als Chance, und sind mit ihren Milliardenvermögen zunehmend marktneutral oder tendenziell short positioniert. Leverage wurde reduziert und  minderwertige Assets abgestossen. Panik gibt es natürlich auch, prinzipiell bei den Akteuren, die an die Notenbank-Allmacht geglaubt haben oder an Ihre Investment-Banker.

5. Finanzmarktwelt.de: Sie schreiben: „Das Pulver ist bereits verschossen. Das System muß sich endlich auskotzen und dann von Grund auf wieder rekonstruieren(..). Griechische Zutände sind dann, selbst bei uns in Deutschland, unvermeidbar“. Dagegen glaubt die überwältigende Mehrheit der Deutschen noch, sie lebten auf einer Insel der Glückseligen und fühlen sich nur durch ein paar Flüchtlinge gestört. Wie wird in Deutschland die Bevölkerung reagieren, wenn sie dann schließlich ahnt, was auf siezukommen wird? Teilen, Verzicht, Demut – all das scheint für 99% unserer Gesellschaft doch noch sehr weit weg zu sein..

Florian Homm: Schauen wir uns doch mal unsere Exporte an. Über die Hälfte geht nach China, in Entwicklungsländer und Problemstaaten in der EU. Die Wirtschaft in den USA wird seit fast 8 Jahren mit der größten Marktmanipulation der Weltgeschichte künstlich aufgepäppelt. Das funktioniert nicht ewig, wie bereits deutlich zu erkennen ist.

Bei einer wirtschaftlichen globalen Capex (Capital Expenditure) Rezession oder Depression, wer soll denn dann noch Engineering made in Germany kaufen? 

Deutschland profitiert derzeit von niedrigen Zinsen, niedrigen Öl/Rohstoff (Input) Preisen und einem recht schwachen Euro. Besser kann es nicht laufen. Noch läuft die Binnenkonjunktur noch gut, aber viele Mikrozahlen indizieren bereits eine dramatische Verlangsamung im Export. Glauben Sie der Baltic Freight Index oder der Bloomberg Commodity Index lügt? Es riecht förmlich nach einer globalen Rezession. Seit dem Sommer 2016 empfehlen wir unseren Kunden: Sell on the good news, go away and do not come back for a very, very long time. Uns steht ein Paradigmen-Wechsel bevor, und die Epoche des ungedeckten Papier Geldes geht nach 44 Jahren seinem Ende zu. Und vor diesen bedrohlichen Megatrends soll Deutschland isoliert sein? Please!!

 

6. Finanzmarktwelt.de: Sie sagen, Sie seien nun viel glücklicher als zu den Zeiten, als Sie reich, aber als workaholic extrem gestreßt waren. Damals, so sagen Sie, dienten Sie nur dem Mammon, nun dem Menschen. Hatten Sie eine Art „Saulus zum Paulus-Erlebnis“? Brauchte es eine Art „persönlichen Crash“, wie Sie ihn erlebt haben, um zu dieser Einsicht zu gelangen?

Florian Homm: Meine Bekehrung war graduell, aber es gab auch einige Schlüsselergebnisse. Irgendwann habe ich Jesus und Maria gebeten mich zu Ihnen zu nehmen oder mir die Möglichkeit zu geben Ihnen zu dienen. Meine Gebete wurden erhört. Ich war der erste Auslieferungshäftling, der seit 3 Jahrzehnten nicht von Italien in die USA ausgeliefert wurde. Ich empfehle Ihnen 225 Jahre Knast oder das Testimonial auf meiner persönlichen Webseite (www.florianhomm.org) zu lesen. 

7. Finanzmarktwelt.de: Eine Fernsehdokumentation über Sie hatte den Titel „Der Kapitalist Gottes“, unter Anspielung auf Ihre Hinwendung zum Christentum. In Ihrem Buch aber schreiben Sie, dass Sie „Die Linke“ wählen werden. Warum? Schließlich dürfte das für die mittelständischen Unternehmer, die Sie als Garanten des Wohlstands in Deutschland beschreiben, das Leben deutlich erschweren..

Florian Homm: Die Frage macht Sinn, denn die nahezu totale Erbschaftssteuer, die die Linke propagiert, fördert die amorphen, globalen, übermächtigen, steueroptimierten Konglomerate. Auch beim Thema Wagniskapital ist die Linke dünn besetzt. Aber was Banken-Regulierung, Währungspolitik, TTIP, die gesunde Streuung von Vermögenswerten und Wirtschaftsprognosen betrifft, sind Gysi und Wagenknecht weitaus kompetenter als CDU, CSU und SPD Bürokraten. Nur die Linke weist zur Zeit effektiv auf gravierende fundamentale Fehler in unserer Finanz und Wirtschaftspolitik hin. Eine stärkere Linke ist dringend notwendig, damit die Bürger ein fundiertes, analytisches Pendant zur Propaganda der Regierenden und des Geldadels haben. 

Endspiel

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Gabriel Scheer

    17. Februar 2016 13:46 at 13:46

    Die unterschiedlichen Korrekturmöglichkeiten sind interessant. Wenn man den Charakter der Angelsachsen betrachtet, stimme ich der These eines abrupten Absturzes zu. Also man stelle sich vor, alle Trader wollen mit einem Schlag durch die selbe Tür – Das wird interessant

  2. Avatar

    leser

    17. Februar 2016 14:24 at 14:24

    Sehr interessantes Interview.
    Angesichts der persönlichen Situation kann ich die Hinwendung zum Glauben nachvollziehen. Dazu passt die Präferenz für die Linkspartei. Auch die Sozialisten verkünden ja eine Glaubensbotschaft. Religion und Sozialismus führen aber regelmäßig zu totalitären Strukturen und Unterdrückung von „Andersgläubigen“. Als metaphysische Gebilde verschließen sie sich der Vernunft und der Ratio. Im übrigen will auch Frau Wagenknecht am Falschgeldsystem m.W. nichts ändern.

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    Judas

    17. Februar 2016 17:31 at 17:31

    Interessantes Interview.

    Ein unabhängiges Interview liest sich aber anders.

    Klar vetritt FMW die Meinung von Herrn Homm. Das ist ja in Ordnung, es geht da nicht um richtig oder falsch.

    Aber wenn man gleichzeitig den Anspruch hat, kein Mainstream-Medium zu sein, dann muss man auch Dinge kritisch hinterfragen und darf nicht die Antworten schon in die Fragen legen.

  4. Avatar

    Topkiter

    25. Februar 2016 18:28 at 18:28

    ich tu mich sehr schwer auf jemanden zu hören, der nachgewiesenermaßen sein eigenes und das von anderen anvertraute Kapital bereits so an die Wand gefahren hat wie ein Herr Homm. Die Tatsache, daß er extrem religiös ist und die Linken wählt macht das ganze in meinen Augen nicht besser und zeigt ein verblüffendes Mass an Logikverdrängung. Es ist eine Sache, auf diese Weise seine eigene Vergangenheit aufzuarbeiten, aber man soll dann bitte nicht als Messias der Finanzwelt ins Feld ziehen, einfach nur peinlich.
    Dazu kommen auch deutliche Schwächen in der Argumentation. Die „Papiergeldendzeitstimmungspropheten“ machen immer den gleichen Fehler. Sie beten gleichzeitig Währungsreform etc. herbei und andererseits schlagen sie vor, Aktien etc. zu verkaufen. Aber was mach ich dann mit dem Cash wenn ich meine Aktien verkauft habe ?
    Behalte ich lieber Geld was anschließend wertlos wird oder einen Anteil an einer Firma die es auch NACH dem Crash noch geben wird. Auch nach der Krise werden die Menschen weiter fressen, wohnen, Auto fahren etc.
    Viel interessanter anstatt Dinosaurier wie Homm zu Wort kommen zu lassen wären mal Diskussionen darüber, ob nicht ein System, bei dem der Staat seine Ausgaben direkt aus der Notenpresse gestalten kann, eventuell doch stabil funktionieren kann.
    Letztendlich sind wir auf dem Weg dort hin.
    Es ist ein kompletter Irrglaube zu meinen, die Mittel der Zentralbanken wären mit dem Ankauf von Staatsanleihen am Sekundärmarkt erschöpft. Wir stehen da wohl erst am Anfang.

  5. Avatar

    Phil

    20. März 2016 20:58 at 20:58

    Vermögenswerte müssengeschützt werden. Alle Zeichen stehen auf Krise.

  6. Avatar

    Rlee

    27. Oktober 2016 03:04 at 03:04

    „Nur die Linke weist zur Zeit effektiv auf gravierende fundamentale Fehler in unserer Finanz und Wirtschaftspolitik hin. “

    Die AfD hat ebenfalls das Finanzsystem auf dem Schirm. Unter Punkt 11.11 findet man „Geldsystem überdenken, Gold heimholen“ im Parteiprogramm

  7. Pingback: DIW Prof. Fratzscher - GoMoPa - NewsConfidential News Abzocker |

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Warum ich keine Lieblingsaktien habe! – Werbung

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Lieber Börsianer,

was ist Ihre Lieblingsaktie? Welchem Titel halten Sie unbedingt die Treue und gehen quasi mit ihm durch dick und dünn? Hier verzeihen Sie auch einmal schlechte Nachrichten, weil Sie von dem Unternehmen wirklich überzeugt sind. Das Phänomen der Lieblingsaktie kann auch gleich für eine ganze Branche gelten. So schworen viele Privatanleger vor einigen Jahren auf Unternehmen aus der Edelmetall-Branche. In fester Erwartung eines Euro-Untergangs wurde diese Branche für viele Privatanleger zum bevorzugten Ort der Investition.

Typisch für eine solche Situation ist, dass wir die Nachrichtenlage dann nur noch sehr eingeschränkt wahrnehmen. Schlechte Nachrichten zu unserer Lieblingsaktie blenden wir aus. Gute Nachrichten hingegen bewerten wir in ihrer Bedeutung für die Kursentwicklung über. Mehr noch: Oftmals bilden wir in unseren Lieblingsaktien deutliche Übergewichtungen in unseren Depots, weil wir hier gerne mehrfach kaufen. Plötzlich steht Ihre Lieblingsaktie dann für 10 oder 20 % Ihres Gesamtdepots. Wenn Ihre Lieblingsaktie dann einmal schwächelt, ist Ihr Depot aufgrund der Übergewichtung chancenlos.

Aber wie entsteht eigentlich so eine Lieblingsaktie in unserem Depot? In aller Regel steht am Anfang zunächst eine starke Performance. Folglich mögen wir diese Aktie, weil sie uns eben zunächst viel Rendite beschert hat. Am besten können wir die Produkte unseres Lieblingsunternehmens im Alltag auch noch erfahren und quasi anfassen. Tatsächlich schätzten in der Vergangenheit viele deutsche Privatanleger die Aktien von BMW oder Daimler, weil sie privat ein…..

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Aktienmärkte: Corona-Krise und ein heimlicher Star im deutschen Leitindex

Wolfgang Müller

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Normalerweise waren die letzten Jahre die Zeit für Wachstumstitel, also für Growth, wie man es in der Sprache der Aktienmärkte bezeichnet. Eher jedoch nicht für den deutschen Leitindex Dax – aber dort steht ein Wert ganz oben in der Performance, von dem man es noch weniger erwartet hätte: die Deutsche Post. Man profitiert derzeit vom „Stay at Home“ und vielleicht nochmals durch ein logistisches Thema der Superlative.

Die bevorstehende Massenimpfungen

Was werden nicht alles für Zahlen herumgereicht? Die Gesamtbevölkerung der Erde müsse gegen Covid-19 geimpft werden, 7,7 Milliarden Menschen und dies gleich zweimal. Aber gemach, es werden sich nicht alle impfen lassen wollen, und es einige durch Immunität nicht mehr brauchen (oder durch heimische Pharmafirmen versorgt werden) und viele sich in einem Alter befinden, in dem die Gefährlichkeit des Virus unterhalb des Promillebereichs für die Betagten und Gefährdeten liegt. Dennoch: Es gilt Abermillionen von Impfdosen zu transportieren, mit den verschiedensten Transportmitteln, mit speziellen Behältern und mit der Aufrechterhaltung von Kühlketten und überall ist der deutsche Marktführer gut aufgestellt.

Die unauffällige Hausse bei einem Underdog der Aktienmärkte

Die Deutsche Post (DHL Group) feierte gerade den 20. Börsengeburtstag. Der Logistik-Riese, der aus einem Paket- und Postzusteller hervorging, wurde am 20. November 2000 zu 21 Euro an die Börse gebracht. Zu dieser Zeit stand der Dax bei 6609 Punkten. Betrachtet man nun die Kursentwicklung von Index und den Dax-Wert Deutsche Post (gestern 40,39 Euro), so könnte man den Eindruck gewinnen, als wäre der Dax mit seiner Kursverdoppelung besser gelaufen, als der deutsche Logistiker, der es nur auf gut 80 Prozent Kurszuwachs brachte. Rechnet man die Dividendenzahlungen hinzu, käme man bei der Post aber auf circa 268 Prozent Gewinn. Beim Dax als Performance-Index werden die Dividenden einfach hinzugerechnet. Macht eine Rendite der Deutschen Post von 6,7 Prozent p.a. gegenüber dem Index mit seinen 3,5 Prozent. Der Traditionswert ein heimlicher Star der Aktienmärkte – gewiss, denn ein Großteil der Dax-Werte ist noch weit von seinen ehemaligen Höchstständen entfernt. Bis auf fünf Werte, einer davon ist die Marke mit dem auffälligen Gelb.

Dies ist natürlich den Analysten nicht verborgen geblieben: so erwarten Ökonomen von Goldman Sachs einen Umsatzanstieg der Deutschen Post von aktuell 65 Milliarden bis auf 80 Milliarden Euro im Jahr 2024, der Gewinn soll im gleichen Zeitraum von 4,4 Milliarden auf 6,5 Milliarden Euro steigen. Wäre ein einstelliges KGV, hinzu kommt die niedrige Börsenbewertung im Vergleich zu UPS oder Fedex.

Fazit

Obwohl die Aktienmärkte derzeit die Umschichtung von Growth zu Value spielen, kann dies dem deutschen Logistiker relativ egal sein. Man profitiert weiter von den Auswirkungen der partiellen Lockdowns, vermutlich noch durch die Wintermonate, als auch von der neuen Situation um die Mammutaufgabe Impfung der Bevölkerung mit all den personellen und logistischen Herausforderungen.

Jetzt steht in dieser Woche erst einmal der große vorweihnachtliche Hype um den „Black Friday“ und den „Cyber Monday“ auf dem Programm. Angesichts der Pandemie sicherlich mit bisher noch nie gesehenen Umsätzen. Ein DHL-Manager sprach schon davon, dass Covid-19 die Umsätze der Post in das Jahr 2030 hieven werde. Und jetzt kommt noch das Transportthema Impfstoff hinzu. Ein Goldilocks-Szenario? Nicht ganz, denn da gibt es noch einen übermächtigen Konkurrenten aus Übersee, der bis 2021 mit eigenen Paketzentren in Deutschland zulegen will. Der „All-Star“ der amerikanischen Aktienmärkte Amazon, der bereits schon für ein Viertel der Paketsendungen in Deutschland verantwortlich ist.

Die Aktienmärkte in Deutschland und ihr heimlicher Star

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Aktien

Aktienmärkte: Die 8-Billionen-Dollar Bombe – 20%-Korrektur voraus

Markus Fugmann

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Die Aktienmärkte der USA haben ein Klumpenrisiko – sie sind eine Bombe, die entschärft werde auf Kosten einer heftigen Korrektur. Das sagt nicht ein sogenannter „Crash-Prophet“, sondern der eher als „Dauer-Bulle“ bekannte Hans. A. Bernecker. Alle Indizes der amerikanischen Aktienmärkte seien extrem überkauft, getrieben vor allem in den letzten Monaten durch die Tech-Werte. Bevor dann ab dem 09.November mit der Pfizer/BioNTech-Meldung über den Impfstoff eine gewaltige Rotation erfolgte – raus aus Tech, rein in die sogenannten Value-Werte (die jedoch in vielen Fällen eigentlich alles andere als „value“ sind). Man wechselt also von einer Überbewertung in die andere, und dabei entfernen sich die Aktienmärkte immer mehr von der ökonomischen Realität.

Aktienmärkte: Nach dem Entschärfen der Bombe kommt die Erholung

Der Hype der Aktienmärkte, so Hans Bernecker, sei vor allem von Kleininvestoren getragen gewesen (die sogenannten „Robinhooder“). Das alles erinnert an die Euphorie des Jahres 1987, der dann im Oktober diesen Jahres ein gewaltiger, wenn auch nur kurzfristiger Absturz folgte. Nun aber gebe es eine Schwachstelle: das seien extrem überbewertete Aktien wie eine Tesla mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 500 Milliarden Dollar, die nun ein großer Hedgefonds-Manager geshortet habe. Es werde nun, so Bernecker, bald eine heftige Marktbereinigung geben bei den großen und marktschweren Titel der amerikanischen Aktienmärkte, die alleine acht Billionen Dollar auf die Waage bringen.

Wann kommmt der Einbruch? Eher zeitnah, meint Bernecker. Es handele sich dabei um eine Markt-Bereinigung, der dann jedoch wieder eine Aufwärtsbewegung folgen werde. Sehen Sie hier die Aussagen des „Altmeisters“ Bernecker:

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Die überbewrteten Aktienmärkte der USA als Bombe, die bald entschärft wird

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