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Extreme Positionierungen an den Märkten!

Die "Investment-Herde" sitzt im selben Boot - das geht solange gut, bis es nicht mehr gut geht..

Die derzeitige Positionierung an den Märkten ist laut COT-Daten, die die Positionierungen von Tradern an den Future-Märkten erfassen, extrem einseitig – und erreicht teilweise, gerade was US-Staatsanleihen betrifft, neue Allzeitrekorde. Und das in einem Umfeld, das durch die Krisen der Emerging Markets-Währungen ohnehin als „nervös“ bezeichnet werden kann.

Offenkundig ist die Grundannahme der „Investment-Herde“ im Vorfeld des Fed-Protokolls am Mittwoch und der Rede von Fed-Chef Powell am Freitag in Jackson Hole, dass die Fed auf ihrem Zinsanhebungskurs bleiben wird und die Reduzierung der Bilanzsumme der Notenbank planmäßig weiter geht. Vieles spricht ja dafür – angesichts der aktuellen Lage in den USA mit steigender Inflation und einer durch die US-Steuerreform latent überhitzender US-Wirtschaft ist der Spielraum für die Fed sehr viel kleiner, als er noch im Jahr 2013 war, als die US-Notenbank mit Rücksicht auf die Schwellenländer von einer Straffung der Geldpolitik noch Abstand genommen hatte.

Dass die Fed diesmal „ihr Ding durchzieht“ – genau darauf wird nun geradezu massenhaft spekuliert. Das wird zunächst sichtbar in den Positionierungen im US-Dollar, die nun so bullisch sind für den Greenback wie seit 20 Monaten nicht mehr. Erstmals seit Mai 2017 besteht etwa kein Überhang mehr an Long-Positionen im Euro zum Dollar – hier haben viele mit dem Rückgang des Kurses der Gemeinschaftswährung wohl die Reißleine gezogen. Aber auch gegenüber allen anderen wichtigen Währungen ist die Positionierung nun „pro Dollar“.

Besonders auffallend sind aber die Short-Quoten auf US-Anleihen, die bei der 10-jährigen US-Anleihe sowie bei der Anleihe mit der längsten Laufzeit, die die USA begeben, der 30-jährigen Anleihe, auf neue Allzeithochs gestiegen sind in dieser Woche (die Ermittlung der COT-Daten erfolgt immer am Dienstag, ist also knapp eine Woche alt, die Daten werden dann am Freitag veröffentlicht). Wer eine Anleihe shortet, erwartet einen Anstieg der Renditen, geht also davon aus, dass die „Zinsen“ weiter steigen für US-Anleihen. Genau das aber ist – trotz der stark steigenden US-Verschuldung und dem immer höheren Emissionsvolumen von US-Anleihen, um diese Verschuldung zu refinanzieren – nicht passiert: so notiert die 10-jährige Anleihe bei 2,85% und bewegt sich seit Wochen eher wenig von der Stelle.

Nun ist es an den Märkten häufig so, dass die Mehrheit auf dem falschen Fuß erwischt wird mit ihrer Spekulation, auch und gerade weil diese Spekulation so furchtbar logisch erscheint (in diesem Fall: dass die Renditen für US-Anleihen steigen). Da die US-Staatsanleihen als sicherer Hafen gelten, könnten neue Turbulenzen – ausgelöst durch Tumulte in Sachen Schwellenländer oder durch andere Faktoren) – zu einer Flucht in sichere Häfen führen, als die bekanntlich (ob zurecht oder unrecht) US-Staatsanleihen gelten. Faktisch ist eine extrem einseitige Positionierung immer ein Risikofaktor, weil eine Stoploss-Lawine droht, wenn sich der Markt doch unvorhergeseneherweise in die entgegengesetzte Richtung entwickelt als die Spekulanten erwarten.

Das gilt auch und gerade für den VIX, also die als Future handelbare Volatilitätserwartung für die S&P500-Aktien in den nächsten 30 Handelstagen. Bekanntlich war es der Schiffbruch der lange Jahre ausgeübten Praxis, dass die Volatilität stets fällt, die einen Flash-Crash an den US-Aktienmärkten Anfang Februar ausgelöst hatte – Short-VIX-Positionen mußten damals in großem Umfang liquidiert werden und verstärkten damit den Abverkauf an den US-Aktienmärkten (der Dow Jones verlor in wenigen Minuten damals 800 Punkte). Nun aber liegt aktuell die Short-Quote im VIX so hoch wie seit neun Monaten nicht mehr – ein Anstieg der Volatilität wäre also wieder der Weg des größten Schmwerzes für viele Spekulanten! (Hinweis: die genauen COT-Daten sehen Sie hier bzw. können Sie sich diese Daten dort auch herunterladen).

Die COT-Daten sowie die derzeitige Lage an den Märkten diskutieren die Saxo-Banker Peter Garnry, John Hardy und Ole Hansen in diesem aufschlußreichen Video:


Die Wall Street mit der NYSE
CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=243386



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