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EZB: Sparkassen sollen ihre (langweiligen?) Geschäftsmodelle überdenken

FMW-Redaktion

Die Sparkasse um die Ecke betreibt (ganz grob zusammengefasst) das langweilige Bankmodell „Geld von Sparern annehmen und als Kredit an andere Kunden herausreichen“. Die EZB, die das Nullzins-Umfeld eingeführt hat und dafür alleinig die Verantwortung trägt, rät den Sparkassen und sonstigen kleinen Banken in Deutschland jetzt dazu ihre Geschäftsmodelle zu überdenken bzw. anzupassen. Sie hätten bisher nichts geändert.

ECB Board Members 2015
EZB-Direktor Yves Mersch. Foto: EZB

Wenn die Zinsmargen (verursacht durch das Nullzins-Umfeld) weiterhin so niedrig blieben, solle man seine Geschäftsmodelle überdenken, so sagte es gestern EZB-Direktor Yves Mersch bei einer Rede vor dem Bayerischen Sparkassenverband. Es geht also auch darum neue Einkommensquellen zu erschließen, womit die Großbanken bereits begonnen hätten. Da Mersch ja direkt vor den Sparkassen-Vertretern redete, darf man annehmen, dass er auch sie damit ansprechen wollte. Aber wie stellt sich Herr Mersch das vor, fragen wir uns. Ist es nicht gerade das „langweilige“ Geschäftsmodell von Sparkassen und Volksbanken, das als solide Basis der deutschen Bankenlandschaft dient? Sollen Sparkassen jetzt auch ins „Investment Banking“ einsteigen und anfangen Kreditpakete um den Globus zu jagen? Zitat Yves Mersch:

„Wenn die Zinsmargen über einen längeren Zeitraum niedrig sind, gilt es, Geschäftsmodelle zu überdenken. Das heißt, beispielsweise, andere Einkommensquellen zu erschließen. Die Großbanken haben damit bereits vor geraumer Zeit begonnen. Aber die Landesbanken, die an sich ein ähnliches Geschäftsmodell fahren wie die Großbanken, verzeichnen weiterhin einen hohen Anteil an margenarmem Interbankengeschäft. Das mindert auch die Möglichkeiten, Eigenkapital aufzubauen. Und die kleineren und regionalen Banken haben in den vergangenen 50 Jahren ihr Geschäftsmodell praktisch gar nicht angepasst. Sie setzen weiterhin auf einlagenfinanzierte regionale Kreditvergabe an Haushalte und Unternehmen.

Noch spielen die kleineren Banken, speziell die Sparkassen, eine wichtige Rolle für die Finanzierung des Mittelstands. Nicht nur hier in Deutschland, sondern in Europa generell. Aber es ist nicht ausgemacht, dass dies auch so bleiben wird. Nicht zuletzt deswegen, weil die Großbanken ihre Strategie angepasst haben. Sie fahren Investmentbankaktivitäten zurück und konzentrieren sich verstärkt auf das Firmenkunden-und Retailgeschäft. Damit wird der Wettbewerb schärfer. Die Stabilität des Sparkassensektors ist nicht in Stein gemeißelt.“

Mersch verweist auch auf den eigentlich gesunden Umstand, dass der Anteil der kleinen Banken in Deutschland mit dem (langweiligen?) Einlagen- und Kredit-Geschäft am Gesamtmarkt deutlich größer ist als in anderen Ländern in Europa. Während in anderen Ländern die großen systemrelevanten Banken 80-85% Anteil an der Bilanzsumme des Bankensektors hätten, läge dieser Anteil in Deutschland nur bei 65%. Das ist eigentlich ein Grund um ruhiger schlafen zu können, da sich das Risiko so auf viele einzelne Institute verteilt. Aber die Aussagen von Mersch sind fast schon als Warnung zu verstehen: „Die Zinsen werden weiterhin lange bei 0 bleiben, also seht zu, dass ihr euch was einfallen lasst – z.B. Kostenreduzierung“.

Zur Ertragslage der Banken sagte Mersch:

„Wenn sich das Umfeld so entwickelt, wie die Banken erwarten, nähme ihre Profitabilität vor Steuern in den kommenden drei Jahren um etwa ein Viertel ab im Vergleich zu 2014. Und das, obwohl die Rahmenbedingungen in Deutschland derzeit vergleichsweise günstig sind und die Institute angeben, dass sie ihre Kosten senken wollen. Unter der Annahme eines negativen Zinsschocks von 100 Basispunkten würden die Erträge sogar um 60% bis 75% schrumpfen. Noch ist die Ertragslage der kleineren und mittelgroßen Institute und damit auch der Sparkassen solide. Mittelfristig sehe ich allerdings Risiken, wenn langfristige Kredite zu sehr niedrigen festen Zinsen vergeben werden. Wie in der übrigen Währungsunion sinkt auch in Deutschland die Zinsmarge.“

Welche neuen Geschäftsfelder die kleinen Banken wie die Sparkassen konkret erschließen sollen um die verschwindende Zinsmarge aufzufangen, hat Yves Mersch nicht verraten. So oder so: Neben Einlagen- und Kreditgeschäft bleibt ja nur die Möglichkeit brutal Kosten zu sparen und/oder mehr ins Risiko zu gehen. Wie wäre es z.B. mit der Vergabe von Schrottkrediten an Schrottfirmen? Balancieren mit Kreditpaketen wie die großen Banken in der Finanzkrise? Investments in riskante Immobiliendeals? Die Möglichkeiten sind grenzenlos…

Auch hat Yves Mersch noch ein Trostpflaster für die deutschen Sparer mitgebracht. Wie es die EZB letztes Jahr schon einmal erwähnte, argumentiert er jetzt erneut, dass der deutsche Sparer doch gut dastehe. Rechnet man zu den fast Nullzinsen auf Spareinlagen die gestiegenen Immobilienpreise der letzten 5 Jahre dazu, hätte der deutsche Kapitalanleger im Schnitt in den letzten 5 Jahren eine gute Rendite erzielt. Tja, dumm nur für alle, die keine Immobilie haben, sondern nur ein paar Groschen auf dem Sparbuch. Zitat:

„Auch gab es in der Vergangenheit immer wieder Phasen mit negativen realen Zinserträgen; z.B. zu Beginn der 2000er Jahre und während der jüngsten Finanzkrise, aber auch in den 1970er und Anfang der 1990er Jahre – damals allerdings bei deutlich höheren Inflationsraten. Rechnet man das Vermögen aus Wohnimmobilien hinzu, haben deutsche Haushalte wegen gestiegener Immobilienpreise in den vergangenen fünf Jahren sogar eine höhere Rendite erzielt als in den letzten fünf Jahren vor der Finanzkrise.“



Quelle: EZB



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