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EZB-Vize Constancio hat Humor: nur „ein klein wenig Überbewertung“

Von Markus Fugmann

Der Vize-Präsident der EZB Constancio ist offenkundig ein Mann mit subtilem Humor. Auf der Konferenz zum ersten Geburtstag der europäischen Bankenaufsicht SSM sagte Constancio, dass es keine generelle Überbewerutng an den Märkten gebe. Nur in einigen Bereichen gebe es „ein klein wenig Überbewertung“. In welchen Bereichen „ein klein wenig Überbewertung“ existiert, verschwieg der Portugiese bei seinem Vortrag allerdings.

„Ein klein wenig Überbewertung“ etwa könnnt man bei Staatsanleihen der Eurozone konstatieren – so zahlen Investoren derzeit sogar Zinsen (und bekommen keine), wenn sie italienische Staatsanleihen mit einer Laufzeit bis zwei Jahre kaufen, französische bis drei Jahre etc. etc. Das ist ncihts anderes als eine gigantische Überbewertung aufgrund des Glaubens, dass die EZB die Staaten schon „ausbailen“ werde, wenn es einmal eng wird. Die EZB verzerrt also die Märkte durch ihre Politik selbst und sorgt so für teilweise bizarre Bewertungen, die mehr sind als nur „ein klein wenig Überbewertung“. Das gilt im übrigen auch für den Markt für Covered Bonds, der aufgrund des geringeren Volumens durch die Käufe der EZB noch stärker manipuliert und verzerrt ist. Jeden Monat kauft die ETB Covered Bonds im Umfang von 10 Milliarden Euro.

Da klingt es fast wie Hohn, wenn Constancio in der „Jagd nach Renditen“ das größtte Stabilitätsrisiko sieht. Da Renditen aufgrund der Politik nicht nur der EZB, sondern auch anderer Notenbanken faktisch nicht mehr zu erzielen sind, bleibt vielen Investoren ebennichts anderes übrig, als eben nach den mickrigsten Renditen zu jagen. Die EZB ist damit auch hier die Quelle des Risikos, weil sie diese Renditejagd durch ihre Nullzinspolitik geradezu anheizt.

Und Constancio weiter: „Manchmal müssen Zentralbanken unabhängig von den Märkten sein. Zentralbanken haben nicht die Pflicht, den Märkten zu folgen“. Vielmehr müssten Zentralbanken führen und ihre Entscheidungen gemäß den Daten treffen. Nun kann man sicher eines nicht behaupten: dass sich die Märkte nicht von der EZB führen ließen. Es ist das Verhältnis Dealer zu Junkie – sobald Draghi den Mund aufmacht, läuft den Drogensüchtigen das Wasser im Mund zusammen. Manchmal fordert der Süchtige mehr Drogen – und der Herr und Meister aus Rom ist gnädig und gewährt es.

Denn eines ist klar: aufgrund irgendwelcher wirtschaftlicher Gründe müsste die EZB nicht im Dezember ihr QE ausweiten. Die Daten aus der Eurozone sind überwiegend robust, zeigen zyklische Erholungstendenzen. Der EZB aber geht es faktisch darum, den Euro weiter zu schwächen – das ist einer der entscheidenen Faktoren ihrer Erfolgsmeldung, die sie gestern in einem Jubel-Bericht über ihr QE gegeben hat (siehe dazu unseren Artikel „Die EZB läßt die Katze aus dem Sack – und zeigt, worum es ihr wirklich geht!“).

Abschließend noch eine heutige Aussage von Constancio: die Geldpolitik müsse die Wirtschaft in Schwung bringen. Über die Wirtschaft aber hören wir von der EZB immer weniger – die ist nämlich offenkundig mehr ein Nebenprodukt ihre Bemühungen..



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4 Kommentare

  1. „noch ein wahrer europäer“ … :)

  2. sollte die ezb im dezember das friedensangebot der boj von letzter woche ignorieren, eskaliert der „währungskrieg“, mal sehn wieviel pulver noch da ist …

    1. „We can guarantee cash, but we cannot guarantee purchasing power!“ (Alan Greenspan)

      Pulver ist soviel da, wie es am Ende keiner mehr ertragen können wird – dann fehlt nur noch das Feuer an der Lunte zum großen Knall.

      1. ich meine das pulver der ezb, gegenüber den anderen zentralbanken (rein rechtlich gesehen)

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